Pagan und Wicca beim Militär    Teil V

Etwas andere SoldatInnen in den USA - Pagans ("Heiden") und Wicca sind in Nordamerika die am schnellsten wachsenden Religionen. Auch in der Armee gibt es viele AnhängerInnen von Überzeugungen jenseits der monotheistischen (Männer-)Religionen. Das Personaldatensystem der U.S. Air Force MilMod hat bereits 2001 in einer revidierten Ausgabe Dianic Wicca, Druidentum, Gardnerian Wicca, Seax Wica, Pagan, Schamanismus und Wicca aufgeführt. Im Handbuch für Militärkaplane ist Wicca ebenfalls erwähnt, wobei Regeln für den Umgang mit Wicca und Pagan-SoldatInnen vermittelt werden.orspann


In anderen Ländern ist Pagan und Wicca beim Militär (noch) kein Thema. Zwar ist in Österreich Pallas Athene die Schirmherrin der Landesverteidigungsakademie, man versteht unter Militärseelsorge aber Christentum, Islam und Judentum. Neu hinzugekommen ist ein
Angebot für orthodoxe ChristInnen, ein entsprechender Vertrag mit dem Verteidigungsministerium wurde kürzlich unterzeichnet. Die katholische Militärseelsorge beschreibt ihre Aufgaben auf der Webseite des Heeres unter anderem so: "Die Militärseelsorge ist in ihrer Arbeit mit wachsender Entfremdung vom christlichen Glauben und kirchlichen Leben konfrontiert. Vermehrte religiöse Indifferenz und weltanschauliche Pluralität ist festzustellen. Wir sehen die Tatsache, dass viele Menschen die kirchliche Gemeinschaft verlassen, das Ansteigen anderer Religionen sowie Menschen, die ohne religiöse Bindung sind.

Eine durch Auswahl selbstgeformte Weltanschauung bzw. ein selbstgeformtes Gottesbild (Privatreligion) nehmen innerhalb der Gesellschaft zu. Neben oftmals rudimentären christlichen Elementen im Alltagsleben vieler Menschen sehen wir außerhalb der kirchlichen Gemeinschaft das Anhängen an quasimagische Vorstellungen, eine Rückkehr zu einer Art Naturreligion, die Aufsplitterung in religiöse Sondergemeinschaften, letztlich die Gefahr von Sektenbildung bis hin zu okkulten Praktiken. Dem gegenüber sehen wir ein vermehrtes Bedürfnis nach religiöser Orientierung, eine Sehnsucht nach dem Mythischen."

Sofern "Sektenbildung" wirklich gefährlich ist, wird übrigens auf der Landesverteidigungsakademie darüber informiert. Da hier aber vorchristliche Überzeugungen nicht als Konkurrenz betrachtet werden, verwechselt man Pagan und Wicca auch nicht mit der Umkehrung des Christentums, dem Satanismus. Es kann schon mal vorkommen, dass ein Experte für Schamanismus und Pionier der Parapsychologieforschung wie Stanley Krippner aus den USA in der Akademie zu Gast ist. Ansonsten existieren Pagans und Wicca als vernetzte, aber kaum sichtbare Community, an die man etwa beim WurzelWerk andocken kann. In den USA gibt es längst einen Pride-Day entsprechend der Pride im Bereich LBGT (natürlich gibt es auch Pagans und Wicca unter den Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgenders, weil sie wie Heterosexuelle gerne sündenfreie Sexualität genießen).

Der pagane Zugang zum Militär mag für jene sehr gewöhnungsbedürftig sein, die entweder (als SoldatInnen und BeamtInnen) annehmen, dass "man" doch wenn, dann ChristIn sein sollte (oder einer anderen monotheistischen Religion gehört). Ebenso aber auch für Pagans und Wicca, die meinen, man müsse absolut gewaltfrei agieren und eher Rituale durchführen, in denen man Kräfte mobilisieren will, die alles zum Friedlichen wenden. Sie werden mit der Identität der Kriegerin oder des Kriegers wenig anfangen, da sie sich dann an GöttInnen wie Morrighan, Puschkajt oder Svantevit wenden müssten (wobei nicht nur die beiden slawischen Götter zugleich auch für die Liebe zuständig sind). Dass aus pantheistischer Sicht alles heilig ist, bedeutet aber auch, dass man das Recht hat, sich selbst und andere zu verteidigen, Menschen und die Natur zu schützen.

