Mein Leben mit und in der Craft   Teil IV

Vor vielen Jahren, als einige engagierte Menschen die Grundsteine für´s WurzelWerk legten, fing ich an, meine Rubrik "Noreia, die Eule" mit Leben zu erfüllen. Nach fast 10 Jahren beginne ich nun eine Artikelserie, die einige für mich grundlegenden Fragen beleuchten soll.

Denken in Polaritäten

Wie ich schon im zweiten Teil des Artikels erwähnt habe, ist für mich die Quelle allen Seins das All-Eine. Da ich schon allein beim Gedanken, dass es etwas geben sollte, was unendlich und ungebunden von Zeit oder Raum sein soll, mit meiner Vorstellung schlichtweg am Ende bin, ist es mir auch nicht möglich das All-Eine greifbar zu definieren oder sogar selber intellektuell zu fassen. Als verbaler Anhaltspunkt ist es alles was je existiert hat, jetzt existiert und je existieren wird, überall und grenzenlos, ohne Einschränkungen.

Um mit diesem Konzept leben zu können, überhaupt einen Weg zu sehen, der täglich ins Leben integrierbar ist, beschränke ich mich auf ein Dasein in Polaritäten.
Dabei ist mir wichtig, zwischen Polarität (der Wahrnehmung zweier Pole als „sowohl als auch“) und Dualität (der Einordnung zweier Pole als „entweder oder“)einen Unterschied zu machen. So ist es auch möglich als Erlebenskonzept Gott und Göttin für mich zu etablieren. Beide nehme ich nicht als Personen wahr, sondern als energetische Fixpunkte, nicht völlig deckungsgleich mit Yin und Yang, aber doch in gewissem Maß ähnlich im Erklärungsmodell.
Die Götter mit denen ich tatsächlich in Kontakt stehe, denn der persönliche Kontakt ist das, was für mich den Kern der Craft ausmacht, sind noch eine Stufe manifester. Sie zeigen sich in bestimmten Gestalten, haben so etwas wie Charaktereigenschaften und auch Vorlieben bzw. Abneigungen.

Nochmals herausstreichen möchte ich, dass ich dabei sowohl die jeweilige Göttin als auch den personifizierten Gott als quasi Ausdruck von Gott und Göttin und diese beiden wiederum als Ausdruck des All-Einen betrachte. Genauso wie jeder Mensch, jedes Tier, jede Pflanze und alles rund um mich ein Ausdruck des All-Einen, von Gott und Göttin und den Göttern sind. Als bildliche Hilfestellung kann das Hologramm dienen. Selbst im kleinsten Stück findet sich die gesamte Information des ganzen Bildes.


Männlich oder weiblich? Göttin oder Gott?

Wer sich über einige Zeit in der spirituellen oder esoterischen Szene bewegt hat, dem sind sicher  mehr oder minder heftige Diskussionen untergekommen um Geschlecht (Gender) und Geschlechterrollen. Es gibt Hexen, sowohl männlich als auch weiblich, die aus Prinzip ausschließlich mit Göttinnen arbeiten. Andere arbeiten mit gepaarten Göttern und es gibt natürlich auch welche, die ausschließlich mit Göttern arbeiten.

Meine Sichtweise dürfte hinreichend erklärt sein. Für mich bedarf es beider Pole einer Batterie um den Strom des Lebens zum Fließen zu bringen und genauso arbeite ich im Ritual mit beiden Polen.
Dabei ist mir wichtig, dass ich zwar in der Lage bin in jeder Frau „Göttin“ zu erkennen, genau das gilt aber auch für jeden Mann und vice versa auch für „Gott“.

Es wäre für mich viel zu eng gedacht Gott und Göttin dabei in Geschlechterrollen pressen zu wollen… sie sind für mich Prinzipien und jedes menschliche Wesen trägt beide Pole in sich (wäre sonst ja auch kein Ausdruck des All-Einen) – völlig abseits jeglicher Sozialisation. Wie die Möglichkeiten, die uns diese Grundausstattung bietet, durch jeden einzelnen Menschen umgesetzt werden, das ist durchaus eine Frage des Umfeldes, der Erziehung und der Gesellschaft in der mensch aufwächst und lebt.
Ein kurzer Leitfaden mag der Gedanke sein: nichts kann als „yin“ erkannt werden, wenn es nicht einen zweiten Pol gibt, der als „yang“ daneben steht und umgekehrt. Ein Weizenkorn ist gegenüber einem Kuchen „yang“. Allerdings ist der Kuchen, verglichen mit einer Wassermelone ebenfalls „yang“. Absolute Aussagen sind meiner Ansicht nach in diesem Bereich nicht möglich und auch keineswegs sinnvoll.

In dieser Art betrachte ich auch die Aussagen des Kybalions über „Geschlecht“. Vielleicht waren Frauen vor einhundert Jahren noch auf die „typisch weiblichen“ Eigenschaften terminiert und Männer auch auf die „typisch männlichen“. Es mag Gegenden und Gesellschaften geben, in denen es auch heute noch so ist, aber es muss nicht so sein. „Männlich“ lässt sich in meiner Begriffswelt nur schlüssig durch den Vergleich mit „weiblich“ verorten. Ohne Frage mag es jetzt zu Hauf Ansätze geben, nach denen es völlig irrelevant ist, ein „Männlich“ als solches zu definieren oder Weiblichkeit fast schon als Abwertung zu verstehen. Im Sinne des All-Einen kann ich das durchaus nachvollziehen, allerdings ist mir schleierhaft, wie das im Leben umgesetzt aussehen könnte. Es ist auch, wie unsere Kultur bestens beweist, absolut nicht nötig, Nahrungsmittel nach ihrer energetischen Qualität anzusehen. Allerdings ist meine Erfahrung, dass gerade das mir Möglichkeiten des Umgangs mit Nahrung gibt, wie sie in unserer Küche normalerweise nicht gepflegt werden.


TempelZentrumDie Philosophie der Craft als meine Lebensmaxime

Aus dem bisher Gesagten ergibt sich die Grundlage für all das, was ich praktisch und tagtäglich tue und damit auch, wie ich die Craft für mich ins Leben umsetze. Ob ich jetzt im Garten arbeite und dort die Ausdrucksformen von Gott und Göttin wahrnehme oder ein Ritual zelebriere, das macht in der Heran- und Vorgehensweise kaum einen Unterschied. Allein die Form ist eine andere. Das ist vielleicht ein wenig schwierig zu verstehen, aber ich werde in einem zweiten Zyklus versuchen, dem Aufbau dieses Vierteilers folgend, an Beispielen meine Lebensweise näher zu beschreiben.


Bis dahin freue ich mich wie immer über Eure Kommentare (im WurzelWerk Blog möglich) und bin auch gerne bereit Fragen zu beantworten, die eventuell bei der Lektüre aufgetreten sind.


Anufa


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