Betreut von Rothani
Donau, Traisen und die Au   Teil IV

Heute möchte ich Euch im Kräuterkistl eine neue Serie vorstellen. Und zwar werde ich Euch jetzt und in den nächsten Artikeln in eine meiner Lieblingslandschaften ganz in meiner Nähe entführen – die Donau- und Traisenauen. Einerseits empfinde ich sie als einen sehr schönen und erholsamen Lebens-, Rückzugs- und Erholungsraum und andererseits bieten sie einen abwechslungsreichen „wilden“ Kräutergarten in meiner unmittelbaren Nähe.

Heute, im letzen Teil der Serie über die Donau, Traisen und die Au, beschäftige ich mich mit Pflanzen die sowohl in den Uferzonen bzw. Heißländen, als auch schon auf Magerwiesen direkt in der Au zu finden sind.

Rossminze mit Schmetterling
Rossminze mit Schmetterling

Zwei mögen es noch feucht

Eine Vertreterin der eher nassen Standorte ist die Rossminze – Mentha longifolia, langblättrige Minze. Sie ist eine krautige Pflanze die vom Stickstoffreichtum der Heißlände profitiert und auch die Nähe von Siedlungen bzw. landwirtschaftlich genutzten Flächen bevorzugt. Die unterirdischen Wurzelausläufer begünstigen ihre Vermehrung und wenn die Bodenverhältnisse passen kann sie durchaus in Massenbeständen auftreten. In der Volksmedizin wird sie wie die Grüne Minze verwendet. Dioscurides[1]beschrieb sie als erwärmend, zusammenziehend und austrocknend und empfahl sie als Wurmmittel und Aphrodisiakum. Hildegard von Bingen setzte sie gegen Völlegefühl, Atembeschwerden und Verschleimungen ein. In der frühen Neuzeit wurde Minze gegen Ohrenschmerzen, Darm- und Magenkrämpfe und Kopfschmerzen eingesetzt.

Wer in der Nähe von Eichenau in Oberbayern lebt oder dort mal Urlaub macht, kann sich im Pfefferminzmuseum genauer über die Anwendung dieser Pflanze informieren - http://www.minzmuseum.de/.

Sumpfhornklee
Sumpfhornklee

Über den Sumpfhornklee – Lotus penduculatus - gibt es leider nicht so viel zu sagen, was vielleicht auch daran liegt, dass er in den letzten Jahren den Bachbegradigungs- und Entwässerungsmaßnahmen zum Opfer fiel. Er zählt zu den Schmetterlingsblütlern und bevorzugt im Gegensatz zu den sonstigen Mitgliedern dieser Familie keine trockenen Standorte sondern liebt den nassen Boden. Er ist in Europa und Nordafrika heimisch und gilt in Ozeanien, Australien sowie in Nord- und Südamerika als Neophyt.


Aus dem Badewasser einer Göttin entstanden

Mehr zu sagen gibt es dann wieder über das Gewöhnliche Seifenkraut – Saponaria officinalis – das zur Familie der Nelkengewächse zählt. Diese für manche Tiere giftige Pflanze wird auch Echtes Seifenkraut, Seifen- oder Waschwurz genannt und wurde früher, wie der Name schon sagt, als Waschmittel genutzt. Der Grund für diese Anwendung liegt im Saponingehalt der Pflanze, der in Verbindung mit Wasser dazu führt, dass es zum Ausschäumen kommt. Auszüge aus den Wurzeln wurden in früherer Zeit als Seifenersatz verwendet. Bereits die Assyrer sollen diese Wirkung des Seifenkrautes genutzt haben. In einer antiken Sage berichtet, dass die Waschwurz aus dem weggeschütteten Badewasser der Göttin Aphrodite entstanden ist. Sie soll sich nach der Berührung ihres Gemahls Hephaistos in diesem Wasser vom Ruß befreit haben.

Gewöhnliches Seifenkraut
Gewöhnliches Seifenkraut

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Gewöhnliche Seifenkraut zu diesem Zweck in Europa auch extra angebaut. Heute nutzen umweltbewusste Firmen die Inhaltsstoffe für die Reinigung von Teppichen und Polster und Restauratoren verwenden sie zur Reinigung von historischen Textilien. Die Waschlauge kann für empfindliche Gewebe und Stoffe, wie Seide und Wolle verwendet werden.

Das Seifenkraut ist eine der Pflanzen die es nicht unbedingt feucht haben muss und daher auch an Wegen und Schuttplätzen zu finden ist – die Hauptsache ist und bleibt der Nährstoffgehalt im Boden, der muss ausreichend vorhanden sein um ihr Gedeihen zu begünstigen. So findet man diese Pflanzen auch in Gesellschaft von sogenannten Pionierpflanzen[2].

