Die Backschule   Teil I

Backen war für mich früher immer ein Mysterium. Wo man beim Kochen doch einfach nach Gefühl alles in den Topf schmeißen kann – vorausgesetzt man hat ein bisschen Gespür für die richtige Zusammensetzung der Zutaten – ist es beim Backen durchaus empfehlenswert sich an bestimmte Mengenangaben zu halten. Seltsam, dass für mich genau diese Tatsache das Mysterium darstellte, weil in meiner Vorstellung von Küche alles irgendwie nach Gefühl gehen musste.

Jetzt sollte doch nichts leichter sein als ein Rezept raussuchen und sich exakt an dessen Angaben zu halten. Aus einem mir bisher unerfindlichen Grund macht aber so ein Kuchen doch ab und zu einfach was er will. Genauso lange gebacken wie beim letzten Mal und trotzdem in der Mitte noch roh? Ein Soufflé, das im letzten Moment zusammenfällt? Kekse die man eher als Wurfgeschosse als zum Essen verwenden kann? Falls das nun ein paar Leuten bekannt vorkommen sollte: Keine Sorge, alles eine Frage der Übung. Ach und fast hätte ich die Geduld vergessen. Und die Hingabe und Liebe zum Backen? Oder war es doch nur die Übung und Geduld? Nicht gerade mit diesen beiden Eigenschaften gesegnet, kam mir so ein Backzeug jahrelang nicht in die Küche. Bis mich doch einmal der Ehrgeiz packte. Irgendjemand behauptete doch tatsächlich, dass Backen mit viel Gefühl für das richtige Timing zu tun hat. Keine Geduld, aber ein Gefühl für das richtige Timing? Das sollte zu schaffen sein.


Aller Anfang ist schwer? – Nein: Aller Anfang braucht Equipment

Wir fangen hier mal mit ein paar einfachen Rezepten an, um uns später Schritt für Schritt etwas aufwendigeren Kreationen zuzuwenden. Für alle die schon wahre Backmeister sind: Sorry, das hier wird euch jetzt vermutlich etwas langweilen. Am besten fangen wir gleich mit einem Rührteig an, da kann am wenigsten schief gehen.

Grundsätzlich sollte man aber seine Küche vorher noch mit einigen Utensilien ausstatten, die beim Backen hilfreich sein können. Dazu gehört auf jeden Fall einmal
(1) eine Rührschüssel oder am besten 2-4 Schüsseln in unterschiedlichen Größen und Ausführungen. Mindestens eine der Schüsseln sollte aber von der Größe her eher einer großen Salatschüssel als einer Müslischale entsprechen. Weiter geht es mit:
(2) einer Küchenwaage,
(3) einem Messbecher,
(4) einem Schneebesen,
(5) einem (Hand-) Rührgerät,
(6) einem Kochlöffel,
(7) einer Kuchenbackform (für das gleich folgende Rezept brauchen wir für Variante 1 eine Gugelhupfform, für Variante 2 ein Backblech mit einem etwas höheren Rand oder eine Auflaufform).

Alle weiteren hilfreichen Utensilien wie zum Beispiel ein Backpinsel, ein Spritzbeutel, eine Teigspachtel oder ein Nudelholz, folgen dann mit der Zeit und den weiteren Rezepten.

Ein Rührteig ist deshalb so wunderbar für Backanfänger geeignet, weil man im Grunde alle Zutaten einfach zusammen in eine Schüssel geben und ihn dann kräftig durchrühren kann. Im Gegensatz zum Biskuitteig, den man sehr behutsam behandeln sollte damit er nicht zäh und trocken wird, scheint der Rührteig das „durchgeschleudert“-werden irgendwie zu mögen. Zumindest aber schadet es ihm nicht. Für unseren ersten Rührkuchen brauchen wir folgende Zutaten:


Rührkuchen in zwei Variationen

- 300 Gramm Butter
- 300 Gramm Zucker
- 300 Gramm Eier (ca. 4-5 Stück)
- 300 Gramm glattes Mehl
- 1 Prise Salz
- 1 Messerspitze Backpulver
- 1-2 Löffel Kakaopulver und etwas Staubzucker für Variante 1 (Marmorkuchen) + Sirup für Variante 2 (Kleine Abwandlung von Revani)

Zutaten für den Sirup in Variante 2:

- 3 Tassen Zucker
- eine halbe bis eine Tasse Wasser (je nach Geschmack: mehr Wasser = flüssiger Sirup, weniger Wasser = zähflüssiger Sirup)
- Saft und Schale einer halben bis zu einer ganzen Bio-Zitrone (wieder nach Geschmack)

Die Butter in der Rührschüssel weich werden lassen (schneller geht es, wenn man sie in kleine Stückchen schneidet) und mit dem Zucker verrühren. Die Eier aufschlagen, dazu mischen und weiter rühren. Hier ist es wichtig so lange zu rühren, bis der Zucker sich aufgelöst hat. Das kann je nach Zucker eine kürzere oder längere Prozedur sein (brauner Zucker beispielsweise braucht etwas länger um sich beim Rühren aufzulösen als feiner, weißer Zucker). Ich würde empfehlen, das mit einem Handrührgerät zu machen, für besonders sportliche Gesellen eignet sich natürlich auch ein Schneebesen. Jetzt nach und nach das Mehl, Salz sowie das Backpulver untermischen und rühren – rühren – rühren. Nun kann man sich entscheiden, ob man Variante 1 oder 2 des Kuchens machen möchte.

