Betreut von Eibensang


"Nazi-Druide" "Burgos" alias "Hasspredix" und die "Heidenszene"

Martin ist zur Zeit sehr beschäftigt, aktuell auf Vorkommnisse im Asatrubereich zu reagieren. Herzlichen Dank, Martin, dass Du das auch mit uns teilst!

Der "Druide" und "Reichsbürger" Burghard B., der sich selbst "Burgos von Buchonia I." nennt, wirkt in seinem offensichtlich von "Asterix" und Fantasy-Filmen inspirierten "authentisch keltischen" Druiden-Ornat auf den ersten Blick eher komisch als gefährlich. Selbst dass er sich wie ein Saruman-Imitator aufführt und die zu dieser Rolle passenden Machtphantasien zeigt, lässt noch nicht die inneren Alarmglocken läuten: Ein größenwahnsinniger "Heidenfürst" in der an skurrilen Charakteren nicht gerade armen "Heidenszene" mehr, was soll's?

"Burgos" führte als "keltischer Druide" gewandet Wandergruppen durch die Rhön und galt bei den regionalen Medien hier und an seinem Wohnort Schwetzingen (bei Heidelberg) als interessanter Spinner. Sogar der Bayerische Rundfunk hielt den "Druiden" vor einigen Jahren anscheinend für einen harmlosen Exzentriker und filmte ihn beim Kräutersammeln im Wald und beim Bogenschießen. Dabei erzählte er mit ernster Mine, er sei vor 2.500 Jahren in einer Winternacht als Neffe des Zauberers Merlin geboren worden.
Es ist nicht auszuschließen, dass "Burgos" das wirklich glaubt. Er glaubt ja so Einiges, was halbwegs politisch gebildete Menschen für blühenden Unsinn halten - zum Beispiel, dass das "Deutsche Reich" nach wie vor bestünde, die BRD eine GmbH und Deutschland nach wie vor besetzt sei. Er ist überzeugt, dass es "ohne Juden keine Kriege, ohne Kriege keine Asylanten“ gäbe, ist der Ansicht, Deutschland werde seit 130 Jahren "bekriegt", Winston Churchill wäre Zionist gewesen und habe Befehl gegeben, "Millionen Menschen unseres Volkes" zu vernichten und behauptet, zwei Weltkriege seien geführt worden, "um die dominante Rolle Deutschlands zu verhindern". (Am Rande bemerkt: Der zweimalige britische Premierminister Winston Churchill (1874–1965) trat 1908 in die "Albion Loge" des "Ancient Order of Druids" (AOD) ein - er war also (Neu-)Druide!)
Selbst die meisten überzeugten Nazis würden das nicht so sehen wie "Burgos". Wenn er jedoch fürchtet: "Wir sollen umgevolkt werden. Wir sollen unserer Identität beraubt werden", dann sind das Ängste, die weit über die Nazi-Kreise hinaus von Rechtsextremisten (auch solchen, die sich lieber "besorgte Bürger" nennen) geteilt werden. Auch seine zum Teil unflätige antisemitische und anti-muslimische Hetze und seine rassistischen Sprüche fanden beifällig nickende Zuhörer und Leser.

Spätestens seit Mittwoch, dem 25. Januar 2017 wird, von Gesinnungsgenossen vielleicht abgesehen, niemand mehr Burghard B. für einen "harmlosen Spinner" halten.
Der Druide, der Juden vernichten will (tagesschau)
Der deutsche Generalbundesanwalt schickte am 24. Januar Polizisten zwecks Razzia zur Schwetzinger Wohnung B.'s und zu denen einiger seiner Gleichgesinnten. Die Beamten fanden in den Wohnungen der Beschuldigten neben zahllosen Waffen und Munition auch Pläne für Anschläge auf Juden, Muslime und Polizisten.
Die Bundesanwaltschaft wirft dem 62-Jährigen (bzw. nach eigenen Angaben mittlerweile 2506-Jährigen) "Druiden" und seinen fünf mutmaßlichen Komplizen vor, gemeinsam eine rechtsterroristische Vereinigung gegründet zu haben. Allem Anschein nach zurecht.


