Kulinarisches Liebeslust-ABC   Teil I
Viele Urvölker verwenden das selbe Wort für essen und miteinander schlafen. Zwar kennt unsere Sprache nicht diese enge Verknüpfung, dennoch wissen wir um das Gefühl, jemanden zum Fressen gern zu haben, und auch die Verbindung mit dem Thema Trinken ist uns nicht unbekannt.

Denn auf das "Ja" auf die spät abends gehauchte Frage "Kommst du noch mit auf einen Kaffee?" folgte zwar wirklich dieses leckere Heißgetränk – allerdings vielfach erst am nächsten Morgen zum Frühstück!
Seit der Antike suchen die Menschen nach Mitteln und Wegen, um die sexuelle Lust zu steigern. Heute entdecken viele wieder alte Mixturen und Geheimrezepte. Etliche kulinarische Genüsse eignen sich hervorragend zur Steigerung der Lust und haben den Vorteil, dass ihre Wirkung länger anhält und schmackhafter zu erzielen ist als durch chemische Hilfsmittel aus der Retorte. Schon seit Alters her galt zum Beispiel der Granatapfel als Zeichen der Fruchtbarkeit, wie heute zu recht bestätigt wird, denn in den Samen ist das Hormon Östron und Piperidin enthalten. Als luststeigernd gelten auch bestimmte Gewürze. Der Muskatnuss wird so eine enthemmende und berauschende Wirkung nachgesagt, weshalb sie in großen Mengen sogar gefährlich werden kann. Im Mittelmeerraum schwören viele auf die erotisierende Wirkung eines Tees, der zu gleichen Teilen aus Koriander, Fenchel und Anis besteht.

Die verschiedensten Nahrungsmittel haben den Ruf ein Aphrodisiakum zu sein. Aus dem Meer sollen Austern, Kaviar, Jakobsmuscheln und Sardellen die Lust steigern. Bei den Gemüsen werden Gurke, Feldsalat, Karotten, Paprika, Rettich, Spargel, Tomate, Sellerie und Zwiebel anregende Wirkungen zugesprochen. Ihre Wirkstoffe sollen die Blutfüllung der Sexualorgane verstärken.
Aber auch hinter Nüssen und Früchten wie Kokosnuss, Haselnüsse, Esskastanie oder Melone werden aphrodisische Wirkungen vermutet und nicht zu vergessen Eier, diese multifunktionalen Kraftpakete.
Auch verschiedene grüne Blattgewürze wie Basilikum, Bohnenkraut, Petersilie, Schnittlauch, sollen das Liebesspiel bereichern. Bei den Samengewürzen zählen Anis, Pfeffer, Muskatnuss, Nelken und Senf zu den Lustbringern. Nicht zu vergessen Zimt, Knoblauch und Ingwer.


Lustfördernde Pflanzenextrakte
Pflanzliche Aphrodisiaka sind der Renner in Sex-Shops oder Drogerien, im Internet-Versand und in Apotheken. Wissenschaftlichen Anforderungen an einen Wirkungsnachweis hält jedoch nur Yohimbin wirklich stand.
Aphrodisierend kann abr auch die Form einer Pflanze wirken. So wird dem Spargel beispielsweise wegen seiner länglichen Form eine erotisierende Wirkung nachgesagt. Viele Kräuter, Gewürze oder Pflanzen haben auch nur deshalb einen luststeigernden Ruf, weil sie selten, besonders teuer oder exotisch sind.
Schokolade wiederum enthält Phenylethylamin, einen Stoff, der uns in verliebte Stimmung bringt.
Vorsicht geboten ist dagegen bei Alkoholgetränken. Vor allem Wein, Sekt und Champagner haben den Ruf, anregend auf die sexuelle Lust zu wirken. Doch obwohl geringe Mengen Alkohol durchaus enthemmend wirken, können zu große Mengen zu Potenzstörungen führen und so schnell zum Liebeskiller werden.


