Es kann nicht nur einen Teller geben   Teil I

Im Sommer habe ich über den Genuss von Fisch und Meeresfrüchten geschrieben. Seither sind ein paar Monate vergangen. Die Jahreszeit hat sich zwar geändert, nicht aber die Freude am Kochen und Essen. Da die Weihnachtsfeiertage so gut wie vor der Türe stehen, ist die Aufregung in meiner Familie natürlich groß: wer kommt zum Essen?

Wie viele Tage wird er/sie bleiben? Was wird denn überhaupt gekocht? Werden denn auch alle satt? Es gilt nun, jedenfalls in etwa vier Mal so viel zu kochen wie nötig – mindestens. Natürlich sind wir auf den Ansturm gut vorbereitet, denn das Weihnachtsmenü haben meine Mutter und ich bereits im August erstellt, als ich meine Eltern in Griechenland besucht habe. Da Weihnachten in unserer Familie aber nicht im Süden, sondern hier in Österreich gefeiert wird und an diesen Tagen zwei Familien in ihren Traditionen befriedigt werden müssen, gilt es auch hier ein Kompromiss zu finden. Der 24. Dezember gehört sozusagen der Familie meines Mannes. Traditionellerweise essen wir, als letzte und einzige Erholungsphase für den Magen, an diesem Tag Bratwürstel mit gerösteten Erdäpfeln und Sauerkraut. Am 25. und 26. Dezember ist dann aber auf jeden Fall gewährleistet, dass auch die Traditionen meiner Familie zum Zug kommen.


Wir lieben die Feiertage

Was macht ein wirklich gutes Essen aus? Natürlich, dass es von allem genug und davon reichlich gibt. Daher ist es besonders wichtig, mindestens fünf Vorspeisen zu servieren, zwei bis drei Hauptspeisen und natürlich eine Nachspeise, die einem dann erst so richtig den Rest gibt. Hier alle Rezepte aufzuschreiben, würde wohl den Rahmen sprengen, aber zumindest an den sehr traditionellen bzw. bekannten griechischen Gerichten möchte ich euch auf jeden Fall teilhaben lassen. Beginnen wir heute mal mit den Vorspeisen, die Hauptgerichte folgen im Laufe der nächsten Wochen.

Vorspeisen
Ein griechischer Vorspeiseteller kann aus warmen oder kalten Vorspeisen bestehen, am besten man mischt beide Varianten. Was sollte auf keinen Fall fehlen? Tsatsiki, Taramas, Skordalia, gebratene Zucchini, gebratene Melanzani, Dolmades, Schafkäse, Oliven und alles worauf man sonst noch Lust hat.

Die wohl bekannteste griechische Vorspeise ist Tsatsiki. Dafür benötigt man

- 2 große Becher Joghurt (am besten fettreich)
- 1 Gurke
- 4 Knoblauchzehen
- Olivenöl
- Salz, etwas Pfeffer
- Dille (nach Belieben)

Die Gurken mit einer groben Reibe klein reiben und gut ausdrücken, da sonst das Ganze eine sehr flüssige Angelegenheit wird. Die Gurke dann mit den übrigen Zutaten verrühren. Fertig.

Ebenfalls relativ einfach zuzubereiten ist Skordalia. Diese Vorspeise ist nichts anderes als eine Art Kartoffelpüree ohne Milch. Dafür aber wie der Name schon sagt darf man aber mit reichlich Knoblauch abschmecken (Skordo bedeutet Knoblauch). Die gebratenen Zucchini und Melanzani sind auch keine Hexerei. Die Zucchini und Melanzani in ca. fünf Millimeter dicke Scheiben schneiden, salzen und in Mehl wenden. Wichtig ist nun aber folgender kleiner aber feiner Unterschied. Unmittelbar bevor man die panierten Zucchini und Melanzani in das heiße Öl zum Braten gibt, taucht man sie ganz kurz in kaltes Wasser ein. Das verschafft ihnen eine besonders feine Kruste.


