Es grünt so grün ... und die Bäume schlagen auch aus   Teil I

Nachdem es in unserem HeidenSterz schon einen Haufen Rezepte zum Thema "Grün und Frühling" gibt, beschäftige ich mich heute wieder ein wenig  mit den Grundlagen, nach denen ich meine Ernährung gestalte. Motto: Du bist was und wie Du isst!!.

Wie die Zeit tickt

Während bei uns im Westen diese Jahreszeit erst am 21. März beginnt, ist der Frühling zu diesem Zeitpunkt in der traditionellen chinesischen Lehre an seinem Höhepunkt angelangt, denn er hat bereits Mitte Februar begonnen. China feiert zu diesem Zeitpunkt den Beginn des neuen Jahres. Der Frühling endet um den 28. April, gefolgt von einer 18-tägigen Übergangszeit, der sog. "Dojo-Zeit", in der man sich wiederum auf den Sommer, sowohl von Seiten der Ernährung, des Lebensstils aber auch mental vorbereiten kann.

Der Frühling entspricht in der traditionellen chinesischen Medizin dem Element Holz, auf den Tag umgelegt dem Morgen, und auf den Mensch umgelegt der Kindheit. Kennzeichen des Frühlings ist schnelles Wachstum, rasche Entwicklung und Beweglichkeit. Diese Zeit birgt explosionsartige Kraft, viel Bewegung und den Drang nach Dynamik in sich. Alles blüht, wächst und gedeiht. Die Wiesen werden grün, die Kraft von Sonne, Wasser und Wind sorgen dafür, dass Pflanzen und Bäume wieder zum Leben erwachen und - wachsen.


Organe des Holzes sind die Leber und die Gallenblase

Im Organismus ist die Aufgabe der Leber die Annahme und die Bearbeitung der Energie und nach der TCM reguliert sie auch die Muskelspannung, die Blutspeicherung und das Sehvermögen. Gerade dieser Funktionskreis "Holz" ist besonders wichtig weil er nicht nur den Energiefluss in seinen eigenen Organen regelt, sondern ist auch für die Harmonie in allen anderen Funktionskreisen verantwortlich ist.

Laut TCM stören Emotionen wie Aggression und Zorn dieses Element. Stress und das eingeengt Sein, z. B. in Lebensumstände, die uns widerstreben (von unpassenden Beziehungen bis zu Mobbing im Job), machen der Leber ebenso zu schaffen wie zu enge Kleidung und Begrenzungen geistiger Art (wo war doch gleich der Tellerrand ...).
Die Leber ist auf der seelischen Ebene besonders anfällig auf Kränkungen, Wut und Frustrationen. Unser westliches Sprichwort „es läuft einem eine Laus über die Leber“ trifft den Nagel passgenau auf den Kopf. Jedes dieser Vorkommnisse hinterlässt auf der Leber die Trittspuren - sofern diese nicht in der Lage ist, sich zu entspannen.

Die Gallenblase hingegen ist unser Außenminister. Einerseits flexibel im Denken und Handeln zu sein, andererseits Entscheidungen schnell, aber doch gut überlegt zu fällen - das ist ein Kennzeichen der frei fließenden Holzenergie.

Die so genannte „Wanderseele Hun“ (die Seele hat den Elementen zugeordnete Anteile) enspricht ungefähr dem westlichen Konzept des Unterbewußten. Hier werden emotionale Erfahrungen gespeichert und dieses gesammelte Erfahrungswissen macht eine Planung überhaupt erst möglich. Auf der Basis dieses unterbewussten Wissens fußen dann die neuen Handlungen.

Holzwartung

Um unsere Holzenergie zu pflegen, sollten wir viel Zeit in der Natur verbringen, uns bewegen und dabei lernen, uns zu entspannen. Nicht umsonst spielen viele Stressgeplagte gerne Tennis – die Verbindung von Aggressionsabbau durch Draufhauen und explosionsartigem Bewegungsmuster (frei nach Stop-and-Go).

