Interview mit Janet und Gavin   Teil II
Am MerryMeet 2005 hatten wir vom WurzelWerk die Gelegenheit ein Interview mit Janet Farrar und Gavin Bone zu machen. Interviewt hat hauptsächlich Lady Purple, transkribiert wurde das Material von Shina Edea und bearbeitet von Anufa.

Anufa Ellhorn: Was genau ist eure Sicht der Zukunft des Heidentums?
Gavin: Es wird sich auf jeden Fall auf viele verschiedene Arten verändern und entwickeln. Heidentum ist polytheistisch, was heißt, dass es viele Götter gibt und viele Pfade. Natürlich ist es möglich übergreifende Feste zu gestalten. Was wichtig ist, ist sich auf originale Prinzipien zu besinnen und sich ebenso zu versichern, dass es Gruppen gibt, die bereit sind nach vorne zu gehen und tiefer in die Materie einzudringen. Es muss beides geben.

Janet: Was ich dazu sagen möchte ist, dass einiges davon im Moment nicht im Heidentum vorhanden ist – das aber sein sollte. Wir sollten auf einer breiteren Ebene arbeiten, nicht nur auf der heidnischen.
Wo sind unsere Rituale für Begräbnisse? Sie sind nicht da. Es ist der wichtigste Teil deines Lebens – du wirst sterben. Und wenn du weißt, dass du irgendwann sterben wirst und Heide bist, solltest du doch auch einen Berater haben, der dich darauf vorbereiten kann, auf den Moment an dem du die Welt verlässt. Und das sollte passieren. Als Steward und ich in das Hexentum kamen, gab es keine Riten für Geburten, Todesfälle oder Heiraten. Steward hat sie geschrieben. Vorher haben sie nicht existiert. Als ich Doreen Valiente fragte, die als Mutter des modernen Hexentums gilt, sagte sie: „Nein, es gab nichts. Das Hexentum war ein Club von alten Leuten, und das war alles.“ Wir müssen wachsen und Verantwortung übernehmen.

Gavin: Was in der Bewegung fehlt, sind Menschen, die sich für etwas einsetzen. Menschen, die Dinge tun, weil es ihnen Spaß macht, etwa der Gemeinschaft zu dienen. In den letzten paar Jahren sah man das häufig in den Büchern über Hexerei. Es begann aufzutauchen.

Janet: Das andere, was fehlt ist der Gemeinschaftssinn. Als wir das Buch „The Witches Bible“ schrieben, waren es ursprünglich zwei Bücher „Eight Sabbats For Witches“ und „The Witches´ Way“. Als wir unter Alex Sanders trainiert haben, waren wir dazu angehalten, alle unsere Kleider auszuziehen und nackt herumzurennen. Ich hab kein Problem mit Nacktheit, aber ich lebe in der nördlichen Hemisphäre, es ist zu kalt dazu. An einem heißen Tag, wieso nicht. Aber sorry, ich mag meine Ritualroben und meine warmen Kleider - ich bin nicht blöd (lacht). Aber natürlich gibt es auch Gruppen in der Welt die sagen, natürlich es ist Tradition, wir machen es so aber so rum ist es Dogma.

