Der Gott, aus der Sicht einer Wicca   Teil II
Viel wird von Hexen, die ja in unseren Breiten zu einem hohen Prozentsatz weiblich sind, über die Göttin erzählt, aber nur selten wird über den Gott gesprochen. Das will ich hiermit ändern...

Die wilde Jagd
Häufig, besonders im ehemalig keltischen Raum Europas, taucht auch in Geschichten und Legenden die wilde Jagd auf. Die Anführer dieser Jagd waren meist Götter oder übermenschliche und phantastische Wesenheiten - in Deutschland Odin, in England Herne, in Arthurischen Legenden der Grüne Ritter.
Aber nicht nur die Anführer sind unterschiedlich sondern auch die Jagdbeute. In England jagt die Meute unter Hernes Führung einen strahlend weißen Hirschen, Odin´s (oder Wotans) wilde Jagd mit dem Heer der Toten als Streitmacht, zieht in einen Kampf mit den Erdgeistern. In Bretonischen Legenden besteht die Meute aus Hunden der Anderswelt, alle schneeweiß und mit roten Ohren und natürlich jagen sie seit der Christianisierung arme Seelen. In Wales werden sie auch vom Geschrei der Wildgänse begleitet, die in vorchristlicher Zeit Seelen der Verstorbenen ins Jenseits begleiteten. In den Mabinogion trifft der Prince of Dyfed, Pwyll auf den Unterweltkönig Arawn und auf seine Meute. In „Angelsächsischen Chroniken“ (1127 n. Z.) waren es mindestens zwanzig große schwarze Reiter auf schwarzen Pferden mit schwarzen Hunden und begleitet von schwarzen Ziegenböcken, die durch Peterborough rasten.

Erst der christliche Glauben veränderte die wilde Jagd drastisch und auch nachhaltig. Der Anführer wandelte sich vom göttlichen oder überirdischen Wesen in den Teufel selbst und die Beute nach der die Jagd ging, waren die verlorenen Seelen verdammter Menschen. Man konnte sich allerdings manchmal vor der Hölle retten, wenn man sich mit dem Gesicht nach unten niederwarf, sowohl Arme als auch Beine überkreuzte und sich fest am Gras oder an Büschen festhielt.


Green Man
Jack-in-the-Green ist eine typische Figur des europäischen Brauchtums. Er ist das Symbol der wieder auflebenden Kraft des Frühlings und des Frühsommers. So spielt er auch bei vielen Brauchtumsumzügen eine wichtige Rolle, in einigen Gegenden sogar bis heute.
Bei noch praktizierten Bräuchen ist es meist ein, bis auf die Augen völlig in Blätter und Zweige gehüllter Mann, der den Vegetationsgott verkörpert. Ist der Green Man abgebildet, dann meist als körperloser Kopf, der von Pflanzen umrankt wird und dem auch Zweige oder Blätter aus dem Mund wachsen. In England finden sich Massen und Mengen an derartige Schnitzerein oder Steinarbeiten. Viele davon sind wirklich alt, besonders diejenigen in Kirchen auf dem Lande, aber auch in den Städten findet sich eine Vielzahl dieser Jacks an Zäunen, Hausfassaden und öffentlichen Gebäuden.
Das Konzept des Grünen Mannes gibt es fast über den ganzen Globus verteilt. In Bayern ist er als der Grüne Georg oder als Pfingstl bekannt und die Verkörperung der Fruchtbarkeit. Der Grüne Georg muss im Volksbrauchtum auch heute noch einen rituellen Tod sterben (ertränkt werden), nachdem er die Erde befruchtet hat (in einem Umzug herumgeführt oder herumgetragen wurde), um so den Reigen der Vegetation von Leben, Tod und Wiederauferstehen in Gang zu halten.

In Europa finden sich Darstellungen aus keltischer Zeit, auf denen Esus in genau derselben Art und Weise abgebildet wird. Ebenso, wie es in Afrika bestimmte Ahnengeister gib, die ebenfalls im Blätterkostüm auftreten. Indien hat seine Green Man Schnitzerein in den Jain Tempeln in Rajastan.
Die frühesten Darstellungen kennen wir aus römischer Zeit, von den Erinnerungsstelen reicher Bürger. Auch auf römischen Säulen aus dem zweiten Jahrhundert v. n. Z. die in der Türkei gefunden wurden, findet sich unser Blättergesicht. Es gibt ihn aber auch in Deutschland, Frankreich, Italien, Holland und angeblich sogar in Spanien, Ungarn und Polen. Erstaunlich finde ich, dass es in der neuen Welt keinen Jack in the Green zu geben scheint...
Durch die Zeiten hielt er sich am hartnäckigsten auf den grünen Inseln, aber auch dort verschwand er großteils während der Reformation. Das hielt aber nicht lang an, denn das tat er nur, um im siebzehnten Jahrhundert wieder aufzutauchen - wie von einem Vegetationsgott auch nicht anders zu erwarten ist. In Viktorianischer Zeit spielte er besonders bei Kirchenrenovierungen eine große Rolle und wird, wie schon erwähnt, seitdem mehr als gerne zu Dekorationszwecken verwendet.

Als kleinen philosophischen Ausflug möchte ich noch erwähnen, dass unser Jack in the Green von der Kirche eher adoptiert als verteufelt worden ist. Vielleicht hängt das mit der eher passiven Rolle als Ernährer und Opfer (z.B. John Barleycorn) zusammen... Der eher heftig in der wilden Jagd übers Land sprengende Herrscher der Tiere taugte da natürlich als Feindbild um einiges besser.
Heutige neuheidnische Traditionen haben den Green Man ebenso wiederentdeckt und in´s rituelle Gesamtbild integriert, wie es die Architektur mit ihm in den Städten getan hat. Er erscheint als Eichenkönig (der Regent des hellen Jahres) und Stechpalmen- oder Mistelkönig (der Regent des dunklen Jahres), die beiden Brüder, die immer und immer wieder um die Herrschaft kämpfen. Wir kennen ihn aber auch als Jack in the Green, die personifizierte Fruchtbarkeit und somit auch immer zu mehr oder minder jugendfreien Lustbarkeiten aufgelegt. Als John Barleycorn, dessen „Blut“ (das aus Gerste hergestellte Bier) nach „qualvollem Opfer“ (so eine Ernte mittels Sichel und der anschließende Fermentationsprozess können schon anstrengend sein...) die Menschen fröhlich macht und nebenbei noch ernährt, wird er besonders in englischen Hexenzirkeln besungen. Alles in allem ist er in vielen neuheidnischen Traditionen zu einer wichtigen Figur geworden, die uns hilft, den Kreislauf des Lebens besser zu verstehen und ihn für uns selbst annehmen zu können.


Ende Teil II


Anufa


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