Betreut von Anufa
Göttereintopf zum Sabbat??   Teil II

Weil mir die Thematik gerade wieder einmal, in zweifacher Form, untergekommen ist, möchte ich mich heute einmal mehr mit der Thematik „Götter in der Craft“ beschäftigen.

Ein kleiner genereller Ausflug in die Grundlagen von Tradition

Jetzt kommt es aber in unserer Kultur (leider) ziemlich oft vor, dass wir „traditionslos“ unterwegs sind. Damit meine ich, dass viele ihren Glauben, ihre Spiritualität nicht innerhalb der Familie kennen und praktizieren lernen sondern sich jeden Brösel davon selber erarbeiten, irgendwo zusammensuchen oder neu entdecken müssen. Meiner Ansicht nach finden gerade im Neuheidentum die Menschen genau deshalb keinen Boden unter den Füßen, auf dem sie sicheren Stand hätten (meine Erklärung für das „Phasenheidentum“ aber das wäre wieder ein ganz anderer Artikel). Aus dem Jammer eine Mode zu machen heißt dann wohl, auf der einen Seite entweder alles unbedingt neu erfunden, selber gemacht und innovativ zusammengeschustert haben zu müssen oder auf der anderen in einer uuuralten, streng geheimen Tradition adoptiert, aufgenommen oder eingeweiht sein zu müssen. Zweiteres um zu kompensieren, dass es eben zusammengesucht, neu ge- oder erfunden ist, was an System erkennbar ist.
Das ist nur natürlich, weil es ja kaum eine Tradition gibt, in der mensch von klein auf Dinge durch das reale, tägliche Leben in genau dieser Tradition mitbekommen hätte können. Jeder noch so einfache Handgriff muss bewusst gemacht/etabliert, jeder kleinste Gedanken gedacht/reflektiert werden, jedes entstehende Ritual auf Alltagstauglichkeit überprüft und jede Selbstverständlichkeit quasi auf diese Tradition bezogen werden. Unter Umständen wird das dann aber ein bunter Kuddelmuddel, der zwar Ergebnisse bringt, mit denen keiner gerechnet hat und die auf Dauer meist auch noch unbefriedigend ausgehen, weil grundlegende Bedürfnisse einfach nicht erfüllt wurden. Wie sollte mensch auch Grundbedürfnisse, die in der heutigen Gesellschaft kaum angesprchen werden, vielfach, weil sie durch Konsum, Geld, Status und Haben nicht befriedigbar wären, aus sich heraus finden?
Dieser unangenehme Outcome ist für mich nicht unerwartet, weil es meist der Fall ist, dass keiner damit rechnet, überhaupt erst einmal die eigenen Grundbedürfnisse sichten und greifbar machen zu müssen, damit diese – endlich gefunden und verstanden - dann danach auch noch in einem noch nicht vorhandenen System befriedigt werden können. Wenn ich nur daran denke, wieviele Leute ich kenne, die real mehr als unzufrieden sind und keinen blassen Tau davon haben, warum das so ist … wird mir schon ganz schwummerig.

Damit zeigt sich auch schon recht deutlich, was ich als „Tradition“ ansehe – ein System in dem mensch lebt und auch holistisch sinnvoll leben kann.
Mein ganz persönlicher Zugang dazu ist, dass dieses System so allumfassend wie möglich sein sollte. Ich mag es nicht, wenn es Erscheinungen des täglichen Lebens gibt, die in meinem System nicht vorkommen, diesem widersprechen oder querlaufen. Die Lösung ist für mich dann, mein System zu verändern und nicht mir die Realität „schön zu reden“ oderzurecht zu biegen - weil es ja darum geht ein Lebenssystem zu etablieren und nicht Realität zurecht zu erklären!

Der Vorteil von bestehenden Traditionen/Systemen liegt für mich damit klar auf der Hand: diese Systeme sind durch den Gebrauch schon abgeglichen/ausgereift und decken zumindest die menschlichen Grundbedürfnisse bereits halbwegs verlässlich ab. Aber auch diese Traditionen (sofern sie nicht durchgehend in der eigenen Lebensumgebung gelebt wurden!) müssen an heutige Anforderungen und lokale Gegebenheiten angepasst werden. Die Frage ist dann „nur mehr“ was woran wie angepasst werden muss um wieder in die persönliche Lebensrealität zu passen und die eigenen Grundbedürfnisse zu erfüllen …


Wer ist denn … die Oma?

