Me, my Coven and I   Teil IV
... oder: Wir haben uns alle soo lieb ... oder doch nicht??
Weil das Thema „Gruppenarbeit“ in Forendiskussionen und auch auf Stammtischen (von „Ich suche einen Coven“ Hilferufen mal ganz abgesehen) immer wieder auftaucht, möchte ich mich diesmal etwas ausführlicher damit beschäftigen.

Damit eine “Familie” harmonisch existieren kann, muss jeder innerhalb der Gruppe sich als Teil der Gruppe fühlen und innerhalb dieses Gruppengefüges lernen und wachsen wollen. Auf einem Weg wie dem des Hexentums, mit dem Schwerpunkt auf persönlicher Entwicklung und persönlichem Wachstum, ist es nur natürlich, dass Einzelne, die zu einer Zeit innerhalb der „Familie“ glücklich waren, sich ändern werden und weggehen möchten. Ein absolut natürlicher Prozess und weise Covenleiter werden diese Leute mit ihrem Segen und in Liebe ziehen lassen. Zu versuchen, sie zu halten wäre gleichbedeutend damit, seine Söhne und Töchter für immer an seinen Rockzipfel zu ketten.

Schlussendlich und trotz der Popularität des Wortes „Coven“ glaube ich, dass die meisten Hexen eigentlich Solitaries sind und zumindest einen Teil ihres Lebens damit verbringen keine Covenmitglieder zu sein oder gar selbst einen Coven zu leiten. Ich denke, dass die Erforschung des eigenen Selbst in diesen Perioden für die Entwicklung des Selbst lebensnotwendig sind, genauso wie wir glauben, dass es wichtig ist soziales Bewusstsein bei Kindern zu wecken. Wie auch immer, ich glaube aber auch, dass es zu einem gewissen Punkt wichtig ist, die Praktiken des Hexentums von anderen Menschen direkt zu lernen; sozusagen, ein Lehrling zu sein; denn die tatsächliche persönliche Weitergabe von Wissen kann von keinem Buch, keinem Fernkurs und keinem selbstgestricktem Lehrplan ersetzt werden. Das mag einigen Menschen als völlig unmögliche Herausforderung erscheinen, aber wie alle magischen Traditionen lehren; Wenn der Schüler bereit ist, dann wird der Lehrer auftauchen! Das ist vielleicht nicht bequem aber wahr...

Hier noch mal meinen herzlichen Dank an Julia, dass ich ihre Sichtweise übersetzen und in meinem Artikel verwenden durfte.


Ich will aber trotzdem nen Coven!!
Sollte mensch also nach all diesen Überlegungen immer noch nicht verschreckt sein, dann stellt sich die Frage nach dem Fakt „wo krieg ich Kontakte zu Coven her“. Ein weites Feld, auf dem es wie im Hexentum üblich keine Herangehensweise gibt, die sicheren und vor allem den gewünschten Erfolg verspricht.
Zu meiner Zeit des Anfangs gab es nicht besonders viele Möglichkeiten. Du konntest einem Buchautor schreiben – was sich vor 25 Jahren grad mal für´s Ausland rechnete (weil es ja kaum österr. Autoren zum Thema „Wicca“ oder „Hexentum“ gab) oder Du konntest Dich an die Redaktion eines der wenigen Magazine wenden. In einigen „Esogeschäften“ gab es quasi Kontakte unter´m Ladentisch und hie und da mal so was wie einen „Wiccakurs“ oder gar einen vereinzelten Stammtisch von Esotherikern. Es war also massig Eigeninitiative gefragt und vor allem war gefragt, dass mensch den Hintern bewegte und nicht nur intellektuell sondern tatsächlich handgreiflich was „tat“, weil es ja „virtuell“ noch gar nicht gab.
Heute gibt es massenhaft Literatur (auch deutschsprachig und sogar aus Österreich) und es gibt das Netz. Auf den ersten Blick ein Riesenvorteil – in meinen Augen aber nicht wirklich. Heute werden die Interessierten quasi mit Angeboten, oder was so ähnlich wie ein Angbot aussieht erschlagen und viele sind mit dieser Fülle restlos überfordert. Es gibt etliche Stammtische auf relativ engem Raum, regelmäßige Esomessen, massenhaft Treffen von themenspezifischen Foren, Kurse, Veranstaltungen und ... das Internet. Im Netz gibt es so gut wie alles und wahrlich in einer Überfülle – bloss wenn es darum geht, real, tatsächlich und nicht nur virtuell zu „tun“, dann schaut es schon wieder ganz anders aus.

