Hexenbilder damals und heute - oder heute wie damals?   Teil I
In den Medien sind Hexen heute, so scheint es zumindest, ein Modethema geworden. Ich möchte einen Blick auf die Entstehungsgeschichte des Wortes Hexe werfen und auch darauf, was aus ihr heute geworden ist - oder auch nicht!

Was genau sagt denn das Wort "Hexe" eigentlich aus?
Es gibt unzählige etymologische Deutungen und Herkunftsbeschreibungen des Wortes Hexe. Viele der gängigen Erklärungen sind zwar äußerst umfangreich, klingen aber in meinen Ohren manchmal doch etwas an den Haaren herbeigezogen:

Hexe, die; -, -n [Mittelhochdeutsch hecse, hesse, ahd. hagzissa, hag(a)zus(sa);
1. Bestandteil wahrscheinlich verwandt mit Hag, also wohl eigentlich = auf Zäunen od. in Hecken sich aufhaltendes dämonisches Wesen,
2. Bestandteil wohl verwandt mit norw. tysja = Elfe]:1. im Volksglauben, besonders in Märchen und Sage auftretendes weibliches dämonisches Wesen, meist in Gestalt einer hässlichen, buckligen alten Frau mit langer, krummer Nase, die mit ihren Zauberkräften den Menschen Schaden zufügt und oft mit dem Teufel im Bunde steht: eine böse, alte Hexe; die Kinder wurden von einer Hexe verzaubert, in Vögel verwandelt.2. als mit dem Teufel im Bunde stehend betrachtete, über angebliche Zauberkräfte verfügende Person: sie wurde als Hexe verfolgt und schließlich verbrannt.
3. (abwertend) [hässliche] bösartige, zänkische, unangenehme weibliche Person (oft als Schimpfwort): Von mir aus kann sie verrecken, die alte Hexe! (Ziegler, Gesellschaftsspiele 183); (mit dem Unterton widerstrebender Anerkennung bestimmter Eigenschaften wie Durchtriebenheit, Raffiniertheit oder Temperament:) diese kleine Hexe!; Eine junge und gefährliche Hexe (Remarque, Obelisk 233); Die Frau Bürgermeister wurde als mannstolle Hexe verschrien (Fels, Sünden 103).(Quelle: Großer Duden)

Seit langer Zeit ist also die Hexe im Volksglauben ein weibliches Wesen mit magisch schädigenden Kräften. Im Althochdeutschen hagazussa oder verkürzt hâzus, hâzis, hâzes, hâzissa, im Altgermanischen hägtesse, hägesse, im Mittelhochdeutschen hecse, hexse, hesse, im Englischen hag und auch das Schweizerische hagsch, hâgsch für verschmitztes Weib mag dasselbe Wort sein.
Jakob und Wilhelm Grimm ziehen zur Erklärung hagr (klug) heran, womit wir wieder beim verschmitzten Weib wären, andere deuten hag mit Bezug auf als Waldweib.
Wenn mensch die assimilierte Form hähtesse zu Grunde legt, abgeleitet vom Altgermanischen ersten Teil hag in der Bedeutung Landgut, Feld und Flur und dem zweiten Teil -tesse oder zussa (was wieder mit tesu, tesvian was mit in Nachteil setzen, schädigen, verderben zu übersetzen wäre) ist die Hexe demnach die das Landgut, Feld und Flur Schädigende.
Die althochdeutsche hagazussa übersetzt als die Zaunreiterin, ist wohl aus der symbolischen Bedeutung entstanden - eine andere Theorie. Der Hag (die Hecke) begrenzte frühe den persönlichen Grundbesitz. Eine Abgrenzung der feindlichen Aussenwelt gegen das sichere und vertraute Heim. Das, auf die psychologische Schiene umgelegt, kann durchaus zum Ausdruck auf dem Zaun reiten geführt haben. Das könnte also nichts anderes bedeuten, als jemanden, der seine Standbeine in zwei verschiedenen Welten hat. Eines in der Realität, die allen zugänglich ist und von der Gemeinschaft im Konses wahrgenommen wird und eines in der, auch damals schon für den Normalbürger, unheimlichen Anderswelt.


