Betreut von Uhanek
DrachenSabber
Zeichen für die Gegenwart und das Wirken der Nagas   Teil II

Worte formen unsere Welt. Sie beschreiben uns, was die Wirklichkeit sei und lenken unsere Wahrnehmung. Wir formen Worte zu Sätzen und Sätze zu Erzählungen.

Für uns Menschen sind die Nagas von besonderer Bedeutung, weil wir ständig mit ihnen interagieren, ohne uns dessen bewusst zu sein. Die meisten von ihnen sind, genau wie wir Menschen, keine erleuchteten Wesen und daher verletzlich, bisweilen auch feindselig. Indem wir unachtsam und selbstsüchtig handeln, verletzen wir ihre Daseinssphäre, schwächen sie und machen sie krank. Im Gegenzug senden sie uns Krankheiten, Naturkatastrophen u.ä. Aus diesem Grund gilt es im Vajrayana als wichtig, eine gute Beziehung zu den Nagas aufzubauen. Dies kann im Rahmen verschiedener Rituale geschehen, die alle verschiedenen Klassen machtvoller Wesen anrufen, es kann sich aber auch direkt an die Nagas richten. Dabei sind viele Regeln zu beachten, etwa der richtige Zeitpunkt oder welcher Art das Räucherwerk und die Opfergaben sind. Die wichtigste Regel aber betrifft die Kommunikation: Als Menschen können wir nicht mit den Nagas und ihren Königen kommunizieren, wir müssen uns in eine überweltliche Buddhagottheit transformieren, damit diese Kommunikation gelingen kann. Als Menschen unterscheiden wir uns von den Nagas und sind von ihnen getrennt, die Buddhagottheit hingegen ist das Verbindende und Gemeinsame. Sie ist eine Erscheinungsform der Buddhanatur, die gleichermaßen allem innewohnt. Kommunikation beginnt also dort, wo wir den Geisteszustand der ego- und anthropozentrischen Trennung hinter uns lassen und uns mit dem Absoluten verbinden.

Haben wir die Initiation in eine solche Gottheit erhalten und in der Praxis erste Verwirklichungen erlangt, so können wir in die Kommunikation mit den Nagas eintreten. Es können sodann unterschiedliche äußere, innere und geheime Zeichen auftreten, die die Anwesenheit der Nagas kennzeichnen. U.a. hat Machik Labdrön, eine der größten Meisterinnen des Vajrayana, einige der visionären Zeichen beschrieben, die beim Erscheinen der Nagas auftreten können.


Äußere Zeichen

Träume von Spinnen, Skorpionen, Ameisen, Käfern, Fischen, Fröschen, Schlangen oder Kaulquappen, die den Anschein erwecken, als würden sie in dem Augenblick wirklich erscheinen. Auch erscheinen viele Dzo1 und Rinder, die sich in Herden versammeln. Sie sehen einen an, als erwarteten sie etwas oder als würden sie einen hüten oder gehütet werden. Es erscheinen auch Bettler, die schmutzig, blind und leprös sind, und betteln einen an. Man findet sich in einer sehr schmutzigen Umgebung oder Leute errichten ein Lager, ziehen eine Straße entlang oder errichten viele Lager, bilden Eskorten, laden kostbare Waren auf oder ab. Sie alle sind streitsüchtig und man debattiert mit ihnen oder man befindet sich unter ihnen oder man hilft dabei, sich um sie zu kümmern. Es können auch einfach leere Nomadenzelte erscheinen oder solche die aus Nebel geformt sind.


Innere Zeichen

Visionen von schwarzen Spinnen und Skorpionen oder Ameisen, Käfern, Ottern oder fischartigen Hündinnen, die wie Regen herabfallen, den Boden bedecken und am eigenen Körper haften. Sie sind groß wie Welpen, die gerade ihre Augen geöffnet haben, und extrem nass und kalt. Sie nur zu sehen ist höchst unerfreulich und furchteinflößend. Auch erscheinen Frösche, Skorpione, Fische, Kaulquappen, Eidechsen von der Größe junger Bullen u.ä. mit weit geöffneten Mäulern, als seien sie bereit, zu fressen. Sie erscheinen einzeln oder paarweise, die Körper in Nebel gehüllt, in dem sich leichte Wassertröpfchen formen.Auch erscheinen sie als riesige Schlangen in vielerlei Farben, von denen einige giftigen Dampf absondern. Manche haben feurige Mähnen und verströmen viele verschiedene Krankheiten. Sie können aber auch erscheinen wie Kinder von etwa acht Jahren, die unterhalb der Brust einen Schlangenkörper haben, in Nebel gehüllt sind und einen giftigen Dampf absondern.


Geheime Zeichen

Große Seen, von denen Dampf aufsteigt, umstanden von vielerlei Bäumen. Viele kleine Tümpel in verschiedenen Farben, die Plätschern, wenn sie sich berühren. Große Flüsse, die sich umströmen und dabei wogen und plätschern wie Seen. Gewaltige Seen, soweit das Auge reicht, von denen Licht strahlt und regenbogenfarbige Dämpfe aufsteigen.

Derartige Bilder und Szenerien in Träumen und Visionen sind Indikatoren dafür, dass ein Kontakt zustande gekommen ist. Mit Hilfe der erforderlichen Riten, Mudras und Mantras können die Verbindung und die Kommunikation nun vertieft werden. Nagas gelten als Hüter vieler geistiger und materieller Schätze und Lehren. Eine gute Verbindung zu ihnen bewahrt vor Naga-Krankheiten und bewirkt ihre Unterstützung in der spirituellen Praxis, wie auch in der Bewältigung der ganz alltäglichen Probleme.

1 Eine Kreuzung aus Yak und Kuh


Uhanek


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