Invokation   Teil I

Ein Thema, das gerade in der Kommunikation mit Göttern oder Wesenheiten, für viele von uns von großer Bedeutung ist. Yvonne Aburrow hat ihre Gedanken zusammengefasst und Anufa die Erlaubnis gegeben, diese fürs WurzelWerk zu übersetzen. Vielen lieben Dank, Yvonne!

Invokation

Warum invozieren wir überhaupt? Wer hat davon einen Vorteil? Ich würde meinen, dass sowohl die Gottheit als auch der Praktizierende selbst davon profitieren (und hoffentlich tun das auch die anderen Covenmitglieder).

Das menschliche Wahrnehmungsvermögen ist begrenzt und örtlich beschränkt auf einen bestimmten Ort zu einer bestimmten Raumzeit, sozusagen auf das „Hier und Jetzt“. Das göttliche Bewusstsein scheint örtlich und zeitlich grenzenlos und damit potentiell unendlich zu sein. Damit profitiert die Gottheit darin, dass sie unser lokales, zeitgebundenes und fokussiertes Bewusstsein betreten können und wir können profitieren indem wir ihr zeitloses, nichträumliches aber vielschichtiges Bewusstsein eintauchen.

Noch ein Vorteil bietet sich durch das Praktizieren der Theurgie. Einige der göttlichen Tugenden können auf uns abfärben.
Im östlich orthodoxen Christentum wird die göttliche Präsenz in die Hostie invoziert, bevor sie an die Kommunizierenden – die dann ihre Gottheit in sich aufnehmen – verteilt wird. Das soll den Vorgang der Theosis nach sich ziehen, was bedeutet, selber göttlich zu werden. Tatsächlich sagte Jesus, „Ich habe gesagt, ihr seid Götter.“ (Der Trick daran ist, sich dessen bewusst zu werden, dass wir Götter sind.)
Eine ähnliche Praxis gibt es im tibetischen Buddhismus. Dabei werden speziell geweihte Pillen unter den Leuten verteilt. Tatsächlich ist unser „Wicca“ Kuchen und Wein ein Echo dieser Idee, indem wir das heilige Mahl weihen und es von Geist durchdringen lassen.

Invokation soll, zumindest in der Theorie, eine Abkürzung zur Theosis sein, weil anstatt Nahrung zu verzehren in welche die Gottheit invoziert wurde, die Gottheit direkt in den Praktizierenden invoziert wird. Eine mögliche Fussangel könnte sein, wenn die Invokation immer mit dem gleichen Typ Gottheit stattfindet, beispielsweise „dunkle“ Göttinnen wie Kali, die Morrigan und so weiter.
Ich kann auch keinen Grund sehen, warum nicht auch in Männer Göttinnen invoziert werden könnten und Götter in Frauen. Deshalb denke ich, dass wir vorsichtig sein sollten, nicht zu typbezogen zu werden. Wer immer nach einem bestimmten Typ an Gottheit strebt, bei dem könnte es nötig sein sich Gedanken zu machen, warum und zu versuchen das mit anderen Typen auszugleichen. Später in diesem Artikel werde ich von einer buddhistisch-tantrischen Praxis erzählen, die großes Potential in sich trägt, diese Probleme zu bewältigen.
Noch eine mögliche Falle wäre, dass mensch überzeugt werden könnte, die magischste person seit Aleister Crowley zu sein – aber das könnte eine generelle Falle auf dem magischen Weg sein.


Rufer in der Wüste

Wenn wir Invokation diskutieren, dann wird oftmals auf die Rolle des Invozierenden vergessen. Diese ist aber sehr wichtig: ansonsten muss der Invozierte entweder selber sagen, dass die Invokation nicht stattgefunden hat (wir haben die Übereinkunft, dass die Arme dabei, in der Gottposition, gekreuzt werden, obwohl wir das noch nie gebrauchen mussten) oder sie müssten die Invokation vortäuschen (was meiner Ansicht nach dem Vortäuschen eines Orgasmus gleich kommt) oder aber sie müssen schnell noch selber invozieren (was ungefähr einer Selbst-EINweihung gleich kommt, nicht völlig unmöglich aber doch sehr schwierig). Deshalb ist der Invozierende sehr wichtig!
In der klassischen indischen Musik kennt man drei Bewegungen der Ragas, ein Musikstück, das eine Gottheit anruft. Die erste Bewegung ist der Ausdruck der Sehnsucht des Künstlers nach der Gottheit. Die zweite Bewegung ist der eigentliche Ruf nach der Gottheit und die dritte ist die Feier ihrer Ankunft.
Die „Wicca“ Invokation – hat sowohl verbale als auch non-verbale Aspekte – und ist ähnlich. Der Invozierende muss wollen, dass die Gottheit erscheint. Dann muss er sie rufen und dann muss er erfreut sein, sie zu sehen. Eine erfolgreiche Invokation erfordert dieses emotionale Engagement des Invozierenden und vorzugsweise sollte das auch im Text der Invokation zum Ausdruck kommen um den Covenmitgliedern die Stimmung zu vermitteln und eine Beteiligung am Akt der Invokation zu ermöglichen.

Auf ähnliche Weise identifiziert Aleister Crowley den Vorgang der Invokation in „Magick in Theorie und Praxis“ mit den vier Elementen oder dem Tetragrammaton:

Feuer ist das leidenschaftliche Gebet der Magiers an die Gottheit
Wasser ist das Hören oder Erfassen der Reflektionen der Gottheit des Magiers
Luft ist die Heirat von Feuer und Wasser, wenn der Mensch und die Gottheit eins geworden sind
und Erde, die das Kondensat oder die Materialisation der drei höheren Prinzipien ist

Einige Leser können sich vielleicht noch an den Vortrag von David Wadsworth , „Kabbalah und die Kunst ein Motorrad zu warten“ erinnern, in dem er die vier Welten der Kabbalah mit den vier Phasen der Invokation verband und das mit den Phasen eines Viertaktmotors: ansaugen, verdichten, arbeiten und ausstoßen. Ich zitiere den Meister selber:

1) Ansaugen: Anfänglich befindet sich der Kolben oben und beide Ventile sind geschlossen. Die Kurbelwelle bewegt sich und das Einlassventil wird geöffnet. Die Pleuelstange zieht den Kolben nach unten und saugt dadurch Luft und Benzin an. Zu diesem Punkt der Invokation öffnet der Invozierende seine Chakren und zieht die kosmische Energie, die uns umgibt, in seinen Körper

2) Verdichten: Die Kurbelwelle bewegt sich weiter, das innere Ventil schließt sich, der Kolben wird nach oben gedrückt und drückt die Gase zusammen. Das passiert, wenn der Invozierende die Invokation ausspricht und die Kraft an den Invozierten weitergibt.

3) Arbeiten: Das Benzin- Luftgemisch zündet und drückt den Kolben wieder nach unten. Der/die Priester/in nimmt den Aspekt des Gottes, der Göttin an.

4) Ausstoßen: Das Abgasventil öffnet sich und der Kolben drückt die Ladung in den Auspuff. Die Gottheit erscheint und teilt ihre Kraft mit den Anwesenden.


Ende Teil I


Yvonne Aburrow


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