Für Variante 1 wird der Teig nun in zwei Teile geteilt. Die eine Hälfte bleibt unangetastet, die andere wird mit 2 Esslöffel Kakaopulver vermischt. Jetzt die Gugelhupfform mit Butter einfetten (innen!) und abwechselnd einen Löffel von der ersten (hellen) Teigmasse und einen Löffel von der zweiten (mittlerweile durch das Kakaopulver dunklen) Teigmasse nebeneinander Schicht für Schicht in die Form füllen. Ist alles drinnen, kann man mit dem Löffel oben noch einmal vorsichtig alles glattstreichen. Nun wird der Kuchen bei 150 Grad ca. 1 Stunde auf mittlerer Schiene gebacken. Um festzustellen ob der Kuchen fertig ist, sticht man mit einer dicken, langen Nadel (sehr gut eignen sich Spieße oder auch Stricknadeln) in den Kuchen. Bleibt an der Nadel kaum mehr etwas bis nichts mehr vom Teig kleben, ist der Kuchen fertig. Mit der Zeit bekommt man ei Gefühl dafür, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist um ihn rauszunehmen. Den Kuchen dann noch mit Staubzucker bestreuen.


Gugelhupf

Für Variante 2 sparen wir uns das Teilen der Teigmasse und streichen den Teig gleich auf ein mit Butter eingefettetes Backblech bzw. füllen diese in eine eingefettete Auflaufform. Hier variiert die Backzeit etwas, da der Kuchen viel flacher und daher schneller durch ist. Es wird bei 150 Grad auf der mittleren Schiene in etwa 20 - 30 Minuten dauern. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt um aus den oben genannten Zutaten den Sirup zu machen. Dazu einfach alle Zutaten in einen Kochtopf füllen, aufkochen lassen und 5-7 Minuten kochen. Der Sirup wird dann im Anschluß nach und nach über den fertig gebackenen Kuchen geschüttet und immer wieder leicht (bis in alle Ecken) verstrichen. Der noch warme Kuchen sollte den Sirup gut aufsaugen. Auch diesen Kuchen kann man nach Belieben noch mit Staubzucker und/oder Kokosraspeln bestreuen – auf Grund der Feuchtigkeit durch den Sirup empfehle ich das aber erst kurz vor dem Servieren. Fertig!


Und hier noch ein schnelles Rezept für Zitronenmuffins (ebenfalls ein Rührteig)


- 1 Päckchen Backpulver
- 1 Ei
- 200 Gramm Joghurt (mit Zitronengeschmack oder Natur)
- 250 Gramm Mehl
- 80 ml Öl
- 1 Päckchen Vanillezucker (ich bevorzuge hier echten Vanillezucker und kein Vanillin)
- Die Schale und den Saft einer Bio-Zitrone
- 120 Gramm Zucker (ich würde braunen Zucker empfehlen)


Revani

Den Zucker, Vanillezucker und das Ei fünf Minuten schaumig schlagen (wenn vorhanden wieder das Handrührgerät verwenden). Die Schale der Zitrone abreiben, den Saft auspressen und beides unterrühren. Das Öl beimengen. Mehl, Backpulver und Joghurt nach und nach hinzufügen und alles ein paar Minuten lang schaumig schlagen. Beim Backen der Muffins hat man mehrere Möglichkeiten: Entweder man verwendet ein Muffinbackblech. Dieses kann man entweder mit Butter einfetten und die Teigmasse direkt einfüllen oder man gibt in die einzelnen Vertiefungen noch jeweils ein Papier-Muffinförmchen und füllt den Teig in diese ein. Hat man kein Muffinbackblech zur Hand, kann man auch 2-3 Papierförmchen ineinanderstecken und diese dann mit dem Teig einzeln auf das Backblech stellen. Bei allen Varianten sollte man bedenken, dass der Teig durch das Backpulver im Ofen noch aufgeht, daher nicht bis ganz oben hin vollfüllen. Die angegebene Menge reicht für ca. 12 Muffins. Wenn alles mit einem Löffel in die Förmchen oder das Muffinbackblech eingefüllt wurde, kommt es bei 160 Grad ca. 30 Minuten in den Backofen. Auch hierzu passt der Zitronensirup perfekt.


Ende Teil 1

Bildquelle: http://denenmispastatariflerim.blogspot.co.at/2011/01/revani.html


Leilani


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