Gavin: Alles kämpft gegen Dogmas. Etwa das Dogma, dass man 18jährigen nicht erlauben sollte Rituale zu machen. Nun gibt es Familien und diese Familien erziehen ihre Kinder in ihrem Glauben – dem Heidentum. Natürlich wird den Kindern etwas über die Feste beigebracht. Jede Religion macht das, warum können wir das nicht? Und nun kommt diese Tradition, die richtig hereditäre Tradition von 18- und 19jährigen auf, die in Hexenfamilien großgezogen wurden. Das ist doch toll. Aber das geht gegen die Dogmen die sich aufgebaut haben, die Weise auf die man die Dinge halt tut. Der Grund hinter ihnen ist meist unwahr.
Wir müssen die Dogmen herausfordern, denn wenn wir das nicht tun, bauen wir ein Haus auf Sand.
Woher kommt die ursprüngliche Hexenbewegung? Wie erzeugt man eine Wirkung? Das ist die Basis, und das ist das Wichtigste, wenn man ein Haus baut – ein stabiles Fundament zu errichten. Ansonsten sieht uns die Jugend als ein Rudel von Dinosauriern, die komische Dinge tun. Man sieht gewisse Dinge in der Bewegung, die dazu da sind der Bewegung eine gewisse Macht zu geben. Und das ist ein Fehler. Wir müssen darauf achten wie man Gruppen managen kann. Als Beispiel unser Coven: Wir schreiben das Abkommen im Coven jedes Jahr neu und wir arbeiten auch als Priester mit jedem gleich. Jede Ausbildung auf spiritueller Basis funktioniert nur auf einer Gleichheitsbasis. Man kann nicht auf einem Podest stehen, denn wenn man dann nach unten schreit, hören die Menschen unten einen nicht. Das ist etwas, was man in der Szene öfter sieht.

Lady Purple: Das ist ein Unterschied zum traditionellen Wicca, denn dort hat man den Hohepriester und die Hohepriesterin, um zu lehren. Man hat Grade.
Gavin: Okay. In unserem Coven haben wir ein Levelsystem, das wir Grade nennen. Es ist da. Es ist aber kein Rangsystem. Es existiert außerhalb des Covens nicht. Wenn du einen dritten Grad hast, sollte dich niemand von außerhalb höher stellen. Ich habe Menschen gesehen, die grade erst in das Hexentum kamen, die aufgrund ihrer Erfahrung massive Dinge zustande gebracht haben. Die Menschen reden nicht über Lebenserfahrung. Ich meine, ein Drittgrad ist jemand, der in der Hexerei jahrelang ausgebildet wurde, um diesen Level zu erreichen und dann kommt jemand in die Hexerei, die zum Beispiel Krankenschwester ist, die ihr Leben lang mit dem Tod zu tun gehabt hat. Man muss Dinge wie Lebenserfahrung miteinbeziehen.

Wir haben Grade im Coven, weil die Menschen Ziele brauchen, die sie erreichen können. Wir haben es auch mal ohne versucht – was ist passiert – sie wollten Levels. Und das ist es was der Coven will. Es macht Sinn für die Mitglieder, sie haben etwas, auf das sie hinarbeiten können. Wenn Menschen mit unserem Segen aus unserem Coven weggehen, und einen neuen gründen, werden sie vielleicht das System benutzen, das wir benutzen, oder sie werden es weiterentwickeln. Es wird sich verändern, es wird organisch sein.

