Von pflanzlichen Amuletten, Thalismanen und magischen Thincthuren
Wie Euch allen sicher bekannt ist, gehört zu den Thalismanen das berühmte vierblättrige Kleeblatt und das Hufeisen (mit der Öffnung nach oben!). D.h. ein Thalisman ist ein Gegenstand - in diesem Falle eine Pflanze oder Pflanzentheile - welche zu einem bestimmten Zeitpunkt, an einem bestimmten Ort und mit einem speziellen Instrument geerntet wurden. Danach wird das Erntegut ohne weitere Behandlung getrocknet und schließlich als Anhänger oder in einem Behältnis bei sich getragen und thuet seyne wirckkung.

Im Allgemeinen gilt der Mondzyklus und dessen magische Bedeutung - also bei Vollmond beschwörende oder anziehende Zauber zu wirken, dagegen bei Neumond bannende bzw. abwehrende Magie zu verwenden. Die Phase zwischen Neumond und Vollmond (zunehmende Mondphase) gilt als verstärkend und aufbauend für beschwörende magische Handlungen, für die Zeit zwischen Vollmond und Neumond (abnehmende Mondphase) gilt das gleiche für bannende Magie. Um dies näher zu erläutern, bleiben wir einmal bei dem Beispiel mit dem Kleeblatt: zu Neumond gepflückt wehrt es demnach schlechte Einflüsse ab, zu Vollmond gefunden und geerntet, zieht es Glück auf magische Weise an.

Wollen wir die Anziehungskraft bzw. die abwehrende Energie verstärken, so suchen wir das Pflänzelin entsprechend nach Vollmond oder Neumond. Haben wir es gefunden, so berühren wir es und machen es so mit uns bekannt. Auf keinen Fall sollte bei dieser magischen Intention dieses Kleeblatt jetzt schon gepflückt werden, wir lassen es stehen, besuchen es vielleicht jeden Tag und pflücken es erst dann ab, wenn Neumond bzw. Vollmond ist.

Einige Pflanzenthalismane gehen allerdings nicht (nur) nach dem Mond, sondern richten sich nach Tagesrhythmen, welche sich wiederum am Sonnenstand orientieren. Vor allem Blütenpflänzelin mit weißen, gelben, orange oder roten Blüten sympathisieren entsprechend ihrer Blütenfarbe mit Mittag, Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang. Blaublütige Pflänzelin werden meistens vor dem Morgengrauen oder nach Sonnenuntergang gepflückt, sie haben dann auch ihre höchsten magischen Energien für thalismanische Zwecke. Grüne bzw. grünliche Blüten werden am besten in der Dämmerung geerntet - je nach magischer Intention morgens oder abends.

Bei Wurzelthalismanen sollte man genau darauf achten, wann sie geerntet werden wollen. Wenn nicht anders gewünscht (denn die Pflanze zu befragen ist nie eine schlechte Idee!), erntet hex und heid die Wurzel am besten wenn ganz dunkel ist, spät in der Nacht bzw. früh am Morgen. Dabei sollte man sich für die magischen Intentionen am besten am Mondstand orientieren, da die Wurzel oft sehr viel Wasser enthält. Als beste Erntezeit eignet sich dafür das Frühjahr oder der Spätherbst - was klar auch rein technisch Sinn macht, da die Vegetationsperiode zuende ist und der Schaden für das Pflänzelin am geringsten gehalten wird.

Meist reichen für unsere magischen Bedarf kleine Mengen, d.h. hex sollte sich den Wurzelstock der Pflanze genau ansehen. Bei einigen Pflanzen zwackt heid am besten einfach einen kleinen Wurzelausläufer ab, was nix schadet. Bei anderen Pflanzen (z.B. Rübenwurzeln) nimmt hex die ganze Wurzel der kleineren Nachbarpflanze, da hier eine Teilentnahme eine irreparable Verletzung der Pflanze bedeutet.

Eine Ausnahme macht hier die Garten-Alraune (deren wilde Form für Jehex und Jeheid zu jeder Jahreszeit Tabu ist, weil Naturschutz!!!), sie sollte um Samhain (30. Oktober/01. November) herum an Neumond oder Vollmond und auf alle Fälle zu Mitternacht gegraben werden.

Die Amulette sind - im Gegensatz zu Thalismanen - sozusagen magische Kombinationspräparate; und was für die Thalismane gilt, gilt natürlich auch für die Herstellung von Amuletten, gerade im Bezug auf den Zeitraum, innerhalb dessen hex diese magischen Utensarien verfertigt.

Zur Herstellung eines Amulettes wird das getrocknete oder frische Pflanzenmaterial mit anderen magischen Utensilien (Federn, Muscheln usw.) verknüpfelt, meist auch noch mit mystischen Symbolen kombiniert oder besondere Ritualen zur Herstellung durchgeführt. Damit wird der relativ "einfachen" und "eindeutigen" magische Grundenergie (z.B. allgemein Heilung oder Schutz) eine speziellere Struktur gegeben, und so ein magischer Gegenstand für einen ganz spezifischen Anwendungszweck oder für eine ganz bestimmt Person gefertigt.

