Entmystifizierung des Wicca Covens   Teil I

Wieder einmal bin ich über einen für mich sehr spannenden Artikel gestolpert, den ich Euch nicht vorenthalten will. Geschrieben wurde er von Godiva und übersetzt hat ihn für Euch Alfröðul.

Vor Kurzem hatte ich meine 3. Grad Initiation im Chalice Well Coven und habe mich traditionsgemäß abgenabelt, um einen neuen Tochter Coven zugründen: Ravens Well. Da ich nahezu 100 Meilen vom Muttercoven fortgezogen bin, startete ich bei Null. Es ist interessant, mit Leuten darüber zu sprechen, was es ist, wonach sie in einem Coven suchen, und warum sie das Gefühl haben, gern Teil eines Coven sein zu wollen. Was ich herausgefunden habe ist, dass die Leute oft eine Art “Disney” Vorstellung davon haben, was ein Coven ist und wie er arbeitet.

Chants, Kerzen und Gerätschaften ausgebreitet auf einem perfekt hergerichteten Altar mit glücklichen, geeinten Mitgliedern rundherum, in einem dämmrigen (aber nicht zu dunklen) Raum. Wow! Das hört sich großartig an! Wer muss da einen Coven aufmachen? Ich möchte mich diesem anschließen! Wo muss ich hingehen, um dort mitzumachen?

Ich habe festgestellt, dass es zwar jede Menge Bücher darüber gibt wie man innerhalb einer Gruppe magisch arbeitet, wie man eine magische Gruppe anfängt und betreibt und sogar wie man mit Konflikten in Coven-Strukturen umgeht, aber es gibt kaum etwas da draußen, dass sich mit der täglichen Wirklichkeit der Arbeit in einem Coven auseinandersetzt. Vielleicht haben darum so viele Leute ein denkbar unrealistisches Bild davon, was es heißt, ein Mitglied in einem tatsächlich arbeitenden Coven zu sein. Wahrscheinlich erklärt das auch, warum so viele glauben, dass sie einfach nur Teil eines Covens zu sein bräuchten, um das volle „Wicca-Erleben“ zu bekommen. Ich mag diesem Empfinden nicht unbedingt zustimmen, aber ich kann verstehen, warum viele Leute so fühlen.


Mythos: Die Schönheit der unaufhörlichen und beständigen Harmonie

Viele Leute sagen, dass sie einem Coven beitreten wollen, weil sie mit gleich gesinnten Einzelwesen arbeiten wollen. Sie wollen in einen „heiligen Raum“ eintreten, zusammen mit denen, die ihn so wie sie selbst erschaffen. Sie sehen das „Teil eines Covens“ werden als Eintreten in eine Welt in der Menschen eine „Gruppen-Bewusstsein“ entwickeln und im Ritual „Eins“ werden.
Wenige verstehen, dass sie um dies zu tun, einige der Wege verlassen müssen, die sie bei Ritualen gewöhnt waren, und dass sie lernen müssen, sich heilige Räume auf die Art zu verschaffen, wie es der Coven, dem sie beigetreten sind, tut. Das ist generell der Punkt, an dem die Dinge beginnen, schwierig und real zu werden. Ja, genau da am Anfang. Das erste, was man lernt, wenn man in einen Coven kommt: es dreht sich nicht mehr alles um Dich. Überraschung!

Okay, ich bin die Erste die einräumt, eine ziemlich pragmatische veranlagte Hexe zu sein; lasst uns auf die Romantik verzichten und mit der Realität klarkommen. Ich hab weder einen Drachen, der auf meiner Schulter sitzt (obwohl ich mit Drachen-Energie arbeite), noch glaube ich, dass Feen niedliche, kleine geflügelte Wesen wären (obwohl ich das Feenland wahrnehme). Ich bin Feuer und Flamme für Romantik – mit meinem Mann im Schlafzimmer – aber nicht gemixt mit meiner Magick. Für mich ist Magick schon, sagen wir, … magisch und sie braucht keinen sanften Weichzeichner. Aber ernsthaft … die am besten laufenden Coven arbeiten, um eine Art “Gruppen-Bewusstsein” im Ritual zu erschaffen. Das heißt, dass jeder in der Gruppe sich auf einen bestimmten Plan oder Gegenstand innerhalb des Rituals konzentriert, um ein ausgemachtes Ziel zu erreichen (Manifestation). Wow, das kling sehr unhexisch, oder?

Es gibt kein “Eins” werden – wenigstens nicht in dem Sinne wie die meisten den Begriff verwenden. Für mich ist das so, als ob man sagt, dass Zwei, die sich entschieden haben zu heiraten, „Eins“ werden. Das ist ein sehr netter und romantischer, aber kein sehr praktischer oder hilfreicher Gedanke. Wenn Menschen aus irgendeinem Grund zusammen kommen, um ein bestimmtes Ziel oder Ergebnis zu erreichen, dann geben sie sich einander nicht vollständig hin – sie entscheiden Grenzen zu überwinden, ihr Ego abzulegen und sich selbst und ihre Energie mit der Gruppe zu teilen.
Es gibt einen Unterschied zwischen diesem und dem “Einswerden”, in dem Sinne wie die meisten den Ausdruck benutzen. Es gibt Wechselbeziehungen, aber keine totale Abhängigkeit.

