Täglich er-lebt nicht nur theoretisch gedacht   Teil I

In meiner ArtikelSerie „Mein Leben in und mit der Craft“ habe ich die theoretischen Grundlagen meiner Weltsicht als Hexe und Priesterin näher beschrieben. Gerade heute ist aber die Gefahr sehr groß, in philosophischen Betrachtungen stecken zu bleiben und kaum etwas davon ins tägliche Leben zu integrieren. Deshalb möchte ich diesen Mehrteiler genau diesem praktischen Umgang mit der Craft widmen.

Runde Theorie und eckige Praxis

Wie ich schon erwähnt habe, erscheint es mir in unserer Zeit und Gesellschaft sehr unwahrscheinlich einen monistischen Glaubensansatz tatsächlich greifbar in die tägliche Lebensroutine zu übertragen. Einzig die Konsequenzen, die sich aus dieser Weltsicht ergeben, sind lebbar. Sobald ich das All-Eine als Basis meines Seins erkannt habe, dürfte es mir nicht mehr egal sein, was mit meiner Umwelt (egal ob nun das was wir als „Natur“ ansehen, Tier oder Mensch) passiert. Wie aber äußert sich das, von außen betrachtet?

Somit wären wir beim Ökobewusstsein, dem Tierschutz und der persönlichen Gesundheitspflege! Da setzt auch der „Tue was Du willst und schade nicht“ Leitsatz an. Der Logik folgend,  ist im All-Einen auch mein eigener Körper, meine Psyche und mein Geist inbegriffen. Was mir schadet vermeide ich deshalb möglichst konsequent, genauso wie ich es vermeide, meine Umwelt unnötig zuzumüllen (dazu gehört das legendäre weggeschmissene Papierschnipsel genauso wie das unnötig spritfressende Auto).
Allerdings bedeutet das für mich nicht, dass ich jetzt militanter Veganer, Radfahrer, Ökokämpfer etc sein müsste. Wesentlich wichtiger ist das bewusste Auswählen derjenigen Alternative, die am wenigsten Schaden anrichtet und den bestmöglichen Outcome bietet. Betrachten wir, zum besseren Verständnis,  ein plakatives Beispiel aus dem Ernährungsbereich.
Wenn ich eine Erdbeerallergie habe, dann ist es für mich das kleiner Übel bei einer Einladung auf die Erdbeertorte als Nachspeise zu verzichten als mühsam die einzelnen Erdbeeren vom Kuchen zu kratzen. Bin ich, wörtlich genommen, am Verhungern und das einzige was erreichbar ist, wäre Erdbeerkuchen, dann machte es durchaus Sinn das Risiko einzugehen, mir selbst zu schaden und die Früchte abzusammeln. Allerdings bin ich der Ansicht, dass in einer derartigen Extremsituation durchaus die Möglichkeit besteht, dass ich trotz Allergie keinerlei Probleme nach dem Essen des Kuchens haben  würde. Aber das ist wieder eine ganz andere Sache!
Als Schlüsselwort betrachte ich den „Hausverstand“ (der scheinbar neuerdings auch bei Billa angestellt ist, obwohl ich das heftig bezweifle), der dafür zuständig ist zu beurteilen, ob der von mir verursachte Schaden für mich vertretbar und der Outcome entsprechend sinnvoll ist oder eben nicht.

Diese Vorgehensweise läuft, besonders am Anfang  meiner Erfahrung nach, alles andere als rund. Allerdings betrachte ich das als völlig normal im Sinne des Einpendelns, weil eben noch kaum ein Meister vom Himmel gefallen ist. Den Mittelweg zu gehen heißt für mich auch, die Extreme zu kennen (wie sollte ich sonst entscheiden können, wo die Mitte ist…). In den meisten Fällen kennen wir aber nur das wirklich, was wir auch er-lebt haben – der Unterschied zwischen Theorie und Praxis, von dem ich hier spreche.


© RothaniDann zaubere ich halt…

Mein Weltbild ist ein magisches, das aber immer in Zusammenhang mit dem „wahren Willen“ zu betrachten ist.  Dazu sind einige Fragen mehr als hilfreich:
Will ich das wirklich? Ist es wirklich nötig? Kann ich es mit Arbeit erreichen? Warum mach ich es dann nicht? Wird es jemand schaden? Kann ich die Konsequenzen abschätzen und will ich diese auch tragen?

Damit ist auch der Weg auf dem ich Magie ausübe recht klar vorgezeichnet. Zuerst muss ich mir für mich sicher sein, was genau ich erreichen will. Dabei reicht mir entweder (in meinem Falle zugegeben eher im Notfall) grobe Umrisse wie „dieses Problem soll einer Lösung zugeführt werden, wie ist mir völlig egal“ oder ich sehe das genaue Endergebnis vor mir. Beides hat Vor- und Nachteile.  Der grobe Umriss hat den Vorteil, dass weniger Energie nötig ist um ein Ergebnis zu erzielen, weil die Spannbreite wesentlich größer ist, was alles passieren kann. Der Nachteil ist, dass auch die nachfolgenden Konsequenzen viel schwieriger abzuschätzen sind. Als krasses Beispiel:
In Finanzproblemen ist es durchaus möglich den großen Rahmen zu wählen, nach dem Motto „meine monetären Probleme sollen sich lösen“. Ich könnte einen Lotto Sechser machen, von einem unbekannten Verwandten erben oder meine Lebensversicherung deckt meine Schulden…
Auf den ersten Blick relativ einfach – aber … Wie schaut es aus, wenn ob des Schuldendruckes jemand seine ganze Familie ermordet, weil ich dann „seinen“  Sechser habe? Welche Konsequenzen, wenn überhaupt, hat das auf mich?
Wenn ich nach dem Motto zaubere „meine Schulden sollen von einem Sechser abgedeckt werden, und es soll dadurch für niemanden Schaden entstehen“, dann ist der Bereich in dem das geschehen kann denkbar gering, der energetische Aufwand dementsprechend hoch und das Ergebnis fraglich. Ein gutes Beispiel dafür sind auch die Unmengen an Traummann- oder Traumfrausprüchen, die seitdem ich mit magisch tätigen Menschen Kontakt habe, gesprochen wurden und noch immer gesprochen werden. In den seltensten Fällen funktionieren sie so, wie gedacht – genauer gesagt kenne ich keinen einzigen Fall in dem es überhaupt mit dem gewünschten Ergebnis funktioniert hätte.

Zum Zaubern muss ich hundert prozentig davon überzeugt sein, dass ich das, was ich da als Vision habe auch tatsächlich genauso haben möchte. Zusätzlich stehe ich hinter dem Ergebnis und auch wenn Folgen auftreten, die ich nicht vorhergesehen hatte, trage ich bewusst die Konsequenzen. Wenn etwas schief gelaufen ist, dann darf ich mir aber auch verzeihen – und es beim nächsten Mal besser machen. Manchmal ist es einfach unvermeidlich, Schaden anzurichten, aber dabei ist die Frage des Gesamtbildes  nicht unerheblich. Die Gazelle findet es auch nicht toll von Löwen gefressen zu werden, auch Schaden ist relativ (genau genommen gibt alles was ich mache oder, genauso wichtig, nicht mache potentiellen Schaden…).


Ende Teil I


Anufa


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