Ritual-Kuchen-Küche
Seit ich in und mit der Craft lebe, gilt meine ganz, ganz große Liebe dem Backen von Ritualkuchen. Erstens kann man sich damit schon in vorhinein sehr gut auf das Ritual einstimmen und erfährt mit der Auswahl der Zutaten auch viel über die Energie des Festes, des Rituals für das man bäckt..

Die Küche, das Herdfeuer war schon immer das Zentrum des Heims. Egal ob in einer Höhle, einem Zelt, einer Hütte, einem Haus. Sie ist der Platz, an dem das geschaffen wird, was uns das grundlegende Überleben sichert: Das Essen.
Bei genauerem Hinsehen fällt auch auf, das die Gerätschaften einer Hexe aus dem Haushalt und insbesondere aus der Küche entlehnt sind. Ein Feuerstock, ein Besen, ein Becher, ein Messer...


Die Vorbereitung

Das Wichtigste ist, vor Beginn der Arbeit seinen Kopf zu klären, um wirklichen Raum für die Küchenarbeit zu schaffen. Gedanken an das Auto, die Heizung oder ein neues Kleid haben dabei genauso wenig verloren wie im Ritual. Ja, schon das Herstellen der rituellen Speisen ist für mich ein Ritual. Beginne immer in einer sauberen Küche zu arbeiten. Eine schmutzige oder chaotische Küche kann die Energie unglaublich beeinträchtigen! Behandle deinen Arbeitsplatz so, wie deinen eigenen Tempel.
Während dem Putzen kannst du dir bereits Gedanken machen, was die Anforderungen und Ziele für deine Arbeit sind und warum der Kuchen so oder so ausschauen und schmecken sollte.
Stelle sicher, dass du alle Zutaten zur Verfügung hast, es gibt nichts Störerenderes als während der Arbeit einkaufen gehen zu müssen.
Während der Arbeit behalte dein Ziel immer klar fokusiert im Kopf.
Abgesehen vom Putzen kannst du deinen Arbeitsraum, der wahrscheinlich die Küche sein wird, auch stimmungsvoll herrichten. Kreiere dir einen wirklichen Ritualplatz. Dazu gehört auch, Fernseher und Telefon abzuschalten!
Entzünde ein wenig Räucherwerk und eine Kerze, die zu dem bevorstehenden Ritual passen.
Du kannst auch die Göttin, mit der du im Ritual arbeiten wirst, einladen und sie um ihre Mithilfe bitten. Wiegen und Abwaschen musst du zwar wahrscheinlich selber, aber sie kann dir eine wertvolle Hilfe für das energetische Aufladen des Kuchens sein.
Wenn du noch nicht weisst, mit wem du arbeiten wirst oder dies nicht möchtest, kannst du auch Vesta rufen, die im allgemeinen gerne in der Küche, am Herdfeuer, dem Zentrum des Lebens verweilt:

Vesta!
Du, die Du das Zuhause bist, unsere Weltenmitte,
Wächterin der Feuer, die am Herd wie auch in unserem Inneren brennen.
Du, die Du Zutaten in Nahrung verwandelst,
Du, die aus einem Haus ein Heim macht,
ich bitte dich, nimm hier am hellen Feuer, am Herd Platz und sei mit mir!

Dann beginne mit deiner Arbeit. Arbeite langsam und bedächtig, jeden Schritt bewusst tuend.


Der Teig
Achte darauf, in welcher Richtung du den Teig knetest oder rührst. Für die Zeit zwischen Yule und Litha rühre ich stets rechtsrum, für die zweite Jahreshälfte gegen den Uhrzeigersinn.
Dies hat mit dem Sonnenstand zu tun. Zu Yule beginnen die Tage wieder länger zu werden, zu Litha werden sie wieder kürzer, die Natur beginnt, sich in sich zurückzuziehen. Dabei visualisiere ich gerne eine rote Spirale, die sich der Erde zuwindet.
Bei jeder Zutat, die du beifügst, sei dir bewusst, wofür sie steht. Wofür steht der Apfel, die Kirsche, die Rosinen, das Rosenwasser?
Mit dieser Intention rühre sie langsam unter.