Es gibt die begrenzte Sicht einer katholisch geprägten konservativen Männergesellschaft nicht, dass ein Mann erst dann ein Mann ist, wenn er mit der Waffe umgehen kann. Wie im Gebet für die Seele des Kriegers und der Kriegerin (siehe weiter oben) geht es um die Haltung, die ein Mensch einnimmt, die Bereitschaft, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu kämpfen. Diese werden als gleichberechtigt betrachtet, auch wenn man(n) sein Hirn einsetzt, statt zur Waffe zu greifen. Man(n) kann sich auch am keltischen Gott Cernnunos orientieren, der mit Hirschgeweih auf dem Kessel von Gundestrup abgebildet ist, und daraus Kraft beziehen. Pagan und Wicca befreit von "monotheistischer" Passivität, denn es geht darum, selbst zu handeln und ohne Angst vor Sünde an einen fernen Gott zu delegieren, mit dem nur eine Priesterkaste in Verbindung steht. Denn alles ist letztlich eines und hängt mit allem zusammen....

Die "Arten von Naturreligionen" oder "Privatreligionen", die der Militärbischof fürchtet, bauen keineswegs nur auf Unzufriedenheit etwa mit der katholischen Männerkirche auf, in der mehr als 300 Seelsorger gerade den Aufstand proben. Deren Forderungen sind sicher berechtigt bezogen auf das Christentum und erinnern in vielem an die Kritik, die einst Martin Luther und andere artikulierten. "Privatglaube" ist im Grunde ja auch das Bekenntnis zu monotheistischen Religionen, doch von solcher Spitzfindigkeit abgesehen orientieren sich Pagan und Wicca an neuen Parametern.

Es geht dabei darum, welche Vorstellungen und Bilder wir von uns und der Welt und davon haben wollen, wie wir mit Herausforderungen umgehen. Dabei können wir an die Jungschen Archetypen anknüpfen und uns durch Überlieferungen über Göttinnen und Götter oder über Frauen und Männer inspirieren lassen, die ihren Weg auch unter Schwierigkeiten gingen. Der spirituelle Pfad ist ebenso wenig die Instant-Erleuchtung wie der Besuch eines katholischen Gottesdienstes von der Verantwortung für den eigenen inneren Reifeprozess befreit. Bezogen auf das Militär macht es einen fundamentalen Unterschied, sich selbst und andere als KriegerIn sehen zu können, was besonders den Umgang mit Frauen verändert, aber auch mit Männern, die keinen Militärdienst leisteten...

Die Zeiten der Alten Religionen sind auch bei uns noch nicht so lange vorbei. Wir finden ihre Spuren nicht nur im Brauchtum und in christlichen Feiertagen, denn sie haben sich etwa in der Bretagne, in Irland (ins Christentum integriert), auf den Kanarischen Inseln oder im Baltikum sehr lange erhalten. Ein Gebiet des heutigen Kroatien wurde einmal Pagania genannt, well sich die Menschen nicht taufen liessen. Der Sieg paganer Piraten über die Flotte Venedigs wird jedes Jahr gefeiert. "Pagan Countries" waren einige slawische Länder bereits vor dem Zweiten Weltkrieg im Sinne von neopaganen Bewegungen. Andere Kulturen kennen Frauen als Priesterinnen und Königinnen, beispielsweise in Afrika, und in Indien wurden wehrhafte Prinzessinnen wie Rani Lakshmi Bai hymnisch verehrt. Das mag jenen Menschen auf ihrem spirituellen Weg wenig gefallen, die am liebsten immer alles in weisses Licht hüllen und Engelkarten legen würden, aber so sieht die Welt abseits der anerzogenen "christlichen Passivität" für das "gewöhnliche (besonders das weibliche) Volk" nun einmal aus...


Pagan Pride Day Austria (23.9.2011, Wien, Heldenplatz)


Alexandra Bader


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