Im Frühling ist leicht verdauliche Ernährung mit saurem Geschmack ideal. Das unterstützt die Leber und deren Aufwärtsbewegung der Energie. Bei der "natürlichen" Neigungen zu Spannung und Stagnation der Leberenergie sind auch Lebensmittel mit natürlich süßem Geschmack geeignet (typisch für das Element Erde, in dem das Holz um zu wachsen wurzelt!). Obwohl der saure Geschmack dem Holz-Element entspricht, bedeutet das (wie so oft in der TCM!) nicht, dass mensch möglichst viel davon zu sich nehmen sollte. Auf die Ausgewogenheit ist zu achten!! Vor allem bei bereits bestehenden Stagnationen ist besondere Vorsicht mit sauren Lebensmitteln geboten. Wenn das der Fall ist, leiden wir z. B. häufig unter Kopfschmerzen, PMS und/oder Brustspannen, Schmerzen unter dem Rippenbogen, Wetterfühligkeit, ...
Bei uns im Westen ist der Frühling DIE Zeit, zu entschlacken, Giftstoffe ausscheiden und vielleicht sogar zu fasten. Eine ideale Unterstützung der Leber und der Gallenblase, gerade im Frühling, sind tatsächlich Entlastungstage unter Ausschluss von Milch- und Milcherzeugnissen, Fleisch, „Chemie“ und der Einschränkung von Salzen, Alkohol und schwerem und fettem Essen. Die entsprechende Farbe des Holzes in der TCM ist Grün – und somit sollten im Frühling jede Menge grüne Nahrungsmittel auf unserem Teller landen. Nicht umsonst wächst nun der Bärlauch und viele andere schmackhafte Wildkräuter – die uns mit der entsprechenden Frühlingsenergie versorgen wollen. Die geeignetste Zubereitungsart ist das Dämpfen und (wirklich!) kleine Mengen an Rohkost.

Besonders geeignet im Frühling sind Lebensmittel wie:

Getreidepflanzen: Weizen, Dinkel, Süßreis, CousCous
Hülsenfrüchte: gelbes Soja
Gemüse und Obst: milchsauer eingelegtes Gemüse (Sauerkraut statt Essiggurkerl), Hülsenfrüchte, Keime, Luzerne, Kresse, Bohnen, Mungobohnen, Kohlrabi, Brokkoli, Chinakohl, frische Kräuter, Salate, Obst mit mehr saurem Geschmack (Äpfel, Sauerkirschen), Radieschen, Kürbis
Tierische Eiweiße: Sauermilchprodukte, Hühnereier, Hühnerfleisch
Sonstiges: Hagebutten-, Melissen- oder Malventee

Was meine Oma schon wusste ... , dass die Natur uns alles bietet, was wir gerade jetzt brauchen. Jungen Löwenzahn, Bärlauch, Sauerampfer, Brennnesseln, Kerbel, Gartenkresse und noch vieles andere. Je nach Region ist das Angebot immer ein bisschen anders.
Auch selbst gezogene Sprossen bringen Bewegung in unseren Energiefluss und damit hat die Frühjahrsmüdigkeit keine Chance.
Leichte Gerichte wie z.B. Reispfannen, Bärlauchsuppe, Spinat und Mangold bereichern den Speisezettel. Die täglichen Mahlzeiten sollten jedenfalls jeweils eine Kombination der 5 Elemente beinhalten, um das persönliche Qi zu stärken. Auch hier ist das Prinzip der Ganzheitlichkeit anzuwenden und eine Einseitigkeit zu vermeiden, wie immer in der TCM.


