Lebkuchen
Im "Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens." findet man "Lebkuchen" von Seite 986 bis 995 - also immerhin einiges an Info. Für den HeidenSterz und somit auch für euch ist das somit hoffentlich ein gefundenes Fressen...

Man leitet den Bestandteil Leb- gewöhnlich vom lateinischen libum her, das allgemein Opferkuchen bedeutet.


Ausseer Lebkuchen
Ein Rezept zum Nachbacken aus der Ausseer Lebzelterei:

12,5 dag Honig
30 dag Rohzucker
50 dag Roggenmehl
3 Eier
0,5 dag Natron
2-3 dag Lebkuchengewürz
1 Packerl Vanillinzucker
10 dag Zitronat
Aranzini & Nüsse fein gehackt

Alle Zutaten miteinander verkneten, ausrollen und backen.

Lebkuchen, Zelten und die Vegetationsdämonen
Ein wenig Hintergrundinfo und/oder Brauchtum findet sich gerade zu diesen Süssigkeiten - die Stuttgarter Hutzelmännchen schenken Hutzelbrot, die wilden Männlein Kräuterzelten. Nach havelländischem Glauben bäckt der heilige Christ beim Morgenrot im Dezember Honigkuchen.
Ein Augurium beim Bereiten und Backen der Lebkuchen ist ebenfalls überliefert... Misslingt in Bayern der Leblaib stirbt die Bäuerin im folgenden Jahr. Der Leblaib ähnelt dem Kletzenbrot (Birnbrot) nur das der Brotteig überwiegt; missrät er, so ist das eine üble Vorbedeutung. Im Unterinntal horcht man am Vorabend des Thomastages beim Zeltebacken am Backofen.


Früchtebrot

Mischung 1:
300 g Rosinen
je 50 g Zitronat und Orangeat
125 g getrocknete Aprikosen in kleinen Würfeln
250 g ganze Haselnusskerne
1/8 l Zwetschgenwasser, Himbeergeist oder sonstiger klarer Obstschnaps

Mischung 2:
250 g getrocknete Birnen, in kleinen Würfeln
250 g getrocknete Pflaumen, in kleinen Würfeln
125 g getrocknete Datteln in kleinen Würfeln
125 g getrocknete Feigen in kleinen Würfeln
250 g Zucker
½ l Wasser

Hefeteig:
50 g frische Hefe
250 g Mehl
1 Esslöffel Zimtpulver
1 Messerspitze gemahlene Nelken
1 Messerspitze Kardamom
1 Messerspitze Ingwer
1 Esslöffel Anissamen


Früchte der "Mischung 1" mit Schnaps mischen, abdecken und über Nacht ziehen lassen.
Früchte der "Mischung 2" mit Zucker und Wasser aufkochen. Früchte in ein Sieb schütten, Saft auffangen. ¼ l lauwarmen Saft mit zerbröckelter Hefe verrühren. Mehl zugeben, verkneten. Alle Früchte (Mischung 1 + 2) unter den Teig mischen. (Anfangs dachte ich nicht, dass ich diese Menge Früchte (immerhin ca. 1,5 kg!) unter einen Hefeteig kriege, aber es funktioniert. Die Früchte sind dann gerade mal von einer hauchdünnen Teigschicht bedeckt, dass macht es so saftig und fruchtig).
Kleine Brote formen, auf ein Blech mit Backpapier setzen. Mit Streifen aus Alufolie umwickeln.
Bei 200° ca. 60-70 min backen, nach ca. 40 min mit Pergament abdecken.

Die Brote noch lauwarm in Klarsichtfolie (keine Alufolie!!!) einwickeln. Sie halten sich mindestens ein Jahr


Der Weihnachtszelten und Lebkuchen
In Bayern und Schwaben ist der Zelten eine Art Birnbrot oder Kletzenbrot. In der Schweiz heißt der Christmonat "Lebküchleinmonat". Nach altem Brauch aßen in der Schweiz am Weihnachtsabend Mann und Frau Honigkuchen miteinander. In Schwaben kann das Weihnachtsgeschenk kurzweg "Lebkuchen" heißen. In Tirol wird der Zelten an die Hausgenossen verteilt. Besonders die Klöster buken Lebkuchen. Wie der Teig überhaupt, so ist auch der Weihnachtszeltenteig insbesondere ein Fruchtbarkeitserhalter- und Übermittler.
Nachdem in Alpbach die Dirne den Teig geknetet hatte, musste sie mit teigigen Händen die Obstbäume umringen, damit sie im folgenden Jahr reiche Früchte trugen.
In Tirol muss der Weihnachtszelten am Vorabend des Thomastages gebacken werden.

