Der Gott, aus der Sicht einer Wicca   Teil III
Viel wird von Hexen, die ja in unseren Breiten zu einem hohen Prozentsatz weiblich sind, über die Göttin erzählt, aber nur selten wird über den Gott gesprochen. Das will ich hiermit ändern...

Der Gott im Jahreskreis
Wie wir oft geschrieben finden, ist die Göttin diejenige, die unendlich und immerwährend einfach ist. Die Eine, in ihren drei Aspekten, die immer dieselbe und ständig gegenwärtig ist. Der Gott hingegen ändert seine Gestalt, wird ein immer anderer, stirbt und wird wieder geboren, um erneut getötet zu werden oder sich selber zu opfern. Durch diese Polarität zeigt sich das All-Eine in einem für mich als Menschen tatsächlich begreifbaren und erlebbaren Kleid.
Deshalb kann ich den Gott auch als Führer durch den Jahreskreis und somit auch meine eigenen Vergänglichkeit verfolgen, Dieser Jahreskreis spiegelt im Kleinen, in 365 Tagen, eines unserer Menschenleben von durchschnittlich 80 Jahren wider. Obwohl ich als Frau es da ein wenig schwerer habe, werde ich versuchen den Lauf des Gottes aus der Sicht der Beziehung eines Mannes zum Gott selbst, zu erklären. So ins Knie, durch die Brust ins Aug´ geschossen, quasi... Meine Theorie fußt auf den wenigen Informationen, die ich von männlichen praktizierenden Wicca bis dato im Gespräch erhalten konnte und meiner weiblichen Vorstellung davon, wie Mann sich im Gott zu spiegeln in der Lage sein könnte (nach dem Muster meiner weiblichen Verbindung zur Göttin!).

Zur Zeit der Wintersonnwende wird der Gott als Sonnenkind von der Großen Mutter wiedergeboren. Er hat sich, noch in seiner alten Form, selbst gezeugt und ist sehr wohl der neugeborene Gott aber doch auch derselbe, der er schon immer gewesen ist. Zu dieser Zeit ist astronomisch die längste Nacht zu beobachten und somit ist das Sonnenkind der Funken in der Dunkelheit, das uns Hoffnung in der Finsternis gibt. Die Kraft und Stärke ist noch verborgen und wird so auch noch nicht in ihrer ganzen Fülle genutzt. Einige Traditionen markieren diesen Wechsel der Zeiten auch durch die Machtübergabe des Stechpalmenkönigs in und an den Eichenkönig, der über die helle Hälfte des Jahres die Regentschaft führt.
Der Gott wächst nun langsam heran und entwickelt sich je frühlingshafter es wird, immer mehr zum Gott der Fruchtbarkeit und damit auch zum Gott der sexuellen Energie. Sein Bewusstsein erwacht langsam und damit wird die Macht immer mehr in Bahnen geleitet, die zur Erfüllung der eigenen Bestimmung führen – sich selber wieder neu zu zeugen.
Zu Frühlingsanfang, der Tag- und Nachtgleiche stehen wir vor dem voll erwachten und auch sexuell aktiven jungen Gott. Er ist sich all seiner Fähigkeiten bewusst und im Vollbesitz der Kräfte, die neues Leben schaffen. So kann er sich selber, aus dieser Kraft heraus neu zeugen und sozusagen den Samen pflanzen und die junge Göttin mit sich selbst schwanger gehen lassen. Das alles geschieht aber in einem wilden Tanz der Instinkte, die sich um Verantwortung nicht kümmern und auch keinen Gedanken an die Zukunft verschwenden.
Zu Beltane, der Maifeier, die ja immer noch vielerorts unter Einbeziehung eines Maibaums begangen wird, steht die gelebte Männlichkeit im Zentrum des Geschehens. Jetzt ist die Zeit der Hirschtänze, Morris Dancers und vieler Volksbräuche, die sich um Paarbildung und Fruchtbarkeit drehen. Der Gott ist in dieser Zeit nicht nur sexuell aktiv, sondern hat auch schon seinen Platz an der Seite der Göttin, als König eingenommen. Er hat sich entschlossen mit ihr ein Paar zu bilden, so eins zu werden und die Aufgaben, die ihm daraus erwachsen, anzunehmen. Seine Triebe sind um nichts gemindert, er bedient sich seiner vollen Kraft aber trotzdem ist er schon im Besitz der Ahnung seiner eigenen Endlichkeit.
Mit der Sommersonnwende wird er als König des Landes auch von außen anerkannt und beginnt sich seiner Bestimmung und der mit seiner Position verbundenen Verantwortung zu stellen. Sein Leben nähert sich nun der Erfüllung. Jetzt findet auch wieder die Ablöse des Eichenkönigs durch den Stechpalmenkönig statt – die Dauer des Sonnentages wird wieder kürzer und die offensichtliche Kraft, die nach außen drängt, wird weniger und wendet sich nach innen.
Zu Lammas (das auch Lughnasadh genannt wird) wird der Gott in seinem Aspekt als John Barleycorn und Green Man geopfert, um seinem Volk das Überleben im Winter zu sichern. Er nimmt nun seit Schicksal nicht nur an, sondern gibt sich ihm auch tatsächlich freiwillig und im vollen Bewusstsein seines Opfers hin. In dieser Zeit wird er merklich dunkler, unberührbarer und für mich als Frau auch geheimnisvoller. Er wird zum männlichen Mysterium.
Zur Tag- und Nachtgleiche im Herbst, wird der Gott zum Herrscher der Unterwelt, zum Herrn des Todes, einem der menschlichen Mysterien schlechthin.
Samhain, ist die Zeit des Herrschers der Unterwelt, in der er seine volle Kraft und Macht entfaltet, die diesmal aber nach innen zielt. Er ist nicht mehr der Gejagte, sondern der Gehörnte Jäger... Er hat gelernt anderen Ruhe, Frieden und Erneuerung zu bringen und seine dunklen Teile, die ihm eigentlich seine strahlende Kraft verleihen, anzuerkennen und für sich selbst und andere nutzbringend einzusetzen.


Und was nun?
Natürlich benutze ich auch diesen Artikel, um wieder eines meiner Anliegen vorzubringen. Wie besonders in deutschsprachigen Gegenden mehr als deutlich sichtbar ist, interessieren sich, verglichen mit den weiblichen Praktizierenden, nur wenige Männer für die Craft. Meine Beobachtungen und Schlüsse ziehe ich natürlich aus der Sicht einer Frau – die ich ja bin - und bin somit auf die Richtigstellung aus männlicher Sicht angewiesen. Gerade deshalb würde es mich dieses Mal umso mehr freuen, wenn ein paar (ich weiß ich bin mehr als unmäßig, gleich um ein „paar“ zu bitten) männliche Wicca im fachspezifischen ThemenForum ihre Sichtweise mit mir teilen würden. Vielleicht werden die Wortmeldungen ja auch so zahlreich sein, dass sie sich zu einem Artikel über den Gott aus der Sicht männlicher Wicca, zusammenfassen lassen??
Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich eines Tages doch noch so etwas wie ein Dialog entwickeln könnte...


Anufa


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