Lady Purple: Gehen wir einen Schritt zurück, denn ich habe „The Witches Bible“ hier. In Österreich ist die Community nicht so groß und dieses Buch ist eines von denen, die man vielleicht kennt. Das Buch ist eines, von dem ältere Wicca vielleicht sagen würden: „Oh mein Gott, da steht alles drin, was geheim bleiben sollte – was haben sie getan, und warum schreiben sie alles nieder?“
Janet: Vieles was vom traditionellen gardnerischen Wissen drin steht, war das Eigentum der nun verstorbenen Doreen Valiente. Sie hatte es bereits niedergeschrieben und das meiste davon wurde auch veröffentlicht. Und wir haben einen Brief von ihr zuhause, in dem sie schreibt: „Macht das, schreibt es nieder, ich will so viel wie möglich davon veröffentlicht haben. Es ist mein Eigentum! Ich habe es geschrieben und ich kann damit tun, was ich will. Wenn sie also jemanden dafür einen Vorwurf machen wollen, sollen sie ihn mir machen.“ Aber viel von den Dingen darin ist gar nicht Wicca. Es wurde geschrieben von einer Katholikin, die wie ich mich glaube zu erinnern, gestorben ist bevor das Buch überhaupt geschrieben wurde.
Sie hieß Moura McNeil und sie schrieb ein Buch namens „The Festival of Lughnasadh“. Als Steward und ich 1970 in die Craft kamen, sahen wir in ein Buch der Schatten und es war nichts darin. Es war „kein Fleisch auf den Knochen“. Und als wir nach Irland kamen, beschlossen wir nach den alten keltischen Festen zu suchen, so wie sie damals noch dort gefeiert wurden und sie so in unser Buch der Schatten zu übernehmen. Und das ist es, worum es in diesen zwei Büchern geht. Sie sind nicht traditionell, sie sind Forschung unter Zuhilfenahme verschiedener Menschen wie Robert Graves, Moura McNeil, von Festen, die wir selbst entdeckt haben und zwar so, wie sie von guten katholischen Menschen in Irland gefeiert werden. Wir taten dies alles in das Buch “The Witches Bible“ und es wurde fast zu einem Evangelium.
Als Gavin in die Craft kam, benutzte jeder in Britannien unser Buch, auch traditionelle Wicca. Und sie behaupteten es wäre sehr altes, traditionelles Zeug. Das inkludiert die Feste von Geburt, Tod und Hochzeit. Steward Farrar hat sie geschrieben. Sie existierten vorher nicht. Also gab es anfangs nicht wirklich Geheimnisse, die man verraten konnte.

Gavin: Es geht hier um die Mysterien! Ich kann eine Menge über die Mysterien reden, aber es sind keine Mysterien so lange nicht jemand aufsteht und sie praktiziert. Also kann man soviel man will in ein Buch schreiben und es sind nur Worte. Man muss die Dinge erleben.

Lady Purple: Das Problem ist ja wie gesagt, dass Menschen Bücher lesen und dann sagen: „Ich mache das Ritual aus dem Buch von Scott Cunningham oder jemand anders und nun bin ich Wicca.“
Gavin: Wir trafen mal einen Menschen der „The Witches Bible“ gelesen hatte, und deswegen der Ansicht war, dass er ein Drittgrad sei, weil er das Buch gelesen hatte. Hier wird es zu extrem. Man findet Initiationsriten, wenn man sie sucht und es gibt Leute die einen fragen, wie man nur ein Initiationsritual veröffentlichen kann. Auch im Gardnerischen wurden die Rituale aus vielen verschiedenen Quellen zusammengetragen. Es wurde zusammengetragen und neu kreiert.

Janet: Wir haben sein erstes Buch der Schatten gesehen. Doreen Valiente benutzte es um das gebrochene Bein ihres Bettes zu stützen. Nachdem sie gestorben war übernahm John Belham-Payne all die Dinge, die sie überlassen hatte. Gerald Gardners erstes Buch der Schatten war christlich. Gavin und ich sahen „das Öffnen des Kreises“ und fielen vor Lachen von den Stühlen. Dieses Öffnen des Kreises beweist, dass es christlich orientiert ist. Des weiteren sieht man, dass Gardner die Pantheons nicht korrekt aufstellen konnte, denn er vermischte das römische mit dem griechischen.
Das Öffnen des Kreises geht in etwa so: „Ich beschwöre dich, Kreis der Kraft, im Namen von Gott Vater dem Allmächtigen, dem Schöpfer des Himmels und der Erde und im Namen von Jesus Christus seinem eingeborenen Sohn und seiner Mutter der Jungfrau Maria. Ich schulde meinen Dank Venus und Apollo, so sollen ihnen ihre Sünden vergeben werden und es soll ihnen erlaubt werden in das himmlische Reich einzutreten. Auch ich möge dorthin gehen in Verehrung.“ Für mich klingt das nicht sehr heidnisch.

