Sonne, Mond und Schlangenhaut   Teil I
In meiner Eigenschaft als Magister Botanicus suchen oft solche Menschen Rat bei mir, denen eine konventionelle, allopathische Therapie nicht weit genug geht.

Meist sind dies Patienten, deren behandelnde Ärzte der Phytotherapie, der Natur- und der Erfahrungsheilkunde skeptisch gegenüber stehen, jedoch die Patienten durch die persistierende Symptomatik trotz langer Behandlung mit konventionellen Medikamenten keine Besserung erfahren oder eine solche Behandlung nur Teilerfolge zeitigt.
Ich möchte hier anhand von drei unterschiedlichen Beispielen berichten, wie Natur heilen kann; Und, dass sowohl Natur- und Erfahrungsheilkunde als auch magische Betrachtungsweisen der Erkrankungen gute Ratgeber für einen ganzheitlich orientierten Heilungserfolg sein können.


Ein „hoffnungsloser“ Fall?!

Vor etwa 2 Jahren lernte ich auf einem Seminar für Kräuterkunde eine junge Frau kennen, die unter einer starken Neurodermitis litt. Diese Erkrankung beeinträchtigte ganz besonders ihre psychische Verfassung sowie ihren seelischen Allgemeinzustand, da sich die erkrankten Hautpartien vor allem an ihren Händen und Füßen sowie im Genitalbereich befanden. Für die junge Frau bedeutete dies, da sich diese Neurodermitis trotz permanenter Medikation schon seit sehr langer Zeit als behandlungsresistent erwies, eine starke Belastung, da sie sie ihrer sozialen Kontakte beraubte und etwa eine Beziehung praktisch unmöglich machte. Die mit der Erkrankung einhergehenden starken Schmerzen ließen auch jeder Art der Bewegung oder körperliche Arbeit zur Qual werden.

Auf einem Waldspaziergang kamen wir miteinander ins Gespräch und die Frau erzählte mir ausführlich von ihrer Erkrankung. Ich bat sie daraufhin, mich doch einmal zu einem beratenden Gespräch zu besuchen. Nach etwa einem Monat suchte mich die junge Frau dann auch auf und berichtete, das ihr auch eine weitere Behandlung mit Cortisonpräparaten nicht geholfen hätte und weder sie noch ihr behandelnder Hautarzt eine befriedigende Behandlung in naher Zukunft sähen. Ziemlich verzweifelt fragte sie mich, ob ich ihr einen Rat geben könnte oder etwas aus dem Bereich der Kräuterkunde wüsste – eine Linderung ihrer Schmerzen würde schon genügen.

Ich erfragte daraufhin die vergangenen Behandlungen, führte eine ausführliche Anamnese durch und bat sie zunächst, ihrem behandelnden Arzt von unserem Gespräch zu erzählen und ihn zu fragen, ob er damit einverstanden wäre, seine Patientin von mir - unterstützend zu seiner Behandlung – für eine individuelle Selbstmedikation zu beraten.

Wie zu erwarten, war der Arzt skeptisch, jedoch bat er die Frau darum, ihm die Art der Selbstmedikation, die ich vorschlagen würde, zu erläutern. Beim meinem nächsten Gespräch mit der jungen Frau ließ ich sie dann einige Frisch- und Trockenpräparate der mir bekannten Heilpflanzen gegen Hauterkrankungen betasten und bat sie, mir ihr Gefühl zu beschreiben, das sie bei dem Befühlen der Kräuter verspürte.


Schlangenkraft
Sie äußerte sich positiv beim Betasten von Eichenblättern, auch beim Befühlen von frischem Erdrauchkraut, im Gegensatz zu Nachtschatten, welchen sie als unangenehm empfand und mit getrockneter Sasaparille ein neutrales Gefühl verband. Während wir noch miteinander über allgemeine Dinge sprachen, fiel ihr Blick plötzlich auf mein Terrarium, in welchem ich Kornnattern pflege.

Völlig fasziniert stand sie auf, beobachtete die beiden Schlangen, welche mit uns unseren Hof bewohnen und bat mich, sie anfassen zu dürfen. Da meine beiden Nattern sehr friedfertig sind und auch keinerlei „Berührungsängste“ haben, erfüllte ich ihr diesen Wunsch und während also Hans-Peter (die männliche Kornnatter) ihren Arm, vor allem aber die Falten ihres Hemdsärmels erforschte, sagte die Frau: „Das fühlt sich aber gut an.“ – und diese Bemerkung brachte mich auf eine Idee.

Ich schrieb nun für den behandelnden Arzt meinen Vorschlag für die Selbstmedikation seiner Patientin auf: Ein Brei aus frischen Eichenblättern und frischem Erdrauchkraut, vermischt mit einer hypoallergenen Salbengrundlage, aufgetragen auf eine erkrankte Hautstelle welche zusätzlich mit einem Stück abgeworfener Schlangenhaut für ca. 3 Stunden abgedeckt werden sollte.

