Interview mit Janet und Gavin   Teil I
Am MerryMeet 2005 hatten wir vom WurzelWerk die Gelegenheit ein Interview mit Janet Farrar und Gavin Bone zu machen. Interviewt hat hauptsächlich Lady Purple, transkribiert wurde das Material von Shina Edea und bearbeitet von Anufa

Lady Purple: Hallo, nett euch zu treffen, danke dass ihr extra zu unserem MerryMeet Festival nach Österreich gekommen seid! Ich glaube das ist das erste Mal, dass ihr in Österreich seid, oder? Die erste Frage ist: Wie war es in Südafrika, was habt ihr dort gemacht, wie ist es wenn man ständig auf Tour ist und was macht ihr auf eurer Tour genau?
Gavin: Südafrika war absolut wunderbar. Dort gibt es eine junge heidnische Community, die erst vor ein paar Jahren gegründet wurde. Die Menschen realisieren nicht, dass wenn man eine Hexe in Südafrika ist, die Menschen einen verachten und es vorkommen kann, dass du eines Tages dein Haus zerstört vorfindest. Es war die Arbeit einer Frau, Donna Darkhoff, die das alles geändert hat, aber die Community ist mit bloß fünf Jahren immer noch sehr jung und wir waren öfters mal dort um Workshops zu machen.
Wir machen Workshops in der ganzen Welt. Was wir versuchen zu machen ist, eine tiefergehendere intensivere Arbeit als das, was die meisten Leute aus Büchern übernehmen. Wir machen also viel Arbeit mit den Menschen, besonders Spezialisation auf Trancearbeit. Dafür bekamen wir eine Ehrung der Sangoma - das ist in etwa ein Äquivalent der weisen Frauen und Männer, wie wir sie kennen.

Janet: Es war sehr schön, denn sie haben alle Heiden geehrt, auf eine so wunderbare Weise. Wenn man zu einer Sangoma Zeremonie geht - die Sangoma sind zu etwa 50zigst oder 60zigst oder mehr – der Moment in dem sie durch die Tür ihrer Gastgeber gehen, singen sie in der Buschmannsprache – diese Klicklaute - und sie erzählen darüber, was in ihrem Leben im Moment passiert und das ist auch der Weg über den die Dorfregierung die Neuigkeiten verbreitet. Am zweiten Tag, an dem wir dort waren, fragte ich unsere Gastgeberin, ob ich den Sangoma von unserem Volk und unserer Geschichte erzählen dürfte und sie sagte: „Natürlich.“ Also habe ich es ihnen in Englisch erzählt, von den Hexenverbrennungen, und dem Wiederaufbau der Ahnenehrung, wie wir verfolgt wurden, wie sie verfolgt wurden, sie sind in Tränen ausgebrochen – das war so schön für mich – und sie sangen dieses wunderbare Lied für alle die Toten und verbrannten Heiden der europäischen Zivilisation. Es war so schön von ihnen das zu tun und sie sagten, dass wir es unseren Freunden erzählen sollten, den Sangomas in Europa, dass sie in Afrika Geschwister hätten. Das war das schönste Geschenk, das sie uns machen konnten.

Lady Purple: Also ist es für euch wie ein Job oder eher Netzwerkarbeit...?
Gavin: Ich glaube, es ist eher eine Art Berufung, nicht wirklich in diesem Sinne... Es bedeutet einfach, dass wir das sind was wir tun. Es ist schwer zu beschreiben. Die Weise auf die wir arbeiten hat ihre eigene Spiritualität. Wir benutzen die Worte Priester und Priesterin, um zu definieren was wir tun. Die letzten drei Jahre lang sind wir gereist: Australien, Neuseeland, Deutschland, Niederlande, sogar Singapur, England, Irland, Hawaii, Staaten in den USA und ja jetzt auch Österreich.

