Betreut von Djehutimes
Das kemetische Jahr   Teil II

Als NeuHeiden kennen viele von uns den JahresKreis unterteilt durch acht Feste. Aber wer kennt schon die Einteilung des kemetischen Jahres??
Thanks to: © Gretchen Sveda

Feste Feiern

"Zum Feiern gehört die Verschwendung, die 'unproduktive Verausgabung'."
(Jan Assmann, Ma'at – Gerechtigkeit und Unsterblichkeit im Alten Ägypten)

Für die Kemeten sind Feste weit mehr als Anlässe zu Zerstreuung und Vergnügen. Sie sind ein hohes gemeinschaftliches Gut, dass zu einer starken sozialen Identifikation beiträgt und damit eine wichtige Ausdrucksform der Ma'at. Die Tatsache, dass die Feste die göttliche Sphäre mit einbeziehen hat auch zur Folge, dass die Allgegenwart der Götter in der menschlichen Sphäre durch das Fest stets auf's Neue erinnert wird. Da die Ma'at als soziales Prinzip nicht getrennt von der Ma'at als Schöpfungsprinzip ist, sind die Feste damit für uns nicht zuletzt ein wichtiger Faktor zur Erhaltung der Schöpfung selbst.


Kemetische Feiertage

„Feiertag“ ist in dem Zusammenhang nicht ganz das richtige Wort, da die meisten dieser Tage in erster Linie für den Tempelkult eine Rolle spielen und außerhalb der Tempelmauern etwas weniger Beachtung finden. Ein besserer Begriff dafür wäre daher Kulttag oder Festtag. Heute wie damals sind "Otto-Normal- und Lieschen-Müller-Kemeten" zumeist weitaus weniger religiös als man gemeinhin annehmen mag. Religiosität und Kult ist größtenteils Aufgabe und Anliegen der Priesterschaft, die darin speziell ausgebildet ist. Natürlich steht es den "bürgerlichen" Kemeten dennoch frei die unterschiedlichen Festtage nach eigener Façon zu begehen. Der strenge kultische Ablauf der Feste ist lediglich für die Priesterschaft verbindlich.

Wie bereits erwähnt sind die meisten Festtage in unserem Kalender auf bestimmte Daten fixiert und wandern somit nicht mehr den Mondphasen entsprechend durchs Jahr.


Fixe Feiertage

Vom 1. – 5. Tag des Monats Thot (16. – 20. Juni) feiern wir das Neujahrsfest das wir „heb mesiu renpet“- „Fest der Geburt des Jahres“ nennen.

Direkt am nächsten Tag, also am 6. Tag des Thot (21. Juni) begehen wir den Festtag zur Sommersonnenwende. Entgegen zu der hohen Kultbedeutung dieser solaren Festtage im nordischen Raum spielen die vier Sonnenfeste aufgrund geographischen Lage Kemets und der daraus resultierenden geringeren Schwankungen der Tageslänge bei uns eher eine untergeordnete Rolle.

Am 18. Tag des Thot (03. Juli) feiern wir das Totenfest des Osiris bei dem der Ermordung des Osiris gedacht wird und an den beiden darauffolgenden Tagen (04. - 05. Juli) das Fest der Hathor.

Vom 1. - 3. Tag des Monats Paophi (16. - 18. Juli) feiern wir das Fest des Ptah das die schöpferische Kraft des Handwerks zum Inhalt hat.

Am 17. Paophi (01. August) begehen wir den Geburtstag des Sonnengottes Re-Harachte.

Der 3. Tag des Monats Athyr (18. August) ist der Festtag des Sieges des Horus über Seth. An diesem Tag gedenken wir der Wiederherstellung der göttlichen Erbfolge, die durch den Brudermord des Seth zeitweilig unterbrochen war.

Vom 27. Tag des Athyr bis zum 12. des Choiak (11. - 27. September) begehen wir das große Opetfest. In diese Festzeit fällt die erste (laut gregorianischem Kalender die zweite) Tag- und Nachtgleiche am 7. Choiak (22. September) und die heilige Hochzeit von Amun und Mut am 8. Choiak, also am 23. September.

