Donau, Traisen und die Au   Teil I

Heute möchte ich Euch im Kräuterkistl eine neue Serie vorstellen. Und zwar werde ich Euch jetzt und in den nächsten Artikeln in eine meiner Lieblingslandschaften ganz in meiner Nähe entführen – die Donau- und Traisenauen. Einerseits empfinde ich sie als einen sehr schönen und erholsamen Lebens-, Rückzugs- und Erholungsraum und andererseits bieten sie einen abwechslungsreichen „wilden“ Kräutergarten in meiner unmittelbaren Nähe.

Hart oder weich – das ist hier die Frage

Die Au wird grundsätzlich in zwei Typen unterschieden – die weiche und die harte Au. Der Unterschied ergibt sich aus den bestimmenden Holzarten, also weiche oder harte Hölzer, die auf Grund der unterschiedlichen Überschwemmungslage übers Jahr hinaus dort am besten gedeihen können.

Lebensraum Au  
© www.donauauen.at

So sind in der weichen Au hauptsächlich Weiden, Pappeln und Erlen heimisch die mit einer mehrmaligen Überschwemmung im Jahr gut zu recht kommen können. In der harten Au finden sich überwiegend Stieleichen, Esche, verschiedene Ulmenarten (Feldulme und Flatterulme), die Winterlinde und in geringerer Vorkommensdichte der Holzapfel und die Holzbirne. Diese kommen gut mit den schweren, nährstoffreichen Bodenverhältnissen zu Recht. Die harte Au wird nur ein- bis zweimal im Jahr, mehrere Tage mit 0,5 bis 3 Meter überschwemmt und bietet somit einen idealen Standort für Bäume die sowohl mit wechselfeuchten als auch mit trockenen Bodenverhältnissen gut klarkommen.

Der Bau des Kraftwerkes Altenwörth an der Donau in den 1970er Jahren hatte zur Folge, dass diese aufgestaut wurde und viel Augebiet in unserer Gegend verloren ging. Vereinzelt findet man noch Altarme der Donau, die aber zunehmend durch die Ablagerung von Feinsedimenten gefährdet sind. Ebenfalls durch den Kraftwerksbau wurde das Mündungsgebiet der Traisen rund 7 Kilometer Richtung Osten (hinter das Kraftwerk, damit dieses nicht durch Schotter- und Schlammablagerungen bei den Turbinen beeinträchtigt wird) verlegt. Mit viel Geld von Seiten der EU und dem Bund wird jetzt bei der Traisen ein Renaturierungsprojekt gestartet um den künstlich begradigten Fluss wieder in einen mäandernden umzuwandeln (http://www.life-traisen.at/).

  Traisen-Renaturierung
© www.verbund.com

Durch dieses Projekt soll wieder eine Verbindung der verschiedenen Augewässer (Altarme der Donau und vereinzelte Brunnadern[1]) mit der Taisen hergestellt werden und damit ein vielfältiger Lebensraum für die einzelnen Fauna- und Floraarten hergestellt werden. Vor allem die Hartholzau, die zu den am stärksten gefährdeten Biotopen Mitteleuropas zählt, profitiert durch diese Wiederanbindung an den Fluss und die damit einhergehenden periodisch wiederkehrenden Hochwässer.


Alle Macht dem Frühjahr

Ich möchte hier nun auf die verschiedenen Pflanzen der harten Au eingehen. Neben den schon erwähnten Holzarten gibt es auch eine vielfältige Krautschicht, die sehr reich an Frühlingsblühern - den sogenannten Geophyten[2] – ist. Kennzeichnend für die harte Au sind das Weiße und das Gelbe Buschwindröschen, das Scharbockskraut und der Gelbstern. Diese Arten nutzen die Zeit vor der Laubentfaltung der Baumschicht und wickeln ihr ganzes Jahresprogramm im Frühjahr ab. Den Großteil des restlichen Jahres überdauern sie im Boden.

Donau Altarm © RothaniZu den Frühjahrsblühern die sich ebenfalls in der Au breit machen zählen das Schneeglöckchen, der Bärlauch und das Maiglöckchen. Und weil wir gerade die richtige Jahreszeit haben und nicht oft genug auf die Gefahren hingewiesen werden kann, hier noch mal anschaulich und hoffentlich einprägsam die Unterschiede zwischen Bärlauch – der sehr lecker schmeckt, und Maiglöckchen – das meistens nur einmal verzehrt wird.


Tot oder lebendig – das ist hier die Frage

Ich habe mir angewöhnt Bärlauch und Maiglöckchen vor allem an den Blättern zu unterscheiden. Die Blätter des Bärlauchs haben einen eindeutig zu identifizierenden Stiel und die Blätter des Maiglöckchens entspringen direkt an der Wurzel, sie werden von einer Blattscheide immer paarweise zusammengehalten! Das auffälligste Unterscheidungsmerkmal ist zwar der Geruch, aber nach einer Stunde Bärlauchernte riechen die Hände schon so nach Knoblauch, dass man beim besten Willen ein gerade gepflücktes Maiglöckchenblatt nicht mehr am Geruch identifizieren kann. Hier aber noch mal die Unterschiede im Überblick.