Für uns ist das aus gleich mehreren Gründen äußerst ärgerlich!

"Burgos von Buchonia" ist im deutschen Neuheidentum wirklich kein Unbekannter. Der selbsternannte Druide war gut vernetzt, sowohl persönlich, auf rechten wie auf heidnischen Treffen, wie auch auf facebook, YouTube und dem bei Verschwörungsideologen beliebten russischen sozialen Netzwerk VK.

Ärgerlich ist einerseits, dass solche kriminellen Gruselgestalten dem Ruf des Heidentums schaden. Dass wir als "germanisch" bzw. "keltisch" orientierte Heiden schnell und meistens zu Unrecht in die "rechte Ecke" gestellt werden, liegt vor allem daran, dass völkisch-rassistische Spinner wie B. nicht nur in der "Bild" (oder der "Krone") das Bild des Heidentums bestimmen.

Vielleicht noch ärgerlicher ist andererseits, dass längst nicht alle auf „unserer“ Seite (also Heiden, die keine Nazis sind) klare Position gegen Rechtsextremisten wie "Burgos" beziehen, und damit Nazis und Rassisten leichtfertig die Deutungshoheit über das, was die Öffentlichkeit über Heiden zu sehen bekommt, überlassen.

Sehr ärgerlich ist, dass nicht-rassistische Heiden mit dem mutmaßlichen Terroristen und schon damals als solchem erkennbaren völkischen Hetzer kuschelten.
Zum Beispiel war der "Druide" bei der jährlichen Demonstration gegen das Bonifatius-Denkmal in Fritzlar dabei. Zur Erinnerung: Es liegt - unter Anderem - an der "Rechtsoffenheit" dieser Veranstaltung, dass sich die Nornirs Ætt nicht daran beteiligt.

Für die ärgerliche Tatsache, dass offen erkennbare Hetzer einfach so in heidnischen Gruppen und auf Veranstaltungen mitmischen können, fehlt mir jedes Verständnis!

Die aus "Ættlingen" bestehende Band "Singvøgel" sang schon vor Jahren über die falsche Toleranz gegenüber falschen Freunden und zeigte, was von der "unpolitischen" "Wir-sind-doch-alle-Heiden"-Gesinnung zu halten ist: Absolut nichts! "Freundchen".

Zwar haben sich Druiden-Vereinigungen wie der OBOD und verschiedene keltische Gruppen und Vereine vom rechtsextremen "Druiden" distanziert. Um der rechtsextremen Konnotation des Heidentums entgegen zu wirken, reicht es aber nicht aus, sich nur nach außen abzugrenzen - man muss in den eigenen Reihen anfangen!

Es geht auch anders: Der Steinkreisverein im badischen Brühl schloss 2012 seinen damaligen Vorstand aus, weil "Burgos von Buchonia" auf Facebook Muslime beleidigt hatte. Dort hatte der "Druide" damals das Bild einer brennenden Moschee gezeigt und die Hoffnung geäußert, bald möge auch das islamische Heiligtum in Mekka brennen. (Diese Äußerungen verhalfen B. zum "Druidennamen" "Hasspredix".)
Auch "Celtoi e. V." belässt es schon lange nicht mehr bei verbalen Abgrenzung - rassistische "Kelten" haben hier keine Chance. So, wie rassistische "Germanen" beim "Eldaring" und erfreulicherweise inzwischen auch beim "Verein für Germanisches Heidentum e. V." keinen Zutritt haben. Und an der harten Haltung der Nornirs Ætt gegenüber rechtsdrehendem Heidentum und völkischer Ideologie dürfte ohnehin kein Zweifel bestehen.


MartinM


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