Vom 24. - 29. Choiak (09. - 14. Oktober) feiern wir das Sokarfest, eines der Totenfeste, das am letzten Tag im Errichten des Djed-Pfeilers als Symbol der Dauer und Beständigkeit seinen Höhepunkt hat.

Am 30. Choiak (15. Oktober) feiern wir die Wiedergeburt des Osiris und Tags drauf am 01. Tag des Tybi, also am 16. Oktober, die Geburt des Horus.

Am 17. Tag des Tybi (01. November) begehen wir das Totenfest des Sonnenauges.

Am ersten Tag des Monats Phamenat (16. Dezember) feiern wir das Fest des großen Königs Amenhotep (I.), des Schutzherren unserer Grabstätten.

Am 6. Phamenat, also am 21. Dezember, begehen wir den Festtag der Wintersonnenwende.

Der erste Tag des Monats Pharmuti (16. Januar) ist der Festtag des Month. Dieses Fest hat den Schutz vor Feinden durch den Kriegsgott Month zum Thema.

Vom 29. - 31. Pharmuti (13. - 15. Februar) feiern wir das große Fest der Göttin Mut in ihrer Funktion als Muttergöttin. Tags drauf, am 1. Tag des Monats Pachons (16. Februar), begehen wir das kultisch eng mit dem Mutfest in Zusammenhang stehende Geburtsfest des Chons (des Sohnes von Amun und Mut)

Vom 10. - 12. Pachons (25. - 27. Februar) wird das Fruchtbarkeitsfest des Gottes Min gefeiert. Dieses Fest bezieht sich auf die männliche Zeugungskraft.

Nun kommt die Besonderheit. Der 14. Tag des Pachons (29. Februar) gilt als Schalttag und wird nur alle vier Jahre zu Ehren des Zeitgottes Heh gefeiert. Im Normaljahr gibt es diesen Festtag nicht und der Kalender springt direkt vom 13. auf den 15. Tag des Monats weiter!

Vom 29. Pachons bis zum vierten Tag des Monats Payni (15. - 19. März) feiern wir das Hochfest des Amun, zu Ehren des höchsten Gottes Amun.

Am Tag danach, also dem 05. Payni (20. März) feiern wir die zweite (laut gregorianischem Kalender die erste) Tag- und Nachtgleiche.

Die zwei darauffolgenden Tage, also der 06. und 07. Tag des Payni (21. und 22. März) sind die Festtage der Renenutet. Dieses Fest könnte man mit einem Erntedankfest vergleichen.

Das Ipipfest zu Ehren von Hathor, Horus Behedeti, Horsemtaui (Harsomthus) und Ihi begehen wir in der Zeit vom 25. Tag des Payni bis zum 08. Tag des Epiphi (09. - 23. April)

Der Hauptfesttag des Ipipfestes ist der erste Tag des Monats Epiphi, (16. April) an diesem Tag feiern wir die Hochzeit von Hathor und Horus Behedeti.

Vom 09. - 15. Epiphi (24. - 30. April) zelebrieren wir das schöne Fest vom Wüstental zu Ehren unserer Verstorbenen.

Die Tage vom 01. - 03. Tag des Mesore (16. - 18. Mai) sind die Festtage der Sachmet.

Am 25. Mesore (09. Juni) begehen wir das Weisheitsfest des Gottes Thot.

Mit dem Fest der Trunkenheit am 26. Tag des Mesore (10. Juni) werden die Feierlichkeiten zum Jahresende eingeleitet.

Vom 27. - 31. Mesore (11. - 15. Juni) begehen wir die Lampen- oder Lichterfeste in Entsprechung der altägyptischen Epagomenen-Tage. Die Tage sind der Reihe nach den Göttern Osiris, Horus. Seth, Isis und Nephthys geweiht und markieren die Geburtstage dieser Urgötter. Somit bilden sie die letzten Tage des Jahres und sind kultisch von sehr hoher Bedeutung.


Bewegliche Feiertage

Es gibt einige Feste, die sich nach den Mondphasen richten und demzufolge als bewegliche Feste begangen werden.

Zum einen gibt es die Vollmondriten zu Ehren des Osiris, die an jedem Vollmond als Teil der Osiris-Mysterien begangen werden. In den Tempeln werden nach den Reinigungsriten an Vollmond die Regenerationsriten zu Ehren des Osiris begangen.

