Betreut von Rothani
Das Gänseblümchen
Seit Kindertagen ist mir das Gänseblümchen eine der liebsten Blumen. Es war damals Zwischendurchsnack, Orakel und Schmuck gleichzeitig. Wer von euch kennt nicht das Blumenorakel, bei dem man die Blüten einzeln abzupft: "Er liebt mich, er liebt mich nicht!". Die gelben Röhrenblüten haben wir dann hoch in die Luft geworfen und versucht, sie auf dem Handrücken aufzufangen. Die Anzahl der Blüten war dann die Anzahl der Kinder, die man bekommen würde. Bin ich froh, dass die 30 Kinder sich aufgeteilt haben.

Das winzige Gänseblümchen (bellis perennis) ist ein wahrer Riese. Es hat eine starke Ausstrahlung und lässt Kummer und Leid für kurze Zeit verschwinden. Den germanischen Stämmen verkündete das blühende Gänseblümchen die Anwesenheit des Sonnengottes Baldur. Nachts oder bei trübem Wetter hält die Blume ihr Köpfchen geschlossen, aber sobald ein Sonnenstrahl sie berührt, entfaltet sie ihre ganze Schönheit. Der lateinische Name kommt ja von bellus = schön und perennis = ausdauernd, was sehr gut gewählt ist, da das Gänseblümchen ja das ganze Jahr über blüht. Ich erinnere mich, dass eine ganze Wiese von Schnee bedeckt war, nur ein winziges Stückchen war frei: dort reckte ein Gänseblümchen sein vorwitziges Köpfchen heraus.
Aber nicht nur Baldur, sondern auch die großen Göttin in ihrer Erscheinung als Freya oder Ostara hat Verbindungen zu dieser Pflanze. Wie bei vielen Dingen haben das Christentum Dingen übernommen und daher hat das Gänseblümchen, als Botin der Göttin, in Maria auch dort seinen Platz.
Auch bei den Kelten spielte das Massliebchen eine große Rolle (mas = Anger). So ist die Göttin die kosmische Gänsemagd, die wie die Dorfmädchen die Gänse am Morgen (Frühling) auf den Anger und abends (Herbst) wieder in den dunklen Stall führt. Wenn wir Seelen mit den Gänsen vergleichen, dann ist die Göttin auch hier die "Gansemagd".
Bei Kelten und den frühen Germanen war die Göttin die warme, gütig strahlende Sonne: In Grimms Märchen strahlten die Haare der Gänsemagd beim Kämmen wie die Sonne. Aber wie bei allen Dingen hat auch der Aberglaube hier sein Opfer gefunden: Da das Gänseblümchen angeblich "böse" war, versuchte man es im 18. Jahrhundert sogar auszurotten - was natürlich nicht gelang. Der Ursprung dieses Aberglaubens ist schwer aufzuspüren, einer könnte die Verbindung zu Maria Magdalena sein, die für die unehelichen Kinder zuständig war. Eine alte Überlieferung sagt auch, dass die Göttin Artemis von einem Ungeheuer verschlungen worden ist, sie aber unversehrt aus ihm herauskam (die Kirche hat anstelle von Artemis dann die Heilige Margarete von Antiochien und Satan gesetzt).


Magisches Pflänzchen
Nun zur magischen Seite des Gänseblümchens: Ich habe ja schon ihre Bedeutung als Kinderblume angeführt. Der Blumenkranz hat aber seinen Ursprung nicht in der Zier, sondern im Glauben, dass damit der "Gichter" (Augenüberdrehen, Zuckungen,...) vertrieben werde könne. Der Schweizer Kräuterpfarrer Künzle schreibt in seinem Büchlein, dass der Gänseblümchenengel den Kindern sehr gesonnen sei: " Eine Prise Massliebchen jedem Kindertee beigefügt, lässt Kinder, die trotz guter Kost nicht gedeihen wollen, auf die Beine kommen."
Natürlich gehört das Gänseblümchen auch in jede gute Frühlings-Hexen-Suppe; oder in den Salat. Mein Jüngster mampft sie gleich von der Wiese weg genau wie ich es damals getan habe.

Ich bin - wie auch eine Münchner Kräuterfrau aus dem Bekanntenkreis von Storl - der Meinung, dass das Gänseblümchen Glück und Verstand verleiht, aber auch ein sonniges Gemüt. Vor mehr als 2 Jahren habe ich mich in den Garten gesetzt und gewartet, mehrere Pflanzen haben sich gemeldet - ich bin in Verbindung getreten und es war phänomenal. Danach habe ich mit Hilfe der Pflanzendevas ein Pflanzenamulett hergestellt (Blütenkopf in Harz gegossen und gemeinsam aufgeladen). Das Gänseblümchen nehme ich noch heute gerne vor wichtigen Entscheidungen, Gesprächen oder ähnlichen Situationen in meiner Hosen- oder Rocktasche mit.


Was sagt die Medizin dazu?
Medizinisch wirken die Blümchenköpfe frisch oder getrocknet als Tee oder Aufguss zubereitet, schleimlösend, adstringierend, blutreinigend, leicht abführend, leicht schmerz- und krampfstillend. Zu den Inhaltsstoffen zählen Saponine, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonide, Schleimstoffe, etwas ätherisches Öl und organische Säuren (Apfel-, Essig-, Wein- und Oxalsäure).
Als Heilmittel für Leberbeschwerden, Hauterkrankungen und bei chronischen katarrhischen Leiden der Bronchialschleimhaut wird es schon in den ältesten Kräuterbüchern erwähnt.

Rezepte:
Hustentee: Huflattich, Thymian, Wegerich, Gänseblümchen
Frisch gepresster Saft gilt als Hausmittel bei Erkältungen, Magen und Darmbeschwerden..
Gänselblüchen-Tee: Die Blüten von Mai bis August sammeln, da sie hier am meisten Kraft haben, im Schatten trocknen. 1 Teelöffel Blüten mit einer Tasse kochendem Wasser übergiessen, 10 Minuten ziehen lassen.

Astrologischer Aspekt: Nicholas Culpeper ordnet die Pflanze der Venus im Krebs zu. Er sieht in ihr ein Blutverdünnungsmittel (was auch stimmt, durch die Saponine und Flavonide). In Milch gekochtes Gänseblümchen oder Daysi (Days eye) ist auch noch hilfreich für die Lungen.


Tipp
Bevor ich den Rasen mähe, sammle ich noch die Gänseblümchen ein und danke der Göttin für ihre Umsicht. Als Letztes vielleicht noch was zum Ausprobieren: Im Volksglauben heißt es, dass ein bei zunehmenden Mond oder Vollmond umgesetztes Gänseblümchen sich in ein gefülltes Tausendschönchen verwandelt, vielleicht probiert ihr das ja einmal aus!


Sternenelfe


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