Mein Leben mit und in der Craft   Teil II

Vor vielen Jahren, als einige engagierte Menschen die Grundsteine für´s WurzelWerk legten, fing ich an, meine Rubrik "Noreia, die Eule" mit Leben zu erfüllen. Nach fast 10 Jahren beginne ich nun eine Artikelserie, die einige für mich grundlegenden Fragen beleuchten soll.

So möchte ich diesen kurzen geschichtlichen Ausflug mit der Feststellung beenden, dass die Bezeichnung „Wicca“ in Verbindung mit einem initiatorischen Mysterienkult, getragen von PriesterInnen und Hexen, erstmals mit Gerald B. Gardner vor rund fünfzig Jahren auftauchte. Das zugrunde liegende System beruht, wie immer auschließlich, meiner Ansicht nach auf dem Glauben an Reinkarnation, an die Beseeltheit der Natur, an die Einheit all dessen, was existiert und dem persönlichen Erleben dieses All-Einen, als vom menschlichen Geist nicht fassbare göttliche Entität. Die Mysterien der Natur (somit auch die des Menschen) werden rituell erlebt, in und durch Polarität nachempfunden, auf diesem Weg bewusst ins Leben integriert und tragen schlussendlich zur Entfaltung und Entwicklung der Persönlichkeit des Einzelnen und der Gemeinschaft bei.


Was denke ich mir so als Wicca über den Blick von außen auf die Craft

Ich möchte mich hier ganz allein auf mich und meine Covenarbeit  und meinen persönlichen  Zugang zu gelebter Spiritualität beschränken – also rechnet bitte nicht damit, von mir auch nur eine allgemein gültige Aussage zu bekommen. Besonders nicht, da ich der Ansicht bin, dass es eine derartige bzgl. Craft überhaupt nicht gibt, ja wohl kaum je geben kann. Es kann von Coven zu Coven und von Linie zu Linie, geschweige denn von Einzelperson oder Gruppe, die sich selber als Wicca definiert, derartig massive Unterschiede geben, dass manchmal kaum zu erkennen ist, dass es sich um „die“ Craft handelt …
Gerade in Vorträgen und Workshops diesen Themenkomplex betreffend, werdet Ihr wahrscheinlich sehr unterschiedliche Sichtweisen und auch Interpretationen dessen erleben können, was die Wurzeln sein oder gewesen sein könnten. Allerdings gibt es noch viel, viel mehr und in meinen Augen gibt es keine Möglichkeit festzustellen, was „wahr“ wäre…

Was ich allerdings als außergewöhnlich betrachte, ist das Potential, das sich hinter der heute, wie auch schon in den Anfängen, kaum greifbaren Fassade, die sich da Craft oder Wicca nennt, verbirgt. Vielleicht ist ja gerade das der Grund, warum „Wicca“ so modern geworden ist, gerade weil es (ob der generellen Struktur)  nicht greifbar ist und es somit möglich war und ist, jedes noch so banale Bedürfnis zu inkludieren und auch sich ganz offensichtlich widersprechende Vorstellungen scheinbar problemlos mit einzubeziehen – weil es der Basis der Eigenverantwortung widersprochen hätte, das generell und autoritär unterbinden zu wollen.
Deshalb gab und gibt es keine Instanzen, die das verhindern hätten können, selbst wenn es jemand gewollt hätte.
Vielfach wurde und wird versucht, das Ergebnis dieser Entwicklung salonfähig zu machen (Religionsgründungsversuche inklusive!) oder es als harmlosen Spleen Jugendlicher oder schlichter Gemüter ins Lächerliche zu ziehen. Immer wieder interessieren sich auch Sektenstellen für die Thematik (z. B. ob der coveninternen Strukturen, die von außen betrachtet durchaus hierarchischen Charakters sein können, was natürlich wieder missbrauchbar ist) und so wird die Craft auf der einen Seite in die Nähe „gefährlicher, alles bestimmender und entmündigender Sekten“ gerückt und auf der anderen als „Alles-ist-möglich-Sammelsurium“ dargestellt. Die modernen Medien, wie eingangs schon erwähnt, tun das Ihrige, um der Oberflächlichkeit Tür und Tor zu öffnen – aber sie schaffen auch die Voraussetzungen, um jeden Einzelnen mit seiner Eigenverantwortlichkeit zu konfrontieren, weil eine staatliche Reglementierung wohl weder gewünscht noch je durchführbar sein wird.
Alles in allem bleibt für den ernsthaft Suchenden (und auch für den aus der Tiefe der Seele Praktizierenden) nicht viel anderes über, als

• in die Zukunft zu sehen und die Vergangenheit zu kennen
• das eigene Ideal zu finden
• dieses im Auge zu behalten
• konsequent darauf hin zu arbeiten und
• aus den eigenen und fremden Fehlern der Vergangenheit zu lernen.


