Ephedra (Meerträubel) - Eine Pflanze mit vielen Formen und Unterarten
Auch das Ephedrakraut ist eine jener Pflanzen, deren Verwendung schon seit den Neandertalern nachgewiesen werden kann. Somit zählt sie zu einer der ältesten Pflanzen, die medizinisch und rituell genutzt wurden.

In einer ca. 30.000 Jahre alten Begräbnisstätte wurden Pflanzenreste von Ephedra gefunden. Auch sehen einige Ethnologen wie Christian Rätsch, das Ephedrakraut als Ritualtrank der Zoroaster, da man bei Ausgrabungen auf den Altären Wannen mit Fermentationen von Ephedra fand. So liegt die Vermutung nahe, dass das Haoma-Getränk der Feuerkulte, ein Gebräu aus Ephedra war, vermengt mit Schlafmohn, dessen Reste man ebenfalls fand. Auch heute noch wird das Ephedrakraut in manchen Kulturen als "huma" bezeichnet. In Peru kennt man eine Art der Ephedra als "pinku pinku", in Chile kennt man es unter "pingo-pingo". Im Tibet wird Ephedra immer schon in derPharmakopöe verwendet, die erstmalig 1653 im "Blauen Beryll" erwähnt wird, vor allem für Lebererkrankungen und zur Erfrischung. Auch die Indianer des Caldwell-Cave-Kult benutzten Ephedra zu rituellen und medizinischen Zwecken, für Darmerkrankungen und als aphrodisierenden Tee, wie aus Funden (1200-1450) hervorgeht.
Als das Wissen um das rituelle Somagetränk verschwand, wurde dieser heilige Trank einfach mit Ersatzpflanzen zubereitet, vor allem Ephedra wurde verwendet wie auch beim peruanischen Haomatrunk. Im Himalaya heißt deswegen diese Pflanze noch immer "Somalata" - die Pflanze des Mondes.
Einige Kulte verbrannten nachweislich auch Ephedrakraut als Räuchermischung um ihre Toten zu bestatten. Das Kraut riecht wie leicht verbrannte Tannenzweige, aromatisch und erdig.
Auch heute noch wird die im Himalaya wachsende Art Ephedra gerardiane als wichtige Winternahrung für Ziegen und Yaks und als Schnupfpulver verwendet. In China ist Ephedra sinica eine der wichtigsten Heilpflanzen. Berichten zufolge wird "Ma-huang" bereits seit 6000 Jahren angewendet. China war durch den weitreichenden Gebrauch des Krauts auch bis in die heutige Zeit der Hauptlieferant. Wie viele andere Pflanzen ist auch die Ephedra bei uns in Vergessenheit geraten, obwohl bestimmte Arten von Ephedra in unseren Gefilden wachsen. Überlebt hat Ephedra bei uns als Lieblingstee der Sekte der Mormonen und wird deswegen auch Mormonentee genannt.

Das Ephedrakraut enthält vor allem das amphetaminartige Ephedrin und verschiedene Alkaloide die besonders im August ihre höchste Konzentration entfalten und zu dieser Jahreszeit gesammelt werden sollten.
Dennoch enthalten nicht alle Arten das psychoaktive Ephedrin oder Alkaloide. Die Wirkstoffsreichsten und "giftigsten" Arten sind Ephedra breana (Nordchile), Ephedra helvetica (Schweiz), Ephedra major (Spanien, Griechenland), Ephedra nevadensis (Nordamerika), Ephedra trifurca (Mexiko) und vor allem Ephedra sinica (China)


Heutige medizinische Anwendungsgebiete

Ayurveda
Ephedratee: bei Erkältung, Husten, Bronchitis, Asthma, Arthritis
6g pro Dosis

Nepal
Ephedratonikum: gegen Asthma, Heuschnupfen, Atemwegserkrankungen

Tibet
Ephedratee: Verjüngung
Ephedrabrei: Bluterkrankungen

China
Ephedratee: bei Heuschnupfen, Asthma, Bronchitis
1 gehäufter Teelöffel auf ¼ l Wasser, 5-10 Minuten auskochen


Generelle Wirkungsweise der verschiedenen Ephedraarten
Blutdrucksteigernd, gefäßverengend, stimulierend, euphorisierend, Antiallergikum, Wachmacher, appetithemmend

Durch den neuen Strom der Naturdrogen-Anwender findet auch Ephedra wieder mehr Anklang. Benutzt wird es vor allem als natürliches "Red-Bull", da es wach macht und auch als Stimulans zur vermehrten sexuellen Aktivität. Auch in Österreich bekommt man bereits "HerbalEcstasy" in Kapseln, die mit Ephedrakraut versetzt sind. Dieses Gefühl der Klarheit und Wachheit wird auch kaum durch andere Substanzen wie Alkohol oder THC beeinträchtigt, man bleibt weiterhin konzentriert und munter.
Ephedra kann wie gesagt als Aphrodisiakum eingesetzt werden. Aufpassen sollten hier die Männer. Denn durch die gefäßverengende Wirkung ist zwar auch der Mann sexuell erregter - doch sinkt die Errektionsfähigkeit. Tee aus Ephedra wird in der Wirkung als sinnesschärfend, wachmachend, euphorisierend, stimulierend, aphrodisierend beschrieben.
Ein starker Tee (ca.30 Teelöffel auf 1 Liter Wasser) kann aber auch Halluzinationen auslösen!


Warnung

Ephedra sollte nicht angewendet werden bei Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck. Außerdem verstärken MAO-Hemmer die Wirkung von Ephedra. Häufiger Genuss führt zu Dosissteigerung und negativen Nebenwirkungen wie Schlafstörungen, vermehrtem Schwitzen, Kreislaufproblemen.
In Amerika wird Ephedrakraut als Nahrungsergänzungsmittel zugefügt und als Aphrodisiakum, Anabolikum oder Appetitzügler frei verkauft. Durch eine Überdosierung und falsche Handhabung (MAO-Hemmer) kann dies, wie in Amerika bereits erforscht, auch zum Tod führen. Ebenso ist in den USA Ephedra stark konzentriert als "Cloud9" oder "HerbalEcstasy" bekannt.

Ephedrin ist rezeptpflichtig, doch das reine unverarbeitete Kraut ist bei uns legal erhältlich (meistens unter dem Namen Herbae Ephedrae) - auch wenn dies einige Apotheken nicht wissen und deswegen nicht verkaufen!
Anzuraten ist immer, mit einer niedrigen Dosierung (2 TL/ ½ Wasser / proPerson/ 10 Minuten kochen) zu beginnen und am besten die Menge immer selber zu bestimmen, da wie in den USA leider in fertigen Produkten oft nicht angeschrieben, ist wie viel Ephedrakraut enthalten ist und es so leicht zu einer Überdosierung kommen kann.


Lady Purple


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