So weit, so gut, richtig? Hier ist das Geheimnis, das so ziemlich jeder in einem Coven, denen erzählen wird, die nach einem Coven suchen, aber nicht hören und noch weniger zuhören wollen.

Shhhhh, komm näher, das möchtest Du nicht verpassen…

Mit Menschen auf spirituelle und emotional vertrauliche Art zu arbeiten ist anstrengend und manchmal schmerzhaft. Mann, das klingt nicht lustig, oder? Nochmal, nicht sehr hexisch oder romantisch, aber wahr.
Den meisten von uns wurde nicht beigebracht, wie sie sich in einem Umfeld zu benehmen haben, das von Ehrlichkeit und davon abhängt, andere als gleichwertig zu behandeln, um zu überleben. Wir sind es gewöhnt, unsere Masken der Perfektion zu tragen. Wir heucheln, wir manipulieren, wir belügen uns selbst und andere, wir erwarten, dass andere für uns lügen und uns anlügen, wir verheimlichen, wir weigern uns, unsere Probleme zu benennen, die Bürde unserer emotionalen Last zu tragen.
Wir möchten, dass andere “uns dafür lieben, was wir sind”, aber wir vergessen dabei, dass wir uns noch nicht einmal selbst so lieben „wie wir sind“. Wir sagen, wir sind ärgerlich wenn wir Furcht haben und wir attackieren andere, wenn wir etwas nicht verstehen.

In einem sicheren Coven Szenario lernen wir, langsam, manchmal sehr, sehr langsam, zu vertrauen, zu glauben, zu vergeben, Vergebung zu akzeptieren und bloß zu akzeptieren, Aufgaben zu übernehmen, zu wachsen und uns zu verändern. Wir lernen, uns um jemanden zu kümmern, auch dann, wenn er nicht perfekt ist, damit einverstanden zu sein – und das auch wirklich so zu meinen – wenn wir unterschiedlicher Meinung sind, zu verstehen, dass wir mehr sind als die Summe unserer Eltern, DNA oder Kindheit. Wir lernen zu versagen und nach dem Versagen neu anzufangen. In dieser sicheren Umgebung können wir die Etikette verlassen, die uns durch andere und uns selbst aufgeprägt wurde, und die Person werden, die wir ganz im Geheimen am meisten sein wollen, aber zu ängstlich und emotional verstrickt sind, um zu versuchen, sie zu werden.

Das ist meiner Meinung nach wirkliche Magick.

Nichts davon ist für den Einzelnen oder eine Gruppe einfach. Es ist genau das, warum ein gut funktionierendes Coven Umfeld den Raum schafft, in dem Menschen „nackt in ihren Riten“ sein können – nicht nur nackt in Bezug auf den Körper, sondern auch in Bezug auf Emotionen, Geist und Gemüt –der Konflikt wird auftauchen.
Sicherer Raum gibt uns das Gefühl, angreifbar zu sein, und die meisten von uns fühlen sich nicht wohl, wenn sie angreifbar oder aufrichtig sind. Das ist der Grund, warum ein Coven Szenario wahrscheinlich der Raum ist, wo viele von uns die intensivsten und schmerzhaftesten Konflikte unseres Lebens erleben. Wir, unsere Egos, kämpfen, um Teil von etwas zu werden, das größer ist als wir selbst. Um das zu tun muss sich unsere Aufmerksamkeit vom „ich“ zum „wir“ verschieben. Kein Benehmen, für das unsere Kultur bekannt wäre, das sie lehrt oder wirklich wertschätzt.

Wenn wir anfangen, der zu werden, was wir sein sollen, werden wir Verlust, Angst und Konfusion erleben. Manchmal werden unsere Leben buchstäblich in Stücke zerfallen. Ich persönlich bezeichne dies als „ein in Brand geraten“, weil ich weiß, dass die Transformation stattfindet. Ich kann es fühlen. Ich weiß, dass die Dinge an irgendeinem Punkt besser sein werden, aber ich bin nicht wirklich sicher wann, und es fühlt sich (auf emotionaler Ebene) so an als würde ich brennen.

Um es weniger poetisch auszudrücken, eine Umgestaltung ist schmerzhaft - sie tut weh. Sie ist intensiv und erschreckend. Lass Dich nicht veralbern. Bei Transformationen geht es um Veränderung und Opfer. Meiner Erfahrung nach ist Transformation kraftvolle Crone-Energie.

Wenn sie Schmerzen haben, prügeln viele von uns auf andere ein. Oftmals werden wir diese Schmerzen an denen auslassen, bei denen wir uns am sichersten fühlen, den Covengefährten. Weil den meisten von uns nicht beigebracht wurde, mitzuteilen, was wir fühlen und, weil die meisten eine derartig intensive Transformation, die in einem solchen Szenario geschehen kann, noch nicht erlebt haben, explodieren wir und erschaffen Konflikte. Ich habe es getan. Jede Person, die ich in einem Coven erlebt habe, hat das getan, die meisten Leute werden nicht nur einmal, sondern viele Male explodieren.

Das ist so, weil die meisten von uns an ihrer Etikette und an ihrem “alten Leben” kleben, gleichgültig wie zerstörerisch, bedrückend und einengend diese für uns sein können.


Ende Teil I


Godiva


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