Warum ich Wicca bin   Teil II

Wieder einmal freue ich mich über einen Beitrag aus GastAutoren-Feder. Yvonne hat einen Vortrag für die Unitarische Kirche in Cambridge gehalten und mir erlaubt, ihn für Euch zu übersetzen. Vielen lieben Dank, Yvonne!

Meine Erfahrungen als Wicca

Mit ungefähr sechs Jahren hatte ich eine Serie an Visionen oder vielleicht auch Träumen, da bin ich mir nicht sicher, in denen ich mich mit einem Gott traf. Zu dieser Zeit war mir nicht klar, wer er war, aber mittlerweile denke ich, dass es Odin war. Er wohnte in einer hügeligen und felsigen Landschaft, die ziemlich unfruchtbar war.
Später las ich dann die Narnia-Bücher und all diese heidnischen Elemente – sprechende Bäume, sprechende Tiere, Driaden, Flussgötter, Faune – beeindruckten mich tief. Ich glaube, dass ich mit zwölf das erste Mal versucht habe, mit Bäumen zu sprechen.

Das Buch, das mich aber wirklich verstehen ließ, dass ich Heide bin, war Puck of Pook´s Hill von Rudyard Kipling. Es hat sich herausgestellt, dass Garald Gardner, der Begründer von Wicca, auch von diesem Buch beeinflusst war, weil er eines der Gedichte daraus in seinem Ritual für Beltane, dem Fest des Frühlings, der Fröhlichkeit und Liebe, eingebaut hat.

Also beschloss ich, so um 1985 herum, Heide zu sein. Ich dachte über meine Werte nach – das Feiern des Lebens, der Vergnügen und der Erde – und ich erkannte, dass ich mit Heidentum ein gutes Label für mein Wertesystem hatte.

Wicca entdeckte ich in meinen letzen Jahren auf der Universität. Ich hatte „Dreaming dhe Dark: Magic, Sex and Politics“ von Starhawk gelesen und mochte die Botschaft, dass die Dunkelheit die zurückgewiesene feminine Seite des Lebens repräsentiert und das Dunkelheit und Licht gleich heilig sind. Die Idee der Hexe hatte ich immer schon anziehend gefunden – die Idee des Heilers, Schamanen und der Frau, die in ihrer eigenen Macht steht.

Als ich dann einem richtigen Wicca vorgestellt wurde und letztendlich, nachdem ich 1991 nach Cambridge übersiedelt war, in Wicca eingeweiht wurde, hatte ich ein Gefühl des Nach-Hause-Kommens.
Als ich die Worte der Charge of the Goddess zum ersten Mal hörte, fand ich sie überwältigend schön und sie klangen in mir nach.

Obwohl ich über die Jahre durchaus Momente hatte, in denen ich mit einigen Aspekten in Wicca nicht einverstanden war: besonders mit der vereinfachten Theologie eines Gottes und einer Göttin, die von einigen Wicca akzeptiert wird, der Notwendigkeit von Geheimhaltung und der Umstand, dass einige Wicca nur unzureichend integrativ sind, wenn es um lesbische, schwule, bisexuelle und transgender Leute geht. Ich bin immer zu der Schönheit zurückgekommen, dem Gefühl der Verbundenheit und der Heimat, dem Gefühl, dass ich meinen Stamm gefunden habe. Ein Stamm der individuell, interessant, unabhängig denkend und wundervoll kreativ ist, der Sexualität, Wildheit und die pure Freude am Leben feiert.

Ich bin auch Polytheistin weil ich glaube, dass sich Göttlichkeit in vielen Formen manifestiert und dass die Idee einer allumfassenden einzelnen Gottheit sich nicht einordnen lässt, gemeinsam mit dem Faktum eines unendlichen Universums. Wenn die Gottheit des Panheisten der Geist des Universums selbst ist, dann muss er entweder so groß sein, dass es sich unseres kleinen Bewusstseins überhaupt nicht bewusst sein kann oder es kann nicht in der selben Art bewusst sein, wie wir. Damit wäre es dann schwierig (soweit ich das beurteilen kann) damit eine persönliche Beziehung zu haben. Im Polytheismus habe ich eine persönliche Beziehung mit einer großen Anzahl an unterschiedlichen Gottheiten, mit unterschiedlichsten Perspektiven des Lebens. Es gibt Merkur und Athene für die Intellektuellen, Cernunnos und Artemis für die Waldliebhaber, Odin und Bragi und Brighid für die Poeten und Barden und so weiter und so fort. So ziemlich jeder hat Schwierigkeiten sich auf die Idee einer ultimativen göttlichen Quelle zu beziehen oder auf ein unendliches Wesen – damit müssen sie sich an etwas Kleineres wenden.

Im Ritual drücken wir unsere tiefsten Sehnsüchte, nach dem was wir besonders hoch halten, aus. In Wicca ist es für einen Polytheisten, einen Atheisten, einen Duotheisten und einen Animisten möglich, im selben Kreis zu stehen, sofern wir die gleichen Werte schätzen und ähnlich Praktiken haben. Unsere Theologie ist undeutlich und es gibt einen größeren Fokus auf Erfahrung als auf Theologie. Es gibt genügend Raum für Mysterien in Wicca. Wir wissen nicht, wie die Natur der Götter ist, damit ist all unser Theoretisieren wahrscheinlich nicht zutreffend und die meisten Wicca anerkennen das auch. Wir sind uns bewusst, dass wir nicht alles über die Götter wissen und dass wir nur die Gesichter sehen, die sie uns zeigen wollen; dass es manchmal mehr Licht in die Sache bringen mag zu sagen, was die Götter nicht sind als zu versuchen zu sagen, was sie sind.

In einem Ritual sind die Worte, die Energien und der Raum schön und nachhallend. Wir haben die Grenze in ein neues Gebiet überschritten, das sich den Göttern und Göttinnen näher fühlt. Ein Platz zwischen den Welten, an dem wir am Rand von Zeit und Raum wandern, mit einem Fuß in der Anderswelt. Der Kreis ist ein Ort an dem Kommunikation mit dem Universum möglich ist, Entwicklung des Selbst, Mitwirkung im göttlichen Spiel und Vereherung der Göttlichen in eigenen Selbst und in anderen. Es gibt die Befreiung von unnötigen sozialen Beschränkungen. Wir feiern die Schönheit der Nacht und des menschlichen Körpers, der flackernde Feuerschein auf nackter Haut. Die leidenschaftlichen Sprünge über das Feuer, wild und frei. Die Flammen als Symbol des Lebens und der Leidenschaft … Das Gefühl zusammen in andere Welten zu reisen, mit den Ahnen Kontakt zu pflegen, mit dem Land und den Geistern des Landes. Wir gehen mit den Göttern und Göttinnen.

Mittlerweile praktiziere ich Wicca seit 25 Jahren. Nach dieser Zeitspanne werden die Jahreskreisfeste ein Teil der Weltsicht und alles wird aus heidnischer Perspektive betrachtet – Suchen nach der lebensförderlichsten Lösung in einer bestimmten Situation, alles eher als Spektrum zu sehen als zwei sich ausschließende Möglichkeiten in einer Entweder-Oder Entscheidung, der Versuch die Balance herzustellen und die Sorge um die Erde und alle Wesen darauf.


Yvonne


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