Tradition - Gefängnis und/oder Handlauf    Teil I

Gerade im Bereich des Hexentums, das vielfach auch unter „das Wicca“ läuft, gibt es des öfteren Diskussionen um „Tradition“. In meiner spirituellen Jugend, also vor rund dreißig Jahren, kam es hauptsächlich darauf an, „echt“ zu sein.

Was mensch damals unter „echt“ verstand

In den 80ern war es echt, wenn mensch von jemandem initiiert war, der einem (glaubwürdig, wenn mensch Glück hatte) versicherte, dass er auch initiiert worden wäre. Gerade in Österreich war das aber ein bisschen schwierig, weil es noch kaum öffentliche Kontakte auf diesem Gebiet gab und es so gut wie unmöglich war, den Wahrheitsgehalt dessen, was einem so erzählt wurde, zu überprüfen.
Deshalb bestanden die Tradition im Hexentum leider meistens darin, Buchwissen, on the go, in die jeweilige Praxis einzubauen und als traditionell zu verkauft (weil es ja eingeweihte Leute waren, die diese Bücher geschrieben hatten und so genau wollte mensch das auch nicht nehmen, eigentlich).

Ende der 80er tauchten dann, unter der Theke einiger Esogeschäfte, BoS (Books of Shadow, mehr oder minder coveninterne Hexenpraxisbücher) auf, die dann ganz geheim angeboten wurden – den zahlenden Stammkunden.

In den 90ern gab es dann, durch das Netz, endlich die Möglichkeit die Realität mit der Legende abzugleichen … und etliche Dinge ließen sich gerade rücken. Natürlich wurden dabei viele Wunden geschlagen (bei denen, die mehr oder minder hinters Licht geführt worden waren) aber das ist leider bei Ent-täuschungen – eher ein Qualitätsmerkmal, weil es nur weh tut, wenn einem das Thema wirklich wirklich war/ist!


Wozu is das dann gut?

Eine Frage, mit der sich schon viele beschäftigt haben, mein Blickwinkel auf Traditionen ist folgender. Tradition hat – genauso wie alles – Vor- und Nachteile.

Generell betrachtet bietet Tradition den Vorteil, dass einem schon „viele vorausgegangen sind“. Damit ist anzunehmen oder zu hoffen, dass die Praktiken funktional sind, das Weltbild bereits abgeklopft, Erfahrungen kolportiert wurden und werden, eine gewisse Gemeinschaft vorhanden ist, es bei Nachfragen Ansprechpartner gibt, … Einfach gesagt, ein funktionierendes Gesamtkonzept bereits erstellt wurde, in das mensch nur mehr einsteigen muss.

Eine Hürde am Anfang, gerade bei einer Mysterientradition, und damit ein offensichtlicher Nachteil ist, dass mensch, gerade in spirituellen Belangen, als Außenseiter, nur bedingt sicher sein kann, was in der Dose drinnen ist. Was drauf steht, ist manchmal besser, manchmal schlechter lesbar aber das heißt noch lange nicht, dass auch genau das drinnen sein muss.
Deshalb wäre es mir als Neuankömmling besonders wichtig, mit den Leuten zu sprechen und zwar ausführlich. Fragen , fragen, fragen – wie genau heißt die Tradition; wo kommt sie her; wer ist die „Mutter“ (des Covens), die „Großmutter“ etc. Gerade im traditionellen Craftbereich sollte es kein Problem darstellen, darauf Antworten zu erhalten. Dabei kann auch das Netz eine große Hilfe sein, Suchmaschinen anwerfen und all das nochmal durchlaufen lassen. Menschen fragen, die derselben Tradition angehören und mit diesen die Informationen abgleichen.

Sobald sichergestellt ist, ob es sich um eine tradierte Praxis handelt (wobei Handgestricktes durchaus Sinn machen kann, aber das ist ein anderes Thema!), bleiben noch ein paar Punkte über, die für manchen als Nachteil gesehen werden könnten.


Der Vorteil als Nachteil und der Nachteil als Vorteil

Da ich mich in einem überlieferten System befinde oder dieses erlernen möchte, bin ich natürlich (auf jeden Fall einmal am Anfang) an dieses gebunden. Das kann mensch durchaus als Nachteil empfinden, ich sehe das allerdings als großen Vorteil an. Ich erlerne durch ein neues System – eine neue Weltsicht, erarbeite mir ein Lebensmuster (wenn es gut geht). Allerdings stammt meine Einschätzung sicher daher, dass ich selber nach dem Motto lebe, dass „ein bissl schwanger“ vielleicht irgend etwas tut, eventuell auch irgendwas dabei rauskommt - das aber ganz sicher kein Kind wird.
Der Unterschied zwischen einem spirituellen Leben und einem unspirituellen liegt in meinen Augen darin, dass sich so gut wie alles verändert. Die Weltsicht wird eine andere, der eigene Zugang zum Leben und damit auch das was mensch wie tut, was wieder am täglichen Leben (vielfach nur in Kleinigkeiten und/oder von denjenigen, die schon wissen, woran sie das merken!!) erkennbar ist.

Der Vorteil einer Tradition, eines Systems ist dass ich mir das alles nicht von A an selber erarbeiten muss, sondern durch das System schon einen roten Faden vorgegeben habe, an dem ich mich entlang handeln kann. Klar, dass mich das dann auch einschränkt, weil ich eben nicht zu jeder Zeit jedem Impuls einfach so nachgeben kann – was ja auch Kennzeichen einer Tradition ist. Genau diesem Faktum wird in der Struktur der Craft, wie ich sie kenne, auch durch die unterschiedlichen „Stufen“ die „Grade“ entsprochen. Aber das ginge jetzt zur sehr ins Detail … Trotzdem zeigt das, dass scheinbar in diesem System eben diesen Entwicklungen bereits Aufmerksamkeit geschenkt und daraus Konsequenzen gezogen wurden.

Gerade im Hexentum geht es oft um Gemeinschaft – die hat ebenfalls so ihre Fußangeln. Traditionell für die Craft ist es in Coven zu arbeiten. Schön, weil damit immer eine kompetente Anlaufstelle erreichbar ist, unschön, weil das alte Sprichwort von „mitgefangen – mitgehangen“ genauso gilt. Sofern ich der Tradition X angehöre, werde ich auch mit anderen Mitgliedern der Tradition X in Verbindung gebracht werden, im Positiven wie im Negativen. Der übliche Effekt von Gemeinschaft, durchaus nicht beschränkt auf das Hexentum …


Ende Teil I


Anufa


Ein Treffen mit Dayonis Teil IV 18.11.2017
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