Bärlauch
die ausgewachsenen Blätter sind deutlich in einen Blattstiel verschmählert; die Blätter sind grasgrün und papierartig dünn; er wächst auf frischen, nährstoffreichen Standorten und kommt meist in Massen vor; weißt einen starken Knoblauchgeruch auf

Maiglöckchen
hat zwei bis drei Laubblätter die direkt dem Rhizom (Wurzel) entspringen; die Blätter sind blaugrün und ledrig derb; Blätter meist einzeln oder zu wenigen zusammenstehend; wächst auf trocken-warmen Standorten; es kommt meist in kleinen Truppen, aber nicht flächendeckend vor; ist geruchsarm

Donauau im Frühling © RothaniDarm und Demut

Generell ist der Bärlauch in ganz Europa und Nordasien verbreitet und bevorzugt seinen Standort auf tiefgründigen, lehmigen, feuchten und nährstoffreichen Böden in Au und Laubwäldern. Durch die in der Wurzel gespeicherte Energie kann der Bärlauch das zeitlich begrenzte Lichtangebot am Boden der Wälder optimal ausnutzen. Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni und wenn sich das Blätterdach des Laubwaldes allmählich schließt verschwindet er für den Rest des Jahres wieder in den Boden.

Die Knospen des Bärlauch lassen sich als Kapernersatz sehr gut einlegen und die Blätter werden vor der Blüte meist für Aufstriche und zur Zubereitung von Pesto gesammelt. Die Zwiebel kann auch im Sommer beziehungsweise im Herbst gesammelt werden. Sie enthält wie die Blätter und die Knospen viel Vitamin C und ätherische Öle. Werden die Bestandteile des Bärlauchs roh gegessen oder gekocht dann haben sie eine antiseptische Wirkung und normalisieren die Darmflora. Zusätzlich hilft sie gegen Arterienverkalkung und bei erhöhtem Blutdruck. Eine zerquetschte Bärlauchzwiebel in Milch eingelegt und schluckweise getrunken ist als Wurmmittel sehr wirksam. Traisenau im Frühling © RothaniDas Maiglöcken ist ebenfalls in ganz Europa und im gemäßigten Asien beheimatet. Es bevorzugt trockene, halbschattige Standorte und ist in Österreich geschützt. Die Glykoside des Maiglöckchens, die sie gleichzeitig zur Heil- und zur Giftpflanze machen, wirken ähnlich wie die Digitalisglykoside des Roten Fingerhutes und wurden beziehungsweise werden in der Medizin eingesetzt. Der Überlieferung nach wird das Maiglöckchen der nordischen Göttin Ostara zugeordnet. Andere Legenden berichten davon, dass das Maiglöckchen dort entstanden ist, wo Maria am Grab Jesu ihre Tränen vergoss. In der christlichen Ikonografie zählt es neben der Lilie, der Rose und anderen Pflanzen zu den Marienblumen. Durch seine kleinen weißen, nickenden Blüten war es ein Symbol für die keusche Liebe, die Demut und die Bescheidenheit von Maria und wurde dementsprechend oft auf Gemälden meist unauffällig und klein am unteren Bildrand dargestellt.

Auch wenn mein Auparadies in nächster Zeit durch die umwälzenden Eingriffe zu leiden haben wird freue ich mich trotzdem schon auf das Endergebnis eines alten, neu zu entdeckenden Lebensraum. Die Zeit dazwischen werde ich für viele Artikel über die verschiedenen Kräuter der Auwälder wie Aronstab, Diptam, Gundelrebe, Wilde Karde, Ehrenpreis, Kleiner Klappertopf, Natternkopf, Knabenkraut, Scharbockskraut und viele mehr nutzen.

Ich hoffe Ihr genießt den Frühling mit Bärlauch und vielleicht habt ihr auch ein paar Rezepte die Ihr mit uns in der Rubrik Heidensterz teilen wollt.

Quellen:
www.donauauen.at
www.verbund.com

Kursunterlagen Natur- und Landschaftsführer, LFI St. Pölten


[1] Brunnader: Bei Hochwasser bricht ein Fluss aus und erzeugt im Hinterland Mulden und Gräben. Befinden sich unter diesen Gräben und Mulden Schotterablagerungen hat das Grundwasser hier (an der tiefsten Stelle des Geländes) die Chance an die Oberfläche zu steigen. Durch die Filterwirkung des Schotters wird das Wasser fast gänzlich frei von Schwebstoffen. Die Brunnadern sind ein typisches Begleitgewässer von Flüssen wie die Donau, die Traun, die Traisen und dem Inn.

[2] Geophyten: Pflanzen, deren Überdauerungsorgane (Rhizome, Zwiebeln, Knollen, Wurzelsprossen) im Boden liegen und dadurch geschützt sind.


Rothani


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