Betreut von Anufa
Hieros Gamos - Spiritualität in der Sexualität oder nur eine gute Ausrede für ungehemmten Sex?   Teil I
Sexualität und damit verbunden auch die Entstehung des Lebens, scheinen in allen Kulturen und zu allen Zeiten, neben dem Tod, ein Mysterium gewesen zu sein, das auch heute seine Faszination nicht verloren hat. Ganz im Gegenteil!

Sexualität wird auf der einen Seite heftigst profanisiert und auf der anderen Seite mystifiziert, deshalb erscheint es mir nur schlüssig, dass es in allen Religionen und Traditionen einen engen Zusammenhang zwischen Spiritualität und Sexualität gibt. Damit meine ich natürlich nicht, dass es nur Sichtweisen gibt, die Sexualität ehren und positiv betrachten - einen Zusammenhang gibt es auch, wenn diese prinzipiell und kategorisch verneint und vermieden (oder auf das zur Fortpflanzung unbedingt nötige Mindestmaß reduziert) wird... So verwundert es wenig, wenn auf der einen Seite massenweise Ressourcen in künstliche Befruchtung gesteckt werden (und somit auch Fortpflanzung und Sexualität getrennt werden, was manchmal - siehe z.B. die Entstehung von Michael Jackson´s Kindern - extreme Blüten treibt) und auf der anderen Seite ob der herrschenden Überbevölkerung Kinderbeschränkungen nötig erscheinen und somit ausschließlich Sexualität ohne jede Fortpflanzung erlaubt wird.


Wie war das früher mit Sex und Religion?
Jeder von uns kennt wahrscheinlich mehr oder weniger heimatliche Darstellungen der frühen Menschheitsgeschichte, wie beispielsweise die Venus von Willendorf oder Felsritzungen wie z. B. im Süden der Alpen (Val Camonica) oder die des Cerne Abbas in Dorchester. Diesen Artefakten wird wohl niemand die Hervorhebung der sexuell attraktiven (in letzterem Fall ebenso hervorragend dargestellten) Körperteile absprechen können – sie ist schlichtweg überdeutlich.
Der griechischen Priapos wurde auf vielen Münzen mit erigiertem Penis dargestellt, dem römischen Priapus opferten Jungvermählte nicht selten die Jungfernschaft (indem sie sich auf den Phallus der Statue setzten und so den Gott als „ersten Liebhaber“ wählten). Generell waren, laut erhaltener schriftlicher oder künstlerischer Überlieferung, die Menschen der Antike der Sexualität gegenüber sehr offen eingestellt. Den frühen Griechen lag sexuelle Abstinenz scheinbar so fern, dass sie für das Wort "Keuschheit" keinen eigenen Ausdruck kannten. Erst in der hellenistischen Zeit gab es die Tendenz asketische Philosophien zu vertreten (Körper von Geist getrennt zu betrachten und somit den unsterblichen Geist vom sterblichen Körper rein halten zu wollen). Diese Art, die Beziehung zwischen Sexualität und Spiritualität zu sehen, wurde dann von den Vordenkern des frühen Christentums übernommen und breit ausgearbeitet.
Sexualität war also sichtlich von Anfang an ein wichtiger Faktor in vielen Riten gewesen, die damals der persönlichen Spiritualität Ausdruck verliehen. Es gab so gut wie überall Rituale in denen Sexualität eine wichtige Rolle spielte und die teilweise auch sehr öffentlich zelebriert wurden (wieso sollte es auch anders gewesen sein, wenn Körperlichkeit durchaus normal und alltäglich war).


