Vom magischen Prozess des Kochens
Immer wieder werde ich in meiner Tätigkeit als Köchin in einer Lebensgemeinschaft, die zugleich Raum für Seminargruppen anbietet, nach diversen Kochrezepten gefragt.
Jedes Mal muss ich aufs Neue den Kopf schütteln und sagen, dass das für mich nicht möglich ist, da das Resultat meiner Stunden in der Küche sich nicht einfach durch ein Rezept "Man nehme 1 kg..." erklären lässt.

Nun denn, was erzähle ich, was gebe ich auf solche Fragen zur Antwort?
Anhand eines durchschnittlichen lalitiensischen Menüs möchte ich hier meine Art zu Kochen, meine Art Lebensmittel miteinander zu vermengen, zu vermischen, erklären.
09.30 Morgens: Ich bespreche mit der Chefin des Gemüsegartens, die zugleich auch meine Begleiterin durch Dick und Dünn hier ist, was im Garten ansteht. Da wir versuchen, möglichst selbstversorgerisch zu leben, ist das natürlich Punkt Nummer eins. Damit ist die wichtigste Basis für mich abgedeckt: Ich bevorzuge stets das zu essen, was mir die Erde hier und jetzt anbietet. Durch die Monate habe ich die Erfahrung gemacht, dass diese Form der Ernaehrung meinem Körper am besten bekommt. Gut, heute haben wir eine Menge grosser Zucchini, reife, ja fast überreife Tomaten, des weiteren Auberginen, Frühlingszwiebel und jede Menge Kräuter. Petersilie, Schabziegerklee, Basilikum, Oregano und Schnittlauch. Noch dazu gibt es ein paar frische Bohnenschoten, aber nicht genug, um ein Hauptgericht daraus zu kreiren und natürlich Salat in allen Variationen.
Eine Stunde später habe ich sämtliches Gemüse schnittfrisch auf meiner Arbeitsbank. Dann ein Blick aus dem Fenster - wie ist das Wetter? Es ist warm, aber nicht wirklich heiss. Ich pendle zwischen Gazpacho, der kalten spanischen Tomatensuppe oder einer warmen Zucchinisuppe. Die Entscheidung fällt zugunsten der warmen Suppe aus, da sie den Körper einfach besser aufwärmt. Es sieht ein wenig nach Regen aus, und ich möchte nicht schuld an den kalten Füssen und Händen sein, die durch die kalte Tomatensuppe auftreten könnten. Die Tomate ist bekanntlich im Sommer erntereif und ist damit ein Gemüse, das den Körper abkühlt. Dann ein Blick in den Gruppenraum - wie ist die Energie der Gruppe? Ist die Energie eher niedrig, würze ich gerne ganz ordentlich, um die Energie in Schwung zu bringen. Habe ich den Eindruck, dass die Energie der Gruppe schon am Kochen ist, bevorzuge ich Gemüse eher zu kochen als zu braten oder zu grillen, da das Kochen eine sanftere Zubereitungsart ist und dem Körper weniger Feuerenergie zuführt.
Das Menü wird also aller Voraussicht nach aus Zucchinisuppe, Auberginen im Ofen, Bulgur mit Bohnenschoten, Joghurtsoße und Salat bestehen. Zusätzlich gibt es einen kleinen Brombeerkuchen - für die Süßen...
Nun gut, 2 Leute zum Brombeerpflücken gefunden... alles organsiert und los geht es.