Hier ein einfaches Grundrezept für Rührkuchen:
4 Eier
200g Zucker
300g Mehl (weiß oder gemischt)
200ml Sonnenblumenöl (davon 100ml durch zerlassene Butter ersetzbar)
200ml Flüssigkeit (Milch, Saft, Buttermilch, frischgepresste Säfte, Wein, Kaffee etc.)
1 Pkg. Backpulver
Mandeln, Nüsse, Obst, Rosinen, Schokoladesplitter nach Vorliebe. Sollte die Masse sehr fest werden, eventuell noch ein Ei einrühren.
Backzeit in etwa 40 Minuten bei 180 Grad


Die Form

Auch mit der äußeren Form kann man die Energie der Feste unterstreichen. Hier Vorschläge für einen Jahreszyklus. Immer eignet sich natürlich die runde Form oder auch eine Kranzform - das Rad des Jahres symbolisierend.

Yule - Stern, Stechpalmenblatt oder Kerze
Imbolc - Kessel (höhle dafür die Oberfläche ein bisschen aus)
Ostara - Ei, Kranz, Hase oder Zopf
Beltaine - alle längliche Formen
Litha - Sonne
Lammas - Mann, Kornähre, "Ginger-bread-man"
Mabon - Rundform
Samhain - Ring oder Torform

Die Farben
Grundsätzlich sind für die helle Zeit des Jahres helle und für die dunkle Jahreshälfte dunkle Kuchen von Vorteil. So wäre zu Mabon ein braun, z.B. durch Haselnüsse "gefärbt", sinnvoll. Zu Samhain darf der Kuchen dann ganz dunkel sein, am besten mit Bitterschokolade und/oder Mohn. Für Litha könnte er noch hell sein, aber mit roten Kirschen durchsetzt.

Yule - helle Masse, mit Mandeln, Marzipan, Ingwer. Eventuell auch mit Schokoladensplittern
Brighid - helle Masse, besser noch mit einer dicken Cremeschichte oder einem leichten Gelee oben drauf
Ostara - helle Masse, mit etwas Grün. Schön ist auch eine Kombination aus hell/dunkel für die Frühlingstagundnachtgleiche!
Beltaine - helle Masse, eventuell mit Grün und Rot (die ersten Beeren, Rosenwasser, Marmelade)
Litha - helle Masse, mit Rot und Goldgelb. Durch die Beigabe von ein wenig Safran lässt sich ein sehr schönes Goldgelb erzielen
Lammas - hellbraune Masse (Vollmehl nehmen!), Pflaumen, Äpfel
Mabon - hellbraune Masse, Hasel- oder Walnüsse, Äpfel, Pflaumen
Samhain - dunkle Masse, mit Bitterschokolade, Mohn, Kürbis


Dekoration
Du kannst die Dekoration des Kuchen auf das Ritual und seine Teilnehmer abstimmen, oder auch ein einfaches Symbol draufgeben, wie Kreise oder Pentagramme.

Dekoration mit Zucker
Schneide dir dafür eine Schablone aus Karton aus, lege sie auf den Kuchen und bestreue sie mit Zucker. Mit hellem Staubzucker oder einer Mischung aus braunem Zucker, Mohn und Zimt.
Dekoration mit Honig, Zucker- oder Schokoladenglasur
Honig: Erwärme den Honig im Wasserbad, bis er so flüssig ist, dass du damit auf hellen Kuchen damit malen kannst. Verwende dafür eine Stricknadel.
Zucker: Rühre Staubzucker mit etwas Wasser an und erhitze diese Mischung. Vefahre damit nun ebenso wie mit der Honigglasur.
Schokolade: Erhitze Schokolade im Wasserbad und füge eventuell einige Eßlöffel Milch dazu. Schokoladenglasur lässt sich sehr gut mit einem Strohhalm auftragen.
Dekoration mit Kuchenmasse
Du kannst auch ein bisschen von der Grundmasse aufbehalten und diese auf einem Backblech goldbraun backen. Stich' oder schneide Formen aus, überziehe sie mit heller, dunkler oder roter Glasur und setze sie auf den Kuchen.
Die aussergewöhnliche Dekoration
Manchmal können meine Kuchen gar nicht groß genug sein, damit all die Dekoration drauf Platz findet...

