Betreut von Rothani
Bauerngärten - das verordnete Wachstum   Teil III

Heute will ich euch vom ersten Teil des Seminars  „Bauerngärten“ berichten, dass ich beim LFI Niederösterreich (Ländliches Fortbildungsinstitut) absolviert habe. Dieser Tag stand unter dem Thema „Geschichte der Bauerngärten in Niederösterreich“. Der zweite Teil im Mai wird sich konkret mit den einzelnen Pflanzen, die in einem solchen traditionellen Garten wachsen, befassen.

Das Gartenjahr neigt sich dem Ende zu und auch die Artikelserie über Bauerngärten in Niederösterreich findet ihr Ende. Im letzten Teil möchte ich auf einige Pflanzen, die in den Gärten früher angesiedelt waren und die wir heute teilweise noch als Zierpflanzen kennen, näher eingehen.


Gemeine Pfingstrose (Paeonia officinalis)

Sie wird auch Rose ohne Dornen, Bauernrose oder Benediktinerrosen genannt. Den letzten Namen bekam sie, weil sie von den Mönchen des Benediktinerordens aus ihrer ursprünglichen südeuropäischen Heimat über die Alpen in unseren geographischen Raum gebracht wurde. Der lateinische Namen leitet sich von dem ältesten Heilgott der griechischen Antike Paieon ab – dieser heilte mit der Päonienwurzel den von Herakles verwundeten Hades (Gott der Unterwelt). In der christlichen Symbolik steht die Gemeine Pfingstrose für Reichtum, Heil und Heilung bzw. für die weibliche Schönheit.

Das Aussehen der ursprünglichen Bauernrose hat mit dem Erscheinungsbild der heute im Handel erhältlichen Pfingstrosen nicht mehr viel gemein. Die Bauernrose hat mindestens 5 Blütenblätter, viele Staubgefäße und ist nur selten gefüllt. Werden die vielen Staubgefäße in Blütenblätter umgewandelt, dann spricht man von „gefüllt blühenden“ Pfingstrosen – die überwiegende Anzahl der heute gezüchteten Sorten sind Mutationen in diese Richtung. Unsere ursprüngliche Sorte hat auch keine eindeutigen Endblätter im Gegensatz zur Edelpfingstrose, die immer drei deutlich zu unterscheidende Endblätter hat. Auch blüht die heute gezüchtete Pfingstrose immer etwas später, da sie mit unserem Klima nicht so zu recht kommt. Die meisten der heute im Handel erhältlichen Pfingstrosen werden aus China importiert, da sie dort aufgrund ihrer Verwendung in der chinesischen Medizin in vielen Variationen gezüchtet werden.[1] Die Farben der Gemeinen Pfingstrose reichen von Dunkelrot, Magenta bis Hellrose.

Martin Schongauer: Studie von Pfingstrosen, um 1472/73 (Quelle: Österr. Akademie für Wissenschaften)  
Martin Schongauer: Studie von Pfingstrosen, um 1472/73
(Quelle: Österr. Akademie für Wissenschaften)

Hier ein kleiner Exkurs zum Thema roter Farbstoff bei Pflanzen
Bei der Photosynthese der Pflanze entstehen auch Giftstoffe. Die Pflanze kann diese nicht ausscheiden, sondern muss sie einlagern. Diese Giftstoffe werden in Acodin (= roter Farbstoff) umgewandelt. Diesen roten Farbstoff verwendet die Pflanze gleichzeitig auch als „Jalousie“. Eine Pflanze muss eigentlich immer wenn sie von der Sonne beschienen wird Photosynthese machen. Um dies zu verhindern „verdunkelt“ sie praktisch mit dem roten Farbstoff ihr Aussehen und verhindert so diesen biochemischen Prozess. Auch wir Menschen nutzen diesen roten Farbstoff um z.B. freie Radikale in unserem Körper zu bekämpfen. Acodinreiche Pflanzen „überschwemmen“ unseren Körper mit Elektrolyten und gleichen damit die Mangelerscheinung, verursacht durch die freien Radikalen, wieder aus.

Die Blüten wurden zum Färben, als Schmuckpflanzen auf verschiedenen Speisen und als Schmuckdroge im Tee (leichter Sapanin-Gehalt) verwendet. Die Samen und Wurzeln wurden gegen Blasensteine, Gelbsucht, Bauchschmerzen, Durchfall, Geburtswehen, Alpträume und die Fallsucht eingesetzt. Die aufgereihten Samen fanden als Rosenkranz Verwendung und wurden zahnenden Kleinkindern zum Kauen gegeben.
Im Volksglauben galt die Gemeine Pfingstrose als Schutzpflanze – das Tragen am Körper soll Körper, Geist und Seele schützen, im Haus wurde sie als Abwehr von bösen Geistern verwendet und im Garten schütze sie vor bösen Mächten und Stürmen. Die Wurzeln und Samen wurden früher Kindern als Schutz vor Elfen und Kobolden um den Hals gehängt. Heute ist die Heil- und Schutzfunktion der Pfingstrose weitgehend in Vergessenheit geraten.


Eberraute (Artemisia abrotanum)

Weitere Namen der Eberraute sind unter anderem Stabwurz, Eberreis oder Pastorenkraut. Im Mittelalter wurde sie aufgrund ihrer Bitterstoffe als Gewürz für besonders fette Speisen verwendet (vermehrt die Gallenproduktion).
Um als Liebeszauber zu wirken, muss man die Eberraute entweder bei sich tragen oder an einer Stelle im Schlafzimmer platzieren. Legt man sie zum Beispiel unter das Bett des Geliebten, dann wird dadurch sein sexuelles Verlangen geweckt.