Der Brombeerkuchen

Für gewöhnlich beginne ich mit den Kuchen, da sie die meiste Zeit im Rohr benötigen und ausserdem auch noch auskühlen sollten.
Eier und Zucker aufschlagen. Immer wieder bin ich begeistert von den Blubberblasen, die die Masse nach einer Zeit des Rührens wirft. Da es sich um einen Kuchen für die Gruppe handelt, die immer noch im Aufbau begriffen ist, die ihre Arbeit hier erst vor zwei Tagen begonnen hat, bevorzuge ich die Masse nach rechts zu rühren, um Energie aufzubauen. In der aufgeschlagenen Masse kann ich schon die Dekoration der Kuchen erkennen, ein netter Hinweis, den ich gerne wahrnehme. Das Mehl als die Basis, das nährende Element - gegeben von Mutter Erde, aus den Weizenfeldern, in denen ich letztes Jahr mein Lammas gefeiert habe... Fast werde ich sentimental, als ich bemerke, wie die Zeit hier voranschreitet, denn schon wieder ist es Zeit, das Korn zu schneiden!
Gut, ab ins Rohr. Die Kraft des Feuers beginnt einzudringen, lässt die Eier stocken, das Mehl und das Backpulver aufgehen und färbt die Obstmasse an der Oberflaeche goldbraun. Jedes Mal, wenn ich einen Kuchen aus dem Rohr nehme, staune ich wieder über diesen magischen Prozess der Umwandlung. Das Selbe passiert mir mit dem Backen von Brot, das steht haber heute zum Glueck nicht an!


Die Auberginen

Danach die Auberginen! Eine liebe alte Dame im Dorf unten macht hier den besten Ziegenkäse, den ich jemals gegegessen habe. Natürlich stammt der von ihren eigenen Ziegen, die ihr Mann und ihre Schwager seit 40 Jahren jeden Tag, jahrein, jahraus, hüten.
Der Ziegenkäse kommt auf die im Ofen vorgebräunten Auberginen. Vorher noch ein bisschen Salz drauf, drunter das Olivenöl, das hier in der Gegend hergestellt wird. Das Salz hat den Effekt, dass es den etwas bitteren Geschmack der Auberginen nimmt. Oben drauf zu guter Letzt noch ein Scheibchen Tomate und ein "Chimi-CHurri" - argentinischer Ausdruck für scharfe Kräuterdressings aller Art - Hauptsache, Knoblauch und Chili ist drinnen.
Beim Hacken von Petersilie und Schnittlauch, muss ich lachen. Dieses Frühjahr haben wir die Erde vorbereitet. Geflucht haben wir alle, lieber wollten wir eine Saison ohne Kräuter und Gemüse leben, als uns wochenlang im Riesengarten abzuquälen. Dann das wochenlange Warten, ob denn die Samen aufgehen würden oder nicht. Ein weiterer Kälteeinbruch und weiter warten... Dieses Jahr fiel das Keimen der Samen tatsächlich mit Ostara zusammen, was für Spanien allerdings sehr spät ist. Den ganzen Frühling haben wir das Wachsen der Pflanzen mitverfolgt, die ersten Sprossen, die ersten Blüten, die ersten Früchte. Es ist so wunderschön, zu wissen, was man denn da in der Küche bearbeitet. Die eine Tomate, die schon seit sie angefangen hat zu wachsen, so komisch schrumpelig war und der Paprika, der sich einfach immer wieder durch den Halt gebenden Draht hinausgeschlängelt hat.


Die Zucchinisuppe

Danach geht es an die Zucchinisuppe, die sehr wenig Zeit benötigt. Zucchini in grobe Ringe schneiden und mit wenig Salzwasser aufkochen. Dazu werfe ich noch ein paar Zehen Knoblauch dazu und Salz, damit das Gemüse schnell sein Wasser verliert. Wenn die Zucchini weich sind, gebe ich ein wenig abgeschöpfte Sahne der hauseigenen Milch dazu, wer Milchprodukte weniger schätzt, kann das natürlich auch weglassen. Des weiteren einen guten Bund Petersilie, ohne weiters können auch die Stengel verwendet werden. Dann alles mit dem Mixstab durchpürieren. Für ganz Feine empfehle ich das Hinzufügen einiger Butterflöckchen.
UND fertig...


So sieht also einer meiner Tage in der Küche aus.
Je nach Stimmung, Wetter, Gruppenenergie und Verfügbarkeit entscheide ich mein Menü. Das Wichtigste für mich ist, mich den äusseren Gegebenheiten anzupassen und so bewußt mit dem Energiestrom zu fliessen.