Yule: Marzipanpentagramme am Rand (eines für jeden Ritualteilnehmer plus Erdopfer), eine kleine goldene Kerze in der Mitte, rundherum werden Mistel- oder Kiefernzweige hineingesteckt. Oder auch Stechpalmenzweige aus grünem Marzipan.
Brighid: Kleiner Bogen aus einem Ast und einer Schnur werden auf den Kuchen gesetzt. Rundherum werden getrocknete Preiselbeeren draufgestreut. Oder vielleicht doch die ersten grünen Blätter oder Frühlingsblumen?
Ostara: Wenn nicht schon bunte Eier in den Kranz eingewoben wurden, kann man auch kleine bunte Eier aus Zucker, Marzipan oder der Grundmasse draufsetzen. Oder versuch' es mit dem Regenbogen der Ostara?
Beltaine: Holunderblüten, Mädesüß, Ginster. Blüten der Blodeuwedd. Echte Rosen oder Rosen aus Marzipan. Halb in helle Schokolade getunkte Rosen.
Litha: Eine rote Sonne aus Quitten- oder Beerengelee!
Lammas: Kornähren oder auch eine männliche Figur für den Kornkönig. Gut dazu macht sich wieder Beerengelee.
Mabon: Eicheln, Eichenblätter oder dunkle Hollunderbeeren
Samhain: Aus dunklen Keksen wird ein Tor zusammengeklebt (mit Zuckerwasser oder Schokoglasur) und auf den Kuchen gestellt. Rundherum kommt eine rote, sich gegen den Uhrzeigersinn nach innen windende Spirale

Sowohl für Form, Farbe und Dekoration ist es wichtig, dass du weisst, WARUM. Jede andere Art ist natürlich genauso zulässig, wenn du weisst, was es für dich bedeutet.
Manchmal kommen auch ganz interessante Kuchen zustande und erst im Ritual wird klar, warum er so und nicht anders werden mußte! Folge deiner Intuition!

Viel Spaß und gutes Gelingen für deine kulinarischen Rituale wünscht Dir
Brighid


Noch als Nachsatz
: Marzipan

Ich habe des öfteren Marzipan erwähnt. Es ist leicht selbst herzustellen, schmeckt natürlicher und besser nach Mandeln als die gekaufte Version:

1 Tasse Kristallzucker
1 Tasse Staubzucker
1 Tasse geriebene Mandeln
2 -3 Eier
bisschen Zitrone- oder Orangensaft
Vanilleessenz oder Rum
Vermische alle trockenen Zutaten. Schlage die Eier schaumig und verknete alles gut. Schmeckt frisch am besten.


