Betreut von Djehutimes
Altägyptische Symbole und ihre Bedeutungen

Die altägyptische Kunst ist voller Symbole mit tiefer magischer und mythischer Bedeutungen. Allein die Gardiner Liste, das Hieroglyphenverzeichnis des Alan Gardiner, umfasst 26 Gruppen mit 763 Zeichen. Viele altägyptische Symbole sind auch in der modernen New-Age- und Esoterikwelt adaptiert worden, teilweise mit abenteuerlichen Interpretationen. Hier sollen die wichtigsten Symbole die im altägyptischen Kult und Alltag Anwendung fanden vorgestellt und erklärt und ihr Bedeutungsspektrum beleuchtet werden.
Thanks to: © Gretchen Sveda

Natürlich ist diese Auflistung beliebig fortzusetzen.

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Auge

In der altägyptischen Symbolik werden zwei Augen unterschieden:

  • das Horusauge auch Mondauge oder Udjatauge genannt
  • das Auge des Re oder auch Sonnenauge genannt

Das Udjatauge ist das von Thoth geheilte Auge des Horus nach seinem Kampf um den Thron mit seinem Onkel Seth. Daher werden diesem Symbol auch heilerische Aspekte zugesprochen. Es wird in Form eines linken Auges dargestellt. Im Zyklus des Mondes sahen die alten Ägypter diesen Mythos ebenfalls verwirklicht, der zunehmende Mond stellte für sie den Heilungsprozess des Auges dar. Da gelegentlich Sonne und Mond gleichzeitig am Himmel zu sehen waren, wurden sowohl Sonne und Mond als Himmelsaugen interpretiert. Der Mond stellt also keinen Gegenpol zur Sonne dar, sondern ist vielmehr eine kleine Sonne. Die einzelnen Bestandteile des Mondauges stellen außerdem altägyptische Volumenmaßeinheiten dar.

Das Sonnenauge ist ein rechtes Auge. In den Pyramidentexten wird es als “Auge des Re, das in der Nacht empfangen und täglich neu geboren wird”. Dieser Satz nimmt Bezug auf den Sonnenzyklus, die nächtliche Verjüngungsfahrt des Re, der im Westen seine Reise durch die Unterwelt antritt um am nächsten Morgen verjüngt im Osten wieder hervorzukommen.

 
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Ein sehr wichtiger Zyklus, dessen Wiederkehr gleichbedeutend mit dem Erhalt der Schöpfung ist. In einem weiteren Mythos erzählt von dem Sonnenauge, dass vor Zorn gegen den Sonnengott von diesem fern bleibt, so dass Thoth zu Hilfe eilt um den Zorn des Sonnenauges zu besänftigen. Das Sonnenauge wird hier mit der löwengestaltigen Tefnut assoziiert. Dieser Mythos hat große Ähnlichkeit mit dem Rachefeldzug der Sachmet, einer weiteren Löwengöttin, die auszieht um die Menschheit vor Zorn zu vernichten, die sich vom Sonnengott abwendet. Tatsächlich werden viele weibliche Gottheiten, die als Töchter des Re bezeichnet werden auch “Auge des Re” Gottheiten genannt und stellen Vollstreckergottheiten des Sonnengottes dar.

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Ankh

Um das Ankh ranken sich viele Mythen, nicht alle davon entsprechen wirklich der authentischen Bedeutung dieses vielverwendeten Symbols. In vielen Götterdarstellungen sieht man das Ankh in der Hand der Götter, als Hieroglyphen steht das Ankh schlichtweg für “Leben”.

Über die Herkunft dieses Symbols gibt es ebenfalls verschiedene Theorien, Alan Gardinder vermutete, dass es sich um Sandalenriemen handelt, da das anlegen der Sandalen und Aufrichten der Mumien nach vollzogenem Totenkult einen zentralen Akt der Wiederauferstehung der Toten darstellt.

Die aktuell wahrscheinlichste Theorien besagt, dass es sich um einen Rückenwirbel eines Stiers handelt. Stiere wurden anlässlich von Totenriten geopfert und man hoffte deren Lebenskraft unmittelbar auf den Verstorbenen übertragen zu können, indem man einen Rinderschenkel abtrennte und die Mumie damit berührte. Später wurden symbolische Ritualwerkzeug dafür verwendet. Die Wirbelsäule galt ebenfalls als tragender Körperteil der Lebendigkeit. Betrachtet man einen Stierwirbel von oben, so erhält man tatsächlich die Form eines Anks. Die Theorie, dass es sich um die symbolhafte Vereinigung von Mann und Frau handeln könnte, ist inzwischen überholt. Eine weitere Vermutung besagt, dass es sich um eine Gürtelschnalle der Isis handeln könnte. Das Ankh ist ein starkes Schutzsymbol aber auch Heilamulett.

