Betreut von Rothani


Donau, Traisen und die Au   Teil II

Heute möchte ich Euch im Kräuterkistl eine neue Serie vorstellen. Und zwar werde ich Euch jetzt und in den nächsten Artikeln in eine meiner Lieblingslandschaften ganz in meiner Nähe entführen – die Donau- und Traisenauen. Einerseits empfinde ich sie als einen sehr schönen und erholsamen Lebens-, Rückzugs- und Erholungsraum und andererseits bieten sie einen abwechslungsreichen „wilden“ Kräutergarten in meiner unmittelbaren Nähe.

Aufgrund der gerade vorherrschenden Temperaturen (30° C und mehr) habe ich beschlossen mich in diesem Artikel mit dem Thema Wasser in der Au und Pflanzen am Wasser auseinander zu setzen.


Wohnung mit fließend Wasser und Verpflegung

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Brunnader

Im letzen Artikel bin ich bereits kurz auf die Brunnader eingegangen. Durch die bei Hochwasser geschaffenen Mulden und Gräben hat das Grundwasser die Chance durch den Schotter an die Oberfläche zu steigen. Obwohl der Grundwasserspiegel mit dem Wasserspiegel des Flusses korrespondiert, kann der Wasserspiegel in den Brunnadern auch höher sein als der Grundwasserspiegel der Umgebung da sich die Gewässersohle verdichtet. Die Brunnader bietet für viele Pflanzen und Tiere eine Überwinterungsmöglichkeit in der Au bzw. an den Flüssen.

Da sie aus den Grundwasserquellen gespeist wird beträgt die Temperatur zwischen 4° C und 8° C und ist daher auch im Winter meist eisfrei. In den Wassern der Brunnader ist Kohlendioxid (CO2) enthalten und dieses löst das Kalzium aus dem Boden. Wenn es durch den Anstieg des Grundwassers an die Oberfläche ausgast fällt das Kalzium aus und hinterlässt an den Rändern der Brunnader oft grauweiße, schlammige Ablagerungen. Diese Ablagerungen bieten einen nährstoffreichen Untergrund für vielerlei Pflanzen wie den Aufrechten Merk – einen nicht essbaren Doldenblütler der fast wie Pastinak aussieht und in den Brunnadern teilweise in Massenbeständen vorkommt. Aber auch die Brunnenkresse und das Bittere Schaumkraut (auch Falsche Brunnenkresse genannt) fühlen sich in dieser Umgebung sehr wohl.


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Brunnenkresse

Alter Appetizer mit medizinischem Benefit

Die Brunnenkresse – Nasturtium officinale – ursprünglich in Europa, Nordafrika und Asien beheimatet ist eine winterharte und krautige Wasser- bzw. Sumpfpflanze und blüht ab Ende Mai bzw. Juni bis Juli. Sie ist leicht mit dem Bitteren Schaumkraut zu verwechseln. Als Unterscheidungsmerkmal dienen die verschiedenfarbigen Staubgefäße. Die Brunnenkresse hat gelbe Staubgefäße und das Bittere Schaumkraut hat blaue Staubgefäße auf weißem Grund. Beide Arten sind essbar und bevorzugen fließende, nährstoffreiche Gewässer.

Bereits Griechen und Römer sollen an natürlich vorkommenden Standorten gesammelte Brunnenkresse verwendet haben. Die ersten künstlich angelegten Kulturen werden von einigen Historikern auf das Jahr 1650 datiert. Im 20. Jahrhundert nahm die Zahl der sauberen Oberflächengewässer immer mehr ab und die Brunnenkressekulturen verschwanden zunehmend aus dem Landschaftsbild. Seit ca. 20 Jahren gibt es durch die Rückbesinnung auf „alte und vergessene Gemüsesorten“ wieder vermehrten Bedarf. Heute wird sie noch erfolgreich in England (Ernteertrag 1987 – 4000 Tonnen), der Schweiz (20 Tonnen Ernteertrag/Jahr), Deutschland, Portugal, den Benelux-Staaten, in Florida und Hawaii angebaut.

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Bitteres Schaumkraut

In der Küche findet die Brunnenkresse in Suppen und Salaten sowie als Garnierung ihre Verwendung. Zu beachten ist, dass sie sich nach der Blüte nicht mehr zum Verzehr eignet. Um die bakterielle Belastung zu minimieren sollte sie nur aus fließenden Gewässern geerntet werden. Die Brunnenkresse regt den Appetit und die Verdauung an und sie gilt als harntreibend und antibiotisch. Aufgrund ihrer blutreinigenden und blutaufbauenden Wirkung wird sie auch bei verschiedenen Frühjahrskuren empfohlen. Die Naturheilkunde empfiehlt sie bei der Entschlackung von Leber, Lunge und Magen. Weiters soll sie bei Diabetes helfen, äußerlich angewendet zur Stärkung der Haare beitragen und für einen klaren Teint sorgen.