Ende Teil I


Anufa


Yule - auch für die Sinne 03.12.2016
Es grünt so grün ... und die Bäume schlagen auch aus - Teil II 07.05.2016
Es grünt so grün ... und die Bäume schlagen auch aus - Teil I 26.03.2016
Meine blutroten Lieblingsknollen – Ronen 24.10.2015
Die Backschule - Teil III 12.07.2015
Kraftsuppen – oder wie ich meiner Grippe den Laufpass gebe 28.03.2015
Die Backschule Teil II 20.12.2014
Die Backschule - Teil I 20.09.2014
Fisch und Meeresfrüchte für jeden Geschmack 28.06.2014
Haaaaatschi - Teil I 08.03.2014
Tapas & Empanadas – klein aber oho! 23.11.2013
Kohl 31.08.2013
Hurra, es wird Frühling oder doch nicht? - Teil II 28.04.2013
Hurra, es wird Frühling oder doch nicht? - Teil I 30.03.2013
Es kann nicht nur einen Teller geben - Teil II 29.12.2012
Es kann nicht nur einen Teller geben - Teil I 08.12.2012
Ab auf den Grill 18.08.2012
Der Sommer naht – es ist Zeit für Mediterranes! 23.06.2012
Rucola 09.06.2012
Ostereier in der Küche 17.03.2012
Chinakohl 11.02.2012
Vieeel zu heiß – es ist vieeel zu heiß … 03.09.2011
Veronika der Lenz ist da oder Spargel hier und da und überall - Teil II 14.05.2011
Veronika der Lenz ist da oder Spargel hier und da und überall - Teil I 07.05.2011
Auf dem Yule Markt 2010 genascht 19.03.2011
Die große Covenküche - Teil V 25.12.2010
Maroni für die kalten Tage 21.08.2010
Nori, Nori, Nori 29.05.2010
Oh, du süße Mandarine! 08.05.2010
Die große Covenküche - Teil IV 31.10.2009
Die große Covenküche - Teil III 26.07.2009
Die große Covenküche - Teil II 10.05.2009
Die große Covenküche - Teil I 31.01.2009
Kürbis bis zum Abwinken Teil II 01.11.2008
Ein Garten voller Zucchini Teil II 19.07.2008
Ein Garten voller Zucchini Teil I 05.07.2008
Bärlauch 26.04.2008
Frühling! Sprossen sprießen! - Teil II 23.02.2008
Frühling! Sprossen sprießen! - Teil I 16.02.2008
Zwetschken, Zwetschgen oder doch Pflaumen 17.11.2007
Auf WurzelWerk Events genascht… - Teil III 16.09.2007
Auf WurzelWerk Events genascht… - Teil II 08.09.2007
Auf WurzelWerk Events genascht… - Teil I 09.06.2007
WurzelWerk's winterliche Blubbertöpfe - Teil II 03.03.2007
WurzelWerk's winterliche Blubbertöpfe - Teil I 24.02.2007
Lebkuchen 16.12.2006
WurzelRezepte 21.11.2006
Dem WurzelWerk in die Kochtöpfe des Sommers geschaut 05.08.2006
Beltaine 29.04.2006
Imbolc in der Küche - Teil II 28.01.2006
Imbolc in der Küche - Teil I 21.01.2006
Kürbis bis zum Abwinken 30.10.2005
Gold in der Küche - Das Safrankochbuch 30.07.2005
Grüne Magie 14.05.2005
Kartoffeln 05.02.2005
Kulinarisches Liebeslust-ABC - Teil III 28.08.2004
Kulinarisches Liebeslust-ABC - Teil II 31.07.2004
Kulinarisches Liebeslust-ABC - Teil I 17.07.2004
WurzelWerk´s herbstliches Hexen-Menü 15.11.2003
Die kanarische Küche - makrobiotische Inselkost 20.09.2003
So ein Holler 05.07.2003
Die Kunst des Räucherns - Teil II 24.05.2003
Brot-Meditation 05.04.2003
Die Kunst des Räucherns - Teil I 01.03.2003
Die Küche rund um Yule 14.12.2002
Ukrainische Weihnachtsgerichte 07.12.2002
Ritual-Kuchen-Küche 01.12.2002
Vom magischen Prozess des Kochens 21.09.2002
Paska - Ukrainisches Osterbrot 30.03.2002
Frühlingsanfang und Ernährung 23.03.2002
Hirse/Apfel-Auflauf 19.01.2002
Heidensterz & Kürbissuppe 27.10.2001





              
                   
              



    

© WurzelWerk · 2001-2017