Dolmades – gefüllte Weinblätter

Zutaten

- 250 Gramm Weinblätter
- 500 Gramm frische feingehackte Zwiebeln
- 1 Tasse Öl
- 1 Tasse Reis
- 1 kleinen Bund feingehackte Dille
- je nach Geschmack 1 kleinen Bund Minze
- Saft einer Zitrone (je nach Geschmack eventuell mehr)

Die Weinblätter abbrühen, mit kaltem Wasser abwaschen und abtropfen lassen. Die Zwiebeln in der Hälfte des Öls anbraten. Kurz darauf den Reis, eine Tasse warmes Wasser und schließlich alle restlichen Zutaten (außer dem restlichen Öl und dem Zitronensaft) hinzufügen. Die Mischung ca. 5 Minuten kochen lassen. Auf jedes Blatt nun 1-2 Kaffeelöffel von der Mischung geben und einwickeln. Die kleinen Weinblätter kreisförmig, sehr dicht nebeneinander in einen Kochtopf legen. Die Weinblätter mit einem Teller bedecken und darauf das restliche Öl, den Zitronensaft und 2 Tassen Wasser gießen. Das Ganze bei schwacher Hitze ca. eine halbe Stunde kochen lassen, bis die Weinblätter das Wasser aufgesaugt haben und der Reis gut durch ist. Abkühlen lassen und mit etwas Zitronensaft servieren. Es könnte sein, dass es nicht beim ersten Mal gelingt, das kommt stark auf die Weinblätter an. Sind sie noch zu hart, dann kann man das Ganze auch ruhig länger kochen lassen. Bei dieser Vorspeise macht es gar nichts, wenn der Reis besonders weich ist.

Fehlt nur noch das Taramas. Da Taramas aus Fischrogen besteht und die Zutaten eher schwer zu bekommen sind, sollte man es einfach fertig im Supermarkt oder Spezialitätengeschäft kaufen.


Darf‘s noch etwas Süßes sein?

Kuchen und Kekse zu backen zählt leider nicht zu meinen Stärken. Meine Schwägerin ist davon überzeugt, dass dies ein kollektives Problem aller Südländer sei. Anscheinend können wir würzige Speisen besonders gut kochen, haben aber von Mehlspeisen keine Ahnung. Da mein Onkel Koch ist und meine Eltern mit ihm gemeinsam drei griechische Restaurants führten, kann ich das so natürlich nicht auf mir sitzen lassen. In Griechenland gibt es wunderbare Süßigkeiten, man muss sich nur vor dem Verzehr dieser Zuckerbomben einer Sache bewusst sein: man wird sehr lange nicht mehr aus seinem Sessel aufstehen können. Nehmen wir zum Beispiel das allseits bekannte Baklavas: in Sirup fast schon ertränkt, bekommt dieser Zuckerschock nicht jedem gut. Daher empfehle ich, nur kleine Mengen griechischer Süßspeisen zu essen. Vielleicht erklärt das, wieso Griechen auch zu Süßspeisen ganz gerne mal einen Schnaps trinken.

Meine absolute Lieblings-Süßspeise ist Bougatsa. Eine Blätterteigtasche gefüllt mit einer wunderbaren Milchcreme – Staubzucker und Zimt runden das Ganze am Ende noch ab.


Bougatsa (Blätterteigtasche mit Cremefüllung)

Zutaten

- 1 1/2 Tassen Zucker
- 3/4 Tasse feinen Gries
- 3 Eier
- 6 Tassen heiße Milch
- Abgeriebene Schale einer Zitrone
- 150 Gramm flüssige Butter
- 500 Gramm Blätterteig
- Staubzucker
- Zimt

Den Gries, den Zucker und die Eier schaumig schlagen. Die Mischung in einen Kochtopf geben und auf mittlerer Flamme unter ständigem Rühren nach und nach die heiße Milch hinzufügen. Mehrmals aufkochen lassen. Am Schluss die abgeriebene Schale einer Zitrone dazugeben. Die einzelnen Blätter des Blätterteigs mit der flüssigen Butter bestreichen. Die Hälfte des Blätterteigs auf einem gebutterten Backbleck ausbreiten. Die Creme darübergießen und mit dem restlichen Blätterteig bedecken. Die Bougatsa bei mittlerer Hitze etwa 20 Minuten im Ofen backen. Vor dem Servieren mit Staubzucker und Zimt bestreuen.

Bildquelle:
http://www.bielefelder-flaneure.de/tag/vorspeisen/page/3/
http://www.yourrestaurants.com.au/guide/kouzina_modern_greek_and_meze_bar/



Ende Teil I


Leilani


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