Pagan und Wicca beim Militär    Teil IV

Etwas andere SoldatInnen in den USA - Pagans ("Heiden") und Wicca sind in Nordamerika die am schnellsten wachsenden Religionen. Auch in der Armee gibt es viele AnhängerInnen von Überzeugungen jenseits der monotheistischen (Männer-)Religionen. Das Personaldatensystem der U.S. Air Force MilMod hat bereits 2001 in einer revidierten Ausgabe Dianic Wicca, Druidentum, Gardnerian Wicca, Seax Wica, Pagan, Schamanismus und Wicca aufgeführt. Im Handbuch für Militärkaplane ist Wicca ebenfalls erwähnt, wobei Regeln für den Umgang mit Wicca und Pagan-SoldatInnen vermittelt werden.orspann

Die New York Times berichtete 2009, dass Paganismus besonders bei Militärs und AkademikerInnen boomt: "From academia to the military, in the person of chaplains and professors, through successful litigation and online networking, Paganism has done much in the last generation to overcome its perception as either Satanism or silliness." Die Soziologin Helen A. Berger, die in Sachen Pagans und Wicca forscht, geht davon aus, dass zwischen 500.000 und eine Million AmerikanerInnen "NeuheidInnen" sind. 2001 gab es Zahlen von 134.000 Wicca, 33.000 AnhängerInnen des Druidentums und 140.000 Pagans.

Am Paganismus ist an sich nichts Neues, erklärt die New York Times, denn besonders in der christlichen Tradition beruht der religiöse Kalender auf alten Pagan-Festen. Im Westen wurde Polytheismus aber als überholt betrachtet, man hielt Monotheismus für das reifere Konzept, bis Glaube überhaupt von der Wissenschaft in Frage gestellt wurde. In den USA sind jedoch immer mehr Menschen so "atavistisch", sich auf Vorchristliches zu besinnen. Freilich sind sie nicht so sichtbar wie monotheistische Religionen, da sie keine gemeinsame Struktur aufweisen: "In several ways, though, Paganism was waiting for modernity to catch up with it. The emphasis on the worship of nature in virtually all variations of Pagan faith, and the embrace of a female divinity in many, situated the religion to mesh with the environmental and feminist movements that swept through the United States in the 1970s."

In jener Zeit setzten sich Wicca-Gruppen für Steuerfreiheit ein analog zu anderen Religionen. Schließlich wurde Wicca im Handbuch für Militärkaplane beschrieben und ist Gegenstand zahlreicher populärer Buchveröffentlichungen. Auch Harry Potter und Co. haben für einige Aufmerksamkeit für andere gesorgt, doch zur Anerkennung in den USA hat vor allem eine Auseinandersetzung vor Gericht beigetragen. Americans United for Separation of Church and State haben für Circle Sanctuary und die Witwen gefallener Soldaten beim Department of Veterans Affairs das Recht von Wicca-Soldaten durchgesetzt, das Pentagramm auf Grabsteinen zu tragen.


Carl McColman verweist auf das MPN, das von mehr als 1000 Angehörigen der Air Force spricht, die sich als pagan bezeichnen. Diese Aussage beruht auf einer Dokumentation der Air Force selbst. John Machate vom MPN meinte in einem Interview, dass es mindestens 10 pagane Familien oder Individuen auf jeder mittleren Militärbasis gibt. Wenn man bedenkt, wie viele Basen auf der ganzen Welt bestehen, kommt man auf etwa 300.000 Pagans, Familienangehörige mitgerechnet. Für Colman, Autor zu paganen Themen, stellt die Frage, ob "Pagans in Uniform" einen signifikanten Trend bei der Weiterentwicklung dieses spirituellen Pfades darstellen:

"Will the Earth spirituality of the 21st century be shaped by aging hippies, or by a younger brand of Pagan who takes pride in being a warrior and who sees no contradiction between reverence for the land and service to one's country?" Barbara Ardinger (Autorin von Finding New Goddesses) meint, dass Paganismus und Pazifismus eng miteinander verbunden sind, denn: "The destruction caused by war is unspeakably devastating - to ordinary people, to our so-called civilization, to our mother planet." Der Druide Isaac Bonewits schrieb 1988 einen Essay mit dem Titel "Warriors and Soldiers and Cops-Oh My!". Seiner Ansicht nach haben Neopagane, ob sie Wicca, Druiden oder was auch immer sind, keinen Platz im Militär einer modernen Supermacht.

Colman hat den Eindruck, dass solche Haltungen nach 9/11 nicht mehr den "paganen Mainstream" repräsentieren: "Certainly the thousands of Pagans who serve or have served in uniform believe they have a place in the military. Indeed, many would argue that their spirituality helps them to serve with a warrior's honor, not just a soldier's obedience. Military Pagans may be changing the face of the Pagan community, but that trend can move in both ways. Perhaps Pagan warriors will also help to shape the future of the armed forces, in positive and ethical ways that would make their warrior ancestors (not to mention the Gods and Goddesses) proud."