Zum Bleistift kann ganz speziell die Heilung eines Knochenbruches magisch unterstützt werden, wenn hex ein magisches Zauberbeutelchen - das Amulett - konstruiert, in welchem ein Stück Beinwellwurzel steckt, welche mit Symbolen beschnitzt ist, die Heilung bedeuten. Dazu ein Knochenstückchen und ein Eisennagel, das ganze zu Vollmond zusammengestellt und in einem Ritual der Göttin Brigidh geweiht.

Und etwa für ein Schutzamulett, sägt die kluge Hex eine Scheibe Eibenholz von einem etwas dickeren Ast. In dieses Scheibchen werden zu Neumond ein umgedrehtes Pentagramm und Schutzrunen eingeritzt. Dann das Ganze durchbohren und an einem Lederbändel um den Hals tragen (- hex kann auch einen guten Amulettmacher damit beauftragen; hier empfehle ich Rü).

Die magischen Thicthuren haben mit den medicinalischen Thincturen nur peripher etwas zu tun. Für medicinalische Zwecke wird ein mehr oder weniger alkoholischer Pflanzenauszug hergestellt und dieser dann für Abreibungen, Umschläge oder zum Einnehmen genutzt. Für magische Zwecke werden die Pflanzentheile, die zum Einsatz kommen sollen, an den entsprechenden Tagen und zur entsprechenden Zeit unter magischen Gesichtspunkten geerntet und - je nach Intention - frisch eingesetzt oder zum trocknen ausgelegt.

Im näxten Schritt wird die magische Urthincthur hergestellt, also die Basis, mit der die zauberische Thicthur aufgebaut wird: Hex nehme einen Theil frisches, fließendes Quellwasser (Quelle), einen Theil frisches, stehendes Wasser (See, Teich) und einen Theil fallendes Wasser (Wasserfall, Regen). Für einige Anwendungen benötigt hex zusätzlich einen Theil festes Wasser (Schnee, Eis).

Je nach magischer Intention werden die verschiedenen wässrigen Fraktionen zu Vollmond bzw. Neumond, bei Tag oder bei Nacht, miteinander vermischt und in ein dicht schließendes, klares Glasgefäß gefüllt. Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten die Urthincthur herzustellen, auch dies sind natürlich abhängig von dem magischen Verwendungszweck:

Sunaqua ist eine Sonnenurthincthur, die Herstellung erfolgt, indem man das zuvor erwähnte Gemisch 7 Tage in der Sonne stehen lässt und des Nachts in ein schwarzes Laken hüllt. Lunaqua ist das Gemisch, wenn es einen kompletten Mondzyklus oder Teilen davon (etwa den Vollmondnächten), ausgesetzt war und tagsüber in ein weißes Laken gehüllt wurde. Dementsprechend kann auch mit allen Planeten verfahren werden; für Gaiaqua, also "Erdwasser", wird das Gefäß für neun Tage und Nächte in der Erde vergraben.

Die Herstellung der magischen Thincthur geschieht auf zwei Wegen: Zum Ersten werden die Pflänzelin oder deren Theile in die entsprechende Urthincthur eingelegt, darin für 24 Stunden an einem kühlen Platz belassen und dann über ein Sieb abgegossen. (Nicht geeignet für Anwendungen, bei denen die Thincthur auf die Haut kommt oder verschluckt wird; es kann zu allergischen Reaktionen kommen oder Giftstoffe können aufgenommen werden.) Bei der zweiten Methode werden das Kraut oder seine Theile unter das Gefäß gelegt und für drei bis neun Tage von Sonne bzw. Mond beleuchtet. Natürlich kann hex diese Herstllungmethode energetisch auch noch damit unterstützen, das in das Gefäß mit der Urthincthur Kristalle eingelegt werden (z.B. Bergkristall oder Hämatit).

Die Aufbewahrung der Thincthuren erfolgt nach der Herstellung immer in dicht schließenden, braunen oder undurchsichtigen Glasflaschen (evt. auch Metallflaschen oder Steingut) und in einem kühlen Raum (Keller, Kühlschrank). Nicht vergessen, ein Etikett zu schreiben und auf keinen Fall die Thincthuren über längere Zeit lagern. (Trotz aller Magie bemächtigen sich Bakterien der Flüssigkeit, das kann gar gewaltig stinken oder etwa einen Gärprozess auslösen, der die Flasche sprengt - abgesehen von evt. produzierten giftigen Abfallstoffen der mikroskopischen Mitbewohner in der Flasche.)

Hier ein Anwendungsbeispiel für eine magische Thincthur zur Unterstützung der Feensicht: Augentrostblüten zu Vollmond sammeln und frisch während der Vollmondtage unter ein Gefäß mit Lunaqua legen, tagsüber mit einem weißen oder silbernen Stoff abdecken. Umfüllen in ein Steingutgefäß und gut kühlen. Zum näxten Vollmond einen Feenring aufsuchen, eine Opfergabe mitbringen und sich vorstellen. Wenn man das Gefühl hat, das man willkommen ist, die Flasche zücken und mit einigen Tropfen die Augenlider bestreichen. Sind jetzt Feen anwesend, sollte hex sie sehen können.


Magister Botanicus


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