Der Gemeine Bocksdorn – Lycium barbarum

Heute möchte ich einmal einen Ausflug in die chinesische Kräuterwelt machen und mich mit dem Gemeinen Bocksdorn, auch Gemeiner Teufelszwirn, Hexenzwirn oder Chinesische Wolfsbeere genannt, befassen.

Die genaue Herkunft dieser Pflanze ist weitgehend unbekannt, wobei der natürliche Standort von Südosteuropa bis China angenommen wird. Eine der typischen Wolfsbeerenregion ist Níngxià in China, was sich auch in dem chinesischen Namen Níngxià gǒuqǐ niedergeschlagen hat. Und hier wären wir auch schon bei einer anderen gebräuchlichen Bezeichnung für die Wolfsbeere, nämlich Goji. Unter dem Namen Goji oder Goji-Beeren findet man die Früchte des Gemeinen Bocksdorn schon seit längerer Zeit im Handel, wo sie als wahre Wundermittel angepriesen werden. Aber dazu später noch.


Wild wuchernder Einwanderer

In unserer Gegend wird der Gemeine Bocksdorn als Neophyt[1] angesehen. Er ist ein sommergrüner Strauch mit rutenförmigen, bogenartig zu Boden hängenden Ästen der zwei bis vier Meter hoch werden kann und zählt zu den Nachtschattengewächsen. Die Blütezeit reicht von Juni bis August, teilweise bis September. Aus den fünfzähligen, zwittrigen Blüten entwickeln sich leuchtend rote oder orange-gelbe Früchte die von August bis Oktober reifen. Sie erinnern in ihrer Form etwas an die Hagebutten und getrocknet ähneln sie Rosinen. Vom Geschmack her kann man sie am ehesten mit der Cranberry vergleichen.

Der Bocksdorn verbreitet sich durch Wurzeln (Rhizome) und ist winterhart bis -25 °C. Wer nicht aufpasst und ihn regelmäßig zurückstützt hat schnell den ganzen Garten voll mit Lycium barbarum. Der Gemeine Bocksdorn bereichert auch die Gartenfaune. Schmetterlingsraupen des Tabakschwärmers, des Totenkopfschwärmers und des Manduca quinquemaculatus (ein Nachtfalter) finden die Blätter des Hexenzwirns zum Fressen gern.


Lebenskraft und Wohlbefinden

Und damit sind wir schon bei der Verwendung der Chinesischen Wolfsbeere. Sie wird vor allem in China zum Kochen und in der Naturheilkunde verwendet. Generell gelten die Beeren  des Gemeinen Bocksdorn als Früchte des Wohlbefindens und fördern laut Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) die Lebenskraft. Zu Ehren der „glücklichen Frucht“ werden in China und Tibet auch immer wieder Feste gefeiert.

Die Blätter der Jungpflanzen lassen sich als Blattgemüse verwenden und die hauptsächlich getrockneten Früchte werden gekocht. Auf Grund ihres hohen Vitamin C-Gehalt, einer Vielzahl von Mineralien und Spurenelementen wie Eisen, Kalzium und Chrom und dem im Fruchtfleisch enthaltenen Antioxidatien wird die Goji-Beere in der chinesischen Medizin als Mittel zur Zellverjüngung eingesetzt. Die westliche Lebensmittelindustrie hat dies freudig aufgegriffen und daraus Präparate wie Säfte, Tees und Salben mit Ani-Aging-Effekt gemacht. Auf manchen Seiten im Internet wird sogar mit ihr als Wundermittel zum Abnehmen geworben. Im Westen ist die Wolfsbeere in getrockneter Form in Müsli, Müsliriegel, Nussmischungen und Schokolade zu finden. Sie kann aber auch in Salaten, Suppen, Saucen sowie in selbstgebackenen Kuchen und Brot eine geschmackliche Bereicherung sein. Und auch roh geknabbert schmeckt sie gut (wenn auch etwas säuerlich nach meinem Geschmacksempfinden).

Die Beeren des Gemeinen Bocksdorn enthalten hauptsächlich Polysaccharide und Carotinoide, vor allem Zeaxanthin, das antioxidative (zellschützende) und entzündungshemmende Wirkstoffe hat. Traditionell wird die getrocknete Goji-Beere in der chinesischen Medizin zur Vorbeugung und Behandlung von Krebs, zu hohem Blutdruck oder Blutzuckerspiegel, zur Unterstützung des Immunsystems, bei Schwindel und nächtlichem Schwitzen, Müdigkeit und Anämie und bei Augenproblemen eingesetzt – auch wenn ihre Wirkung nicht immer wissenschaftlich nachgewiesen werden kann. Neben der positiven Wirkung auf unser Immunsystem profitiert auch unser Gehirn von der Wolfsbeere. Die Bocksdornfrüchte haben eine Schutzwirkung gegenüber Amyloid-Peptiden, den Hauptschuldigen beim Entstehen von Alzheimer-Krankheiten. Laut Forschung reichen 30 Gramm Goji-Beeren pro Tag aus, um den Körper mit den benötigten zellschützenden Biostoffen zu versorgen.


Bittere Medizin?

Hier haben wir also eine eingewanderte, wild wuchernde, alte Kulturpflanze die uns Wohlbefinden und ein langes Leben beschert. Und wie immer gibt es zwei Seiten der Medaille – ich finde es gut, dass wir den medizinischen Systemen und der Naturheilkunde anderer Länder gegenüber offen sind, bin aber immer auch skeptisch was die Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie uns in Folge dessen so alles anbietet. Der Gemeine Bocksdorn im Garten ist wirklich eine feine Sache, allerdings erreichen die hier bei uns gezogenen Beeren nur einen Bruchteil der wirksamen Inhaltsstoffe, weil der ursprüngliche Standort in China meist ein Überschwemmungsgebiet ist und somit der Boden mit einer Vielzahl an angeschwemmten Nährstoffen angereichert ist (was bei uns nur durch intensive Düngung erreicht wird). Dies führt nun zu einem immensen Import von Wolfsbeeren-Extrakten aus Asien Richtung Europa und den USA. Und da gerade China als einer der Hauptexporteure es mit seinem Umweltschutz zur Zeit nicht so genau nimmt, besteht für mich schon die Frage welche nicht natürlichen Inhaltsstoffe, wie Schwermetalle in diesen Extrakten als Basis für die ganze Palette der „Wohlfühlprodukte“ enthalten sind.

Quellen:
www.wikipedia.at, www.heilpflanzen-info.ch, www.kraeuterwunder.de

[1] Neophyt bezeichnet eine Pflanzenart, die (in)direkt durch Menschen in Gebiete eingeführt wird, in denen sie natürlicherweise nicht vorkommt.


Rothani


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