Alter Sagen neue Sicht   Teil II

Auf Missstände hinzuweisen, sie aufzudecken, wo man sie findet, ist wichtig – schafft sie aber nicht ab, sondern lediglich Voraussetzungen dafür. Das gilt auch für Entzerrungen germanischer Geschichte und den Sonderfall der ja besonders arg besudelten germanischen Mythologie.

Ältliche Quellen, manchmal trüb

Zur verwendeten Literatur ist zu sagen, dass sie insgesamt nicht sonderlich vertrauenserweckend ist. Zu alt, dh auch überholt, ist zum einen, zu zweifelhaft zum anderen.

So finden wir darunter auch Hans von Wolzogen mit "Göttersagen der Edda" aus dem Jahr 1919. Derselbe Wolzogen gehörte 1929 zu den Unterzeichnern des Gründungsmanifestes des "völkisch" gesinnten, antisemitischen "Kampfbunds für deutsche Kultur". Paul Zaunert, in der Bibliographie mit "Deutsche Märchen seit Grimm" aus dem Jahr 1922 vertreten, war immerhin seit 1925 Herausgeber der Schriftenreihe "Deutsche Volkheit".

Derartige Werke unkommentiert in ein Buch zu integrieren, das eigentlich gerne gegen die "überkommene Mythenauslegung der NS-Zeit" (Klappentext) sprechen möchte, ist natürlich völlig unmöglich. Schade, dass diesem Umstand nirgendwo Rechnung getragen wird.

Harmlos – zumindest relativ gesehen, wenngleich ärgerlich – sind natürlich Bücher zu Themen, zu denen es wesentlich bessere Literatur gibt. Nigel Pennick mit "Das Runenorakel" (1990) und Edred Thorsson mit dem "Handbuch der Runenmagie" (1992) wären wirklich nicht nötig gewesen.


Die schönere Geschichte

IdunaVera Zingsem ist vielleicht die Snorra des 21. Jahrhunderts. Sie erzählt die Geschichten neu, aus ihrer Sicht und mit ihrem kulturellen und philosophischen, spirituellen Hintergrund. Sieht man sie als poetische Neuerzählerin, so kann man ihr das Buch nicht nachtragen.Bei ihrer Inszenierung legt sie den Figuren das bestmögliche Make Up an, arrangiert die beste Beleuchtung, sie fügt zusammen (auch, was nicht immer zusammen gehört) und füllt Löcher (mit welchen Füllungen auch immer). Schade ist, dass sämtliche Schminke nicht als solche ausgewiesen ist.

Soweit ich ihr Ansinnen durchschaut habe, so möchte sie eine verzerrte Rezeption aufarbeiten. Was dabei allerdings herauskommt, ist eine erneut verzerrte Rezeption. Dennoch muss man der Autorin zu Gute halten, dass sie ganz klar die schönere Geschichte erzählt.

Wir können Mythen sehen, wie immer wir wollen, das heißt somit in logischer Konsequenz auch, dass die besudeltsten Dinge nicht verloren sein müssen. Und dafür ist Zingsems Buch "Freya, Iduna und Thor. Vom Charme der germanischen Göttermythen" der niedergeschriebene Beweis.

Vera Zingsem: Freya, Iduna & Thor
Vom Charme der germanischen Göttermythen.
Tübingen, Klöpfer und Meyer; Auflage: 1 (22. März 2010) 2010
263 Seiten, geb. mit Schutzumschlag
€ [D] 22,00 / [A] 22,70


Über die Autorin:

Vera Zingsem ist Diplomtheologin, Tanzpädagogin, Mythen- und Symbolforscherin, freie Autorin und Dozentin (unter anderem an der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg). Sie lebt und arbeitet heute in Tübingen.

Weitere publizierte Werke:
Freya, Iduna und Thor: Vom Charme der germanischen Göttermythen (Klöpfer & Meyer 2010)
Die Weisheit der Schöpfungsmythen: Wie uralte Geschichten unser Denken prägen. (Stuttgart, Kreuz-Verlag 2009 )
Der Himmel ist mein, die Erde ist mein: Göttinnen großer Kulturen im Wandel der Zeiten. (Pomaska-Verlag, Schalksmühle 2008)
Das Geheimnis der Sonne: (Verlag am Eschbach 2008)
Sind die Weltreligionen friedensfähig? Ein Plädoyer für eine gerechte Religion (Kreuzverlag 2006)
Lilith, Adams erste Frau: (3. Auflage, Reclam Leipzig 2005, Klöpfer & Meyer 2002)
Klar wie das Wasser: (Freiburg 2002)
Schlangenfrau und Chaosdrache in Märchen, Mythos und Kunst: (2001 mit Barbara Stamer)
Die Einladung nach Jerusalem: Frankfurt am Main 2001 (Büchergilde Gutenberg)
Im Schatten des Olivenbaums: Erzählungen zu Palästina/Israel (1994)


Brighid


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