Lady Purple: Wie kommt es dass es jetzt so populär ist auf Tour zu gehen?
Gavin: In der Heiden und Hexenszene scheinen die Dinge förmlich zu explodieren und zwar seit Mitte der neunziger Jahre. Schuld daran sind die Medien. Wir wussten in der Mitte der Neunziger, dass die Dinge anfangen würden zu wachsen. In Amerika sieht man das besonders, man bemerkt Hexen über das Radio, Fernsehen und Internet. Es begann langsam zu wachsen, es begann die Leute zu erreichen und auch zu beeinflussen. In der Mitte bis Ende der Neunziger nahm man also Notiz durch die wachsende Anwesenheit in den Medien.
Als erstes kam der Begriff „Craft“ (das Handwerk) auf. Eine ganze Generation zeigte sich interessiert. Es kam mehr Information. Man begann darüber Fernsehsendungen zu machen, da man wusste, dass es Erfolg und Quoten haben würde. Serien wie Charmed, Buffy und Sabrina begannen aufzutauchen. Wenn man genau schaut, sind die Wachstumsschübe im Heidentum immer auf die neuen Medien zurückzuführen. Es wurde eine ganz neue Generation angesprochen, nun hat man die 13- und 14jährigen die sich dafür interessieren. Wenn man genauer hinsieht, sind etliche von ihnen dabei geblieben. Sie haben herausgefunden, dass es etwas für sie ist. Von allen, die sich dafür interessiert haben bleibt ein kleiner Prozentsatz dabei und dieser Prozentsatz ist in Zahlen sehr groß. Nun hat man also eine jüngere Generation dabei.
Hier haben gefunden, dass es gut wäre hinauszugehen und Workshops zu geben. Und das andere wichtige an dieser Generation ist: wir alle wuchsen in einer christlichen Umgebung auf! Uns hat man als Kinder in die Kirche geschickt – sie hatten das nicht. Die ersten Jahre, die wir im Heidentum zugebracht haben, haben wir versucht die Lehren des Christentums abzustreifen – sie müssen das heute nicht. Wir hatten Workshops, wo wir 19- und 20jährige hatten, die eine enorme Kraft nutzten, um in Trance zu gehen und sie zu durchleben. Bei uns ist es so, dass wir uns vielleicht vor Dämonen fürchten, einfach weil man es uns so beigebracht hat. Die jüngere Generation kann da experimentierfreudiger sein, da sie solche Grenzen oft nicht kennt.
In der Vergangenheit haben die Menschen meist all ihre Informationen aus Büchern geholt. Da wir in der „Buchkinder“ Kultur erzogen wurden - so wie in den monotheistischen Religionen, die als Grundlagen Bücher haben, die uns sagen, was wir tun sollen - haben Menschen Bücher gelesen und sofort geglaubt, dass diese recht hätten. Wenn etwas in einem Buch steht, muss es korrekt sein. Das hat sich geändert, da es nun das Internet gibt, das ist ein freier Informationsfluss.

Lady Purple: Aber auch dort gibt es viele Fehler. Oft wird von anderen Seiten kopiert und so werden auch Fehler kopiert – man bekommt dadurch neue Götter, neue Sabbate, man schafft etwas neues, weil man Fehler kopiert.
Gavin: Die negative Seite am Internet ist, dass jeder sich als selbsternannten Profi oder Experte hinstellen kann. Man kann alles Mögliche veröffentlichen. Früher war es eine sehr große Sache ein Buch zu schreiben. Heute ist es leichter. Man schreibt es am Computer und stellt es online. Das ist der große Wandel in der Informationstechnologie.
Heute haben wir ebenso Massen an Büchern. Wenn man früher in einen Buchladen ging und versucht hat Bücher über das Hexentum zu finden, hatte man ein halbes Regal. Heute hat man eine ganze Wand – aber von dieser ganzen Wand sind nur ein Dutzend ihr Geld wert. Ich meine, wir haben eine Reihe an absolut schlimmen Büchern gesehen. Heute fangen die Anfänger an Bücher mit guter Qualität zu suchen. Aber ebenso verlässt diese Generation langsam die Bücherwelt und Erfahrungen werden wichtiger.

Lady Purple: Das Problem hier ist, wenn man die Bücher zurücklegt und beschließt etwas zu tun, braucht man meist Menschen, die einem zeigen wie es funktioniert.
Gavin: Das ist der Grund, warum wir so viel reisen. Wir machen experimentelle Workshops und zeigen den Menschen Werkzeuge, um ihre eigenen Wege zu finden.

Janet: Da haben wir sehr viel Glück, denn das Reisen bringt uns ebenso näher zu anderen heidnischen Kulturen der Welt, die nicht zum Hexentum zählen, und meist entdecken wir, wie viel wir mit ihnen gemeinsam haben. Wir lernen ebenso von deren Wissen, um es für den Rest von uns zurückzubringen, damit auch diese davon lernen können. Das beste Beispiel sind die vorhin erwähnten Sangoma. Diese Menschen sind wahnsinnig arm. Wenn sie etwas benötigen, kaufen sie es nicht im Esoladen sondern schauen, was um sie herum zu finden ist.

Gavin: Es ist interessant. Wenn man zu diesen „native cultures“ geht, gibt es immer neue Dinge, die sie hervorbringen. Und das passiert auch bei uns. Das Heidentum steht nicht still. Es ist ein Ding, das sich entwickelt und verändert. Jede spirituelle Tradition macht das. Wir wissen alle, dass das Neuheidentum sehr jung ist. Es ist nur 50 Jahre alt. Wie können wir also behaupten alles zu wissen?
Was passiert ist eine Evolution. Und die Dinge verändern sich. Man sieht das in jeder sich entwickelnden Religion, wenn sie entsteht – genauso im Christentum. So lange wir nicht die selben Fehler machen, die diese Religionen vor uns gemacht haben – so lange müssen wir uns nicht entscheiden ob wir recht haben und sie falsch liegen. Das ist eine monotheistische Charakteristik.


Ende Teil I


Janet Farrar & Gavin Bone


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