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Beim Ka-Symbol handelt es sich um zwei erhobene oder ausgebreitete Arme. Es stellt sowohl eine Umarmung, als auch die sog. Henu-Geste, eine rituelle Geste der Ehrung, dar. Eine Umarmung ist ein Akt des Schützens und ein Ausdruck von Zuneigung, doch für die alten Ägypter war sie noch viel mehr. Eine Umarmung stellte eine Übertragung von Lebenskraft dar. In einigen Mythen wird das Ka von den Göttern durch eine Umarmung verliehen. Dahinter steht ein Bewusstsein, dass die Verbundenheit der Menschen untereinander eine wichtige Lebensgrundlage für den einzelnen ist. Durch eine Umarmung wird also göttliche Kraft verliehen. Eines der schlimmsten Flüche war jemandem zu wünschen, dass sich sein Ka von ihm entferne. Üble Nachrede, übertriebender Liebeskummer, Lüge oder Egoismus galten als überaus schädlich für das Ka.


Isisknoten

Das Tit-Amulett wird auch Isisknoten oder Isisblut genannt. Aus den Totenbüchern ist folgender Spruch überliefert:

Dein Blut gehört dir, Isis,
deine Zaubermacht gehört dir, Isis,
deine Zauberkraft gehört dir, Isis.

Das Amulett ist der Schutz des Großen und behütet (ihn vor) dem,
der Verbrechen an ihm begeht.

 

Es sieht aus wie ein Ankh mit nach unten hängenden Seitenschlaufen. Es handelt sich dabei um ein Knotenamulett, wurde aber auch häufig aus Karneol, roter Fayence oder Glas gefertigt um besonders Frauen, Schwangere und Gebärende zu schützen. Doch auch als Grabbeigabe fand man es. Da Isis mit der Heilkunde assoziiert wurde, gilt es auch ein starkes Heilsymbol. Es steht jedoch auch in engem Zusammenhang mit der Göttin Hathor, die ausgeprägte mütterliche Aspekte besitzt. Manchmal wurde das Amulett auch mit einem Porträt der beiden Göttinnen versehen.


Djet
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Der Djet-Pfeiler wird auch als Wirbelsäule des Osiris bezeichnet. Osiris ist das göttliche Idol, der für die Wiederauferstehung in das ewige Leben nach dem Tod steht und jeder Mensch strebte danach es ihm gleichzutun. Die alten Ägypter glaubten daran in der Kraft der Seele des Osiris die gleiche Wiederbelebung wie er erlangen zu können. Das Errichten von Djetpfeilern, also tatsächlichen physischen Pfeilern in Form eines Djets, war ein rituelles Symbol der Wiederauferstehung, ähnlich dem Aufrichten der Mumien nach vollzogenem Totenkult. So ist der Djet ein Symbol der Ewigkeit und des ewigen Lebens. Da der Zustand des Osiris auch als Vollendung betrachtet wurde, besitzt der Djet-Pfeiler im Gegensatz zum Ankh, das ebenfalls für das Leben steht, noch den Aspekt der Vollkommenheit.


Sa-Schleife
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Ähnlich wie das Ankh findet man auch die Sa-Schleife häufig in der Hand von Göttern, besonders Tawaret und Bes. Als Hieroglyphe bedeutet das Sa “Schutz” und dies ist auch die Bedeutung dieses Symbols. Man vermuetet, dass es sich bei der Darstellung um eine zusammengerollte und gefaltete Schilfmatte handelt, die den Menschen in der Wüste nachst Schutz bot. Da Tawaret und Bes vor allem Schützer vor Dämonen waren, ist auch das Sa-Symbol ein besonderes Schutzsymbol vor den Geschöpfen der Dunkelheit, die bevorzugt nachts ihr Unwesen trieben.


Straußenfeder

Die Straßenfeder ist ein typisches Symbol für die Göttin Ma’at. Ma’at ist die Göttin der gleichnamigen kosmischen Ordnung, die Begriffe wie konnektive Gerechtigkeit, Balance, Weltenordnung und soziale Verbundenheit umfasst und ein Garant für den Erhalt der gesamten Schöpfung ist. Denn ohne die Ma’at zerfällt alles in ihr Gegenprinzip Isfet, das zerstörerische Chaos, die Anti-Existenz schlechthin. Beim Totengericht wurde das Herz des Verstorbenen gegen die Feder der Ma’at aufgewogen, da es alle Taten des Menschen zu Lebzeiten speicherte. Verstieß dieser gegen die Ma’at, war sein Herz schwerer als die Feder und seine Seele wurde der Seelenfresserin Ammit zur ewigen Vernichtung vorgeworfen.