Arabische Ärzte verwendeten das Gewöhnliche Seifenkraut früher als Mittel gegen Hautkrankheiten, Lepra und Geschwüre. Seit dem Mittelalter werden hauptsächlich die getrockneten Wurzeln bei Bronchitis mit trockenem, zähem Sekret eingesetzt. Bei der Dosierung sollte man beachten, dass das in der Pflanze enthaltene Saponin Erbrechen auslösen kann. Eine neue Anwendungsmöglichkeit bietet auch das aus dem Seifenkraut gewonnene Proteintoxin Saporin. Es  wird in der Tumorbehandlung als Test angewandt. Zurzeit wird das Seifenkraut hauptsächlich in der Türkei, dem Iran und China kultiviert und findet dort auch in der Naturmedizin ihre Anwendung. Der Absud aus Blüten und Wurzeln kann äußerlich zum Beispiel als Kopf- und Hautwaschmittel bei Schuppen und Schuppenflechte angewandt werden. Eine weitere Verwendung für Kompressen und Umschlägen ergibt sich bei verschiedenen Hautleiden wie Pilzerkrankungen, Ausschlägen und Ekzemen.


Urmutter mit Verwechslungsgefahr

Die nächste Pflanze bietet uns jetzt den Übergang von der Heißlände bzw. Uferzone zu den Magerwiesen. Die Wilde Möhre – Daucus carota – findet man häufig in trockenen und feuchten Magerwiesen, bevorzugt auf sandigem Untergrund, an Ackerrainen, entlang von Wegen und Straßen, sowie auf Brachen, Stoppel- und Kleefeldern.

Wilde Möhre
Wilde Möhre

Sie gilt als die Stammform unserer Karotte und wurde seit Jahrhunderten als Nahrungsmittel verwendet. Beim Sammeln sollte darauf geachtet werden, dass die Wilde Möhre nicht mit anderen (giftigen) Doldenblütlern verwechselt wird. In Frage kämen dabei der Wiesen-Kümmel, Koriander und Wiesen-Kerbel – die ungefährlichen Verwechslungsvarianten, aber auch der Giftige Wasserschierling und die Hundspetersilie – deren Verzehr schon mehr ins Auge gehen kann. Ein gutes Unterscheidungsmerkmal ist die sogenannte „Mohrenblüte“ – eine schwarzpurpurne Blüte, die in der Mitte der weißen Dolde sitzt. Ein weiteres charakteristisches Merkmal ist die „Halskrause“, die zurückgebogenen Hüllblätter unterhalb der Blütendolde und auch der typische Karottengeruch.  Während der Fruchtzeit hat man noch ein eindeutiges Merkmal – und zwar ziehen sich die Dolden nestartig zusammen und unterscheiden sich so von anderen weißen Doldenblütlern.Wilde Möhre

Im ersten Jahr ist die weiße Wurzel gut essbar und schmeckt auch gut. Die Wurzeln der Wilden Möhre sind allerdings sehr dünn und daher als Nahrungsmittel nicht sehr ergiebig. Beim Verzehr größerer Mengen (mehrere Kilo über einige Wochen) kann es auch zu Vergiftungen durch Provitamin A und Carotatoxin kommen. Weitere Inhaltsstoffe sind Ätherische Öle, Vitamin B1/B2/C, Pektin, Mineralsalze und Kohlehydrate.

Albertus Magnus[3] setzte im 13. Jahrhundert den Saft der Wilden Möhre gegen Geschwüre und für Wunden ein. Im 15. Jahrhundert wurden Möhrensamen bei Wassersucht und dem Biss giftiger Tiere empfohlen. Generell wurden in der Volksmedizin die harntreibenden Samen der Pflanze bei Nieren- und Blasensteinen, ein Wurzelsaft oder Wurzelbrei als kräftigendes und beruhigendes Mittel und das frische zerriebene Kraut (vermischt mit Honig) zur Wundbehandlung eingesetzt. Mit frischem Möhrensaft wurden früher auch Kinder gegen Eingeweidewürmer behandelt. Weiters gab man ihnen weich gekochte Möhren als Mittel gegen Durchfall (hoher Pektingehalt). Die Wurzeln der Wilden Möhre fanden früher auch Verwendung um Marillenmarmelade und Paradeismark (Tomatenmark) zu fälschen bzw. wurde damit auch Marmelade gestreckt. Wer die Wurzeln röstete konnte sie in Notzeiten als Ersatz für Kaffee nutzen („Möhrenkaffee“).

Somit wäre ich mal fürs erste am Ende der Artikelreihe über Donau, Traisen und die Au angekommen. Mittlerweile bin ich nach Wien umgezogen und habe nicht mehr so oft die Gelegenheit mich in die Traisenauen auf einen Streifzug zu begeben. Aber der Donau bin ich treu geblieben und ich hoffe auf ausgedehnte Spaziergänge im Nationalpark Donauauen – und natürlich auf neue Fotos und viele weitere Pflanzen die ich euch weiterhin vorstellen kann.

[1] Pedanios Dioscurides war ein griechischer Arzt in Kleinasien (1. Jahrhundert) der als Militärarzt im römischen Dienst stand und als einer der berühmtesten Pharmakologen des Altertums galt.
[2] Pionierpflanzen sind Pflanzen, die durch ihre besondere Anpassungsfähigkeit an der Besiedlung neuer vegetationsfreier Zonen beteiligt sind.
[3] Albertus Magnus – ein deutscher Gelehrter und Bischof

Quellen:
Kursunterlagen Natur- und Landschaftsführer, LFI St. Pölten
www.wikipedia.at


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