  Eibisch (Copyright Walter Knopf)
Eibisch © Walter Knopf

Eibisch (Althaea officinalis)

Der Eibisch hat seinen Platz als Heilpflanze von der Antike bis heute behauptet. Wie einer seiner volkstümlichen Namen schon sagt – Schleimwurzel – wird der Eibisch hauptsächlich als sogenannte Schleimdroge verwendet. Eibisch sollte man nie kochen, da sonst der wichtigste Inhaltsstoff, der Schleim, verloren geht. Dieser Schleim legt sich um die verschiedenen Entzündungsherde und schützt diese vor weiteren äußerlichen Einflüssen. In früheren Zeiten musste man einige Zeit mit Entzündungen leben, da es ja noch keine Antibiotika gab.

Der kalt angesetzte Tee hilft bei den verschiedensten Atemwegserkrankungen, Husten, Heiserkeit und Halsschmerzen, sowie bei Magen- und Darmerkrankungen. In der Volksheilkunde werden Eibischumschläge auch gegen Hautinfektionen eingesetzt. Die Wurzel kann ungeschält über dem offenen Feuer gegart und vor dem Essen geschält werden. Im Englischen wird das Ganze dann „marsh mellow“ genannt, was uns schon Hinweise auf den Geschmack liefert. Die Wurzel war früher eine sehr beliebte Süßigkeit und vielleicht das erste Hustenzuckerl das es gab.

Hier ein Rezept für die Herstellung von Eibischsirup:[2]
20 g grob geschnittene Eibischwurzel, 10 ml Schnaps, 450 ml Wasser, 600 g Zucker

Die geschnittene Eibischwurzel auf einen Filter legen und mit dem Schnaps-Wasser-Gemisch übergießen, die Flüssigkeit in einem Behälter auffangen und erneut über die Wurzel gießen. Diesen Vorgang cirka eine Stunde lang wiederholen. Am Ende wird die Flüssigkeit gemeinsam mit den 600 g Zucker gekocht bis sich der Zucker aufgelöst hat – fertig ist der Sirup.


Mutterkraut (Tanacetum parthenium)

Diese Pflanze wird unter anderm im Volksmund auch Falsche Kamille, Römische Kamille, Fieberkraut, Feverfew (engl.), Frauenminze, Jungfernkraut, Matronenkraut, Mutterkamille genannt. Diese Namen geben uns wieder einen deutlichen Hinweis auf ihre Heilwirkung bzw. Verwendung.

Herzgespann  
Herzgespann © Walter Knopf

Zum einen wurde Mutterkraut bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in England als Mittel gegen Kopfschmerzen, Fieber und Schmerzen angewendet. Erst in den letzten Jahren wird im Zuge der Forschung gegen Migräne wieder auf Mutterkraut zurückgegriffen. Vor allem in der Phase 1 eines Migräneanfalles soll es zur Elastizität der Blutgefäße beitragen und diese können in Folge besser mit dem sich aufbauenden Hochdruck umgehen.

Zum anderen kannten schon die Römer Mutterkraut als menstruationsauslösende Heilpflanze und setzten sie bei Geburten ein. Trinkt man direkt nach der Entbindung Mutterkrauttee so fördert dies sie Loslösung der Plazenta.


Herzgespann (Leonurus cardiaca)

Wie der Name schon sagt, wurde das Herzgespann bereits in der Antike als Herzmittel verwendet. Ursprünglich ging man von einer „Verspannung des Magens“ aus, der die Herzbeschwerden verursacht und darum wurden solche Symptome mit Magendrogen behandelt. Der Magen wird dadurch entlastet und die Heilpflanze wirkt dadurch indirekt auch auf das Herz – z.B. durch Absenken des Bluthochdruckes.

Sowohl in der Volks- als auch in der Schulmedizin wird Herzgespann bei nervösen Herzbeschwerden, Schilddrüsenüberfunktion und in den Wechseljahren verschrieben. Das Herzgespann löst Krämpfe und verstärkt die Kontraktion des Uterus.

Zum Abschluss ein kurzes geschichtliches Zitat von Nicholas Culpeper, 1653 über das Herzgespann:

'Es gibt kein besseres Kraut, wenn es gilt, die Schleier der Melancholie vom Herzen zu heben, es zu stärken und das Gemüt fröhlich und munter zu stimmen.’

  Blick in einen Bauerngarten
Blick in einen Bauerngarten © Walter Knopf

 

 

Vielleicht habt ihr jetzt Lust bekommen im nächsten Frühjahr euren eigenen Garten anzulegen, der einen oder anderen Pflanze auf eurem Balkon eine Heimat zu geben oder die eine oder andere Heilpflanze in eurer Apotheke aufzunehmen. Es würde mich auf alle Fälle freuen, wenn ihr eure Erfahrungen mit uns im KräuterKistl teilt.

Quellen:
Seminarunterlagen „Bauerngarten“, Georg Schramayr, März und Mai 2010
[1] Die Wurzel gilt als Schönheitsmittel, Yin-Tonikum für Frauen und lindert Menstruationsbeschwerden.
[2] Hentschel, Detlev: Essbare Wildbeeren und Wildpflanzen. Stuttgart 2002.


Rothani


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