Damit sind wir wieder beim Thema. Eines dieser menschlichen Grundbedürfnisse ist beispielsweise sich mit dem „wo komme ich her/gehe ich hin“ zu beschäftigen und damit, wie die Welt aufgebaut ist und funktioniert. Ein zweites, dem ich oft begegne, ist die Hoffnung oder die Suche nach Sicherheit, Heimat und Gemeinschaft.
Mit dem zweiten Punkt kommen wir in die Gegend der Oma …
In meiner Welt gibt es das, was ich das „All-Eine“ nenne. In Kurzfassung (eine längere findet sich im Teil I) ist das die Einheit aus allem was je existiert hat, existiert und je existieren wird. Daraus ergeben sich viele Schlüsse, die sich der üblichen menschlichen Logik der Fakten mehr oder minder völlig entziehen. Damit gibt es quasi „real/objektiv“ keine Zeit als solche, weil ja alles quasi gleichzeitig stattfindet und zwar explizit alles. Und schon haben meine Gehirnwindungen wieder einen Knopf … schlimmer als bei jedem Koan. Mit diesem All-Einen ist es mir nicht möglich sinnvollen und vor allem befriedigenden Kontakt aufzunehmen, weil ich nicht in der Lage bin es zu erfassen. Deshalb spricht quasi dieses All-Eine durch Götter und Wesenheiten mit mir, durch Elemente, durch Naturwesen, Pflanzen, Tiere und auch Menschen. Die stofflich greifbaren Wesen sind relativ einfach zu identifizieren bei den anderen ist es nötig sich das Handwerkszeug erst zu erarbeiten. Auf der anderen Seite geht es aber auch jedem Neugeborenen so und deshalb fände ich es mehr als interessant, bei nicht-stofflichen Wesen keinerlei Lernen als nötig zu betrachten.


Wie könnte dieses Lernen also aussehen?

Am sinvollsten erscheint es mir, nach dem Modell „jeder macht´s als Baby“ vorzugehen. Wenn ich mir ein Setting geschaffen habe, das in meinen Augen sicher und geschützt ist, dann stelle ich erst einmal fest, wer dort zugegen ist. Günstig ist dabei natürlich schon ein vorbereitetes Setting zu haben – wo wieder die Tradition ins Spiel kommt. In unserem Fall stehe ich in einem Kreis, in den jemand, der das auch beherrscht, Wesenheiten gerufen hat. So wie sich aus dem Arm der Mutter heraus die Welt halbwegs sicher erkunden lässt …
Sofern ich keinen Zugang zu Praktizierenden habe, dann kann ich mir die Grundlagen durchaus auch anlesen und langsam selber aufbauen, was ich ansonsten bereitgestellt bekomme. Es gibt natürlich auch den Fall in dem sich Wesenheiten einfach vorstellen, ohne dass man selber auch nur irgendwas dazu beigetragen hat (und das nicht nur in „natürlicher/wilder“ Umgebung).

Je mehr ich dabei aber auf mich allein gestellt bin, desto höher liegt das Gefahrenpotential in Richtung „Irrläufer“. Genauso wie bei Tieren und Pflanzen kann es durchaus passieren an etwas Giftiges zu kommen und genau dieselbe Vorsicht ist dabei im nicht-materiellen Bereich nötig. Wer geht einfach so auf, egal welche, Wiese und in jeden Wald und ist in der Lage, sich dort eine Mahlzeit zusammenzustellen (ohne darin unterrichtet worden zu sein oder einen Tutor an der Seite zu haben), die ihm wirklich gut tut? Genauso ist es in meinen Augen, einfach ohne Vorkenntnisse in den Wald reinzurufen, dass halt irgendjemand rauskommen soll ...


Ende Teil II


Anufa


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