Which witch is which witch!   Teil III
Hexe oder Wicca nennen sich oftmals Menschen, die in einer bestimmten Ethik leben - viele akzeptieren den Ausspruch „Tue was du willst - aber schade niemandem“

Genauso unmöglich, wie es mir ist, ein allgemein von allen, die sich da Wicca oder Hexe nennen, akzeptiertes Glaubens- oder Wertesystem zu beschreiben, so unmöglich ist es mir, das für eine vermeintlich "typische" Ethik oder Moralvorstellung zu tun. Was ich aber tun kann ist, einige teils sehr unterschiedliche Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die Dinge tatsächlich gehandhabt werden.


Wer hat´s erfunden?
Ein Satz, den viele schon einmal gehört haben dürften: Tue was Du willst und schade niemandem!" Vielleicht ist gerade deshalb interessant zu wissen, wo denn dieser Ausspruch eigentlich genau her stammt und was als Hintergrund zur Entstehung diente...

Gerald Gardner, The Meaning of Witchcraft
(Witches) are inclined to the morality of the legendary Good King Pausol, "Do what you like so long as you harm no one". But they believe a certain law to be important, "You must not use magic for anything which will cause harm to anyone, and if, to prevent a greater wrong being done, you must discommode someone, you must do it only in a way which will abate the harm."

Gardner erwähnt also hier einen legendären "Guten König Pausol" der einen Hinweis zur Moral gegeben hätte. "Tue was du willst, solange du niemandem schadest", fährt er fort, aber fügt noch hinzu, daß auch ein anderes Gesetz wichtig sei. "Du darfst für etwas, das jemandem schadet, keine Magie verwenden und falls du doch jemandem Ungemach bereiten musst, um zu verhindern, dass grösseres Übel getan wird, darfst du das nur auf eine Weise machen, die den Schaden abmildert."
Ist das auf Gardner´s Mist gewachsen? Eine gute Frage, mit vielen Antwortmöglichkeiten...

Die am meisten verbreitete Sichtweise ist in meinen Augen folgend: Er könnte einfach Texte der Thelemiten übernommen haben, die von Aleister Crowley nieder geschrieben worden waren (und zu denen er ohne Schwierigkeiten Zugang gehabt haben könnte).

Aleister Crowley, The Book of the Law
Who calls us Thelemites will do no wrong, if he look but close into the word. For there are therein Three Grades, the Hermit, and the Lover, and the man of Earth. Do what thou wilt shall be the whole of the Law

"Tue was du willst, soll das ganze Gesetz sein" - wozu auch Crowley wieder inspiriert worden sein könnte und zwar von Francois Rabelais.

Francois Rabelais, Gargantua
DO AS THOU WILT because men that are free, of gentle birth, well bred and at home in civilized company possess a natural instinct that inclines them to virtue and saves them from vice. This instinct they name their honor.


Eine weniger bekannte Erklärung wäre Gardner´s Lesefreudigkeit.
Les aventures du roi Pausole von Pierre Louys ist wahrscheinlich der Herkunftsort des "König Pausol" und das Konzept, aus dem unser Leitsatz hier, ebenfalls entstanden sein könnte. Es findet sich nämlich in Louys gesammelten Werken ("...füge Deinem Nachbarn keinen Schaden zu..." und "Wenn Du das beachtest, dann tue wie es dir gefällt"). Da Gardner nachgesagt wird, sehr belesen gewesen zu sein, könnte das durchaus möglich sein.

Zu guter Letzt eine Möglichkeit, die Doreen Valiente, eine von Gardner´s Hohepriesterinnen (und massgebliche Mitautorin des vielzitierten " Book of Shadows") in einem ihrer Bücher erwähnt.

Doreen Valiente, Witchcraft for Tomorrow
The teachings of Crowley's, embodied in the dictum quoted above, 'Do what thou wilt', is by no means new, and was not invented by him. Long ago, Saint Augustine said, 'Love and do what you will'. The initiate of ancient Egypt declared: 'There is no part of me that is not of the gods'. The pagan Greeks originated the saying: 'To the pure all things are pure'. The implication is that when one has reached a high state of spiritual development and evolution one has passed beyond the comparatively petty rules of religion and society at some particular time and place, and may indeed do what one wills, because one's true will is then knowable, and must of its own nature be right. The Upanishads or sacred scriptures of ancient India tell us that the knower of Brahma is beyond both good and evil.

Sie meint also, dass schon der Heilige Augustinus gesagt hätte: "Liebe und tue was du willst."


Is eh wurscht, ich tu wo will?!
Jetzt haben wir hier einige Möglichkeiten, wo denn dieser nette Leitsatz seinen Ursprung haben könnte. Das versetzt mich aber noch nicht in die Lage, definieren zu können, was genau er denn bedeutet... Meiner Erfahrung nach, ändert sich diese Definition mit jedem, der diesen Satz erwähnt und auf irgendeine Art und Weise in sein Leben einbaut.