Schlange

Aufgrund ihrer Fähigkeit sich zu häuten wird sie als Sinnbild der Verjüngung und Wiedergeburt verehrt. Doch steht sie aufgrund ihrer Unberechenbarkeit und Gefährlichkeit auch für Tod und Gefahr. Als Stirnschlange steht sie für die Weisheit der Götter und Pharaonen und steht dabei in enger Verbindung mit dem Sonnengott und dessen heimgekehrten Auge, das er aussandte um seine verlorene Tochter zu finden. Jedoch wird auch das antigonistische Prinzip der Ma’at, nämlich Isfet, in Form der dämonischen, allesverschlingenden Schlange A/pophis symbolisiert. Der “Feueratem” ist vermutlich auf die verbrennungsartigen Verletzungen zurückzuführen, die ihr Gift verursachen kann, das macht sie aber gleichsam zu einer starken Schützerin. Feuer erhellt die Nacht, so wurden Bettpfosten mit Schlangen versehen um dunkle Gestalten wie ruhelose Totengeister oder Dämonen fernzuhalten, die Menschen vor allem in ihren Träumen heimsuchten.

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Skarabäus

Aufgrund der Eigenart des Mistkäfers seine Eier in kleinen Dungkugeln abzulegen, aus denen dann neue Mistkäfer schlüpften, wurde dieser zu einem ultimativen Symbol der Wiedergeburt. Aus totem Material (Dung, Mist, etc.) wurde wieder neues Leben. Außerdem stellte man sich vor, dass der Skarabäus die Sonne über den Himmel schob, wie er seine Mistkugeln rollte. Die Sonne stellt die reine Schöpfungskraft dar, was auch den Skarabäus zu einem solaren Wesen machte. Der Gott der mit dem Scarabäus assoziiert wurde heisst Chephre und trägt skurilerweise einen ganzen Mistkäfer als Kopf. Er gilt als eine der drei Gestalten des Re, neben Harachte, der Mittagssonne und Atum der Abendsonne.

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Was

Eines der ältesten Symbole der altägyptischen Mythologie. Das Was-Zepter ist ein Machtsymbol und besteht aus einem Schaft, der manchmal auch spiralförmig ist, einem stilisierten Tierkopf, der vielleicht einmal einen realen Vorläufer gehabt haben mag, sowie einem gegabelten Ende. Letzterer erinnert an einen Hirtenstab und wurde vermutlich benutzt um Schlangen zu fangen und damit die Viehherden zu schützen. Möglich ist auch ein schamanischer Ursprung aus der Prädynastik. Als Hieroglyphe heisst das Was-Zepter “Glück”, das Bezwingen von Schlangen symbolisiert die Macht zu schützen oder negative magische Kräfte zu bezwingen.

wasMögliche Verbindungen gibt es auch zum sog. Schlangenhalspanther aus der Frühdynastik. Dabei handelt es sich um ein altägyptisches Fabelwesen, das jedoch auch im alten Mesopotamien Verbreitung fand. Die Bedeutung des Schlangenhalspanthers ist nicht mehr ganz eindeutig, aber man vermutet, dass es sich hier um Verkörperungen von Urgewalten der Natur handelt und um Unterweltswächter bzw. Schützer des Sonnengottes. Das würde auch der Bedeutung des Was-Zepters als “Himmelsstütze” entsprechen, eine sehr wichtiger Aspekt, denn das Herabstürzen des Himmels entsprach einem Weltuntergang. dsc_0220


Lotos

Ähnlich wie der Skarabäus ist auch der Lotus, bei dem es sich um die himmelblaue Wasserlilie (Nymphaea caerulea) handelt ein Wiederauferstehungs- und Verjüngungssymbol. Dies ist auf die Eigenart der Blüte zurückzuführen sich bei Sonnenaufgang nach der Sonne auszurichten. Manche Darstellungen zeigen auch den Sonnengott als Kind auf einer Lotosblüte sitzend aus deren Inneren er geboren wurde. Dem Gott Nefertem, einem Schutzgott der Salben, Salböle und Düfte ist sie als Attribut zugeordnet, er ist dem Mythos nach aus den Urwassern auf einer Lotosblüte aufgetaucht. Seine zeitweilige Löwengestalt weist auf seine körperliche Kraft hin. Hinzukommt, dass die himmelblaue Wasserlilie berauschende Substanzen enthielt ähnlich dem Schlafmohn oder der Alraune, die vermutlich schon von den Alten Ägyptern genutzt wurden.


Literatur

Hans Bonnet, Lexikon der Ägyptischen Religionsgeschichte
R.T. Rundle-Clark, Myth and Symbol in Ancient Egypt
Robert Kriech Ritner, The Mechanics of Ancient Egyptian Magical Practice

Fotos: Sati


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