Tradition - Gefängnis und/oder Handlauf    Teil II

Gerade im Bereich des Hexentums, das vielfach auch unter „das Wicca“ läuft, gibt es des öfteren Diskussionen um „Tradition“. In meiner spirituellen Jugend, also vor rund dreißig Jahren, kam es hauptsächlich darauf an, „echt“ zu sein.

Es globalisiert, und wie das globalisiert ...

Kurz nach der Jahrtausendwende war das Netz soweit verbreitet, dass sich durch den möglich gewordenen persönlichen Kontakt auch engere Verbindungen ergaben und sich nicht nur althergebrachte Annahmen verifizieren oder falsifizieren ließen, sondern auch die Möglichkeit bestand, sich etwas besser kennen zu lernen. Dadurch zeigte sich auch oftmals, dass „die Tradition“ gar nicht so übergreifend traditionell angelegt war, wie mensch vielleicht selber gedacht hatte. Rituale, die mensch als „allgemeingültig“ eingeordnet hatte, waren auf einmal eine „Linienbesonderheit“ oder gar eine „Coventypische Vorgangsweise“. Eine Sache, die für den einen oder anderen schwer zu verdauen war …
Was war dann Tradition noch wert, wenn eh alles anders war, an jedem Eck und Ende?
Auf der anderen Seite gab es nun auch schon die „Tradition“ derer, die explizit keiner Tradition angehören wollten. Solitary oder Solohexen hatten sich zusammengefunden und dadurch entstanden naturgemäß wieder neue Traditionen (allein weil es meistens eher weniger praktikabel ist, bei jedem Treffen einen neuen Ritualablauf zu etablieren …). Je größer die Gruppen wurden, desto eher bildeten sich Muster heraus.
Die nächste Station war dann Ende der 2010er Jahre, das Zerfallen vieler dieser Gruppen – meistens weil es langweilig geworden war (wie in schlechten Beziehungen), sich die Leithammel in die Haare kriegten (wie bei Firmengründungen oft zu finden) oder schlichtweg, weil geheiratet und die Energien auf Kinder oder auf die Karriere umgeleitet wurden (wie bei vielen anderen Hobbies auch) und weil sich herausgestellt hatte, dass Magie und Co doch den Aufwand nicht wert waren. Auch „wirklich“ tradtionelle Richtungen haben davon ihren Schlag abgekommen, was an den Mitgliederzahlen der unterschiedlichsten Gruppen nicht wegzudiskutieren war.


… und was jetzt?

Die Frage die ich jetzt aufwerfen will ist:

Was kann und soll Tradition denn heute noch bringen?
und

Für wen hat es Sinn danach zu suchen?

Wie immer kann ich natürlich vornehmlich auf meine eigenen Erfahrungen in Bezug auf „Tradition“ zurückgreifen, die ich allerdings nicht nur aus dem Bereich des Hexentums ziehe sondern sowohl aus meinem Berufsumfeld als auch aus meinen Familien- und Weiterbildungsaktivitäten.

Für mich birgt Tradition den riesengroßen Vorteil, dass sie einen bewährten und relativ einfach begehbaren, quasi beschilderten, Weg an ein vorherbestimmtest Ziel bietet. Sollte ich also genau dorthin auch wirklich wollen, dann ist sie für mich tatsächlich der sinnvollste Weg auch dahin zu kommen.
Wer mich ein wenig kennt, der weiß, dass ich gerne lebensnahe Vergleiche finde. In diesem Fall vergleiche ich Tradition mittlerweile sehr gerne mit einem Navi fürs Auto.

