Julfest   Teil I

Diesmal haben wir einen ganz besonderen Zweiteiler gespendet bekommen. Sardonnyx hat uns aus seiner ganz persönlichen Praxis Informationen zum Julfest zusammengetragen. Familienpraxis wie sie gelebt wurde ...

Vorbereitungen und Utensilien

Julbock – ein aus Stroh geflochtener Ziegenbock, auf dessen Rücken die Julgeschenke liegen.

yulelogJulklotz – ein Stück Holz aus dem Wald, welches im Julfeuer verbrannt wird. Mit der Asche des Feuers wird symbolisch der Garten und das Feld gedüngt, um für Fruchtbarkeit und Gesundheit des Viehs zu sorgen.

Symbole – es soll jeder für sich selbst ein persönliches Symbol finden und eines, welches für ihn die Gemeinschaft darstellt, soll von allen gefunden werden.

Julklapp – die verpackten Julgeschenke; am besten ein jedes mit einem kleinen Vers versehen, welcher an denjenigen gerichtet ist, dem das Geschenk zukommen soll.

Julzweige – Stechpalme, Efeu, Eibe,

11.12 (Sa.) – Abend Beginn Schattenarbeit, Federhalter

09.12. (Do.) – Abend Beginn Aufarbeitung, Innenarbeit

18.12. (Sa.) – Rückführung

Julsäule – wird bis Jul geschnitzt und am heiligen Platz aufgestellt

Julplätzchen – kleine Haferkekse mit einem Loch in der Mitte und acht Speichenkerben für das Jahresrad


Was ist Jul?!

Das Julfest ist, ähnlich wie das keltische Samhain, auch ein Totenfest, ein Fest, bei welchem die Ahnen, die Schatten der Vergangenheit, die Ängste und die Furcht, zusammen mit der Familie an einem Tisch sitzen. In vielen Gegenden werden auch an einem speziellen Tag während des Julfestes die Trolle, die Bewohner der Unterwelt und des Totenreiches ins Haus eingeladen.

Das Julfest ist eigentlich kein spezieller Tag, sondern eine Zeitdauer des Friedens zwischen allen Sippen und Familien - und des gemeinsamen Feierns, Essens und Trinkens. Es beginnt mit dem Abend des 12. Dezember und endet am Abend des 13. Januar.

Maunsmass, Neumond (12. Dezember), Abends, Beginn der Julzeit.

An diesem Tag kommen normalerweise die letzten Gäste an, die mit der Familie verwandt sind. Früher legten Alle, die Besucher und die Bewohner des Hofes, vor dem Eintritt ins Haus die Waffen ab, welche in einem separaten Raum abgelegt wurden. Den Schlüssel zu diesem Raum bekam die Hausherrin – aus dieser Handhabung soll sich der Begriff der „Schlüsselgewalt“ ursprünglich ableiten. Die nächsten 2 Tage und Nächte werden mit Erzählen von Geschichten und dem Austausch von Neuigkeiten verbracht; Essen und Trinken soll zwar reichlich sein, jedoch schlicht.

Thule´s Tag, 14. Dezember, Abends, Die Ankunft der toten Ahnen

An diesem Abend kommen die Ahnen aus dem Totenreich und besuchen die Lebenden. Werden sie freundlich empfangen und bewirtet, so bleiben sie über die Julzeit und raunen uns in Träumen alte Geschichten, schützen Hof und Haus vor ungebetenen Besuchern. Dies ist auch die Zeit mit den Ahnen seinen Frieden zu machen und die Zeit für die Frauen der Sippe, die schwanger sind, jene Ahnen, die wiedergeboren werden wollen, einzuladen. Es wird ein Mahl zu ehren der Toten abgehalten, beim welchem auch der „geistreiche“ Trunk nicht zu kurz kommen sollte. An diesem Abend werden ausserhalb des Hofes Lichter an Gräber oder Ahnenstätten gestellt, um denen, die etwas später kommen, den Weg zu weisen.

Dies ist ebenfalls der Tag, an dem die Trolle an die Oberwelt kommen und nicht gerade gut gelaunt sind. Wenn man sich draussen in der Nacht bewegt, sollte man sich der Begleitung eines oder mehrerer Ahnen versichern oder einen Gegenstand bei sich tragen, der einst von einem Ahnen an die Familie übergeben wurde – dies schützt vor unliebsamen Begegnungen mit den Trollen. Wenn man nicht aufpasst und dies nicht beachtet, können einen die Trolle mit einer Krankheit belegen.

Dies ist der erste Tag, den man als die „Zeit des Krieges“ zwischen Winter und Sommer bzw. zwischen der Dunkelheit und dem Licht, bezeichnet.