Weiterhin gibt es die oben erwähnten Reinigungsriten, die zum Fest der Vereinigung der beiden Stiere gehören, das ebenfalls jeweils zu Vollmond begangen wird und die Vereinigung der beiden Mondkräfte des Chons und des Thot zum Thema hat. Während dieses Festes werden die Kultbilder und die Schreine gereinigt.

Das Fest der eintreffenden Nilschwemme wird am ersten Vollmond nach dem Fest der Trunkenheit - zwischen 27. Mesore und 24. Thot (zwischen 11. Juni und 09. Juli ) gefeiert. Es handelt sich dabei um ein Fruchtbarkeitsfest zu Ehren des Flussgottes Hapi. Es steht kultisch in enger Beziehung zum zweiten Neujahrsfest.

Das zweite Neujahrsfest ist das Hervorkommen der Sopdet das am zweiten Neumond nach der Sommersonnenwende - zwischen 05. Paophi und 03. Athyr (zwischen 20. Juli und 18. August) gefeiert wird. Bei diesem Fest geht es um den schon an anderer Stelle erwähnten heliakischen Aufgang des Sirius am Himmel und ist ein Festtag zu Ehren der Fruchtbarkeits- und Jahresgöttin Sopdet.

Das Fest der Vereinigung der beiden Länder am ersten Vollmond nach der Geburt des Re-Harachte - zwischen 18. Paophi und 15. Athyr (zwischen 02. und 30. August) ist ein auf König Serqet zurückgehendes Fest. Zum Vollmond nach der Geburt des Sonnengottes gelang ihm der Überlieferung nach erstmalig die Vereinigung Ober- und Unterägyptens unter einer Krone. Das Fest wird begangen zu Ehren des Horus als Königsgott und zu Ehren des Königs Serqet.

Das Lichterfest der Isis wird am Choiak Neumond gefeiert. Es gehört mit dem Fest der Wiedergeburt des Osiris am 30. Choiak zusammen.

Das Schöne Fest des Gottes Neheb-kau ist ein Fest zu Ehren des Totengottes Neheb-kau und des Horus als Königsgott und wird am ersten Vollmond nach der Geburt des Horus - zwischen 02. und 30. Tybi (zwischen 17. Oktober und 14. November) begangen. Das schöne Fest des Neheb-kau kann in einigen Fällen mit dem Horusgeleit auf einen Tag fallen.

Das Horusgeleit wird am ersten Vollmond nach dem Totenfest des Sonnenauges - zwischen 15. Tybi und 15. Mechir (zwischen 02. und 30. November) gefeiert. Bei diesem Fest beschenkt der königliche Hofstaat oder in Vertretung für diesen die Priesterschaft als Begleiter des Horus die Bevölkerung mit Duftölen, Blumen oder anderen Geschenken. Auch die Bevölkerung begeht dieses Fest ausgiebig und nimmt es zum Anlass den Angehörigen Geschenke zu machen. Auch das „Ehrengold“ als besondere Auszeichnung wird an diesem Tag verliehen.

Als letztes der beweglichen Feste muss noch das Fest der Himmelskuh am Neumond nach der Wintersonnenwende - zwischen 07. Phamenat und 04. Pharmuti (zwischen 22. Dezember und 19. Januar) bei dem die Rückkehr des Auges des Re gefeiert wird.


Auf ein Neues …

Zum Beginn unseres neuen Jahreskreises wünschen wir, die Kemeten, Euch ein glückliches neues Jahr. Mögen Euch die Götter reich mit Gesundheit, Glück und Freude beschenken und auf Euch und Eure Lieben stets ein wachsames Auge haben!


Als kleines Extra bieten wir Euch eine fertige Druckversion unseres Kalenders  an.
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Quellen:
Aufzeichnung zum kemetischen Kalender von Merienptah
Jan Assmann, Ma'at – Gerechtigkeit und Unsterblichkeit im Alten Ägypten
Hans Bonnet, Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte
Klimadiagramm Addis Abeba, Wikimedia Commons, Hedwig in Washington
Sternbild Sirius, Wikimedia Commons


Ende Teil II


Sat-Ma'at


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