Auf jeden Fall sind Pagans gut vernetzt, denn es lassen sich zahlreiche Newsgroups und Kontaktadressen recherchieren. Immer wieder wird allerdings auf Webseiten verwiesen, die es nicht mehr gibt - so "mainstream" ist es vielleicht doch nicht, mit dem Pentakel für das Pentagon zu arbeiten. Interessanterweise sind aber in England, wo Toleranz gegenüber den Alten Religionen von Natur aus ausgeprägter ist, die "military pagans" weniger präsent als in den USA. Es gibt auch nur Schätzungen, auf die aber etwa in der Auseinandersetzung um die
Anerkennung des Druidentums als Religion von GegnerInnen verwiesen wird.

In Amerika können sich Interessierte und "Betroffene" mittlerweile auch im Buch "Faith and Magick in the Armed Forces" von Stefanie Barner informieren. Die Autorin schildert die Schwierigkeiten, auf die Pagans beim Militär stoßen können, bringt Auszüge aus dem Handbuch für Mllitärkaplane und Vorschläge für Rituale, Zeremonien, Gebete für Einberufung, Kampf und schließlich auch würdiges paganes Begräbnis. Bei About.com wird das Buch so vorgestellt:

"For many people, it's hard to be openly Pagan or Wiccan. Particularly if you live in a conservative area, coming out of the broom closet may not be something you want to try. Few environments, however, are as conservative as the United States military, and for those thousands of Pagans who serve their country's armed forces, there are a special set of circumstances that surround the choice to follow one's spiritual path openly.

Stefani Barner's book, Faith and Magick in the Armed Forces: A Handbook for Pagans in the Military, looks at some of the unique situations that military Pagans and Wiccans may find themselves facing. Barner examines the life of active duty service members, and delves into the needs and requirements of the military spouse and children. Faith and Magick in the Armed Forces is divided into four sections, based upon the traditional witch's motto: To Know, To Will, To Dare, and To Keep Silent. Each section looks at different aspects of the journey of the military Pagan and his or her family.

In To Know, Barner looks at important things to keep in mind, such as knowing one's options and legal rights. She reviews the Army Chaplain's Guide to Wicca, examines the requirements that must be met to form a Designated Faith Group on a military installation, and goes over important things to keep in mind when heading off to basic training. To Will covers in depth the sacrifices that must be made not only by the active duty service member, but by his or family as well.


Particularly in cases of deployment to a combat zone, there are issues faced by military Pagans that the civilian population is simply unaware of. Barner also touches on the sensitive issue of 'willingness to kill,' which is something that any military member, Pagan or not, may be forced to evaluate at some point. The section entitled
To Dare focuses on the myriad of issues that accompany deployment - both for the soldier and for the family members left behind. How to deal with separation, and the return home, are discussed frankly and openly. Finally, To Keep Silent takes an honest and straightforward look about what it's like at the end of the day, when all is said and done, for military Pagans. Barner discusses the ongoing battle faced by Pagans in a decidedly non-Pagan environment."

Barner schließt jeden Bereich mit Zeremonien und Ritualen ab, die von ihren GesprächspartnerInnen stammen. Natürlich geht sie auch auf Kriegsgöttinnen und -götter ein und bietet Kontaktadressen an - zu den StellvertreterInnen auf Erden, würde man etwa in christlicher Diktion sagen. Stefani Barner bringt auch persönlich viel Wissen und Erfahrung ein, denn ihr Ehemann machte Karriere bei der Air Force und war immer wieder im Mittleren Osten eingesetzt. Sie erziehen ihre Kinder in paganer Tradition, sodass ihre Tipps auch bezogen auf die Familien aus der Praxis kommen.

Im Buch berührt sie auch Themen wie Vergewaltigung und sexuelle Belästigung beim Militär, eben die frauenfeindliche "Männer sind halt so"-Mentalität, mit der man sich vor allem in konservativen Institutionen auseinandersetzen muss. Die Autorin selbst zieht den Frieden vor, drückt dabei aber auch Respekt für die aus, die in Kampfeinsätze geschickt werden. Pagan und Wicca können beispielsweise das "Prayer for the Warrior Soul" als Anregung betrachten:

The warrior soul, fighting in spirit,
follows a code of honor and wisdom.

Strength is found not in the arms,
not in the knife, the gun or the sword,
but in the mind and soul.
I call upon the warriors of the past,
those who would stand up and fight,
those who would do what is needed,
those who would make sacrifices on behalf of others,

those who would die that others may live.
I call upon them this night,
to give me strength of heart, soul and spirit.


Ende Teil IV


Alexandra Bader


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