Ziemlich kurios klingt für mich die Herleitung auf die Anfangslaute der Messformel bei der Hostienweihe hoc est corpus. Ich denke, das können wir getrost ins Reich der Fabeln verbannen.

Die Hexen der Neuzeit entziehen sich der Beobachtung wie der historischen Mythologie. Mir will scheinen, nur in einer gewissen Distanz zum Diskurs von Aufklärung und Romantik zugleich kann dieser allzu lange aus Lehrbuch und Bewusstsein ausgesperrte und heute ein wenig geschwätzig vermarktete Abschnitt abendländischer Geschichte durch die Betroffenen produktiv in gegenkulturelle Deutung übergeführt werden. (Claudia Honegger, 1978, Hexen der Neuzeit)

Rein von der Warte der Wortentstehung her betrachtet, wird sich nun niemand mehr wundern, wenn das Wort Hexe mannigfaltige Assoziationen hervorruft, aber die wenigsten davon wohl angenehm oder positiv sind.
Gäbe es nicht Film und Fernsehen, dann könnte mensch meinen, dass es sich bei Hexen um ein Phänomen des Mittelalters handelte und die Zeit des Hexenglaubens aber auch die der Hexenverfolgungen schon lange vorbei wäre. Tatsächlich schaut es aber - besonders in den letzen 50 Jahren - etwas anders aus! Nicht nur, dass sich in einigen Bereichen der modernen Welt die Bedeutung des Wortes selbst gewandelt hat (oder versucht wurde, diese positiv zu verändern), gibt es trotzdem leider immer noch genügend Raum für gewaltsame Verfolgungen.


Wo kommt denn der Glaube an so eine Hexe eigentlich her?
Der Glauben an Hexen reicht für mich weit in die Menschheitsgeschichte zurück - auch wenn das Wort Hexe, wie wir gesehen haben, eher neueren Datums ist. Bei der Behandlung der Hexenverfolgungen werde ich darauf noch etwas näher eingehen...

Die Quellen scheinen im Animismus zu liegen, der sogar heute in vielen Teilen der Welt immer noch verbreitet ist. Dabei wird jedes Wesen, alles was existiert und schlussendlich das gesamte Universum als beseelt betrachtet. Mit der Zeit wurden dann diese, die Natur steuernden Kräfte personifiziert und in Form von Göttern (mit ganz spezifischen Eigenschaften) verehrt. Die Anerkennung dieser übernatürlicher Mächte und dienstbarer Kräfte scheint also der Nährboden für ein magisches Weltbild zu sein.
Das Tun der einzelnen Götter konnte sowohl positiv als auch negativ oder ambivalent sein. Langsam bildete sich nun die Meinung aus, dass man diese Götter durch bestimmte Verhaltensweisen beeinflussen konnte – damit waren Magie und Rituale geboren. Wie in anderen Bereichen des menschlichen Lebens kam es mit der Zeit zur Spezialisierung und somit war klar, dass es manche geben musste, die sich mit diesen Prinzipien besser auskannten oder die dafür besser geeignet erschienen, als andere. Der Berufszweig der Hexe war geboren!

Generell ist mensch versucht Magie in zwei Arten zu unterteilen, die negative (Schadenszauber) und die positive (Abwehrzauber oder Fruchtbarkeitszauber) Ausprägung. Magische Praktiken sind von Kulturkreis zu Kulturkreis verschieden, lasse sich aber dennoch ein wenig ordnen:
Magie wird durch verschiedene Möglichkeiten zugänglich gemacht:

Magische Hilfsmittel (Tränke, Speisen oder Gegenstände)
Sympathiemagie (gleich und gleich)
Zaubersprüche oder ähnliches.
Wahrsagerei wird eher der positiven Richtung zugeordnet.

Natürlich sind die verschiedenen Anwendungsformen nicht scharf von einander zu trennen. Diese kleine Aufzählung soll nur zur ersten Orientierung dienen und die jetzt nachfolgenden Fakten und Überlegungen über die Hexenverfolgungen verständlicher machen.


Ende Teil I


Anufa


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