In meinen Augen habe ich damit keinen Freibrief, alles zu tun, was mir gerade so einfällt.

Zum Verständnis braucht es für mich Lebenserfahrung (um zumindest die Mindestkonsequenzen meiner Handlungen abschätzen zu können), ein gutes Quentchen Selbsterkenntnis (um die eigenen Überlebenschancen einschätzen zu können, für den Fall, dass die "schlimmsten vorstellbaren Folgen" eintreten würden) und ein gutes Maß an gesundem Hausverstand (um den größtmöglichen Erfolg bei geringstem Schadensaufkommen aussuchen zu können).


Lieber fünf Minuten lang feig, als ein Leben lang tot?

Wie fange ich es also praktisch an, mich für bestimmte Handlungsweisen zu entscheiden und nicht durch zu viele "Wenns und Abers" festgeklebt zu sein...
Für mich ist sehr wichtig, die wirklichen Gründe, warum ich etwas tun oder nicht tun will, erforscht zu haben. Dabei versuche ich so ehrlich zu mir selber zu sein, wie nur irgend möglich (auch auf die Gefahr hin, dass der Heiligenschein oder die Bockshörndln dann ziemlich schnell und gründlich zerbröseln!). Wenn ich meine Motive für mich klargestellt habe, dann schaue ich mir die "Kosten" an, die durch meine Handlung auf mich zukommen könnten (wobei ich prinzipiell vom "worst case" ausgehe, meine kleine persönliche Note!). Wenn ich bereit bin, diese Kosten zu bezahlen, dann ist meine Entscheidung gefallen.


Theorie und Praxis
Das klingt alles viel zu theoretisch? Kein Problem, hier ein aus dem Leben gegriffenes Beispiel.

Ich bin Makrobiotin und esse somit kaum tierischen Produkte (wenn, dann vornehmlich Fisch). Das kommt meinem Verständnis von ökologischem Bewußtsein zusätzlich noch entgegen, aber das sei nur am Rande erwähnt. Fleisch aus Tierfabriken ist mir da ein besonderes Greuel.
Nun sitze ich armer Wurm, durchgefroren und mit einem gerade eben eingefangenem Virus, einigen Freunden und Bekannten, in einem Chinarestaurant. Meine Nase beginnt zu laufen, ich niese ununterbrochen und meine Gänsehaut kann man sogar durch das Shirt sehen. Was mache ich also? Ich bestelle mir eine Bambus-Pilze-Hühner-Suppe! Tumult am Tisch - Anu isst Fleisch, was ist jetzt los!!!!
Ok, die Erklärung -

1. Aus meiner Praxis in TCM weiß ich, daß ich meine Beschwerden mit der Suppe eventuell noch abfangen kann, esse ich sie nicht, bin ich zu 98 % für die nächsten Tage bestenfalls zumindest erkältet.
2. Im schlimmsten Fall ist das Huhn aus der Fabrik, qualvoll aufgezogen und noch qualvoller maschinell geköpft.

Der Idealfall für mich wäre, ein "glückliches" Huhn selber geschlachtet und selber zur Suppe verkocht vor mir zu haben - das spielt´s aber nicht (bleibt aber im Hinterkopf gespeichert, dass es fein wäre mal eigene Hühner zu haben...).
Der schlimmste Effekt wäre, dass ich, trotzdem ich die Suppe esse, krank werde und dann noch zusätzlich mit den Nebenerscheinungen derselben zu kämpfen habe (sowohl gesundheitlich als auch mental).
Möglichkeit Nummer zwei wird für mich gemildert, da ich mir dann wenigstens nicht vorwerfen muß, es nicht zumindest versucht zu haben und ich mir bewußt bin, was das arme Vieh unter Umständen zu erdulden hatte und ihm von Herzen für seine Heilkräfte danke (obwohl natürlich hier wieder diskutiert werden kann, ob das Huhn davon noch etwas hat).

Lange Kurzfassung
Praxisbezogen könnte ich aus diesem Blickwinkel betrachtet, dann wohl eher sagen, mein Grundsatz ist:
Überlege dir gut, wie du leben und handeln willst. Dann lebe wie du wirklich leben willst, tue was du wirklich tun willst und richte dabei so wenig Schaden wie möglich an. Wenn du, aus Deiner Sicht gesehen, unvermeidlichen Schaden anrichten musst, dann stehe dafür gerade und trage die Konsequenzen Deines Handelns. Solltest du später feststellen, dass das gleiche Ergebnis mit weniger Schadensaufkommen erreichbar gewesen wäre, dann "verdamme" dich nicht auf ewig sondern lerne aus deinen Fehlern!

Was man natürlich ebenfalls als "Do as thou wilt but harme none" sehen könnte...


Anufa


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