200 Jahre und noch immer „Ausländer“

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Orientalisches Zackenschötchen

Ein weiterer Bewohner der „Brunnadersiedlung“ ist das Orientalische Zackenschötchen – Bunias orientalis – auch als Türkische Rauke bezeichnet. Wie der Name schon sagt, liegt die Vermutung nahe, dass diese Pflanze aus Westasien zu uns eingewandert ist. Sie zählt zu den Kreuzblütlern, kann bis zu 1.50 Meter hoch werden und blüht vorwiegend von Mai bis August. Das orientalische Zackenschötchen hat sich in den letzten 200 Jahren in weiten Teilen von Europa ausgebreitet. Im Erscheinungsbild ähnelt es sehr dem einheimischen Ackersenf bzw. dem Raps. Als Unterscheidungsmerkmal dient ein kleiner, gebogener Zacken an den Schoten, der ihm seinen Namen gegeben hat. Das Zackenschötchen verbreitet sich durch Samen und Wurzelausläufer, aber auch der Transport von Wurzelstücken in verunreinigter Erde und Wiesenschnitt[1] trägt dazu bei. Mittlerweile ist diese Pflanze von Sibirien über Ost- und Südeuropa bis Mittel- und Nordeuropa verbreitet und zählt trotz ihrer schon 200jährigen sukzessiven Einwanderung noch immer als Neophyt[2].

In der Küche werden die jungen und zarten Triebe gekocht oder als Salat verwendet. Die noch kleinen Blütenstände können wie Brokkoli gegessen und die einjährige Wurzel kann wie Kren (Meerrettich) verwendet werden. Das orientalische Zackenschötchen enthält Senföle, die ähnlich den Lauchölen kleine Parasiten abtöten können.


Blüten färben – Samen schwimmen

Ebenfalls eine Wasser liebende Pflanze ist die Sumpfdotterblume – Caltha palustris. Im Volksmund wird sie auch als Schmalz-, Butter-, Eierblume, Wiesengold oder Goldrose bezeichnet und spielt auf ihre goldgelben Blüten an. Die Blütenblätter enthalten einen Stoff, den man früher dazu verwendet hat zum Beispiel Butter eine schöne gelbe Farbe zu verleihen. Der häufigste Name ist allerdings „Dotterblume“. Die Blüten werden wegen ihres reichlichen Nektar und Pollen von Käfern, Fliegen und Bienen bestäubt. Bei Regen bleiben die Blüten geöffnet und füllen sich mit Wasser, sodass es auch zu einer Selbstbestäubung (Regenbestäubung) kommen kann. Auch die Verbreitung der Samen ist ebenfalls auf die wasserreiche Umgebung ausgerichtet. Die Samenbehälter (Balgfrüchte) öffnen sich erst vollständig mit Hilfe von Regen- bzw. Schwemmwasser und die losen Samen werden dadurch ausgeschwemmt. Diese sind schwimmfähig und können sich so entlang des Gewässers ausbreiten.

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Sumpfdotterblume
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  Kühle Impression

Da die Sumpfdotterblume schwach giftig bis giftig ist wird von einem Verzehr der einzelnen Pflanzenbestandteile abgeraten. Dies hielt aber vergangene Generationen nicht davon ab sie als Nahrungs- und Genussmittel bzw. als Färbepflanzen für Milchprodukte zu verwenden. In Spanien wurde sie als Salatgrün, in England als Verfeinerung bzw. geschmackliche Färbung für Landwein und Essig eingesetzt und in Deutschland wurden die Blütenknospen in Essig eingelegt und fanden als Kapernersatz („Deutsche Kapern“) ihre Verwendung.

Die Pflanzenheilkunde empfahl sie auf Grund der Signaturlehre bei Beschwerden der Galle und der Leber. In der Volksmedizin wurden die krautigen Bestandteile öfters bei Hauterkrankungen und Menstruationsbeschwerden empfohlen. Heute wird die Sumpfdotterblume nur mehr bei Hautausschlägen, Menstruationsbeschwerden und Bronchialerkrankungen in der Homöopathie eingesetzt. Im Volksglauben galt die Sumpfdotterblume, wie viele andere Frühjahrsblüher, als hilfreich bei der Abwehr von Dämonen.

Trotzdem mein Laptop momentan ziemlich heiß ist, hat die körperliche Abkühlung durch die Beschäftigung mit den Wasserpflanzen gut funktioniert und ich freue mich schon auf einen Spaziergang in den kühlen Auen in den nächsten Tagen.


Quellen:
www.wikipedia.at
Kursunterlagen Natur- und Landschaftsführer, LFI St. Pölten
[1] Da das Zackenschötchen im Herbst einen weiteren Wachstumsschub hat, kann es sich meistens trotz Mahd gegenüber den umgebenden Pflanzen besser durchsetzen.
[2] Neophyt: Pflanzenart, die (in)direkt durch Menschen in Gebiete eingeführt werden, in denen sie natürlicherweise nicht vorkommen.


Rothani


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