Gavin: Gerald Gardner wäre heute beeindruckt wie viel mehr Wissen sich addiert hat in den letzten Jahren. Die Bücher von denen Gerald und Doreen in ihrer Zeit kompiliert haben sind mit den heutigen nicht zu vergleichen. Ich habe rausgefunden, dass der „Eko Eko Chant“ aus einem Buch der Periode stammt, das er verwendet hat. Das ursprüngliche Buch der Schatten von Gerald Gardner wurde kreiert. Es wurde nicht von Coven zu Coven weitergegeben. Fakt ist, die ganze Idee des „Book of Shadows“ sogar der Begriff ist nicht europäisch, sondern kommt aus dem indischen, aus der Sufitradition. Es hat zu tun mit einem Divinationssystem, in dem Elemente vorkommen, die man in einer Initiationszeremonie wiederfinden kann.

Lady Purple: Das Problem, das hier oft diskutiert wird ist: Brauchen wir ein traditionelles System? Brauchen wir Wicca heute? Oder ist es besser eine große heidnische Community zu haben, in der alle Hexen oder Zauberer oder Magier sind?
Gavin: Hier muss man Systeme verstehen. Es ist egal wie ein System funktioniert, so lange es einen Sinn erfüllt. So kann jeder Coven seinen eigenen Weg haben, wenn man aber ein System hat, hat man auch eine bestimmte Weise Wissen weiterzugeben und viele Menschen brauchen das. Natürlich nicht jeder.

Janet: Wir haben Freunde, die Druiden sind. Sie kommen zu unseren Hexenfesten und wir gehen zu ihren Druidenritualen. Wir kommen zusammen und haben große Workshops und Rituale. Das sind alles Richtungen, die anwesend sind - alle sind Druiden, Hexen und deren Kinder. Auch die Öffentlichkeit kommt dorthin. Leute kommen einfach von der Straße her.

Gavin: Bei Hexentum und Wicca findet man auf den ersten Blick keine Unterschiede. Die Menschen definieren einfach bestimmte Dinge. In den ersten Büchern, wie auch in unseren, kamen nie Begriffe wie „Wicca“ vor, genauso wenig bei Doreen Valiente. Gardner definierte das Wort Wicca zu einem Begriff für das moderne Hexentum. Das war sein ursprünglicher Gebrauch. Wenn man Dinge tut, findet man Begriffe dafür. Wenn uns also Leute fragen, wo der Unterschied zwischen Hexe und Wicca ist, sagen wir Wicca ist eine auf Mysterien basierende Religion. Die Menschen versuchen immer noch definierte Wörter zu finden und das ist ein christliches Ding. Ich meine, ich kann mich selber vieles nennen, es kommt darauf an was ich tue, damit ich es wirklich bin, nicht darauf wie ich mich nenne. Früher war das Wort Wicca eigentlich nur mit einem c, Wica – das vom Wort Wish kommt. Sich etwas wünschen.

Anufa Ellhorn: Wir haben ein ähnliches Problem in Österreich und Deutschland, also den deutschsprachigen Ländern. Da es eine Erklärung und Deutung des Wortes Hexe gibt, die wissenschaftlich beweisbar nicht im geringsten etwas mit dem Wort Hexe im neuheidnischen Gebrauch zu tun hat. Die wissenschaftliche Beschreibung ist: „Eine Hexe ist jemand der Böses tut.“
Gavin: Als wir zu den Sangoma kamen, konnten wir das Deutsche „Hexe“ nicht benutzen um uns zu beschreiben, da sie der Meinung waren, dass es etwas Böses bedeuten würde, da es ihnen die Missionare so gesagt hatten. Wir haben ihnen erklärt, was wir tun. Wir haben im Heidentum wie im Christentum gerne eine Art des Schubladendenkens. Die Menschen früher haben das nicht getan. Die Menschen definieren sich über das, was sie tun.
Wir haben heute die monotheistische Ansicht, dass wir Dinge benennen und in Schubladen stecken müssen. In Amerika ist es mit dem Wicca ganz anders, es ist dort von Platz zu Platz unterschiedlich, wie wichtig manche Dinge genommen werden. In Kentucky sind die Wicca sehr eidgebunden. Geheimnisse müssen sein, da es sonst passieren kann, dass dir jemand dein Haus niederreißt. In Kalifornien sind die Wicca in vielen Festivals involviert. Sie sind offen und möchten, dass viele Dinge zu ihnen hereinkommen. Wenn wir also eine naturbasierende Religion sind, müssen wir uns zuerst an die Gesetze der Göttin, die Gesetze der Natur halten - also auch an Evolution und Anpassung. Wenn man eine Praxis aus Afrika nach Europa bringt, wird sich diese der dortigen Kultur anpassen, sich verändern. Sogar ältere Kulturen verändern sich.