Meine Basis - was ich glaube

Mein Weltbild ist monistisch.

Wiktionary sagt zum Monimus: Die philosophische oder metaphysische Position, wonach sich alle Vorgänge und Phänomene der Welt auf ein einziges Grundprinzip zurückführen lassen.

Auch die älteste hinduistische Schrift, der Rig Veda, spricht von einem „Wesen-Nicht-Wesen“, das „atmete ohne Atem“ und durch welches die Welt erschaffen wurde. Praktiken wie z. B. Yoga oder Tantra werden ebenfalls als monistisch angesehen. Thales von Milet war z. B. der Ansicht, dass Wasser dieses Grundprinzip wären, auf das sich alles zurückführen ließe.
Ich nenne dieses Grundprinzip das All-Eine - alles was je existiert hat, jetzt gerade existiert und je existieren wird. Damit besteht dieses All-Eine auch „außerhalb“ von Raum und Zeit, weil es IST, das pure Sein.
Dieses Konzept scheint mir kaum sinnvoll in Worte fassbar zu sein und auch wenn ich sehr genau weiß, was ich damit meine und ausdrücken will, so habe ich immer wieder das Gefühl, dass das menschliche Gehirn bestenfalls in der Lage ist Annäherungen zu erdenken. Ich vergleiche dieses All-Eine mit einem Hologramm, bei dem sich selbst im kleinsten Bruchstück noch die vollständige Information findet. Damit wäre jeder von uns „Gott“, alles was uns umgibt „göttlich“ und alles wäre miteinander verbunden, war es schon immer und wird es immer sein.

Dieses Prinzip zu intellektualisieren und genauso wahrnehmen zu wollen wie über die Gefühlswelt, sehe ich als unmöglich an, da ich als Subjekt innerhalb einer „Welt“ schwerlich in der Lage bin, zu verstehen, was es tatsächlich bedeutet kein „Außen“ zu kennen, weil man unendlich ist. Allein das Wort "unendlich" lässt mein Gehirn die Frage nach dem "und was kommt danach" formulieren...

Das bedeutet aber auch, dass ich mit diesem Axiom per se nicht in der Lage bin etwas zu „tun“. Die Grundprinzipien durch die sich das Tun für mich ergibt stammen aus der Hermetik. Sieben Grundannahmen finden sich im Kybalion

Das Prinzip der Geistigkeit - "Das All ist Geist, das Universum ist geistig."
Das Prinzip der Entsprechung - "Wie oben, so unten, wie unten, so oben."
Das Prinzip der Schwingung - "Nichts ist in Ruhe, alles bewegt sich, alles ist in Schwingung."
Das Prinzip der Polarität - "Alles ist zwiefach, alles hat zwei Pole, alles hat sein Paar von Gegensätzlichkeiten, gleich und ungleich ist dasselbe, Gegensätze sind identisch in der Natur, nur verschieden im Grad. Extreme berühren sich, alle Wahrheiten sind nur halbe Wahrheiten, alle Widersprüche können miteinander in Einklang gebracht werden."
Das Prinzip des Rhythmus - "Alles fließt aus und ein, alles hat seine Gezeiten, alle Dinge steigen und fallen, das Schwingen des Pendels zeigt sich in allem. Das Maß des Schwunges nach rechts ist das Maß des Schwunges nach links, Rhythmus kompensiert."
Das Prinzip von Ursache und Wirkung - "Jede Ursache hat ihre Wirkung, jede Wirkung ihre Ursache, alles geschieht gesetzmäßig, Zufall ist nur der Name für ein uns unbekanntes Gesetz. Es gibt viele Ebenen der Ursächlichkeit, aber nichts entgeht dem Gesetz."
Das Prinzip des Geschlechts - "Geschlecht ist in allem, alles hat männliche und weibliche Prinzipien, Geschlecht offenbart sich auf allen Ebenen."

Einige dieser Prinzipien mögen heute zu heftigeren Diskussionen führen. Allein das Prinzip des Geschlechts fordert in Zeiten des Genderbewusstseins geradezu dazu heraus. Auch die postulierte Unausweichlichkeit des Prinzips von Ursache und Wirkung dürfte heute in Vieler Augen eher als Bevormundung empfunden werden und somit jenseits jeder Anerkennung sein. Ich werde im Zuge der genaueren Besprechung, wie ich von diesen Prinzipien auf ein Glaubenssystem und tatsächlich lebbare Spiritualität komme, noch auf die jetzt nur angeschnittenen Problematiken eingehen.


Ende Teil II


Anufa


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