Pagan und Wicca beim Militär   Teil III

Etwas andere SoldatInnen in den USA - Pagans ("Heiden") und Wicca sind in Nordamerika die am schnellsten wachsenden Religionen. Auch in der Armee gibt es viele AnhängerInnen von Überzeugungen jenseits der monotheistischen (Männer-)Religionen. Das Personaldatensystem der U.S. Air Force MilMod hat bereits 2001 in einer revidierten Ausgabe Dianic Wicca, Druidentum, Gardnerian Wicca, Seax Wica, Pagan, Schamanismus und Wicca aufgeführt. Im Handbuch für Militärkaplane ist Wicca ebenfalls erwähnt, wobei Regeln für den Umgang mit Wicca und Pagan-SoldatInnen vermittelt werden.

Ironischerweise wurde Larsen bei der Armee mit Wicca vertraut, nachdem er zuerst als Katholik aufwuchs, dann zu den wiedergeborenen Christen ging, Baptistenprediger wurde und schließlich zu zwei messianischen Kongregationen kam. Er las aber privat bereits sehr viel über den Buddhismus und erfuhr 2005 von Wicca, als er auf den Einsatz als Militärkaplan vorbereitet wurde. Heute sagt er, dass alle Religion einen gemeinsamen Kern haben. Er möchte, weil so viel Unheil im Namen von Unterschieden angerichtet wird, den Rest seines Lebens damit verbringen, Menschen zu ermutigen, selbst "das Licht" zu suchen auf dem Weg, der ihnen passend erscheint.

Für ihn selbst gehören Medidation, die sieben Chakras, das Lesen hebräischer Schriften und die Jahresfeste der Wicca zum Alltagsleben. Ähnlich wie viele andere Menschen stellt er sich das zusammen, was ihm persönlich entspricht, wobei einige nicht so konsequent sind, sich zu etwas anderem als dem Christentum zu bekennen. Larsen teilt allerdings die Skepsis von Wissenschaftern, ob die Invokationen keltischer Göttinnen und Götter wirklich aus alter Zeit überliefert sind. Aber Wicca ist eben so nahe an den Menhiren, heiligen Quellen und Flussgeistern des vorchristlichen Europa, wie man heute nur nahekommen kann.

Das beschriebene Ritual zu Imbolc wurde in einem Steinkreis zelebriert, der hinter der Ranch von David Oringderff anlegt ist. Der pensionierte Militärgeheimdienstler gehört zur texanischen Wicca-Gruppe Sacred Well Congregation, der sich auch Larsen anschloss. Die Vereinigung hat etwa 950 Mitglieder in den USA und versteht sich als intellektuelle Gruppe. Zwischen 1990 und 2001 hat sich die Zahl der Wicca laut American Religious Identification Survey versiebzehnfacht, von 8.000 auf 134.000. Das Pentagon berichtet, dass es 1.511 deklarierte Wicca bei der Air Force und 354 bei der Marine gibt. Zahlen von Army und Navy, die viel mehr Personal haben, sind nicht verfügbar. Mehr als 130 religiöse Gruppen haben vom Staat bezahlte Militärseelsorger, aber man hat Wicca bislang verweigert, auf diese Liste aufgenommen zu werden.

Larsen sollte von der Sacred Well Congregation nominiert werden, doch man behauptete zuerst, dass man keine Kopie seiner früheren Entsendungen hatte, als er für christliche Kirchen arbeitete. Der Wechsel zu einer anderen Religion ist bei mehr als 130, die Seelsorger stellen können, doch wohl kein Problem, aber man verfuhr mit Larsen ganz anders. Die Sacred Well Congregation musste allerdings auch anerkannt werden als Organsation, die entsenden kann.

Für die Armee ist es einfach eine Art persönliches Drama, dass Larsen nicht mehr im Irak dient, er hat halt seine Wahl getroffen, aber man hat ihn keineswegs diskriminiert. Andererseits sagt man auch, es gäbe zu wenig Wicca in der Armee für einen Vollzeitseelsorger. Dabei haben 17.513 Mormonen 41 Kaplane, 4.038 Juden 22 Rabbis, 3,386 Muslime 11 Imame, 636 Christian Scientists 6 Lehrer, und ein buddhistischer Geistlicher kümmert sich um 4.546 Buddhisten. Larsen arbeitet nun als Artillerieoffizier bei der Idaho Army National Guard.
Recht sachlich beschreibt ein Artikel auf military.com Pagans und ihren Kampf um Akzeptanz. Wicca und Pagans werden als ganz normale Menschen dargestellt, die zuerst Katholiken oder Baptisten waren oder schon in der Kindheit ermutigt wurden, sich generell mit Religion zu befassen. Eine Frau bezeichnet sich als Hexe und sagt, dies sei in ihrer Familie Tradition:

"They are Airmen, Sailors and spouses - and they are Pagans. They are also perhaps part of one of the least understood religious minority groups in the U.S. military. They wear pentacles (a circled pentagram) instead of crucifixes as a sign of their faith. They do not believe in the devil and they don’t cast vengeful spells. Their rituals don’t involve sacrifice or blood. At a base that’s 75 percent Christian - a proportion generally found across the military - Misawa’s Pagan community is striving to be treated like any other religious group on base."

Die Gruppe nennt sich Misawa Earth-Based Religions (M-E-R) Study Group und kann direkt angesprochen werden oder man wird auf Yahoo auf sie aufmerksam. Früher wurden die Treffen der M-E-R zusammen mit anderen religiösen Events auf der Misawa Basis bekanntgegeben. Auch auf der Webseite werden sie, anders als andere Gruppen, nicht erwähnt. M-E-R kann sich in einer Kapelle treffen, was jeden Dienstag abend geschieht. Auch andere betonen, dass es nicht darum geht zu entscheiden, ob man die Ansichten von Wicca und Pagans teilt, aber man muss sicherstellen, dass sie die gleichen Rechte haben. Dies wird mit dem First Amendment erklärt, dem ersten Zusatz zur US-Verfassung.

Die Regierung kann keine Religion schaffen, sie darf aber auch niemandem verbieten, sich zu versammeln, um eine Religion zu praktizieren. Wicca und Pagans müssen zwar wie die Angehörigen anderer Glaubenssysteme Ketten mit Symbolen unter der Uniform tragen, dürfen sie aber an Zivilkleidung zeigen. Und das ist den AnhängerInnen wichtig. da sie so auch dazu beitragen, dass irgendwann niemand mehr negative Assoziationen hat. Allerdings tragen sie ihre Überzeugung auch nicht demonstrativ vor sich her, da sie auch Altäre und "typische" Dekorationen zu Hause haben. Es kommt aber darauf an, wie sie ihren Glauben leben und welchen Weg sie beschreiten. “It is obviously going to draw questions. It’s a good thing. If someone wants to know, they’ll ask … and if not, merry part, be on your way", sagt ein Wicca von Misawa. Allerdings haben die Wicca auch schon unangenehme Situationen in ihrer Freizeit erlebt. Manche halten Wicca für böse oder schimpfen über Bücher, die angeboten werden.


Wie sind Pagans und Wicca beim Militär vernetzt? Was macht sie "anders"?

(1.7.2011) Nach Schätzungen gibt es beim amerikanischen Militär bis zu 100.000 Pagans und Wicca, worunter verschiedenste Vorstellungen subsumiert werden. Einige haben sich für die Göttinnen und Götter einer bestimmten Kultur entschieden, etwa der KeltInnen, des Nordens, römisch oder ägyptisch, andere knüpfen bei Glaubenskonzepten der nordamerikanischen UreinwohnerInnen an oder sind PantheistInnen. Beinahe 20 Jahre setzte sich das 1992 gegründete Military Pagan Network für die Anerkennung und Gleichberechtigung "heidnischer" Vorstellungen ein. Man entschied aber, die mit Jahreswechsel 2010/2011 einzustellen.

Dies wurde mit gemischten Gefühlen aufgenommen, war das Netzwerk doch ein Pionier im Kampf gegen Diskriminierung und Mobbing von Militärpersonal, das "erdbasierten Religionen" angehört, wie man die vielen Strömungen zusammenfassen kann. Das MPN informierte das Pentagon und die Militärseelsorger über Vorstellungen und Praktiken von Pagans und Wicca und war wichtige Anlaufstelle für Anwälte, die Opfer religiöser Diskriminierung vertreten. Zum einen haben viele bedauert, dass es das Netzwerk nicht mehr gibt, aber auf der anderen Seite sagten dessen VertreterInnen selbst, dass sie ihre Ziele erreicht haben und nicht mehr gebraucht werden.


Ende Teil III


Alexandra Bader


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