DrachenSabber
Die rechte Weise des Hörens und Studierens

Wenn wir Belehrungen hören und den Dharma studieren, dann sollten wir von dem Wunsch motiviert sein, allen empfindenden Wesen zu helfen, den Zustand der Buddhaschaft zu erlangen. Wir sollten uns wünschen, dass wir zu diesem Zweck die Belehrungen empfangen und praktizieren werden.

Es wird gesagt, dass die eigene Praxis von der Motivation abhängt, die man hat. Wenn man also Belehrungen hört, über sie nachdenkt oder sie praktiziert, so sollte dies auf einer guten Motivation gegründet sein. Liebe, Mitgefühl und Bodhicitta sind eine gute Motivation. Fehlen uns hingegen diese Eigenschaften und denken wir nur an unseren eigenen Vorteil, so ist das eine negative Motivation. Stützen wir uns auf Liebe, Mitgefühl und Bodhicitta, so wird alles, was wir tun, eine gute Handlung, weil es gut motiviert ist. Dies gilt ganz besonders auch für das Studium und die Ausübung des Vajrayana.

So halten wir uns vor Augen, dass in diesem unermesslichen, uferlosen Ozean des Leidens, den wir als Samsara bezeichnen, kein Wesen existiert, das im Verlauf der anfangslosen Zeiten nicht schon einmal unser Vater oder unsere Mutter gewesen ist. Wir können uns dies an einem Bild verdeutlichen: In einer riesigen, mit Reis gefüllten Schüssel befindet sich ein einziges schwarzes Reiskorn. Wird die Schüssel mit dem Reis geschüttelt, so gerät alles in Bewegung, das schwarze Korn wandert von oben nach unten und wieder zurück und nach einiger Zeit wird das schwarze Korn jedes andere Korn wenigstens einmal berührt haben. In gleicher Weise waren wir wenigstens schon einmal mit allen Wesen als ihr Kind verbunden, das von ihnen geliebt und beschützt, mit der besten Nahrung und Kleidung versorgt wurde.

All diese Wesen, die so gut zu uns waren, streben nur danach, glücklich zu sein. Sie wissen jedoch nicht, wie man das ausübt, was Glück bewirkt. All diese Elternwesen wünschen sich kein Leid, sind aber dennoch davon geplagt und wissen nicht, was die Wurzeln all ihrer Leiden sind und wie sie durchschnitten werden können. Das, was ihnen so sehr am Herzen liegt, das Glück, wird doch immer aufs Neue von dem durchkreuzt, was sie tun. Diese armen Wesen sind so verloren, orientierungs- und hilflos wie Blinde, die man in einer Wüste ausgesetzt und sich selbst überlassen hat.

So entwickeln wir eine reine Motivation, indem wir uns sagen, dass wir zu ihrem Wohl den Dharma studieren und praktizieren. Wir wollen unsere von den Leiden der sechs Daseinsbereiche gequälten Väter und Mütter zur allwissenden Buddhaschaft führen und sie von den Illusionen und Verhaltensmustern der sechs Daseinsbereiche befreien

Bereits das Hören und Lernen des Dharmas kann Teil unserer Dharmapraxis sein und uns helfen, Qualitäten zu entwickeln. So üben wir Konzentration, indem wir unabgelenkt zuhören. Wir üben Achtsamkeit und Geduld, indem wir nicht jedem eigenen Redeimpuls rücksichtslos und selbstsüchtig nachgeben. Wir üben Geduld, indem wir offen bleiben, statt uns selbst, den Lehrer und andere mit der unerfüllbaren Erwartung zu beschränken, wir müssten jetzt sofort und ohne Umschweife alles verstehen. Wir üben freudige Anstrengung, indem wir uns konzentriert bemühen, das Gelehrte zu verstehen und ggf. auch Unannehmlichkeiten wie Hitze, Kälte o.ä. klaglos ertragen. Wir üben geistige Stabilität, indem wir bei der Sache bleiben und sie nicht durch Gedankenfetzen, abschweifende Konzepte und unzusammenhängende Begriffe verunreinigen und verwirren. Wir üben Präsenz, indem wir gegenwärtig bleiben. Wir üben Weisheit, indem wir das Gelehrte reflektieren und in ein Verhältnis zur Wahrnehmung und Erfahrung setzen und zur rechten Zeit Fragen stellen, um Zweifel, Missverständnisse u.ä. zu klären.

Während des Hörens von Belehrungen sind die so genannten drei Mängel der Kristallvase zu vermeiden:

  1. Nicht hinhören bedeutet, wie eine umgedrehte Vase zu sein. Wenn man also Unterweisungen zuhört, soll man verstehen, was gesagt wird, und sich nicht ablenken lassen, sonst ist man wie eine umgedrehte Vase, auf die Flüssigkeit gegossen wird: Auch wenn man körperlich anwesend ist, versteht man doch kein Wort.
  2. Nicht behalten, was man hört bedeutet, wie eine durchlöcherte Vase zu sein: Soviel auch hineingegossen wird, bleibt doch nichts drin.
  3. Das Gehörte mit negativen Emotionen, falschen Vorstellungen, Verwirrungen u.ä. zu vermischen bedeutet, wie eine Vase mit Gift zu sein. Wenn man also mit der falschen Gesinnung zuhört oder der Geist während des Hörens von Gedanken beherrscht wird, die von den fünf Giften durchtränkt sind, dann werden die Belehrungen wie Nektar, der in eine Vase mit Gift gegossen wird, d.h. er wird zu etwas anderem als Dharma. Der Dharma kann dann nichts mehr bewirken.

Die fünf Gifte oder fünf negativen Emotionen sind:

  1. Verblendung (Unwissenheit, Verwirrung)
  2. Anhaftung (Begierde)
  3. Abneigung (einschließlich Wut und Hass)
  4. Eifersucht
  5. Hochmut

Stattdessen sollen wir Belehrungen hören wie eine reine, unbeschädigte Kristallvase. Und Padampa Sangye gibt folgenden Rat:

Höre den Lehren zu, wie Rehwild einer Melodie lauscht; Kontempliere sie so, wie ein Nomade aus dem Norden seine Schafe schert (d.h. peinlich genau, in ihrer Gänze und unzerstreut); Meditiere über sie gleich einem Stummen, der Nahrung schmeckt (d.h. ein Stummer schmeckt zwar, zerredet und zerschwatzt aber den Geschmack nicht); Praktiziere sie gleich einem hungrigen Yak, das grast; Erlange ihre Frucht gleich der Sonne, die aus den Wolken tritt.

Uhanek


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