Thelemitische Ethik 101   Teil I

Tawsi Al-Khidr hat sich ein paar Gedanken zum Thema der thelemitischen Ethik gemacht. Crowleys Liber Al, bei vielen, die sich mit Magie beschäftigen, ein Standardwerk, dient ihm dabei als Grundlage seiner Überlegungen. Anufa durfte seinen Text fürs WurzelWerk übersetzen. Herzlichen Dank für die ArtikelSpende!

Liber Al wurde am Anfang Liber L genannt, was wohl viele wissen. Damit ist einer der grundlegendsten Hinweise auf seinen Inhalt, dass dieser etwas mit dem Buchstaben „Lamed“, der Karte „Ausgleichung“ der Großen Arkana, der Verbindung zwischen den Sephira Tiphareth (Schönheit) und Geburah (Macht). Das bedeutet, dass Liber L einen Weg der Balance zwischen dem Schönen und dem Gebrauch der Macht, solar-martial beschreibt und sich um Gerechtigkeit dreht. Die Balance ist in diesem Sinne karmisch, als Aktion-Reaktion – kein esoterisches Mischmasch „karmisch“ - sondern einfach die Folgen des eigenen Handelns. Es wird auch „Das Buch des Gesetzes“ genannt.
Grundlegend gibt es zwei Arten von Gesetzen: Naturgesetze und ethische Gesetze. Naturgesetze können sowieso nicht gebrochen werden. Man bekommt keinen Strafzettel für das Bewegen mit Überlichtgeschwindigkeit – das geht einfach nicht. So beschreibt Liber L nicht einfach Gesetze dieser Art der (menschlichen) Natur, seine grunlegende Aussage ist die eines ethischen Gesetzes. Daraus können wir schließen, dass die wichtigsten Sätze und Absätze diejenigen sind, die das Wort „Gesetz“ enthalten, weil sie die Bezugnahmen des „Book of Law“ auf sich selber und auf seinen Erschaffungsgrund.

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Diese Sätze sind


I/33
Dann fiel der Priester in eine tiefe Trance oder Verzückung und sagte zur Königin des Himmels; schreibe in uns die Prüfungen; schreibe in uns die Rituale; schreibe in uns das Gesetz!

I/34
Aber sie sagte: die Prüfungen schreibe ich nicht; die Rituale sollen halb kenntlich und halb verborgen sein; das Gesetz ist für alle.

I/35
Das welches du schriebst ist das dreifache Buch des Gesetzes.

I/39
Das Wort des Gesetzes ist THELEMA.

I/40
Derjenige, der uns Thememiten nennt, wird nichts falsch machen, wenn er nur tief in das Wort schaut. Denn es gibt darin drei Stufen, der Einsiedler, der Liebende und der Mann der Erde. Tue das was du willst, soll das ganze Gesetz sein.

I/46
Nichts ist der geheime Schlüssel zu diesem Gesetz. 61 nennen es die Juden, ich nene es 8, 80, 400 und 18.

I/57
Rufe mich an unter meinen Sternen! Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen. Lass die Narren Liebe nicht missverstehen; denn es gibt Liebe und Liebe. Es gibt die Taube und es gibt die Schlange. Wähle gut! Er, mein Prophet, hat gewählt, im Wissen um das Gesetz der Festung und um das Geheimnis des Gotteshauses.

II/21
Wir haben nichts mit dem Verstoßenen und dem Unfähigen (gemein): lasst sie in ihrem Elend sterben. Denn sie fühlen nicht. Mitgefühl ist das Laster der Könige: zertritt die Elenden und die Schwachen: das ist das Gesetz der Starken: das ist unser Gesetz und die Freude der Welt. Denke, oh König, nicht über diese Lüge nach: Dass Du Sterben Musst: denn wahrlich, du wirst nicht sterben, sondern leben. Nun verstehe: Wenn der Körper des Königs vergangen ist, dann verbleibt er ewig in reiner Extase. Nuit! Hadit“ Ra-Hoor-Khuit! Die Sonne, Stärke und Blick, gehören den Dienern der Sterne und der Schlange.

II/38
Ein Fest für die drei Tage der Gesetzesschreibung.

III/9
Beobachten! Zurückziehen! Auf sie! Das ist das Gesetz der Eroberungsschlacht: das soll meine Andacht über mein geheimes Haus sein.

III/39
All das und ein Buch, das beschreibt, wie du hierher gekommen bist und eine Nachbildung von Tinte und Papier für alle Zeiten – denn darin ist das Wort geheim und nicht nur im Englischen – und dein Kommentar dazu das Buch des Gesetzes soll wunderschön gedruckt werden, in roter und schwarzer Tinte auf wunderschönem handgeschöpftem Papier; und jedem Mann und jeder Frau die du triffst, sei es um bei ihnen zu essen oder zu trinken, gib ihnen das Gesetz. Dann sollen sie riskieren diese Extase zu ertragen oder nicht; es ist keine Gewinnchance. Tue das rasch!

III/60
Es gibt kein Gesetz über „Tue was Du willst“ hinaus.

III/63
Der Narr liest dieses Buch des Gesetzes und seinen Kommentar und er versteht es nicht.

Da Liber L, unter anderen Dingen, ein Text über Ethik ist, müssen wir erforschen ob ein direkter oder indirekter Zusammenhang besteht, ob es unter irgend einem Umstand der („gesetzestreue“) Wille einer Person sein kann, jemanden zu vergewaltigen oder zu töten. Damit ist ein kleiner Exkurs in die Definition von Vergewaltigung und Mord nötig.

„Mord“ bedeutet jemanden zu töten ohne sich selbst oder andere Grundrechte verteidigen zu müssen. Die Frage ist nicht, ob es jemandes Wille sein könnte jemand anderes zu töten – natürlich könnte das sein. Wenn beispielsweise ein Einbrecher mein Haus betritt ,nicht flüchtet, wenn ich auftauche, er damit meine Familie bedroht und die einzige Möglichkeit die ich habe ihn zu stoppen Gewalt mit tödlichem Ausgang ist. Dann werde ich das tun! Das ist dann aber Selbstschutz und kein Mord. Darüber sprechen wir hier nicht.
„Vergewaltigung“ ist der vorsätzliche Bruch der Einvernehmlichkeit in einer sexuellen Interaktion. Das bedeutet, dass mein(e) Partner nicht die Möglichkeit hatte sich zu entscheiden mit mir diese Beziehung einzugehen oder nicht. „Bruch der Einvernehmlichkeit“ bedeutet, dass ich, indem ich den klar kundgetanenen Willen meiner/s Partners missachte, diesen/m die Möglichkeit nehme, „nein“ zu sagen.
In einigen verwirrten Gesetzen einiger Länder wurde Vergewaltigung in überbordender Weise, neu definiert. Wie es zum Beispiel in Skandinavien möglich ist, dass jemand Vergewaltigung geltend machen kann, obwohl sie zugestimmt haben aber später zu der Erkenntnis kamen, dass sie eigentlich nicht wirklich Sex haben wollten. Oder auch einige angelsächsische Gesetze, die konstatieren, dass wenn Personen Sex haben und dabei wirklich betrunken sind, der Mann immer ein Vergewaltiger und die Frau ein Opfer ist. Das wäre keine Vergewaltigung sondern das Werk viktorianischer Werte. Darüber sprechen wir hier auch nicht.


Ende Teil I


Tawsi Al-Khidr


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