Das Raunen der Runen
Intoniere die Rune 'XY' und du spürst die Kraft, spürst wie die Vibrations deine finanzielle Situation verbessern und dein Glücksgefühl steigern und das bereits nach drei Tagen…

Alles Käse?
Ein Satz, wie ihn jeder kennt der versucht, aus der Flut esoterischer „Bedienungsanleitungen zur Erleuchtung“, brauchbare Anregungen herauszulesen. Mit dem schalen Nachgeschmack, welchen abgestandenes Zuckerwasser hinterlässt, wird der ernsthaft Suchende der „innovativ-modernen“ Runenliteratur für gestresste Manager wahrscheinlich den Rücken kehren.

Die Überlegung, die zumeist in weiterer Folge angestellt wird, dass die Runen als alte Schriftzeichen wohl schon vor dem neuzeitlichen Eso-Boom literarisch abgehandelt wurden, führt einen dann ins Antiquariat. Dort kann man, wenn man überhaupt was findet, ähnliche Sätze wie diesen lesen:
"Für den nordischen Recken schafft das Runenheil Schirm und Schutz vor minderrassigen Strahlungen, wenn er es nicht verabsäumt täglich in züchtiger Gymnastik und Gesang dieses zu erwirken…"

Hier stellt sich zum schalen Nachgeschmack letztlich gelbbitterer Brechreiz ein und meist endet an dieser Stelle die Suche nach Runenweisheit. Falls besonders Hartgesottene weitermachen bricht dann der Widerstand spätestens an der streng wissenschaftlichen Literatur, welche oft wegen der vorhergehenden schlechten Erfahrungen in letzter Konsequenz zu Rate gezogen wird.
"Konkrete, zwingende Beweise für die Verwendung der Runen im magisch-kultischen Kontext liegen nicht vor, vor allem die von der Esoterik aufgestellte Behauptung Runen werden im Rahmen eines yoga-ähnlichen Systems gestellt und gesungen, können als romantische Phantasterei abgetan werden."

Nun, mit solchen wissenschaftlichen Fakten konfrontiert, stellt sich höchstwahrscheinlich endgültig Resignation ein und das Raunen der Runen ist kein Thema mehr. Eine solche Entscheidung ist durchaus nachvollziehbar jedoch nicht unbedingt nötig und unter Umständen sogar falsch.


Frustration macht sich breit, was tun?
Die Runen und die ihnen innewohnenden Kraft können aber weder für die gegenwärtige Wellness- und Konsum-Hysterie noch für die lebensverachtende Stumpfsinnigkeit der „superdeutschen“ Vergangenheit verantwortlich gemacht werden. Ebenso wenig wie das Fehlen von Beweisen für eine romantische Verwendung der Runen im Gegenzug beweisen könnte, dass dem nicht so war.
Hier ist wie so oft, und vor allem in naturreligiösem Zusammenhang die eigene Empfindung gefragt. Dies gilt für die Verwendung literarischer Empfehlungen genauso wie für mündliche Ratschläge von anderen Praktizierenden. Kritisch betrachten, ausprobieren, persönlich-empirische Entscheidungen treffen und somit Erfahrungen zu sammeln heißt der von mir vorgeschlagene Weg.

Meine eigenen Erlebnisse mit dem Raunen der Runen auch in Kombination ist den entsprechenden Körperhaltungen (Stadhagaldor / Stadha = Stellung, Galdor = magischer Gesang) sind dargestellt, dass es sich nicht mehr nach wissenschaftlichen Beweisen verlangt. Die daraufhin manchmal auftretende Frage nach der Möglichkeit, dem Placebo-Effekt aufzusitzen ist dann die, im Schamanismus oftmals so genannte, „langweiligste Frage der Welt.“ Es ist gemäß des naturreligiösen Pragmatismus unwesentlich über wie und ob mental zu onanieren, wenn es vom Bauch her stimmt und das Ergebnis passt.
Dass runisch-kanalisierte Feinkraftströme erfahr- und erlebbar sind bedarf keiner Diskussion ganz gleich ob im „alten Germanien“ geraunt wurde oder nicht. Entscheidend ist hier für mich nur, was man heute mit dieser Tatsache macht. Welche Bedeutung und Wirksamkeit die einzelnen Runen früher bei den Stämmen (denn als solche verstanden sich die Menschen damals; nicht als eine „germanische Nation“) innehatten kann ansatzweise durch archäologische Funde, Textbruchstücke, die Edden sowie den so genannten Volksglauben rekonstruiert werden. Von dieser Basis aus muss nun freilich wieder experimentiert werden. Unzählige Komponenten spielen hier eine Rolle. Raunt man Runen in der Gruppe oder allein im Freien oder im Zimmer, raunt (Galdar) man überhaupt oder stellt man die Rune nur (Stadha), usw.