Wenn ich noch nie in Rom war, aber gerne die Offizien besichtigen würde, dann werde ich mit Hilfe des Navi recht rasch merken, dass ich zwar mit „Italien“ ziemlich gut liege, ich aber nach Florenz fahren muss und nicht nach Rom. Das stellt mich dann vor die Tatsache, dass meine Vorstellung mit der Realität nicht wirklich deckungsgleich gewesen ist und ich muss den weiteren Plan, den ich im Hinterkopf hatte (das Colosseum mitzunehmen und in einer Seitengasse vom Markusplatz eine Maske einzukaufen) ebenfalls abklopfen und anpassen.
Das Navi sagt mir dabei, wie ich am besten vorgehe und ob das im Rahmen meines Budgets und meiner Zeit überhaupt möglich wäre. Je nachdem wie gut mein Navi programmiert ist, werde ich damit besser oder schlechter beraten sein. Ein gut programmiertes Navi wird Zwischenziele zulassen und damit werde ich feststellen, dass die Planung bzgl. der Abfolge umgestellt werden sollte um Sprit und Zeit zu sparen. Ich werde sogar bis ins Detail Anweisungen erhalten können, wo ich Raststationen, Übernachtungsmöglichkeiten und Parkplätze auf dem Weg und an meinen Zielen finden kann. Und natürlich wird es mich auch wieder sicher von Rom heimbringen. Ich werde von keinen Mautstellen überrascht werden, von keinen Baustellen etc. und ich werde sogar einen ungefähren Zeitplan vorfinden, wann ich damit rechnen kann, anzukommen.
Das wäre für mich eine gut eingenordete Tradition.

Natürlich, wenn ich mir vor Augen halte, dass ich es hier mit einem „Navi“ mit recht konkreter Programmierung zu tun habe, birgt das Potential für Schwierigkeiten. Ich kann hierbei nicht einfach doch lieber nach Norwegen fahren oder nach Australien und natürlich haben auch gut funktionierende Navis in verbindungslosen Bereichen keine Chance, manche unter Umständen eine ziemlich komplizierte Bedienung, benötigen Strom etc. Und wie jeder Vergleich hinkt auch dieser irgendwo – nämlich genau da, wo in Traditionen noch der „menschliche Faktor“ eine große Rolle spielt. Dem Navi ist egal, wer es „bedient“ solange die richtigen Knöpfe gedrückt werden.
Gerade dieser menschliche Faktor ist es aber, der viele dazu bringt, sich überhaupt einer Tradition anschließen zu wollen … um wo dazu zu gehören!

Was ich noch explizit erwähnen möchte ist, dass ich den Weg trotz Navi selber auf mich nehmen muss! Es wird mich das Navi weder hinfliegen noch hintragen und schon gar nicht beamen … gehen/fahren muss ich nach wie vor selber! Das kostet Energie, Zeit, Kraft, Willen, bringt Entbehrung mit sich und erfordert auch Vorkenntnisse (wenn ich mich nicht fortbewegen kann, dann nutzt mir auch das Navi nicht viel!) und Geld (das ich, ohne Navi, zwar auch für andere Sachen verwenden müsste – weil gratis nach Italien beamen gibt’s halt nicht!! - aber trotzdem sei es erwähnt). Wichtig ist mir, beim Geldthema, anzumerken, dass es in meiner Tradition keinen Unterricht gegen Barschaft gibt sondern Auslagen gedeckt werden müssen (von Nahrung über Getränke bis zu Ritualbedarf) – um das Navibeispiel so abzuschließen.

Damit wären wir bei der Frage nach dem „Typ“ Mensch, für den Traditionen Sinn machen können. Diese Frage sollte sich anhand meines Beispiels mittlerweile jeder selber beantworten können.
Wer das nicht kann/will oder möchte, der kann mich gerne anschreiben und ich schiebe noch einen Teil III nach – sofern sich mindestens 10 Interessenten finden, vorausgesetzt. Natürlich könnt Ihr das auch gerne in dem Blogkommentaren ausdiskutieren – dann spare ich mir den Teil III und es kommen mehrere Sichtweisen zu Wort und ich senfe natürlich auch gerne dazu!


Anufa


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