Betreut von Djehutimes
Keine lieben Kätzchen - Kemetische Katzengottheiten   Teil I

Dass die Vorgänger unserer Hauskatze im alten Ägypten zeitweise ein hohes Ansehen genossen, ist allgemein bekannt. Vor allem die katzengestaltige Göttin Bastet ist Vielen ein Begriff. Auch der Sonnengott Re selbst wird oft als “der große Kater” bezeichnet.
Thanks to: © Gretchen Sveda

Es gab aber noch viele weitere, teilweise bedeutende Katzen- und Raubkatzengottheiten, die freilich, wie in Ägypten üblich, oft in Synkretismen miteinander verbunden waren, teilweise auch zeitweise zusammengeführt oder assimiliert wurden. Auf diese teilweise recht komplizierten Synkretismen wollen wir hier aber nicht näher eingehen sondern wenden uns den Gottheiten im Einzelnen zu, soweit sie bekannt sind. Ich möchte nicht nur die Bekanntesten dieser Gottheiten auflisten sondern auch meine Eindrücke sowie die von verschiedenen „Reisenden“ wiedergeben, die sich mit ihnen beschäftigt haben.

Beginnen wir mit der Bekanntesten, Bastet, die in der Frühzeit noch als Löwin dargestellt wird, dann jedoch als sitzende Katze oder Menschenfrau mit Katzenkopf.

„…Worte zu sprechen von Bastet, der Großen, der Herrin von Bubastis, dem Auge des Re, die in Behedet weilt, die auf dem Thron sitzt, die die Feinde tötet, die die von den Göttern geschützt wird…“

Bastet hat eine enge Verbindung zu Sachmet, als deren sanfte Seite sie manchmal bezeichnet wird. Trotzdem ist auch die Bastet ein „Sonnenauge des Re“, das ihren Vater, den Sonnengott beschützt. Es überwiegen aber eindeutig ihre schützenden Seiten, vor allem dem Schutz der Schwangeren und Kinder scheint sie zugetan. Bast gilt aber auch als eine Göttin der Freude, der Feste, der Musik und des Tanzes und möglicherweise der Trunkenheit, jedenfalls spielte selbige in einem bekannten Fest zu Ehren Bastets, dem Bubasteia, eine nicht unwesentliche Rolle.

>>>[Sie wirkt wie eine abgeklärte alte Kätzin auf mich. Sie ist schwarz, sehr groß und hat grüne Augen. Auf der Brust hat sie einen weißen ovalen Fleck. Ich muss an einen Skarabäus denken, es ist aber keiner. Ich begegne ihr auf einem felsigen Hochplateau wo ein offener Tempel steht mit vielen Säulengängen. Sie leckt mir mit ihrer rauen Katzenzunge übers Gesicht zur Begrüßung und führt mich dann in den Tempel. Überall springen Katzen rum, junge, ältere, sie gibt mir zu verstehen, dass das alles ihre Kinder sind. Die Katzen sind aber nicht einfach nur Katzen, manche von ihnen fühlen sich menschlich an, obwohl sie Katzengestalt haben. Als würden sich hier die katzenartigen Seelen von verschiedenen Menschen aufhalten. Sie legt sich auf den Steinboden in einen Sonnenstrahl und ich lege mich zu ihr. Sie ist ungefähr so groß wie ich, also weit größer als eine normale Katze. Ich darf mein Gesicht in ihrem weichen Bauchfell begraben. Ihre großen hellgrünen Augen schauen sehr aufmerksam umher, sie scheint trotz ihrer vordergründigen Passivität alles unter Kontrolle zu haben. Sie schützt ihre Familie. Dann sitzt sie mir plötzlich gegenüber. Sie leckt wieder mein Gesicht und umschmeichelt mit ihrem großen Kopf meinen. Ihre Schnurrbarthaare kitzeln und ihre sanften Bewegungen wirken plötzlich sehr erotisierend auf mich. Ich komme fast in eine Art Rauschzustand und merke wie ich immer stärker von ihr angezogen werde und Schwierigkeiten habe zurückzukehren. Schließlich löst sie sanft die Verbindung und lässt mich gehen.]<<< -Sati

>>>[Meine erste Begegnung mit Bastet war nicht informativ aber einprägsam. Es war weniger eine visuelle Erfahrung als eine emotionale: Eine Umarmung und eine Berührung die mich, mit Verlaub, tief erschütterte in ihrer beruhigenden, beschützenden und ein bisschen augenzwinkernden Liebenswürdigkeit.]<<< -Chao

Weniger bekannt sind die alte Panthergottheit Abi, zunächst ein Himmelspanther als Totengöttin in der Duat, später zunehmend eine Schutzgöttin.

„…Abis Krallen ruhen auf der Brust des Verstorbenen, um ihn im Jenseits vor bösen Mächten zu schützen…“

>>>[Bei einer Reise nahm ich sie wechselnd als schwarze Katze, junge Schönheit und als ältere, dunkelhäutige Frau wahr. Ihr Wesen war sehr vereinnahmend, und als ich kurz abgelenkt war hieb sie mir sofort mit den Krallen über die Wange, bis ich wieder da war. Ich nahm sie als sehr kriegerisch wahr, als Göttin die über verbrannte Erde wandelt und Verwundete mit Wasser labt. Also auch einen trostspendenden Aspekt.]<<< -Monja

>>>[Himmelspanther und Totengöttin ist ja auch durchaus ambivalent. Die verbrannte Erde hört sich stark nach der Duat an.]<<< -Chao

>>>[Ich habe irgendwie auch Menschenopfer dort gesehen, wobei ich eher glaube, dass sie selbst es war, die geopfert wurde, oder sich opferte.]<<< -Monja

Auch Kenmet ist ein Totengott, ein Leopardengott der in einem dauerhaften Kampf mit dem (göttlichen) Pavian steht, den er von anderen Göttern festhält.