Es hilft nur – machen – auf die Nase fallen - was anderes machen – wieder auf die Nase fallen - wieder was anderes machen – das gute alte „Trial and Error“. Klar kostet das Zeit, klar kostet das auch Energie und es ist nicht wirklich angenehm, aber ich kann es nur jedem von Herzen empfehlen...
Im Netz kann sich vieles gar wunderbar anhören, was dann in der Realität ganz anders aussieht. Manch weises Wesen aus dem Netz, das für jedes Problem die Lösung kennt, entpuppt sich in der Realität als armes Würstchen, das mit dem eigenen Leben nicht zurecht kommt. Wir leben in der Realität und Persönlichkeitsentwicklung ist nun mal absolut nicht virtuell, auch wenn uns das Dinge wie „Second Life“ vielleicht glauben machen wollen. Treffen und Diskussionen im täglichen Leben sind also gefragt, genauso wie das Abklappern von Stammtischen, Kursen, Vorträgen, Veranstaltungen etc. Damit meine ich nicht den Esotourismus von Tantra nach Feminismus. von Logen nach Druidenausbildung und von Rosenkreuzern zu Schamanen. Damit meine ich jetzt aber auch nicht, dass sich dort dann die Coven massenweise präsentieren werden und mensch sich nur einen auszusuchen braucht – sondern, dass dieses Eintauchen in die „Szene“ einem zu Erfahrungen verhilft mit deren Hilfe mensch wesentlich besser in der Lage ist nach einem Coven zu suchen, der wirklich zu einem passt und der persönlichen Entwicklung zuträglich ist als nach einem, den mensch sich in seinen Träumen ausmalt und ausserdem sind dann auch schon mal die ersten Illusionen beseitigt. Also ist wieder mal und vor allem der gesunde Hausverstand gefragt, das Leben ist ein Risiko und lebensgefährlich und dass es nett oder gerecht wäre, hat mir persönlich nie jemand versprochen (und so tue auch ich das nicht)...

In den vorangegangenen Teilen dieser Serie habe ich ja schon angesprochen, nach welchen Grundkriterien ich mich richten könnte, um auf einen halbwegs grünen Zweig zu kommen. Aber schlussendlich bleibt es immer in meinem persönlichen Ermessen, was ich bereit bin zu akzeptieren und was ich nicht bereit bin zu akzeptieren.


Mein Lieblingsvergleich: Covensuche ist wie Heiraten
Genau dieselben Grundweisheiten und Mechanismen, die mensch auch für die Partnersuche anwenden kann, die gelten in meinen Augen für die Covensuche. Leider greift das Beispiel heute nicht mehr 100% weil die Hälfte der geschlossenen Ehen wieder geschieden wird (lt. einer Statistik für Wien, die ich letztens im Radio hörte) und somit nicht mehr wirklich die Lebensentscheidung als solche darstellt, da sie ja genau betrachtet jederzeit und ohne wirkliche Probleme wieder rückgängig gemacht werden kann. Wie Julia schon sagte, kann natürlich auch ein Coven aufgelöst werden (oder es können Einzelne den Coven verlassen), aber das sollte für mich doch mit etwas mehr als einem Schulterzucken abgehandelt werden...
Auf der anderen Seite ist klar, dass wir uns genauso in einen Coven verlieben sollten, wie in einen Menschen, mit dem wir (hoffentlich erst nachdem wir uns überhaupt verliebt haben und nicht weil er ein tolles Auto, einen großartigen Job oder was auch immer zu „bieten hat“!!) eine Beziehung eingehen wollen.

Hier also nun zum Abschluss meine ultimativen Tipps für Fragen, die mensch sich selbst stellen kann und die erfahrungsgemäss gute Wirkung zeigen:

1. Wie fühle ich mich während eines Treffens mit den Covenleuten in spe?
2. Wie fühle ich mich NACH einem solchen Treffen?
3. Würde ich jeden Einzelnen aus diesem Coven auch meinen Eltern/besten Freunden vorstellen wollen?
4. Kann ich mir vorstellen, all diese Leute tatsächlich als Familie zu haben (i.e. meine Gedanken, Gefühle, mein „Ich“ mit ihnen zu teilen und zuzulassen dass sie das auch tun)?
5. Ist geklärt und auch definitiv ausgesprochen was ich mir erwarte und was von mir erwartet wird?


Anufa


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