Wie tun?
Von starkem Einfluss ist natürlich die eigene Grundhaltung, der persönliche momentane Zustand, der Antrieb aus dem heraus man sich mit den Runen kurzschließt. Es dürfte jedem klar sein, dass es einen Unterschied macht, ob ich eine Rune nach der Ostara-Reinigungszeit an einem still-glucksenden, sonnenbeschienenen Bächlein raune von Glück der Stunde erfüllt oder ob ich dieselbe Rune in einem verrauchten, lauten Bierlokal nach dem Konsum von drei Krügerln sieben Stunden nach dem ich in meiner Firma die Kündigung bekommen habe, vor mir besinge. Dieses Beispiel ist zugegebenermaßen ein wenig drastisch, jedoch kann ich nun an dieser Stelle, zur Veranschaulichung, ein kleines Experiment anbieten.

Stellt euch am Morgen ins Wohnzimmer mit dem Gesicht nach Norden und raunt die Isa Rune desgleichen am Abend und mit dem Gesicht nach Süden gewandt – Ihr werdet sehen, was ich meine. Wichtig ist, dass klar ist, dass es hier nicht um Wertung geht, sondern um nutzbare Erkenntnisse.
Auch soll nicht wundertätiges Wirken erstrebt oder erwartet werden - wenngleich es trotzdem sein kann, dass beispielsweise die Wolkendecke aufreißt und die Sonne durchkommt, wenn man in harmonischer Weise die Sowelo Rune raunt. Es geht dann zu ermöglichen und somit auch zu spüren wie die segnende Kraft über die bei der Algiz Runenstellung empor gestreckten Hände hereinströmt und wie sie sich beispielsweise auf ein die Wasserweihe bzw. Lebensleite empfangendes Neugeborenes überträgt.

Es ist schon aufgrund der Formen und der Namen der Runen klar wohin sie gehören, was sie ermöglichen wie die Wellen und Ströme wirken und fließen. In Form und Klang von Uruz liegt bereits die fraglose Sicherheit, dass diese Rune die Kraft der Erde in einen Rekonvaleszenten holt und ihm bei der Erholung unterstützt, wie sie ebenso die Heilung der geschändeten Erde selbst ermöglichen könnte (würden sich genug Menschen finden sie zu Stellen zu raunen und ihr einen Platz in ihrem Bewusstsein einzuräumen) gerade weil die Beschäftigung mit einer Sache bereits deren Änderung, Fixierung oder Erfassbarkeit bewirkt.


Mein Vorschlag
Wie bereits gesagt, geht hinaus die Runen zu erleben - mit einem Partner in einer lauen Wonnemondnacht, raunt dem wanischen Geschwister- und Liebespaar Freyr und Freyja Lust mit Fehu Lust zu und erlebt die Antwort. Macht euch in einer stürmischen Nebelmondnacht allein auf um Wodan zu begegnen, indem ihr einen Becher Met trinkt und anschließend Ansuz in den Sturm brüllt. Was auch immer ihr tut, fürchtet euch nicht vor den Runen ihrer missbräuchlichen Verwendung oder der Verwirrung ihrer Macht.
Sie werden das sein, was ihr zulasst, dass sie sind, so wie man nur dann lebt wenn man zulässt, dass man lebt!


Landogar


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