Betreut von Rothani
Schwarzes Bilsenkraut (Hyoscyamus niger)

Bilsenkraut

Systematik

Klasse: Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
Unterklasse: Asternähnliche (Asteridae)
Ordnung: Nachtschattenartige (Solanales)
Familie: Nachtschattengewächse
(Solanaceae)
Gattung: Bilsenkräuter (Hyoscyamus)
Art: Schwarzes Bilsenkraut
 
Das Schwarze Bilsenkraut (Hyoscyamus niger), auch "Hexenkraut", ist eine Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Sie wird circa 30 bis 60 (in Extremfällen bis ca. 170) Zentimeter hoch und ist krautig. Die Wurzel ist spindelförmig und nach oben hin rübenförmig, der Stängel ist klebrig. Die Blätter sind länglich-eiförmig und grob buchtig gezähnt. Die unteren Blätter umfassen den Stängel, die oberen sind schmal gestielt.

Bilsenkraut kann - je nach Zeitpunkt der Keimung - ein- oder zweijährig sein. Bei zweijährigen Pflanzen erscheint im ersten Jahr nur eine Blattrosette. Im darauffolgenden Jahr kommt die Pflanze dann zur Blüte. Den einjährigen Pflanzen fehlt oft der purpurne Blütenfarbstoff.

Die trichterförmige Blüte ist schmutzig gelblich weiß und violett geadert. Die Blüten sind in den Blattachseln angeordnet. Die Frucht ist eine bauchige circa 1,5 Zentimeter lange Deckelkapsel, die vom Kelch umschlossen wird. Der Samen ist graubraun, grubig vertieft und circa 1 mal 1,3 Millimeter groß.


Standort und Verbreitung

Man findet die Pflanze auf Wegen, an Mauern und auf Schuttplätzen; sie braucht sehr stickstoffhaltigen Boden.
Es wächst in ganz Europa, ist aber ziemlich selten zu finden.


Giftstoffe, Wirkung und Symptome

Giftige Hauptinhaltsstoffe sind die Tropan-Alkaloide Scopolamin und Hyoscyamin. Daneben enthält die Pflanze noch Flavonoide.

(S)-Hyoscyamin und Scopolamin. Diese Giftstoffe finden sich auch in der Tollkirsche und im Stechapfel.
Die höchste Wirkstoffkonzentration ist in den Samen enthalten, bereits 15 Samenkörner können für Kinder tödlich wirken. Die Samen des Bilsenkrautes sind leicht mit Mohnsamen zu verwechseln.
Die Vergiftungserscheinungen sind ähnlich der Tollkirsche, wenn auch Pupillenerweiterung, fehlendes Erbrechen, gerötete und trockene Haut sowie Trockenheit der Schleimhäute in Mund und Rachen nicht unbedingt Eintreten müssen, aber durchaus möglich sind. Im Vordergrund steht beim Bilsenkraut die narkotische Wirkung der Gifte, so daß es zur Pulsbeschleunigung, zu Bewußtseinsstörungen sowie zu Bewußtlosigkeit und narkoseähnlichem Schlaf kommt. Es sind auch Weinkrämpfe, Rededrang und Tobsuchtsanfälle möglich. Bei entsprechender Vergiftung kann der Tod eintreten.


Tiergiftig

Vergiftungen bei Tieren sind selten. Gefährdet sind Pferde, hier liegt die tödliche Dosis bei ca. 300 g der frischen Pflanze. Vergiftungssymptome sind Schnelle Atmung, starker Durst, Verstopfung, Lähmung von Gliedern und Tobsucht. Weiterhin gefährdet wären Kleinstsäuger, Hasen, Kaninchen und andere Nager, wie Hamster und Meerschweinchen, aber auch Vögel.


Heilwirkung und Medizinische Anwendung

Das Bilsenkraut wird zur Krampflösung (Epilepsie und Asthma), bei Luftwegserkrankungen (Bronchialkatarrhe, Hustenstiller), bei Ohrenschmerzen, Augenentzündungen und auch als Beruhigungsmittel eingesetzt.
Es ist eines der ältesten Narcotica.


Warnung

Da die Verwendungsmöglichkeit des Bilsenkrauts als Droge seit langem bekannt ist und sein Ruf als Hexenpflanze es für manche sehr interessant macht, werden immer wieder Selbstversuche mit Extrakten des Bilsenkrauts vorgenommen. Da jedoch einerseits die Grenzwerte von berauschender und toxischer Dosis sehr nahe beieinanderliegen und andererseits der Wirkstoffgehalt (bei variabler Wirkstoffzusammensetzung) drastisch schwankt, können sehr schnell schwere Vergiftungen auftreten, die aufgrund der hohen Toxizität der Stoffe auch tödlich enden können. Die tödliche Dosis liegt bei Scopolamin bei 50 mg, niedrigere Dosen können jedoch bereits durch Atemlähmung den Tod herbeiführen.

Vergiftungssymptome: Hautrötung, trockener Mund, Unruhe, Schläfrigkeit und/oder Halluzinationen, Verwirrtheit, Pupillenerweiterung, Herzrhythmusstörungen und komatöse Zustände, Bewusstlosigkeit und Tod durch Atemlähmung.
Die Rauschwirkung kann mehrere Tage bis zu einer Woche anhalten.
Irreversible Schäden wie Gedächtnisverluste und Verhaltensstörungen können aufgrund der Neurotoxizität der Inhaltsstoffe auftreten. Fortgesetzter Konsum führt zur Verblödung.


Anwendung
 
In der Volksheilkunde wurde die narkotisch und halluzinogen wirkende Giftpflanze als krampflösendes Mittel und als Räuchermittel bei Asthma bronchiale eingesetzt. Die Blätter und auch die leicht dosierbaren Samen des Bilsenkrautes werden wegen ihres berauschenden Effekts geraucht. Heute ist der Einsatz als obsolet anzusehen, da der Wirkstoffgehalt stark schwankt und es häufig zu Vergiftungen kam.

In der Homöopathie wird Bilsenkraut als Konstitutionsmittel bei hochgradigen Erregungszuständen mit Halluzination, Hysterie, Manie und Lähmung der Schließmuskeln (Darm, Blase) sowie gegen „Kitzelhusten“, Krämpfe, Delirien, Schlaflosigkeit und Durchfall eingesetzt. Zur Herstellung der Urtinktur wird die ganze Pflanze im blühenden Zustand verwendet. Extrakte des Bilsenkrauts wurden auch zur Herstellung von Laudanum verwendet.

Bis ins 17. Jahrhundert wurde auch Bier mit den Samen des Bilsenkrautes versetzt, um seine Wirkung zu verstärken. Durch das bayrische Reinheitsgebot von 1516 durfte Bilsenkraut nicht mehr zur Bierbrauerei verwendet werden. Verschiedene Quellen geben an, dass auch der Name der Stadt Pilsen, aus der das bekannte Pilsner Bier stammt, in Zusammenhang mit dem Anbau dieser Pflanze steht.

Literarisch gewann das Bilsenkraut durch Shakespeare an Publizität, indem Hamlets Onkel Hamlets Vater mit Bilsenkraut vergiftete:

"Da ich im Garten schlief, / Beschlich dein Oheim meine sichre Stunde / Mit Saft verfluchten Bilsenkrauts im Fläschchen, / Und träufelt' in den Eingang meines Ohres / Das schwärende Getränk!


Morgane


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