Die richtigen Zutaten
Auffällig ist, dass in nahezu allen Aphrodisiaka Alkaloide vorkommen. Dabei handelt es sich um ein stickstoffhaltiges Stoffwechselprodukt, das neben einer körperlich anregenden Wirkung auch euphorisierende Effekte auf die menschliche Psyche hat. Welches aphrodisierende Gericht auch immer angeboten wird, wichtig ist nicht nur darauf zu achten, dass die richtigen Gewürze, Früchte und andere Zutaten dabei sind. Zu einem schönen erotischen Mahl gehört auch die richtige Dekoration - deshalb auf Kerzen, Blumen und ein ansprechendes Gedeck nicht vergessen. Wenn dann noch Musik und Atmosphäre stimmen, dann steht einem wunderschönen Abend nichts mehr im Wege.
Aber nun zu den einzelnen Ingredienzien und damit hergestellten Speisen und Getränken...

Anis (Pimpinella anisum)
Herzstärkend, beschleunigte Hormonsekretionen und leicht euphorisierend.
Dosierung: 10 -15 g trockenen Samen auf einen halben Liter Wasser, davon täglich zwei bis vier Tassen Tee trinken. Es kann auch vor den Mahlzeiten ein Likörglas, mit einem alkoholischen Auszug getrunken werden (15 g Samen in 250 g Alkohol 90 % eingelegt).

Catuaba (Erythroxylon catuaba)
Schon die Indianer im südamerikanischen Regenwald bereiteten aus der Rinde des weit verbreiteten Catuaba-Strauches Tee zu. Catuaba zählt in Brasilien sogar zu den beliebtesten Teesorten, besonders wegen seiner belebenden und magenstärkenden Wirkung und als Aphrodisiakum. Der Tee wirkt angeblich bei Impotenz, steigert das sexuelle Verlangen und soll erotische Träume bescheren. Konzentriertere Extrakte sind in einigen traditionellen Stärkungs- und Nahrungsergänzungsmitteln zu finden. Über negative Auswirkungen wurde bislang nichts berichtet.
Catuaba ist häufig Bestandteil von sogenanntem Bauern-Viagra. Dies besteht allerdings aus einem unkontrollierten Gemisch der verschiedensten Substanzen, wobei weder Inhalt noch Konzentration bekannt sind, deshalb ist das reine Catuaba empfehlenswerter.
Ein brasilianisches Sprichwort sagt: Zeugt ein Mann bis zum Alter von 60 Jahren ein Kind, war er es selbst, geschieht es danach - war es Catuaba.

Liebestee Brasilia
1 El Catuabarinde
1 kl. Stk. Süßholzwurzel
1 Pr. Zimt
1 l Wasser
Zutaten in kochendes Wasser geben und dann fünf Minuten leicht köcheln lassen. Anschließend 15 Minuten ziehen lassen, abseihen und genießen. Catuaba schmeckt etwas bitter, das kann man aber mit etwas Süßem mildern.

Cayennepfeffer (Capsicum frutescens)
Chilischoten (Chayenne-Pfeffer) können sich positiv auf Ihr Liebesleben auswirken. Es gibt sie wild und kultiviert, rot oder grün, frisch oder getrocknet. Als Heilmittel genoss Chili schon immer einen guten Ruf. Capsaicinoide erregen die Schmerz- und Wärmerezeptoren der Haut und Schleimhaut und bewirken dadurch eine gesteigerte Durchblutung. Es erhitzt, reizt die Harnorgane (Niere und Blase) und stimuliert so indirekt die Genitalien. Die Schärfe löst auch Schmerz aus und auf den reagiert der Körper mit der Ausschüttung körpereigener Opiate, den sogenannten Endorphinen (Stoffe, die uns schmerzunempfindlich und euphorisch machen). Manche sprechen sogar von rauschähnlichen Zuständen.
Bei der Anwendung als Gewürz, pro Person ½ Schote oder einfach eine Messerspitze des getrockneten Pulvers mit einem Löffel leicht flüssigen Honigs gemischt einnehmen.

Mexikanischer Kakao mit Chili
250 ml Wasser
5 gehäufte TL Kakaopulver
1TL Zimt
1 Messerspitze Kardamon
1 Messerspitze gemahlene Nelken
1 Vanille-Schote
wenig roter Chili-Pfeffer (nach Geschmack)
4 TL Zucker
Alle diese Zutaten werden gemischt und dann lässt man sie für fünf Minuten kochen. Jetzt noch nach Geschmack süßen und genießen...

Übrigens, nicht nur der Chili, sondern auch der Kakao soll liebesfördernd sein. Schon die Azteken schätzten seine aphrodisierende Wirkung.