Hel2Hels Tag, 15. Dezember, Abends, Die Ankunft von Hel

An diesem Tag geht die Herrscherin über Leben und Tod übers Land. Sie sucht alle Höfe und Häuser auf und sammelt jene Kinder um sich, die in dieser Tage sterben werden. In dieser Nacht sind nur jene Kinder geschützt, welche von der ältesten Mutter unter ihre Fittiche genommen werden. Gleichzeitig ist die Ankunft von Hel ein Versprechen, das jene Kinder, die in dieser Nacht sterben, übers Jahr wiedergeboren werden – Hel holt sie nur zu sich, um sie wieder am Thule´s Tag in die Sippe zurückzubringen. Dies erspart ihnen Leid und Schmerzen und so ziehen sie voller Freude mit ihr zusammen übers Land.

Die älteste Mutter der Sippe oder der Familie hält in dieser Nacht eine besondere Zeremonie ab. Sie geht von Wiege zu Wiege, von Bett zu Bett, segnet die Kindeskinder und heißt gleichzeitig Hel willkommen, auf das jene Kinder, die krank sind, entweder geheilt oder von Hel auf ihrer Reise in der Oberwelt - der Wilden Jagd in den Rauhnächten - mitgenommen werden, auf das sie keine Schmerzen mehr leiden. In einer Schrift von 725 wird ein spezieller Trunk erwähnt, welcher von der ältesten Mutter gebraut und jenen Kindern und Säuglingen – aber auch Müttern! - gegeben wurde. Er nahm ihnen die Schmerzen und sie konnten sich entscheiden, ob sie mit Hel nach der wilden Jagd in die Unterwelt gehen oder ob sie in der Oberwelt bleiben wollten.

Sau Tag, 17. Dezember, Abends, Tag des Festschweines

freyaDa jegliches Blutvergiessen in der Julzeit verboten war, wurden alle Tiere, die gegessen oder geopfert werden sollten, vorher geschlachtet. In früheren Zeiten wurde dies mit den Menschenopfern genauso gehandhabt; alle Opfergaben wurden auf einem speziell dafür auf 4 Säulen errichteten Podest „zwischengelagert“.

Der Tag des Festschweins ist zum einen der Tag der Götter Freya und Freyr, denen beiden ein Eber zugeordnet ist (Hildiswin und Gullinborsti). Zum anderen steht diese Tag symbolisch für den Eber Saehrimnir, dessen Name übersetzt Kohlenruß bedeutet – dieses Schwein wird jeden Tag in Walhal von neuem in einem Kessel gekocht und gegessen, und es erneuert sich über den Tag bis zum Beginn der Nacht (also dem Beginn des neuen Tages!) wieder das lebende Schwein entstanden ist und erneut in den Kessel wandert. Die Tradition, das man einem Schwein, welches auf die Tafel kommt, einen Apfel ins Maul steckt, stammt ebenfalls vom Sau-Tag: Der Apfel symbolisiert das Herz des Schweins bzw. ist die Frucht Idun zugeordnet, der Apfel steht für Verjüngung und Wiedergeburt.

Der Eber Gullinborsti (erschaffen von den Zwergen Brokk und Eitri) steht auch als Symbol für die Sonne, er kann schneller rennen wie jedes andere Waldtier und er glänzt in einem goldenen Licht, welches jeden Schatten überstrahlt und die Nacht zum Tag werden lässt.

Ein zum Sau-Tag entsprechend hergerichtetes und serviertes Schwein, bedeutet die Darstellung der mit der Dunkelheit kämpfenden Sonne und die Hoffnung auf den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit. Der Schweinekopf samt dem Apfel ist ein Ehrenmahl und wird vom Hausherrn demjenigen aufgetischt, der der Sippe übers Jahr am meisten Ehre gemacht hat.

Tammasmass, Zunehmender Halb-Mond (18. Dezember), Der Beginn des Friedens

An diesem Tag darf nach Mondaufgang bis Monduntergang nichts gearbeitet werden. Ebenfalls sind keine ausgelassenen Feste mit Musik und Tanz erlaubt. Dieser Tag soll dazu dienen, das jeder einzelne in sich geht, Ruhe findet um sich auf das anstehende Jul-Fest und die längste nacht des Jahres vorzubereiten.

Speziell an diesem Tag ist das Spinnen und weben verboten, in manchen Gegenden für weitere 5 Tage nach Tammasmass – dies deswegen, damit sich die Schicksalsfäden der Lebenden und der Toten nicht miteinander vermischen; Tote sich für Lebendig halten oder Lebende vor ihrer Zeit von der wilden Jagd in die Unterwelt mitgenommen werden.

Ebenfalls verboten ist ab diesem Tag bis nach Jul das Backen und Brauen. Dieses Verbot lässt sich darauf zurückführen, das sowohl gärender Brotteig als auch gärende Maische als etwas Lebendiges angesehen wurde. In beides könnten Totengeister, Trolle oder anderes Geziefer einfahren, mit dem Genuss solcher Speisen in den Körper der Menschen eindringen und ihn krank oder irre machen.


Ende Teil I


Sardonnyx


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