Holunder   Teil I

Kaum eine Pflanze in unseren Breitengraden ist derartig vielfältig und nennt derartig weitreichende Anwendungen sein Eigen, wie der Holler. Der Blue Moon Coven hat uns für´s KräuterKistl eine Zusammenfassung gespendet, die dieser Pflanze an Vielfalt gerecht wird.

Eine Pflanze, viele Namen

Botanischer Name: Sambucos nigra
Familie: Caprifoliaceae (Geißblattgewächse)
Deutscher Name: Holunder
dt. Synonyme: Achenstaude, Bachholder, Backholder, Betscheler, Deutscher Flieder, Eller, Ellhorn, Flieder, Fliederbeerbaum, Hels Strauch, Holder, Holer, Holler, Hollerbusch, Huler, Kelkenblüte, Marterblumen, Pisseke, Reckholder, Schiebekenstrauch, Schiwickn, Schotschen, Schwarzer Holunder, Schwitztee, Zickenblüten, Zwebst

Etymologie:
Um den Namen „Holunder“ ranken sich unterschiedliche Spekulationen.
So wird er unter anderem von der nordischen Unterweltsgöttin Hel (der späteren (Frau) Holle/Hulda oder Holde) abgeleitet.
Der englische Name „Elder“ soll einer Theorie zu folge auf das angelsächisches Wort „æld“ („Feuer“) zurück gehen, was wiederum auf den alten Brauch zurück geführt wird, in welchem hohle Stiele zum anfachen der Kohle verwendet wurden. Aus diesem Grund wird der Holunder zum Teil heute noch mit dem Element Feuer in Verbindung gebracht.
Linguisten führen die Silbe „–der“ das germanische trewa (= Baum/Holz) und die Silbe hul auf das indogermanische kln- (=schwarz) zurück. Somit hieße der Holunder „Schwarzbaum“.

Englischer Name:
Elder
engl. Synonyme: Alhuren, Battree, Boure Tree, Bour Tree, Eldrum, Ellhorn, Hylder, Lady Ellhorn, Old Gal, Old Lady, Pipe Tree, Rob Elder, Sweet Elder, Tree of Doom

Vorkommen:
Der Holunder ist in Europa, Nordafrika, West- und Mittelasien heimisch.
Er wächst in Gärten, an Weges- und Wiesenrändern, in Wäldern, an Hecken und Bachufern. In ländlichen Gegenden findet er sich auch sehr häufig in der Nähe von Ställen, Scheunen und Wohnhäusern, wobei ihn seine Anspruchslosigkeit und Robustheit überall Wurzeln schlagen lässt.
Besonders gut gedeiht er im Halbschatten auf Unkraut- und Schuttplätzen, aber auch auf Waldlichtungen.
Auch wenn der Holunder zu den anspruchsloseren Gewächsen gehört, so bevorzugt er doch stickstoffhaltige, mittelschwere bis sandige, schwach saure und frische Lehmböden.

Da er in erster Linie auf besonders stickstoffhaltigen Böden wächst und auf diesen konzentriert anzutreffen ist, dient der Holunder als Stickstoffanzeiger für übermäßig N-gesättigte Böden.

Auf Grund seiner Kälteunempfindlichkeit ist er in den Alpen bis in die mittlere Gebirgslage (etwa 1500 Meter über NN) zu finden.

 
© Michael Jurman / PIXELIO

Aussehen: Der Schwarze Holunder wächst als stark verästelter Baum oder Strauch, der bis zu 11 Meter hoch werden kann.
Seine hellbraune bis graubräunliche Rinde ist dick und korkartig und weist besonders an den dickeren Ästen und dem Stamm tiefe Risse und Furchen auf.
Stamm und Äste besitzen ein weißes bis beiges und im Gegensatz zur Rinde weiches, schaumstoffartiges Mark. Der Holunder gehört zu den Flachwurzlern und verfügt häufig über ein sehr weit reichendes Wurzelwerk.
Die Blätter sind breit, eiförmig, sind gegenständig angeordnet und unpaarig gefiedert. Die einzelnen Blattfiedern können bis etwa 30 Zentimeter lang werden und bestehen in der Regel aus fünf oder sieben einzelnen Blättern, die elliptisch sind, einen gesägten Rand aufweisen und bis zu 12 Zentimeter lang werden können.
Das Blattwerk des Holunders entwickelt sich etwa im März bis April.

Die Blüten stehen in großen, stark süßlich duftenden Scheindolden mit kleinen, gelb-weißen Blüten, die ab Mai bis in den Juni hinein erscheinen.
Die großen Blütendolden können bis zu 30 Zentimeter groß werden und bilden flache Schirmrispen, die viele kleine, sternförmige Einzelblüten aufweisen, die in der Regel fünfzählig sind.

Zerreibt man ein frisches Holunderblatt zwischen den Fingern, so hat es den leichten Geruch nach den Holunderblüten.
So ist es möglich, den Holunderstrauch auch dann zu erkennen, wenn er weder Blüten noch Früchte trägt.

Das Wachstum der im Herbst reifen Früchte, die eine tief schwarz-violette, glänzende Farbe und einen blutroten Saft haben, beginnt im August bis in den September hinein. Die Beeren haben eine Größe von zirka 6 Millimeter und sind eigentlich Steinfrüchte, da sie in ihrem Inneren drei Samen bergen.
Der Fruchtsaft ist von burgunderroter Farbe, der sich sowohl aus Textilien als auch von der Haut nur schwer wieder herunter waschen lässt, weshalb er sehr gern zum Färben verwendet wird.
Während der Reife färben sich auch die Stiele der Pflanze rot.

Blütezeit: Mai bis Juli
Erntezeit: Blätter: Mai bis Juni, Blüten: Juni bis Juli, Früchte: September bis Oktober
Verwendete Teile: Blätter, die frische Rinde von kleineren Zweigen, Blüten und Früchte

Inhaltsstoffe:
Die Blüten des Holunders beinhalten vor allen Dingen ätherische Öle, Glykoside, die schweißtreibend wirken, Flavonoide, Phenolcarbonsäuren, Triterpene, Sterine, Gerb- und Schleimstoffe, während in den Blättern besonders die Cyanglykoside (Sambunigrin) wirken.
Die Beeren beinhalten ebenfalls Flavonoide, des weiteren Anthocyane, Chlorogensäure und vor allen Dingen die Vitamine A und C sowie den essenziellen Mineralstoff Kalium.
In den Blättern, der Rinde, den unreifen Beeren und dem Samen der reifen Beeren ist außerdem das Pflanzengift Sambunigrin enthalten.

Ernte: Der Holunder ist im Handel in zahlreichen Teemischungen enthalten und oft auch Bestandteil von Fertigarzneien. Die Ernte der Blätter erfolgt, wenn diese noch sehr jung sind. Anschließend werden sie gebündelt und zum Trocknen aufgehängt.
Die Rinde wird von den noch jungen Zweigen geschält und dann im Schatten oder bei künstlicher Hitze getrocknet, wobei die Temperatur nicht mehr als 40 Grad betragen sollte, um die Wirkstoffe zu erhalten.
Die Holunderbeeren werden geerntet, wenn sie vollreif sind und ihre charakteristische, schwarz-violette Färbung angenommen haben. Anschließend werden sie entweder frisch weiterverarbeitet (zum Beispiel als Saft), oder aber von den Stielen befreit und getrocknet.

Ende Teil I


Blue Moon Coven


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