Brighid


Yule - auch für die Sinne 03.12.2016
Es grünt so grün ... und die Bäume schlagen auch aus - Teil II 07.05.2016
Es grünt so grün ... und die Bäume schlagen auch aus - Teil I 26.03.2016
Meine blutroten Lieblingsknollen – Ronen 24.10.2015
Die Backschule - Teil III 12.07.2015
Kraftsuppen – oder wie ich meiner Grippe den Laufpass gebe 28.03.2015
Die Backschule Teil II 20.12.2014
Die Backschule - Teil I 20.09.2014
Fisch und Meeresfrüchte für jeden Geschmack 28.06.2014
Haaaaatschi - Teil I 08.03.2014
Tapas & Empanadas – klein aber oho! 23.11.2013
Kohl 31.08.2013
Hurra, es wird Frühling oder doch nicht? - Teil II 28.04.2013
Hurra, es wird Frühling oder doch nicht? - Teil I 30.03.2013
Es kann nicht nur einen Teller geben - Teil II 29.12.2012
Es kann nicht nur einen Teller geben - Teil I 08.12.2012
Ab auf den Grill 18.08.2012
Der Sommer naht – es ist Zeit für Mediterranes! 23.06.2012
Rucola 09.06.2012
Ostereier in der Küche 17.03.2012
Chinakohl 11.02.2012
Vieeel zu heiß – es ist vieeel zu heiß … 03.09.2011
Veronika der Lenz ist da oder Spargel hier und da und überall - Teil II 14.05.2011
Veronika der Lenz ist da oder Spargel hier und da und überall - Teil I 07.05.2011
Auf dem Yule Markt 2010 genascht 19.03.2011
Die große Covenküche - Teil V 25.12.2010
Maroni für die kalten Tage 21.08.2010
Nori, Nori, Nori 29.05.2010
Oh, du süße Mandarine! 08.05.2010
Die große Covenküche - Teil IV 31.10.2009
Die große Covenküche - Teil III 26.07.2009
Die große Covenküche - Teil II 10.05.2009
Die große Covenküche - Teil I 31.01.2009
Kürbis bis zum Abwinken Teil II 01.11.2008
Ein Garten voller Zucchini Teil II 19.07.2008
Ein Garten voller Zucchini Teil I 05.07.2008
Bärlauch 26.04.2008
Frühling! Sprossen sprießen! - Teil II 23.02.2008
Frühling! Sprossen sprießen! - Teil I 16.02.2008
Zwetschken, Zwetschgen oder doch Pflaumen 17.11.2007
Auf WurzelWerk Events genascht… - Teil III 16.09.2007
Auf WurzelWerk Events genascht… - Teil II 08.09.2007
Auf WurzelWerk Events genascht… - Teil I 09.06.2007
WurzelWerk's winterliche Blubbertöpfe - Teil II 03.03.2007
WurzelWerk's winterliche Blubbertöpfe - Teil I 24.02.2007
Lebkuchen 16.12.2006
WurzelRezepte 21.11.2006
Dem WurzelWerk in die Kochtöpfe des Sommers geschaut 05.08.2006
Beltaine 29.04.2006
Imbolc in der Küche - Teil II 28.01.2006
Imbolc in der Küche - Teil I 21.01.2006
Kürbis bis zum Abwinken 30.10.2005
Gold in der Küche - Das Safrankochbuch 30.07.2005
Grüne Magie 14.05.2005
Kartoffeln 05.02.2005
Kulinarisches Liebeslust-ABC - Teil III 28.08.2004
Kulinarisches Liebeslust-ABC - Teil II 31.07.2004
Kulinarisches Liebeslust-ABC - Teil I 17.07.2004
WurzelWerk´s herbstliches Hexen-Menü 15.11.2003
Die kanarische Küche - makrobiotische Inselkost 20.09.2003
So ein Holler 05.07.2003
Die Kunst des Räucherns - Teil II 24.05.2003
Brot-Meditation 05.04.2003
Die Kunst des Räucherns - Teil I 01.03.2003
Die Küche rund um Yule 14.12.2002
Ukrainische Weihnachtsgerichte 07.12.2002
Ritual-Kuchen-Küche 01.12.2002
Vom magischen Prozess des Kochens 21.09.2002
Paska - Ukrainisches Osterbrot 30.03.2002
Frühlingsanfang und Ernährung 23.03.2002
Hirse/Apfel-Auflauf 19.01.2002
Heidensterz & Kürbissuppe 27.10.2001





              
                   
              



    

© WurzelWerk · 2001-2017