Luzerner Lebkuchen
2 1/2 dl Rahm steif schlagen. 5 Esslöffel Birnenhonig, 200 g Zucker und 3 Esslöffel Lebkuchengewürz beifügen.1 Teelöffel Natron (gehäuft) mit wenig lauwarmer Milch auflösen und unter die Masse rühren. 500 g Halbweißmehl dazufügen und lauwarme Milch beigeben bis der Teig dicklich von der Kelle läuft. Im vorgeheizten Ofen bei 170 Grad ca. 70 Min. backen. Nachher mit Birnenhonig bestreichen. Schmeckt ausgezeichnet mit Butter bestrichen.


Das Zeltenanschneiden
Im Inntal wird die Windmühle gedreht wenn der Zelten feierlich angeschnitten wird. Wichtig ist das Zeltenanschneiden für Liebespaare: Zu Weihnachten lädt allgemein das Mädchen den Burschen ihrer Wahl zum Anschneiden des Zelten ein, den sie durch dreimaliges Räuchern geweiht hat.
Ein Mädchen, welches ihre Eltern besucht, lässt sich den Zelten von ihrem Schatz nachtragen; zum Dank darf der Bursch am Dreikönigstag den Zelten anschneiden oder „anstechen“; der Bursch bringt einen Schnürriemen mit, wie ihn die Dirndln zum Schnüren des Mieders verwenden; der Bursche steckt das Messer lotrecht in den Zelten und wickelt den Riemen um dasselbe und spricht:

Fünf Ellen a Schand
Sieben Ellen a Band
Neun Ellen um d´Hand


Lebkuchen Amore mio
Der Liebeslebkuchen

66 dag Honig erwärmen. 22 dag Zucker mit 0,1 l Wasser aufkochen und sorgfältig mit dem Honig vermischen, lauwarm abkühlen lassen.
Mit 50 dag Roggenmehl und 20 dag Weizenmehl zu einem Teig wirken und in einer Plastikfolie mindestens eine Woche im Kühlschrank lagern.

Das Geheimnis des Lebkuchens liegt nicht nur in den Gewürzen, sondern in der Lagerzeit.

In nächsten Schritt 2 Eigelb mit folgenden Gewürzen schaumig rühren: 15 g Zimt, 4 g gem. Nelken, 3 g Kardamom, 3 g Muskat. Getrennt 45 g Milch, 6 g Pottasche und 15 g Ammonium mischen. Dann alles mit dem Honig-Vorteig und weiteren 30 dag Weizenmehl fest verarbeiten. Teig ca. 5 mm dick ausrollen, Formen ausstechen, mit Milch bestreichen, auf Backpapier bei 180 Grad ca. 15 - 20 Minuten backen.

Die Fülle
50 dag Rohmarzipan, 5 dag Staubzucker, 10 dag grob gehackte Walnüsse zum Teig verkneten. Ca. 5 mm dick ausrollen, Formen wie Lebkuchen ausstechen. Die Unterseite der Lebkuchen mit Orangenmarmelade bestreichen, mit den Marzipanscheiben belegen. Dann die Unterseite bis knapp über die Marzipanfülle in Schokoladeglasur tauchen und trocknen lassen.


Lebzelten als Opfer
An der heiligen drey König Tag bacht ein jeder Vatter ein guten leckkuchen oder lätzälten, darnach er vermag und ein hauszgesind hat, gross oder klein, und knidt im knetten ain pfenning darein, darnach schneidet er den gebackenen Leckuchen in vil Stück, gibt jedem aus seinem Hausgesind eins. Item Christus, Maria und die heiligen drey König haben auch ire Stück da, welche man von jrentwegen umb Gotswillen gibt,wem nu disz Stück wird, darinn der Pfenning ist, der wirt von allen als ein König anerkannt und erhaben, und dreymal mit Jubel in die Höhe gehebt, der nimpt allmal ein Kreid in die Hand, macht ein Kreuz an die Diln oder Balken im Haus und Stuben, welche Kreuz für viel Unglück und Gespenst helffen sollen, werden auch in großer Observation gehalten (vgl. Bohnenkönig)


Madame Mim


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