Janet: Worin sich die Menschen gerne verstricken, sind die Geschlechterrollen. Rollen für Frauen, Rollen für Männer. Ray Buckland hatte da eine ganz nette Geschichte darüber, was wir können sollten. Bevor er eine Hexe wurde, war er Voodoo Priester.
Auf dem rituellen Treffen waren viele Frauen, die sich in Weiß kleideten. Die Trommeln sangen und man ging in Trance. Dort war auch ein großer schwarzer Mann, wahrscheinlich ein Trucker, er tanzte und ging in Trance – er fing an immer weiblicher zu tanzen und man brachte ihn in ein Zelt. Einige Minuten später kam er wieder und hatte ein Kleid an und Schmuck. Er war besessen von Erzulie. Er wurde also zurückgebracht und er tanzte und flirtete mit allen Männern. Er war nicht schwul, aber er hat mit allen Männern geflirtet. Das ging vier Stunden so und als Erzulie ihn verlassen hatte, stand er da, schaute an sich herunter und: „AAAAHHH.“
In der Craft gibt es keinen Grund, warum ein Mann nicht die Göttin in sich hineinrufen könnte und eine Frau nicht den Gott. Doreen Valiente schrieb ja „ Charge of the Goddess“. Sie schrieb es nieder, obwohl sie es hasste und was sie damit sicher nicht erreichen wollte war, dass die Menschen heute dastehen und es zum Gebrauch aus dem Buch ablesen. Das funktioniert so nicht.

Gavin: Was wir heute sehr betonen ist das Training. Es ist egal für welches System es gilt - Training ist immer wichtig. Es reicht nicht zu wissen, wie man ein Auto fährt, so lange man nicht weiß, wie der Motor funktioniert. Das ist das, was wir tun, wir bringen den Leuten bei, wie die Dinge wirken.
Das tun wir meistens bei diesen Wochenenden – Kreise ziehen, und es ist toll wenn man Leute sieht, die das schon seit mehreren Jahren machen, denn sie wissen dann wie es wirklich funktioniert. Es gibt Menschen, die haben in einem Buch gelesen: „Ja genau, und jetzt visualisiere ich diese blaue Energie.“ Und dann sagst du zu ihnen: „Das ist schön, was genau visualisierst du?“ – „Ich visualisiere blaue Energie die meinen Arm herunterkommt.“ Und dann sagst du: „Woher kommt diese blaue Energie?“ Und dann sind sie völlig erstaunt, und meinen sie wüssten es nicht. Wir beginnen immer bei den Basics. Wenn man beginnt irgendwas Magisches zu arbeiten, dann braucht man Energie. Die Basis zu kennen erlaubt einem zu improvisieren.