Colanuss (Cola nitida)
Die Cola-Nuss stellt seit alters her das wichtigste Zauber- und Genussmittel Westafrikas dar. Sie wirken stimmungsaufhellend und führen bei manchen Menschen zu euphorischen Zuständen.
Einer Sage zufolge wuchs der Colabaum ursprünglich nur im Himmel. Als der Schöpfergott eines Tages auf die Erde herabstieg, um ihre Schönheit zu bewundern, brachte er einige Colanüsse mit. Nach wie vor gelten sie in Afrika als Speise der Götter, da sie lustfördernd und stimulierend wirken. Man schreibt ihnen aphrodisische Wirkung zu und verwendet sie für jeden kräftigen Liebeszauber. In Westafrika sind die roten Cola-Nüsse sogar als Währung benutzt worden.
Wegen ihres hohen Koffeingehalts werden sie zur Herstellung von anregenden Erfrischungsgetränken verwendet. Als Beispiel; ein bis zwei Teelöffel der pulverisierten Nuss mit etwas Hafergras und Damiana in einer Tasse Wasser zum Kochen bringen, 10 -15 Min. ziehen lassen und je nach Bedarf trinken.
Zu empfehlen sind sie bei Erschöpfungszuständen, bei Müdigkeit oder Konzentrationsschwäche.

Damiana (Turnera aphrodisiaca)
Ebenfalls aus Südamerika stammt dieses Kraut. Es wurde bereits von den Mayas geraucht, wie ein Räucherstäbchen verwendet oder in Form von Extrakten getrunken. Neben einem leistungssteigernden Effekt soll es auch zu einem Anstieg der Lust kommen, weiterhin wurde eine vermehrte Durchblutung des Unterleibs beobachtet. Damiana wird auch oft mit anderen Pflanzextrakten in Arzneimitteln kombiniert. Bei fast allen Indianerstämmen Mittel- und Südamerikas stellt Damiana eine seit altersher bekannte und geschätzte Medizin dar. Sie gehörte zu den wichtigsten Heil- und Zauberkräutern der Maya und wurde erst im 17. Jh. nach Europa eingeführt.
Der Gebrauch dieser indianischen Heilpflanze als Aphrodisiakum ist uralt; auch im heutigen Mexiko trägt sie den Namen „der Hemdauszieher“.
Im amerikanischen Voodoo-Kult ist Damiana der schönen Liebesgöttin Erzulie geweiht. Sinnlichkeit, Liebe und Schönheit sind ihre Schöpfungen. Das duftende Damianakraut dient ihr als Heilmittel zur Kräftigung der Liebeskraft. Manche Quellen empfehlen aus Damiana, Muira Puama und Vanille aphrodisisch wirksame Pillen zu drehen, die Hemmungen zu lösen vermögen und eine angenehme Euphorie bewirken.
Bei Liebeszaubern und in der Sexualmagie wird Damiana in die Kerzenflamme gestreut oder auf Räucherkohle verbrannt, um Visionen hervorzurufen.
Am besten fertigt man einen Liebeslikör an, indem man zwei Handvoll des Krauts mit einer Flasche Rum oder Wodka ansetzt.
Geraucht ergeben die aromatischen Damianablätter einen ausgezeichneten Tabakersatz (eventuell mit Passionsblume, Kardamom, grünen Minzblättern, Nelke oder Wermut gemischt), wobei sie eine milde, stimulierende Wirkung erzeugen. Der angenheme Damianarauch soll die Lunge vom Ablagerungen des Tabaks befreien.
Als Tee getrunken wird Damiana zu einem stärkenden Tonikum; euphorisierend und erwärmend führt ihre erregende Wirkung nicht selten zu einer feurigen Liebesnacht. Aus einem Teelöffel der Blätter und einer Tasse kochendem Wasser bereitet man einen lustfördernden Aufguss - 10 Min. ziehen lassen und zweimal täglich trinken.

Tee der Liebe
2 TL getr. Damianakraut
1 TL Pfefferminzblätter
1 TL Orangenblüten
½ l Wasser
Wasser zum Kochen bringen, das Kraut hinzugeben, weitere 3 bis 5 Minuten kochen lassen, abseihen, trinken. (Süßen mit Honig oder braunem Zucker nach Geschmack). So erhält man einen tonisierenden Tee, der außer der geschlechtlichen Begierde auch das Gehirn, Herz und den Kreislauf stärken soll.


Madame Mim


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