Ein Vortrag am MerryMeet   Teil III
Janet und Gavin hielten am MerryMeet 2005 einen Vortrag, den wir mitgeschnitten haben, den Shina Edea übersetzt hat und den ich für euch euch bearbeitet habe.

Janet: Es macht mich wirklich traurig, wenn ich Wicca in anderen Ländern treffe die meinen, dass alles in Englisch gehalten sein müsse, weil es im Original ja auch Englisch war. Aber was ist mit der eigenen Sprache dieser Leute? Andere Sprachen sind auch schön.

Gavin: Es geht immer darum, was traditionell ist und was nicht. Alles was im originalen Buch der Schatten steht ist konstruiert. Es ist alles rekonstruiert und da ist nichts Falsches daran. Warum soll damit etwas nicht in Ordnung sein? Wen interessiert ob es neu konstruiert wurde oder nicht? Die Hauptsache ist, dass es wirkt. Und das ist das Wichtige in der Hexerei – zu machen, was funktioniert.

Janet: Das Buch der Schatten sollte ein Arbeitsbuch sein. Doreen Valiente hatte in ihrem Buch der Schatten eine Einkaufliste. Warum nicht?

Gavin: Woher kam die Idee, dass dieses Buch heilig wäre? Sie entstammt aus den monotheistischen Religionen, denkt an Koran oder Bibel. Heute gibt es sogar andere Namen für das Buch der Schatten, wie etwas das Buch des Lichts. Manche Leute brennen ihre Schattenbücher auf CD.

Janet: Eine Frau aus meinem Coven hat die beste DVD Kollektion des Buchs der Schatten, die ich jemals gesehen habe. Wenn sie irgendwo in einem Magazin ein Rezept oder eine Anleitung findet, die ihr gefällt, wandert das sofort in dieses Buch der Schatten.

Frederic Lamond: Ich möchte da gerne etwas hinzufügen: als Gerald Gardner uns angelernt hat, sagte er: „Das Buch der Schatten ist keine Bibel oder der Koran. Es ist ein persönliches Kochbuch an Zaubersprüchen. Ich gebe euch meins, um es abzuschreiben, damit ihr etwas zum Anfangen habt. Wenn ihr mehr Erfahrung gesammelt habt, schmeißt die Rituale raus, die bei euch nicht funktionieren und tut eure eigenen hinein.“

Gavin: Damit müssen wir achtsam sein. Denn sonst rutschen wir ins Dogma ab. Alles ist nur Lyrik aus der Tradition, es sollte das eigentlich nicht sein. In Amerika gab es eine Gruppe, die ihre eigenen Rituale geschrieben hat. Sie erkannten, dass die meisten Menschen einen Mangel an Bildung haben und haben ein Ausbildungsschema aufgestellt. Die Menschen die aus diesem Coven hervorgingen nannten sich Bluestar – sie hatten aber nicht die gleichen Utensilien und Rituale, aber sie hatten die gleiche Basisinformation und Ausbildung.
Das ist das, was im Wicca auch so sein sollte. Es sollte sich an die Umgebung anpassen, sich entwickeln. Oft kommt nun schon der Begriff des Aussterbens der Traditionen auf, aber das ist nicht wirklich etwas Schlechtes, solange es diese Rivalitäten aufhält. Was nun gerade passiert ist eine Adaption in den Traditionen, es gibt auch viele, die sich das System der Lineage ansehen und finden, dass es so nicht funktionieren kann. Lineage erlaubt einem initiiert zu werden und sich irgendwann Drittgrad zu nennen, auch wenn man vielleicht gar nichts weiß. Und wir haben das oft gesehen. Was wichtiger ist, ist das Training. Es ist egal, was genau das Training ist, so lange es Training gibt, das ernst genommen wird. Wicca kann man mit einem Wald vergleichen. In einem Wald stehen viele Eichen, die sich alle unterscheiden, aber sie sind alle Eichen. Wicca wird sich auf diese Weise entwickeln. Es wird all das Zeug, dass es nicht mehr braucht, abstreifen.

Das ist auch die Idee hinter Progressive Witchcraft – das loszuwerden, was man nicht mehr braucht. Es ist keine Tradition, und ich gehe mit der Axt auf jede Person los, die sich zur Progressive Witchcraft Tradition bekennt. Wir haben die letzten zehn Jahre lang versucht die Leute davon abzuhalten sich Farrarians zu nennen. Es ist nur ein anderer Weg über Wicca zu denken. Was uns wichtig ist, ist ein götterzentriertes Wicca, denn darum geht es eigentlich. Wenn du etwas über Magie und Spiritualität lernen willst, ist es sicher besser zum „Chef“ zu gehen, als zum Hausmeister. Wir versuchen den Leuten beizubringen, wie man sich mit Gottheiten verbindet.