Die meisten Leute brauchten eine Balance. Wir nennen es „Knowledge based Ritual“ (ein auf Wissen basierendes Ritual). Wenn du Wissen in deinem Kopf hast, weißt du worum es bei einem Fest geht. Wenn du das Wissen hast, kann alles weitere aus deinem Herzen kommen. Die Worte kommen ganz natürlich aus deinem Mund, wenn du das Wissen hast. Das geht Hand in Hand damit, dass man die Energien eines Rituals verstehen muss.
Von daher kommt das Wissen wie eine Trance funktioniert. Wir haben also ein System mit dem wir arbeiten. Wir haben uns von der Kabbala entfernt, weil diese recht plump ist, wenn es um Rituale geht. Sie erklärt nicht. Was wir jetzt haben ist Kosmologie, das Verstehen davon, wo die anderen Reiche sind. Wenn man mit Helfern arbeitet, sollte man wissen, woher diese kommen.

Lady Purple: Ich denke, dass, wenn man verschiedene Systeme betrachtet, die in verschiedenen Kulturen zuhause sind und deren Rituale und ihre Nutzung von Magie, dann glaube ich wird man sehen, dass alles ähnliche Techniken benutzt. Alle benutzen eine ähnliche Technik und die Basis davon ist Trance.
Gavin: Genau und wenn du in verschiedene Kulturen gehst, und darüber erzählst was du tust, wirst du vielleicht andere Begriffe benutzen, aber das Gleiche tun. Das ist es was wir bei den Sangoma und vielen anderen herausgefunden haben.

Lady Purple: Kann man nun also sagen, dass es nicht mehr nötig ist dieses dogmatische, traditionelle System zu haben, weil alles das Gleiche ist?
Gavin: Ich denke, das ist schon sehr wahr. Ich meine, wenn die Leute etwas erschaffen, wird ein Name daran gebunden. Man nennt unseren Weg heute schon Farrarian – wir hassen diesen Begriff und benutzen ihn auch nicht.
Janet und Steward wollten von Anfang an „nur“ Wicca sein. Überall wo man hinkommt sind Unterschiede, im Wicca gibt es auch Unterschiede und dieser Unterschied ist die Stärke. Es ist die Diversität. Wenn du in die Natur schaust, in einen Wald, wird jeder Baum anders sein – auch wenn sie zur gleichen Art gehören und das ist die Kraft im Wicca. Sie erlaubt Ausdrucksfreiheit. Sie erlaubt dies in einem gemeinsam geteilten Rahmen. Wenn Menschen diese Freiheit nicht haben, entstehen Probleme.

Lady Purple: Seid ihr also der Meinung, dass Wicca und das Hexentum dasselbe sind?
Gavin: Für mich ist es dasselbe. Es gibt Leute die sagen, dass es natürlich Unterschiede gibt. Man hat zum Beispiel das BTW Wicca, das die Handlungen des Alexandrian und Gardnerian zusammenfasst, die auch wieder eine Form von Wicca sind. Es gibt aber viele Leute die heute eine Form von schamanischem Wicca praktizieren, alles hat einen Platz. Es ist alles Teil dieser Diversität, welche die Stärke ist.

Lady Purple: Arbeitet ihr immer noch mit Teilen der „Witches Bible“?
Janet: Nur ein paar kleine Teile.

Gavin: Immerhin ist das Buch schon 25 Jahre alt, und wir sind inzwischen weitergegangen. In unserem neuen Buch sind keine beschriebenen Rituale, sondern Anregungen, wie man ein Ritual machen kann, damit die Leute ihre eigenen kreieren. Dieses alte Buch durchzuarbeiten, würde auf längere Zeit langweilig werden. (lacht)

Janet: Es gibt da ein nettes Bild von der Göttin, wie sie über den Himmeltoren liegt, ihren Begleiter ruft und meint: „Schau dir all diese Leute an, was tun sie? Sie verehren uns Darling.“ „Oh, das ist sehr lieb, sag ihnen sie sollen weitermachen – Ich weiß nicht wie es dir geht Liebling, aber mich langweilt das! Komm lass uns was anderes machen.“

Gavin: Es gibt da etwas, das „Götterzentriertes Hexentum“ heißt. Wir machen das und es bedeutet, dass egal wofür man Magie anwendet, man sich dabei an die Gottheiten richtet, und so verbindet man sich mit einer bestimmten Gottheit. In den Achtzigern gab es das noch nicht wirklich. Aber heute gibt es Menschen die ihre ganze Arbeit einer Gottheit widmen.