Brighid


Yule - auch für die Sinne 03.12.2016
Es grünt so grün ... und die Bäume schlagen auch aus - Teil II 07.05.2016
Es grünt so grün ... und die Bäume schlagen auch aus - Teil I 26.03.2016
Meine blutroten Lieblingsknollen – Ronen 24.10.2015
Die Backschule - Teil III 12.07.2015
Kraftsuppen – oder wie ich meiner Grippe den Laufpass gebe 28.03.2015
Die Backschule Teil II 20.12.2014
Die Backschule - Teil I 20.09.2014
Fisch und Meeresfrüchte für jeden Geschmack 28.06.2014
Haaaaatschi - Teil I 08.03.2014
Tapas & Empanadas – klein aber oho! 23.11.2013
Kohl 31.08.2013
Hurra, es wird Frühling oder doch nicht? - Teil II 28.04.2013
Hurra, es wird Frühling oder doch nicht? - Teil I 30.03.2013
Es kann nicht nur einen Teller geben - Teil II 29.12.2012
Es kann nicht nur einen Teller geben - Teil I 08.12.2012
Ab auf den Grill 18.08.2012
Der Sommer naht – es ist Zeit für Mediterranes! 23.06.2012
Rucola 09.06.2012
Ostereier in der Küche 17.03.2012
Chinakohl 11.02.2012
Vieeel zu heiß – es ist vieeel zu heiß … 03.09.2011
Veronika der Lenz ist da oder Spargel hier und da und überall - Teil II 14.05.2011
Veronika der Lenz ist da oder Spargel hier und da und überall - Teil I 07.05.2011
Auf dem Yule Markt 2010 genascht 19.03.2011
Die große Covenküche - Teil V 25.12.2010
Maroni für die kalten Tage 21.08.2010
Nori, Nori, Nori 29.05.2010
Oh, du süße Mandarine! 08.05.2010
Die große Covenküche - Teil IV 31.10.2009
Die große Covenküche - Teil III 26.07.2009
Die große Covenküche - Teil II 10.05.2009
Die große Covenküche - Teil I 31.01.2009
Kürbis bis zum Abwinken Teil II 01.11.2008
Ein Garten voller Zucchini Teil II 19.07.2008
Ein Garten voller Zucchini Teil I 05.07.2008
Bärlauch 26.04.2008
Frühling! Sprossen sprießen! - Teil II 23.02.2008
Frühling! Sprossen sprießen! - Teil I 16.02.2008
Zwetschken, Zwetschgen oder doch Pflaumen 17.11.2007
Auf WurzelWerk Events genascht… - Teil III 16.09.2007
Auf WurzelWerk Events genascht… - Teil II 08.09.2007
Auf WurzelWerk Events genascht… - Teil I 09.06.2007
WurzelWerk's winterliche Blubbertöpfe - Teil II 03.03.2007
WurzelWerk's winterliche Blubbertöpfe - Teil I 24.02.2007
Lebkuchen 16.12.2006
WurzelRezepte 21.11.2006
Dem WurzelWerk in die Kochtöpfe des Sommers geschaut 05.08.2006
Beltaine 29.04.2006
Imbolc in der Küche - Teil II 28.01.2006
Imbolc in der Küche - Teil I 21.01.2006
Kürbis bis zum Abwinken 30.10.2005
Gold in der Küche - Das Safrankochbuch 30.07.2005
Grüne Magie 14.05.2005
Kartoffeln 05.02.2005
Kulinarisches Liebeslust-ABC - Teil III 28.08.2004
Kulinarisches Liebeslust-ABC - Teil II 31.07.2004
Kulinarisches Liebeslust-ABC - Teil I 17.07.2004
WurzelWerk´s herbstliches Hexen-Menü 15.11.2003
Die kanarische Küche - makrobiotische Inselkost 20.09.2003
So ein Holler 05.07.2003
Die Kunst des Räucherns - Teil II 24.05.2003
Brot-Meditation 05.04.2003
Die Kunst des Räucherns - Teil I 01.03.2003
Die Küche rund um Yule 14.12.2002
Ukrainische Weihnachtsgerichte 07.12.2002
Ritual-Kuchen-Küche 01.12.2002
Vom magischen Prozess des Kochens 21.09.2002
Paska - Ukrainisches Osterbrot 30.03.2002
Frühlingsanfang und Ernährung 23.03.2002
Hirse/Apfel-Auflauf 19.01.2002
Heidensterz & Kürbissuppe 27.10.2001



              
                   
              



    

© WurzelWerk · 2001-2017