Betreut von Eibensang


Müssen wir dran glauben?   Teil III
In der ollen Schmähbedeutung des Spruches, insofern der ausdrückt, dass wir alle mal sterben, sicherlich. Da gibt´s soweit keinen Diskussionsbedarf.

Selbstgestrickte Denkmuster?
Ich mag also meine spirituelle Entwicklung nicht Denkmustern und "Fahrplänen" überantworten, die aus jenseitsgerichteter Offenbarungsreligion stammen. Nicht, weil ich was gegen die hätte, sondern weil ich so an´s für mich falsche Ziel geriete. Schon der Begriff Spiritualität enthält in meinem Diesseitskult ganz andere Komponenten als für eine Offenbarungsreligion erforderlich sind. Wüsste wirklich nicht, wie ich "an die Natur" und ihre vielgestaltigen Geschöpfe glauben sollte. Die Kräfte, die ich meine Götter nenne, sind mir so nah und überall und jederzeit sinnlich erfahrbar wie Feuer und Eis (die ja auch unterschiedliche "Erscheinungsformen" haben und in unterschiedlichen "Zuständen" jeweils unter bestimmten Bedingungen auftauchen bzw. vorkommen – aber all diese Bedingungen haben mit direkter Situation und wirklicher Umgebung zu tun – nicht mit gedachten oder denkbaren Gebilden). Obwohl man natürlich auch darüber nachdenken kann und Gedankengebäude bilden. Aber man sollte die Landkarte nicht mit der Landschaft verwechseln – und schon gar nicht Landkarten nachlaufen, die völlig andere Landschaften abbilden, als die, in denen man sich befindet – oder wo man hinwill.


Müssen wir dran glauben?
Nein. Müssen wir nicht. Zumindest nicht: glauben. An was auch immer. Ganz bestimmt nicht: an Ásatrú. Odin und Thor. Oder Freyja und Hlin, Lofn und Fulla, Syn oder Gefjon, Hel oder Idun, Gna, Sif, Gjerda, Skadi oder Sunna oder... (um mal ein paar geile Weiber aufzulisten: für die von euch oder uns, die Ásatrú so rum oder so rum für ach so "maskulin" halten... hey, leckt euch an der Unterpore, und erlangt Erleuchtung und Erkenntnis...) Wir müssen sowieso - überhaupt nichts. Außer sterben. Aber das ist relativ. Relativ relativ.
Á satrú leben: das ist was anderes. Nach innerer Überzeugung, körperlich erfahrener, leben. Ist was anderes. Als glauben. Ásatrú ist bestenfalls heutige Rezeption germanischer Kultur: germanischen Denkens, Fühlens, Handelns. Alt wie neu. Das glaube ich nicht. Das weiß ich nicht einmal. Es ist das, was ich mache. Nichts anderes kann ich tun.

Könnte exakter sagen: Ich praktiziere es. Aber das klingt mir nicht poetisch genug. Poesie aber ist die Magie der Träumer. Ohne sie: keine Wirklichkeit. Und, Ihr hehren Ásatruar, Ihr Kinder von Tyr und Thor: Sagen nicht die Wicca, das Universum sei "ersungen"? Wie – das gilt für Euch nicht, weil Ihr doch keine Wicca seid? Hat das wer behauptet? Dass Ihr zu Wicca würdet, sobald Ihr ein Bild dieser Herkunft auf Euch einwirken lasst? Ich bin auch kein Wicca, ich bin Ásatrú. Und was für einer! Ein Enkel des Donnergottes – oder Ullr Schneesurfers Bogenschütze. Ganz wie Ihr wollt. Ihr braucht´s ja nicht zu glauben. Aber, um der Poesie oder des Respekts vor Träumen Willen: Geht in die Knie. Vor der Schöpfung. Vor dem Wunder eigenen Da-Seins – und achtet die Bilder der anderen. Manche halten Erkenntnisse bereit, und selbst Heimdall lässt sie durch. Seid ungläubig – bleibt ehrlich: Euch treu – aber lasst Euch beeindrucken. Und erweist Respekt und Ehre. Auch wenn´s nur Kolleginnen sind: die ein bisschen anders ticken. Als du. Und lernt. Was Ihr könnt. Die "Germanen" – die von damals, vor vielen Jahrhunderten. Die hätten es getan. Auch: sich ggf. ersungene Universen "reingezogen", meine ich. Es gibt nichts "Reines"! Außer vielleicht in den antiseptischen Räumen der Computerchiphersteller. Die sind "clean" – und ihre Produkte entsprechend störanfällig. Natur aber ist schmutzig. Ein Gemisch, immer. Die weiß schon warum, die olle Natur.


Fühlst du dich "überfremdet"?

Ich fühle mich BE-fremdet. Von Heiden, die gern behaupten, dass "alles eins" sei. Aber dann auf platt erlesenen Buchstaben ihrer Tradition beharren wie der Beamte hinterm Schalter auf seinen Formularen. Und nicht mehr zu erkennen mögen, was für eine Macht einem Traum innewohnt. Einem heidnischen Traum. Von vielen. Denjedem so viele Träume abtropfen könnten wie Draupnir neue Ringe. Wenn wir sie nur ließen. Sprießen ließen. Bei Odin! Von denen manche sich besser vertragen könnten, und sei´s gegen jene schmeichlerisch dahersäuselnden Hassbeutel von Rassequasslern, die uns allesamt abschaffen würden, wenn wir sie nur gewähren ließen. Hey: "There will be no Shire!" Ich blase hier niemandem Zucker in den Arsch. Ich singe mir ein Universum. Ein tropfendes, nasses, draupnirisches neunfaltiges Multiversum. Das auf die Beine zu kommen versucht wie ein neugeborenes Reh – zitternd, feucht, verletzlich. Ich, Kitz von Tyr und Syr. Heilsa. Oder besser: heile dich selber. Eir – auch eine Asin – helfe dir dabei!

"You can say that I´m a dreamer – but I´m not the only one." (John Lennon)

"Es gibt nichts Gutes – außer man tut es." (Erich Kästner)

Euch allen die Sonne zum Gruß – möge sie (in uns allen, für uns alle – und: ihrseidank scheint sie weißdiegöttin für alle!) ans Licht bringen, was ohne sie verborgen verkümmern müsste.


Eibensang


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Müssen wir dran glauben? - Teil III     Eibensang, 30.04.2005
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