Janet: In unserem Coven muss man nicht Drittgrad sein, um den Zirkel zu leiten. Wer auch immer den Zirkel in dieser Nacht leitet ist Hohepriester oder Hohepriesterin. Und das kann auch nur ein Neophyt sein. Wenn die Hohepriesterin sagt, sie möchte sich an Hekate wenden, dann wenden wir uns diese Nacht an Hekate. Wir erkennen denjenigen an, der die persönliche Gottheit des Ausführenden ist.
Wir nennen unser Haus das Haus der 100 Götter – und das ist es auch. Und das inkludiert auch die christliche Madonna. Auch sie haben wir in einem Ritual schon mal geehrt. Wir haben eine Ex-Missionarin in unserem Zirkel und für sie ist der Green Man repräsentiert in Jesus. Das ist absolut okay für mich und kein Problem.

Gavin: Wir versuchen den Menschen zu helfen sich mit ihren Gottheiten zu verbinden. Und wir möchten ihnen auch beibringen, dass Götter in diesem Sinne auch Ahnen sind, so wie man sie im Voodoo sieht. So lernt man sie kennen und begreift, dass sie real sind, nicht nur Archetypen – natürlich sind sie das auch, wir haben ja auch persönliche Archetypen und Eigenschaften.
Einmal waren wir in Amerika, da kam eine Gottheit durch eine Person, und wir hatten eine Konversation mit dieser Gottheit. Wir sind dann woanders hingegangen, die Gottheit kam dann durch eine andere Person und hat die Konversation beendet. Manche Menschen kommen ins Hexentum, weil sie feststellen, dass ihnen der Zugang zu den Gottheiten fehlt. Manche werden sich dann stärker damit beschäftigen, manche nicht. Einige Gottheiten sind sehr besitzergreifend. Wenn du dich bereit erklärst mit ihnen zu arbeiten, haben sie dich und wollen immer mit dir arbeiten und du hast keine andere Chance.

Janet: Das Problem ist meist, dass die Menschen das vergessen. Sie versuchen alle Gottheiten als Aspekte des Göttlichen ansehen. Die meisten Gottheiten sind halb göttlich und halb menschlich. Sie haben genauso menschliche Anteile. Es ist nicht gut, die Göttin Boand außerhalb von Irland anzurufen. Sie ist lokal, sie ist der Fluss Boyne.
Wenn ein Priester von Pele in Hawaii nach Nordamerika kommt, zum Mount St. Helens geht – wo die Göttin Loowit herrscht, sollte er Loowit ehren. Er sollte sie als eine Vulkangöttin akzeptieren. Das selbe ist es, wenn die Native Americans nach Hawaii gehen, sie würden dann dort Pele verehren. Diese sind nicht die selben Gottheiten. Sie sind beide in ihrem Eigenrecht Vulkangottheiten in ihrer eigenen Landesgrenze. Und Heiden vergessen das. Manche Götter reisen nicht.

Lady Purple: Letzte Frage: Was ist euer Plan für die Zukunft?
Gavin: Im Moment arbeiten wir sehr viel mit unserem Coven und an seiner Vergrößerung. Es gibt so viele Leute, die zum Outer Circle kommen, auch sie wollen wir miteinbeziehen. Wir möchten auch gerne ein Buch über Trance und Prophezeiungen herausgeben. Das ist unser Hauptfokus, zu dem wir momentan von einer Trancegöttin hingeleitet werden. Es ist Zeit, dass die Menschen anfangen, Götter in sich zu lassen.


Janet Farrar & Gavin Bone


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