Der Arzt, immer noch skeptisch und wegen der – seiner Meinung nach völlig unsinnigen - Verwendung von Schlangenhaut nicht gerade begeistert, gab aber dennoch seine Erlaubnis für einen ersten Versuch an einer erkrankten Hautstelle der Hand der Frau. Es zeigte sich dabei zunächst keine Reaktion und der Arzt stellte aber auch keine zusätzliche Verschlimmerung der Erkrankung fest, so dass er die Erlaubnis gab, die Anwendung dieses Prozederes an der ganzen Hand durchführen zu dürfen.

Das Ergebnis dieser Selbstmedikation war verblüffend und für den Hautarzt nicht zu erklären, denn innerhalb von zwei Wochen stellte sich eine bemerkenswerte Besserung ein und die behandelten Hautpartien der jungen Frau schmerzten weniger. Der Arzt erlaubte ihr daraufhin, die Eigenbehandlung auch auf die anderen erkrankten Stellen auszudehnen und nach weiteren vier Wochen war seine Patientin fast schmerzfrei. Nun setzte der Hautarzt probeweise die konventionelle Behandlung ab und zu seinem Erstaunen verschlimmerte sich die Neurodermitis nicht, sondern der Zustand der Erkrankung blieb gleich – aber von den quälenden Schmerzen blieb die Frau auch weiterhin verschont. Etwa 6 Monate später – während kontinuierlicher Selbstbehandlung mit dem Pflanzenbrei und der abgeworfenen Schlangenhaut - begannen sich die erkrankten Hautpartien tatsächlich zu regenerieren.

Mittlerweile muss die junge Frau nur noch mit einer wöchentlichen Regelmäßigkeit ihre Eigenbehandlung fortführen; Große Teile der erkrankten Hautpartien haben sich vollständig regeneriert, sie hat keine Schmerzen mehr und auch die Neurodermitis im Genitalbereich ist fast vollständig abgeheilt.


Winterdepressionen – immer nur Sonnenkraft?
Neben meinen Studien der Kräuterkunde habe ich auch noch ein „handfesteres“ Interesse, das Schmieden. Dies ist mittlerweile ebenfalls eine Passion geworden und hat mich in den Bereich der experimentellen Archäologie geführt – und dazu, das ich mit einer rekonstruierten Bodenesse die Schmiedekunst der alten „Kelten“ bei Museumsfesten vorführe.

Wie das so ist, kommt man während solchen Events natürlich auch mit den Besuchern ins Gespräch und oft kommt man dann von den Handwerken zu Themen wie Krankheiten und deren Behandlung mit Kräutern die vor den Errungenschaften moderner Medizin und Pharmazie angewendet wurden.

Ein junger Mann, Mitte 20, war offensichtlich an diesem Thema sehr interessiert und fragte mich, wie denn wohl die „alten Kelten“ mit so Dingen wie etwa einer Winterdepression umgegangen wären. Daraufhin entspann sich ein längeres Gespräch, in dessen Verlauf ich andeutete, dass ich nicht glauben würde, dass unsere Vorfahren eine solche Befindlichkeitsstörung kannten, ich wohl aber wüsste, das bei leichten Depressionen – und diese kannten bestimmt schon unsere Altvordern – Johanniskraut als ein adäquates Mittel in der Phytotherapie angewandt würde. Der junge Mann nickte und erzählte mir dann, das er selbst unter Winterdepressionen leide, jedoch die ihm verordneten Medikamente – Johanniskrautextrakt oder auch Kapseln mit dem Wirkstoff – keinerlei Besserung bewirkten. Er würde nach regelmäßiger Einnahme der Präparate über einen längeren Zeitraum lediglich hyperaktiv, nervös und fahrig, aber an seinem Gemütszustand würde sich nichts ändern. Ich erzählte im nun von meiner Tätigkeit als Kräuterkundiger; er war sehr interessiert mit mir in Kontakt zu bleiben und gab mir seine Adresse.

Wieder Zuhause angekommen, ließ mich diese Geschichte nicht los und ich begann in meiner Bibliothek Bücher zu wälzen. Nach mehreren Tagen des Studium stieß ich in einem dicken Buch aus dem Jahre 1695 und in kopierten Schriften von Conrad von Eppendorf auf einige Passagen, die sich mit dem Thema „melancoley“ befassten. Auch hier fand ich zunächst nur Hinweise auf eine Behandlung mit Johanniskraut, wie sie auch heute noch angewandt wird, aber auch einige Seitenverweise auf eine Rapontika oder Weynblume genannte Pflanze, mit welcher sich besondere Formen der Melancholie in „zweyerleyh weyse“ bekämpfen ließen.


Ende Teil I


Magister Botanicus


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