„…Kenmet ist der Leopard, der in der Balsamierungshalle die Götter vor dem Pavian schützt…“

>>>[Kenmet wirkt auf mich sehr ambivalent, der Kampfaspekt hat etwas Rituelles und Zyklisches; eine rituelle Notwendigkeit scheint in seinem dauerhaften Kampf zu liegen.]<<< -Chao

Mafdet wiederum ist populärer. Auch sie ist eine Pantherkatze und eine Beschützerin, aber mit hervorgehoben grausamen Zügen.

„…die Herrin des Lebenshauses, die Vernichterin feindlicher Schlangen und Beschützerin…“

Sie frisst die Köpfe der hingerichteten Verbrecher, sie ist „Mafdet mit dem Messer in der Hand“ und sie reißt Apophis das Herz heraus. Durch die Vielzahl ihrer Schutzfunktionen war Mafdet eine der idealen Beschützerinnen des Horus oder des Königs, eine seltener erwähnte Throngöttin.

>>>[Ich habe Mafdet als große Raubkatze gesehen, zunächst wie ein Gepard, dann eher wie ein Leopard. Sie hat mich zurechtgewiesen, nicht die Trommel sondern die Schellen zu benutzen, um sie zu rufen und mir gesagt, dass sie „die ist, die dem Leben nimmt, und dem Tod gibt“. Als ich nahe bei ihr war, hat sie sich in eine Frauengestalt mit nacktem Oberkörper und einem gefleckten Tierfell als Gürtel verwandelt. Als sie die krallenbewehrte Hand hob, entströmten ihr eine Unmenge schwarzer Fliegen, die den Raum füllten. Dann nahm sie mich mit, wie eine dunkler und dunkler werdende Höhle hinab.]<<< -Iffi

>>>[Dann hat sie dich vermutlich mit in die Duat genommen]<<< -Chao

>>>[Es war so dunkel, dass ich nur noch ihre Augen glühen sah. Ich musste etwas für sie tun, einen Toten ein Stück tragen in einer sehr merkwürdigen Umgebung, wie dunkles Leuchten, die Mitte einer Flamme. Anscheinend war es wichtig, dass er nicht mehr blutet. Dann sollte ich ihn liegenlassen, er könne nun alleine weiter.]<<< -Iffi

>>>[Klingt wie ein symbolischer Psychopompos mit Mafdet, die Hilfe für einen Verstorbenen in der Duat.]<<< -Chao


Leicht mit Mafdet zu verwechseln ist die männliche Gottheit Mafed. Auch er ist ein Totengott, der in der Duat Wege für die Verstorbenen erschließt. Er gilt als „der Kater“.

„…der Kater, der in der Duat die Wege für die Verstorbenen erschließt…“

>>>[Ich habe ihn tief unten in der Dunkelheit gefunden. Ein Drache umkreiste ihn und mich. Mafed ließ mich zusehen, wie er andere auseinander nahm und neu zusammensetzte. Er zerfleischte und zerstückelte in einer blutigen Kompromisslosigkeit. In seiner Gegenwart heißt es, auf der Hut zu sein.]<<< -Tante Anita

Mahes ist eine männliche, vor allem im Delta verehrte, Löwengottheit, der „wildblickende Löwe“.

“…Worte zu sprechen von Mahes, dem Sohn der Bastet im Gefilde von Netjerit, dem Löwen mit großer Kraft, der die Feinde fällt und vom großen Thron fern hält. Der Blitzende und Donnernde, der Herr des Dunkels und der Winde…“

Maahes Bronze Statue, Ptolemäische Periode, (664 – 30 v. Chr.)

Er wird als Mensch mit Löwenkopf dargestellt, oft mit Messern in den Pranken, was seinen kriegerischen Charakter noch verstärkt. Als Löwe wird er gerne dargestellt, wie er einen Gefangenen von hinten anfällt und verschlingt, als „Herr des Gemetzels“ der sich über Blut freut. Er galt als Sohn der Bastet.

>>>[Mir hat er sich als großer, schwarzer Panther gezeigt. Er wanderte durch die Dünen und knurrte und brüllte die Sonne an. Außer ihm waren nur Dünen, Sonne, Himmel. Und als er mich ansah, traten glühende Bäche unter seinen Tatzen hervor, die dann zu richtigen Lavaflüssen wurden, bis schließlich nichts außer ihm und Lavaseen war]<<< -Anufa

Ähnlich unangenehm konnte Mehit werden.

„…Worte zu sprechen von Mehit, dem Auge des Re, der Gebieterin von Tjar, der Starken in der Stätte des Erstechens…“

Als alte, prädynastische Gottheit wird sie als ruhende Löwin mit drei-vier Stangen auf dem Rücken dargestellt. Erst später erscheint sie als löwenköpfige Menschenfrau. Mehit war Anhor und Onuris als Gattin zugetan; beiden steht sie als Kämpferin zur Seite, so wie sie auch mit der Uräusschlange als Beschützerin des Re verglichen wird. Interessant ist der Mythos, in dem Onuris die Mehit aus Nubien sozusagen importiert, indem er sie dort jagt, befriedet und „heim“ führt. Er wird dort auch als „Der die Ferne zurückbringt“ beschrieben.

Ende Teil I

 


Richard Chao


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