Dann kamen diejenigen, die Körper und Geist trennten
Auf der Basis der griechischen Philosophen stellte Augustinus die Verbindung zwischen Erbsünde, Sexualität und Schuld her. So legte er den Grundstein für eine lange Zeit, in der Sexualität nicht frei gelebt werden konnte, weil sie nicht frei gelebt werden durfte und somit mehr und mehr degenerierte und pervertierte. Selbst heute, nach der sexuellen Revolution der sechziger Jahre, gibt es im Umfeld der Katholiken noch Enklaven in denen körperlicher Schmerz als Mittel zur Abtötung des Sexualtriebes durchaus praktiziert wird. Gemeinsamer Hintergrund all dieser Vorstellungen ist, dass der Geist (die Seele) nur dann rein sein kann, wenn sie durch nichts Körperliches beschmutzt wird. Jeglicher Lustgewinn wäre eine Bedrohung für die spirituelle Entwicklung und deshalb heftigst abzulehnen...
Thomas von Aquin kategorisierte die Sexualität und legte fest, dass es die „Natur" des menschlichen Geschlechtsverkehrs wäre, Kinder zu zeugen. Daher wäre jede sexuelle Handlung, die diesem Ziel nicht diente, „widernatürlich" (gegen den Willen Gottes gerichtet) und somit als Sünde zu betrachten. Zumindest gab es den kleinen Fortschritt, dass wenigstens der "richtige" Sexualkontakt nicht als befleckt betrachtet wurde - allerdings waren Keuschheit und Abstinenz immer noch vorzuziehen.
Die protestantische Reformation brachte dann eine weitere Sichtweise hinzu, da wurde dann sexuelle Betätigung zwar wieder als zulässig betrachtet, sofern sie nicht der exzessiven Leidenschaft untergeordnet wurde und innerhalb der Ehe stattfand. Aber auch hier teilten sich dann die Meinung wieder in Extremisten, die zum Beispiel im puritanischen England jegliche Lust verteufelten, und Gemäßigte, wie die Episkopalkirche, die in der heutigen Zeit sogar Homosexuelle zu Bischöfen weiht (was aber zu gröberen internen Debatten und Abspaltungen führte).


Flower Power und indische Ashrams oder doch vorher auch schon?

In den Sechzigern gab es dann in Europa und Amerika die sexuelle Revolution – eine gute Sache, nur wo blieb da der spirituelle Ansatz? Den musste mensch sich dann sichtlich aus Indien holen und aus den dortigen Ashrams exportieren um hier ein halbwegs lebbares Konzept dafür zu haben. Eines der sichtlich nicht lebbaren Konzepte dürften die etwas Gesetzeren unter uns ja nachrichtentechnisch als „Skandal um die Otto Mühl-Kommune“ wahrscheinlich noch in Erinnerung haben, da seine Verurteilung wegen Kindesmissbrauches gerade mal erst knappe 15 Jahre zurück liegt... Allerdings gab es (lt. Dr. Dieter Duhm Juli 1997) in dieser Art von Projekt keinerlei Verknüpfung von Sexualität und Spiritualität, ja Spiritualität wurde sogar bewusst ausgeklammert und ignoriert. In weiterer Folge entstand dann das ZEGG (Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung - das es bis heute gibt), wobei sowohl Kunst und Sexualität als auch Religion bewusst eingebunden werden.

Ein wenig früher entstand aber auch schon in England das, was für mich zur Weltsicht geworden ist: Die Craft, ans Licht gebracht von Gerald Brousseau Gardner. Ich will euch nach diesem kleinen Überblick nicht weiter mit einer Geschichtsvorlesung langweilen (Links zu mehr Infos über die genannten Projekte findet ihr wie immer am Schluss des Artikels) und deshalb springe ich jetzt in Medias res, wie sich meiner persönlichen Erfahrung nach Spiritualität und Sexualität heute unter einen Hut bringen lassen.


Ende Teil I


Anufa


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Invokation - Teil II     Yvonne Aburrow, 20.07.2013
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Die Craft – aus einem Blickwinkel der traditionellen Covenarbeit - Teil IV     Anufa, 12.11.2005
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Hieros Gamos - Spiritualität in der Sexualität - Teil II     Anufa, 13.08.2005
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