Janet: Wichtig ist, dass man im Wicca ein Diener der Götter ist. Ich bin es so leid, über den Globus zu reisen und überall nur von Lord "Hier" und Lady "Da" zu hören. Ich bin keine Lady, ich bin genau wie ihr. Wenn ich Priesterin in einem Coven bin, dann nur während des Rituals. Und das meine ich, wenn ich sage, dass auch unsere Gesetze sich ändern müssen. Es gibt Menschen auf der Welt, die sehr in den alten Dingen festgefahren sind. Sie sind der Meinung, dass nicht ein Punkt oder Komma geändert werden darf. Es wird ihnen genauso wie den Dinosauriern gehen - sie werden aussterben.

Gavin: Progressive Witchcraft ist auch eine Herausforderung. Die Wiccan Rede hat nur Sinn, wenn man sie in die Praxis übernimmt. Wenn man sie aber in den Alltag integriert, braucht man eine Definition von "Schaden". Die Rede gibt keine solche Definition vor, aber das ist auch ganz gut so.
Wir haben in unserem Coven auch mal den Versuch gestartet von den Gradsystemen wegzukommen. Wir finden, dass es nur eine Initiation gibt. Also haben wir etwas geändert. Es gibt eine Initiation, eine Weihe und ein Dasein als Elder. Das Dasein als Elder wurde bald dritter Grad genannt, weil die Leute das System genau so einfach mochten. Warum? Weil es ihnen Ziele setzt! Und so sollte es im Wicca auch sein... es sollten Ziele vorgegeben werden, die es zu erreichen gilt und die auch die spirituelle Entwicklung markieren. Wenn also jemand zu dir kommt und meint, er wäre besser, weil er den dritten Grad hat, was soll ich darauf sagen? Ich weiß ja nicht welche Art des Trainings er hatte. Ich habe Drittgrader getroffen, die ich nicht mal meine Katze füttern lassen würde. Ich habe hingegen Selbstinitiierte gesehen, die im Gegensatz dazu wirklich wunderbar waren. Das Levelsystem in einem Coven gilt eigentlich nur für den jeweiligen Coven. Nicht für draußen!

Janet: Ein neues Problem das heute auftaucht ist, dass junge Menschen, Teenager, in die Craft wollen. Wo ist die Idee dahinter, wenn es heißt, dass sie nicht vor dem 18. Lebensjahr eintreten können? Ich kenne eine Frau, die einen Coven mit den Kindern aus ihrem Coven gemacht hat. Sie halten Rituale und die wirken. Aber es gibt immer noch Menschen in der Craft, die glauben, dass man keine Kinder mitbringen dürfe. Alle Christen und Moslems können ihre Kinder in ihrer Religion erziehen. Wir können es nicht? Da stimmt etwas nicht. Ich mag die Idee des Religionsunterrichts, in dem man über alle Religionen lernt, nicht nur über die eigene.

Gavin: Mit den Initiationen ist es nicht anders. Ich habe eine Freundin, die auf einem Festival war. Zu ihr kam ein Mann, der sich vorstellte mit: „Hi, mein Name ist Soundso, Drittgrad, initiiert von Alex Sanders.“ Sie stand auf und sagt: „Mein Name ist... Odinistin - initiiert von Odin. Kannst du das schlagen?“ Auch im Gardnerian Law steht, es gäbe nur einen wahren Initiator, und das sind die Götter. Initiation ist ein nettes Wort. Es sagt aus, dass Selbstinitiation nicht existiert. Warum? Denn wenn ein Einzelnpraktizierender einen Kreis zieht und die Götter in ihn eintreten, ist das doch nicht selber initiiert, oder? Die Götter machen das.
Es geht nicht darum, wer mehr Bücher gelesen oder mehr Grade hat, es geht um Erfahrung. Wenn man Magie macht, kommt man früher oder später mit dem ersten Magischen Gesetz in Kontakt. Es lautet: „Das Erste, was Magie ändert, ist das Selbst.“ Es ist egal, von welcher Tradition du kommst, ob du dich jetzt Hexe nennst oder nicht. Du wirst dich mit den Mysterien auseinandersetzen müssen. Du kannst über Mysterien reden, sie niederschreiben, es wird nichts bringen, solange du sie nicht erlebst. Wenn du mit Magie beginnst, wirst du dich früher oder später mit dir und deinen dunklen Seitenauseinandersetzen müssen. Und das ist eine Art Initiation...


Janet Farrar & Gavin Bone


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